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Wenn Medien zum Selbstzweck werden...

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
Hi erstmal,

vielleicht kennt ja der eine oder andere das, daß man sich mit einem bestimmten Medium (Radio, Fernsehen, Internet, Zeitung, Sprache, Kunst, etc.) oder auch gleich mit mehreren auf einmal um seiner bzw. ihrer Selbstwillen beschäftigt. Nicht, daß ich das selber niemals täte...

Mich beschäftigt momentan die Frage, ob nicht häufig der Sinn bzw Inhalt auf der Strecke bleibt. Damit meine ich nicht, ob die Qualität von Inhalten nachläßt, das will ich hier mal ungewertet außen vorlassen.

Mir geht es mehr um dieses Phänomen, daß man

- einfach mal den Fernseher einschaltet un rumzapped
- ziellos im Internet herumsurft
- wegen der Geräuschkulisse das Radio laufen läßt
- aus purer Langeweile zu irgendeiner Zeitschrift greift

Es gibt Menschen die sogar das Medium Sprache nur um seiner Selbstwillen verwenden.
Das ganze dient oft nur der Kurzweil, dem Amüsement, der qualvollen Abtötung von Zeit...

Wie nehmt ihr das wahr?
Sind Medien eher Mittel oder Selbstzweck?

adfag
 

Leviathan

Geheimer Meister
26. Februar 2003
268
Sinnloses Geschwätz wird z.B. im Buddhismus als nicht-tugendhafte Tat (="Sünde") bezeichnet. Damit ist reines oberflächliches Geplapper ohne jeden Zweck gemeint. Man kann es auch tun, indem man mit sich selbst spricht. Zum seichten Geschwätz zählt das Reden über Kriege oder das Geschwätz über die Fehler anderer, aber auch das Konsumieren trivialer Bücher oder Fernsehsendungen.
Meiner Meinung nach sind 95% der Fernsehsendungen in diese Kategorie einzuordnen. Man kann heut kaum noch eine Spiegel-TV-Reportage von Explosiv o.ä. unterscheiden.
80% aller Nachrichten betreffen Krieg, Gewalt und Zerstörung. Der Rest ist für Politik und Sport reserviert. Kein Wunder, dass das Volk dumm bleibt.
Beispiel im Moment: Der Kanibalen-Prozess. Warum zum Teufel soll diese Tat von Interesse für die Öffentlichkeit sein? Ist vielleicht die Mehrheit der Info-Junkies einfach nur gewalt- und blutgeil? Mich langweilt sowas schrecklich...
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
deLaval schrieb:
Sind Medien eher Mittel oder Selbstzweck?
Beides.

Ich seh da nicht so das Problem drin. Wenn ich mich ablenken kann, indem ich Informationen auf mich niederprasseln lasse - warum nicht ? Ob sinvoll oder nicht, wer bestimmt das?

Informationen, die mich nicht interessieren bzw die ich nicht auffassen möchte, schalte ich halt weg oder gar nicht erst ein.

Meiner Meinung nach gibt es sowas wie "sinnloses Geschwätz" in Reinstform gar nicht. Es gibt vielleicht sowas wie "Informationen mit geringen Verwertungswert" - was für die einen dasselbe ist wie sinnloses Geschwätz, für Leute mit geringer Auffassungsgabe hingegen sinnvoll erscheinen mag.
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
Woppadaq schrieb:
Ich seh da nicht so das Problem drin. Wenn ich mich ablenken kann, indem ich Informationen auf mich niederprasseln lasse - warum nicht ? Ob sinvoll oder nicht, wer bestimmt das?
Das Bestimmt jeder für sich selbst, also könntest du mir gleich mal als Beispiel dienen.
Welchen Sinn hat es für dich, "Informationen auf dich niederprasseln zu lassen um dich abzulenken"?
Hälts du Zerstreuung für sinnvoll? Warum?
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
Zerstreuung kann einen helfen, Probleme zu vergessen.

In der DDR waren die Zerstreuungmöglichkeiten minimalst, so daß man sehr schnell depressiv werden konnte, ohne genau sagen zu können wieso. Ich hab das jedenfalls an mir beobachtet. Nach der Wende und dem Fall der Mauer waren die Ablenkungsmöglichkeiten riesig, so daß man vor irgendwelchen Problemen quasi "flüchten" konnte, was sehr angenehm war.

