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Auserwählte Bauern - Sollten sie für immer aus Büchern und Filmen verschwinden?

Was sagt ihr zu auserwählten Bauern in Büchern und Filmen?

  • Schrecklich! Auserwählte Bauern sollten für immer aus Büchern und Filmen verschwinden!

    Stimmen: 0 0,0%

  • Umfrageteilnehmer
    6

Lumelora

Großmeister
6. November 2017
62
Immer wenn ich auf Blogs zum Thema "Buch schreiben" lese wird einem davon abgeraten eine Geschichte zu schreiben in der:

-Die Welt in Gefahr ist
-Es einen Auserwählten gibt
-Dieser Auserwählte dazu auserwählt ist die Welt zu retten
-Dieser Auserwählte bis er davon erfährt, dass er die Welt retten soll in einem Kuhkaff als stinknormaler Bauer oder ähnliches wohnt...
-Dieser Auserwählte dann auch los zieht um die Welt zu retten und es am Ende der Geschichte auch schafft

Es wird immer geschrieben, dass man so etwas bloß nicht schreiben soll weil es schon viel zu ausgelutscht ist und das keiner mehr lesen will...

Was sagt ihr dazu? Sollten solche Geschichten für immer von der Welt verschwinden?
Oder habt ihr nix gegen den auserwählten Bauern?
 

TheUnforgiven

Großer Auserwählter
17. Februar 2012
1.813
Also ich lese so was immer gerne...
Kommt ziemlich häufig vor... aber mir macht das nichts.
Star Wars
Herr der Ringe
Der Hobbit
Eragon
Harry Potter...
usw.
ist doch überall ähnlich und trotzdem isses gut.
 

Dirtsa

Meister vom Königlichen Gewölbe
15. Januar 2011
1.314
Kommt halt darauf an, was und für wen du schreibst.
Ob es der geheimnisvolle Auserwählte sein muss und nichts Geringeres als gleich die Rettung der ganzen Welt auf dem Spiel stehen muss, kommt halt darauf an, welches Genre du bedienen willst und für wen du schreibst.
Die Struktur der Heldenreise mit ihren klassischen Stationen und Figuren ist nicht umsonst ein etabliertes Grundmuster beim Plotten und funktioniert auch herunter gebrochen, auf jede Geschichte. Als Instrument um Dramaturgie und Spannungsbogen beim Schreiben nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht zu sehr zu verzetteln, durchaus sinnvoll.
 
Zuletzt bearbeitet:

Viminal

Großer Auserwählter
10. Juni 2009
1.956
Ich denke der eigentliche Rat lautet dass man sich nicht zu sehr in Klischees verfangen soll. Die Grundstruktur ist wie Dirtsa schon schrieb ein Klassiker, aber beim Lesen sollte einem dies gar nicht auffallen weil die Charaktere und deren Konflikte bzw. Entwicklung interessant sind.
Die auserwählte Person kann ruhig die Welt retten, aber dies darf nicht einfach dadurch geschehen dass sie auserwählt ist - es müssen schon Opfer gebracht, harte Entscheidungen getroffen und Entwicklungen durch gemacht werden.

Wenn einem aber tatsächlich nicht mehr einfällt als diese Grundstruktur, dann sollte man es in der Tat lieber sein lassen.
 

Lumelora

Großmeister
6. November 2017
62
Ich denke der eigentliche Rat lautet dass man sich nicht zu sehr in Klischees verfangen soll. Die Grundstruktur ist wie Dirtsa schon schrieb ein Klassiker, aber beim Lesen sollte einem dies gar nicht auffallen weil die Charaktere und deren Konflikte bzw. Entwicklung interessant sind.
Die auserwählte Person kann ruhig die Welt retten, aber dies darf nicht einfach dadurch geschehen dass sie auserwählt ist - es müssen schon Opfer gebracht, harte Entscheidungen getroffen und Entwicklungen durch gemacht werden.

Wenn einem aber tatsächlich nicht mehr einfällt als diese Grundstruktur, dann sollte man es in der Tat lieber sein lassen.