Hier liegt natürlich auch die Gefahr, die grundsätzlich immer da ist - daß man vor lauter Flucht nicht mehr zurückfindet. Diese Gefahr ist aber genauso groß wie die Gefahr, daß man vor lauter absichtlicher Nicht-Zerstreuung dann zu eingefahren wird.
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
Sollte man Probleme nicht eher lösen, als vor ihnen zu fliehen?
OK, Brot und Spiele sind ein tolles Prinzip um ein Volk zu regieren, aber ...
Ich weiß nicht, aber ich erwarte mehr vom Leben, als daß die Zeit einfach "zerstreut" an mir vorbei fliegt.
Genug Polemik.
Meinst du, es würde die DDR noch geben, wenn man dort die Möglichkeit zu mehr Ablenkung gehabt hätte?
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
deLaval schrieb:
Sollte man Probleme nicht eher lösen, als vor ihnen zu fliehen?
Manchmal gibt es auch Probleme, die man nicht lösen kann.
Oder nicht sofort lösen kann.
Die sich aber in die Seele graben und ein Tanz mit einen veranstalten.
Da ist Ablenkung schon manchmal ganz hilfreich.

Ich weiß nicht, aber ich erwarte mehr vom Leben, als daß die Zeit einfach "zerstreut" an mir vorbei fliegt.
Vernünftige Einstellung.

Allerdings: zwischen einem Kinobesuch und irgendeiner sinnvollen Hilfeaktion für irgendjemand anderen ist da kaum ein Unterschied - du lenkst dich so oder so damit von deinen Problemen ab.
Inwiefern die eine Aktion sinnvoller ist als die andere, ist auch so eine Frage. Kann sein, daß dir für deine Hilfeaktion nicht gedankt wird, sie sich am Ende vielleicht sogar als falsch erweist. Kann genauso gut sein, daß der Film etwas in dir bewegt, was du so vorher an dir nicht bemerkt hast. Geht mir jedenfalls bei manchen Filmen so.

Meinst du, es würde die DDR noch geben, wenn man dort die Möglichkeit zu mehr Ablenkung gehabt hätte?
Das mit der fehlenden Ablenkung war ein Problem von vielen. Es gab dort dafür andere Ablenkungsmöglichkeiten. Aber die Probleme,die zur Wende führten, waren schon akut.

Man konnte jahrelang an die Schwarzmeerküste fahren und so tun, als sei man auf Ibiza.
Man konnte jahrelang in die Hohe Tatra fahren und so tun, als sei man in den Alpen.
Man konnte jahrelang nach Ungarn fahren und irgendwelches Westzeugs abstauben und so tun, als gäbs den Sozialismus gar nicht.

Erst als man all das ganz plötzlich nicht mehr konnte, hatten die Leute die Faxen ganz plötzlich aber sowas von dicke - so entstand die Novemberrevolution.
 

agentP

Ritter Kadosch
10. April 2002
5.361
Ich kapier nicht so ganz worauf du raus willst, glaube ich. Frägst Du, ob die Leute es o.k. finden, daß man die Medien zur Unterhaltung nutzt, anstatt als reine Informationsquelle. Oder meinst du mit Selbstzweck die Tatsache, daß die Medien gar nicht mehr zwangsläufig nach aussen agieren, sondern zum Teil komplett selbstreferenziell, wie zB bei DSDS.
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
agentp schrieb:
Ich kapier nicht so ganz worauf du raus willst, glaube ich. Frägst Du, ob die Leute es o.k. finden, daß man die Medien zur Unterhaltung nutzt, anstatt als reine Informationsquelle. Oder meinst du mit Selbstzweck die Tatsache, daß die Medien gar nicht mehr zwangsläufig nach aussen agieren, sondern zum Teil komplett selbstreferenziell, wie zB bei DSDS.
Letzteres.
Ich unterscheide schon zwischen Unterhaltung und Zerstreuung und finde es völlig in Ordnung, wenn man Medien zur Unterhaltung nutzt. Subjektiv mag ich keine Zerstreuung, und das färbt doch gelegentlich die eigene Ausdrucksweise.
Es geht mir aber auch um die Wechselwirkung von Medium und Nutzer.

adfag
 

antimagnet

Ritter Kadosch
10. April 2002
5.881
wenn du nochmal deine thesen darstellen könntest, delaval, würd ich mich gern in die diskussion einklinken. im moment fehlt mir grad die zu diskutierende kontroverse...

btw, was heißt eigentlich adfag?
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
@Antimagnet

Ich habe gar keine These. Mir geht es mehr darum meine subjektive Wahrnehmung einer Thematik mit denen anderer zu vergleichen.
Persönlich empfinde ich viele Medien als reinen Selbstzweck, deren Inhalte allenfalls noch symbolischen Charakter haben. Ebenso scheint es aber auch vielen Nutzern dieser Medien um die reine Zerstreuung zu gehen, so kommt es mir vor.
Natürlich und zum Glück gibt es Ausnahmen.
Es liegt also eigentlich weniger eine Diskussion als mehr eine Umfrage vor.
Vielleich kristalliert sich noch eine Diskussion heraus.

Also dann,
aus der Ferne alles Gute
 

antimagnet

Ritter Kadosch
10. April 2002
5.881
also, wenn du meinst, dass ein großteil dessen, was im fernsehen kommt, mit sich selbst beschäftigt, dann kann ich dir nur zustimmen...

weiß aber nicht, ob das früher groß anders war...
 
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