Klar sollte man es sein lassen wenn einem nicht mehr einfällt. Und dass die auserwählte Person und auch die anderen Charaktere schon eine interessante Entwicklung durchmachen sollten ist mir auch klar. Ich finde man kann die Geschichte des "auserwählten Bauern" auf sehr viele verschiedene Arten sehr unterschiedlich erzählen ohne, dass sie ausgelutscht wird
und auch noch viel Neues reinbringen . Aber viele Leute sind der Meinung, dass es schon ausgelutscht ist sobald überhaupt jemand als "der/die Auserwählte" bezeichnet wird. Und wenn diese Person dann auch noch Bauer ist gehört die Geschichte in den Augen vieler Leute schon fast verboten!
 

Giacomo_S

Prinz von Libanon
13. August 2003
3.419
Was sagt ihr dazu? Sollten solche Geschichten für immer von der Welt verschwinden?

Aber unbedingt!
Auserwählte finde ich schrecklich, vor allem schrecklich langweilig. Außenseiter finde ich viel spannender, vor allem dann, wenn sie wider Willen zu Helden werden. Idealerweise dann durch die Eigenschaften, die sie zu Außenseitern machen.
Gebrochene Helden finde ich auch interessant.

Oder habt ihr nix gegen den auserwählten Bauern?
Doch, denn sie sind vor allem eines: Realitätsfern. Das Problem jeder fiktiven Geschichte ist: Sie muss sich leider an die Plausibilität halten. Die Realität muss das nicht, und daher sind wahre Begebenheiten oft viel spannender.
In der Geschichte sind aus auserwählten Bauern meist nur üble Menschenschinder hervorgegangen, man denke an Stalin oder Mao.
 

Lumelora

Großmeister
6. November 2017
62
Aber unbedingt!
Auserwählte finde ich schrecklich, vor allem schrecklich langweilig. Außenseiter finde ich viel spannender, vor allem dann, wenn sie wider Willen zu Helden werden. Idealerweise dann durch die Eigenschaften, die sie zu Außenseitern machen.
Gebrochene Helden finde ich auch interessant.


Doch, denn sie sind vor allem eines: Realitätsfern. Das Problem jeder fiktiven Geschichte ist: Sie muss sich leider an die Plausibilität halten. Die Realität muss das nicht, und daher sind wahre Begebenheiten oft viel spannender.
In der Geschichte sind aus auserwählten Bauern meist nur üble Menschenschinder hervorgegangen, man denke an Stalin oder Mao.

Es kann doch ein Außenseiter auch gleichzeitig ein Auserwählter sein und das obwohl er keinen Bock hat auserwählt zu sein...
 

Dirtsa

Meister vom Königlichen Gewölbe
15. Januar 2011
1.314
Ich finde man kann die Geschichte des "auserwählten Bauern" auf sehr viele verschiedene Arten sehr unterschiedlich erzählen ohne, dass sie ausgelutscht wird
und auch noch viel Neues reinbringen .
Kannst du es?
Dann mach doch. Wer hindert dich?
Wenn du zu deinem eigenen Vergnügen schreibst, nur zu.
Wenn du Geld verdienen willst ist der Anspruch anders..
Wer schreiben kann, das Handwerk(!) des Schreibens beherrscht, und dazu gehört mehr als kreative Phantasie, kann jeden Protagonisten zum Leben erwecken. Ob der auserwählter Bauer, der Bäcker um die Ecke oder der Weckmann dem die Pfeife zerbrach, die Hauptfigur ist.
Selbst Lumelora, die von der Muse auserwählt wurde eine Geschichte mit auserwählten, Welt rettenden Bauern zu kreieren, und dem erbitterten Widerstand von irgendwelchen Blogschreibern trotzt, könnte deine Heldin sein.

Die Figur wird erst durch die Worte die du wählst interessant, durch ihr Profil, (außerlich, psychologisch, sozial), ihre Ziele, ihre Konflikte, ihre Entwicklung und Rückschläge, nicht dadurch, dass sie auserwählt ist, (von wem eigentlich?)
Keine Geschichte schreibt sich aber dadurch, dass man auf irgendwelchen Blogs herumturnt. Davon ab, ich hab jetzt mal in ein paar Autorenforen gestöbert, da sind die Themen andere als auserwählte Bauern ja oder nein.
 

Giacomo_S

Prinz von Libanon
13. August 2003
3.419
Es kann doch ein Außenseiter auch gleichzeitig ein Auserwählter sein und das obwohl er keinen Bock hat auserwählt zu sein...

Auserwählter, das klingt so mystisch. Schrecklich, damit kann ich nichts anfangen.
Als ich den ersten Matrix-Film sah, gefiel mir die Geschichte zunächst (wenn auch geklaut). Bis er an die Stelle kam, wo aus dem Helden ein "Auserwählter" wurde. Was soll das denn? habe ich mich gefragt, wozu braucht es diese mystische Kacke denn?
Vor allem, wer wählt den denn aus?

Gurus können schon mal Außenseiter gewesen sein, aber irgendwann sind sie keine Außenseiter mehr. Sie scharen einen mehr oder weniger großen Club naiver Anhänger um sich herum, die sie manipulieren, dafür werden sie von diesen kritiklos angehimmelt, was sie zu Auserwählten macht.

Eine gute Geschichte braucht keine Auserwählten. Das ist was für Schäfchen, die Gurus brauchen, damit sie bloß nicht selbst nachdenken müssen.

Außerdem:
Der Junge auf dem weißen Pferd, der kommt nicht mehr
Frauen werden nicht entführt, heut' nicht mehr
Da müsstet Ihr schon selber gehen
Und drum sag' ich's Euch noch mal allen
Und nehmt es nicht so schwer
Denn der Junge auf dem weißen Pferd, der kommt nicht mehr.
:grin:
 

Viminal

Großer Auserwählter
10. Juni 2009
1.956
Aber viele Leute sind der Meinung, dass es schon ausgelutscht ist sobald überhaupt jemand als "der/die Auserwählte" bezeichnet wird. Und wenn diese Person dann auch noch Bauer ist gehört die Geschichte in den Augen vieler Leute schon fast verboten!

Aber unbedingt!
Auserwählte finde ich schrecklich, vor allem schrecklich langweilig. Außenseiter finde ich viel spannender, vor allem dann, wenn sie wider Willen zu Helden werden. Idealerweise dann durch die Eigenschaften, die sie zu Außenseitern machen.
Gebrochene Helden finde ich auch interessant.

Solche Positionen sind aus meiner Sicht zu extremistisch wenn es Kunst aller Art geht. Nur weil man persönlich ein Kunstgenre - oder Produkt langweilig oder gar schrecklich findet, sollte man nicht gleich die Abschaffung dieses Genre fordern. Künstler sollten sich auch nicht von solchen Extremmeinungen einschüchtern lassen.
Wenn einer sagt dies oder das gefällt ihm nicht am Werk aus diesen und jenen Gründen, dann sollten Künstler dies aufnehmen und sich hinterfragen - denn es ist ernsthaftes Feedback. Wenn aber einer kommt und sagt "So darfst Du es nicht machen!" dann sollte man diese Äußerung gleich wieder vergessen. Kunst unterliegt keinen Verboten. Niemand kann solche Verbote aussprechen und umgekehrt ist niemand verpflichtet die ihm langweilig erscheinende Kunst zu konsumieren. Solche Aussagen sind auch keine ernsthafte Kritik.
Soviel dazu.

Ich persönlich finde zwar auch dass die Figur des auserwählten Bauern sicher problematisch ist, aber wie ich oben schon ausführte liegt der eigentliche Witz in der Kunstfertigkeit des Erzählers. Eine Geschichte ist nicht automatisch schlecht weil sie einen auserwählten Bauern hat, sie ist auch nicht automatisch gut wenn sie keinen solchen hat.

Abgesehen davon gilt es zu bedenken dass das Publikum für Kunstprodukte weit gestreut ist. Man sollte nicht nur vom eigenen Geschmack ausgehen und annehmen aller anderen Menschen würde das genauso sehen und daraus ableiten dass alles was einem selbst nicht gefällt ein grundsätzlich schlechtes Kunstwerk ist.
Es gibt mit Sicherheit ein Publikum für den auserwählten Bauern und dieses Publikum will sicherlich auch neue Geschichten von ihm hören.
 

Viminal

Großer Auserwählter
10. Juni 2009
1.956
Auserwählter, das klingt so mystisch. Schrecklich, damit kann ich nichts anfangen.
Und ich kann mit Superhelden nichts anfangen. Dennoch gibt es Millionen Menschen die das gut finden. Vielleicht solltest Du nicht so arrogant sein und annehmen Du wärst der Auserwählte dessen Kunstgeschmack der einzig richtige ist.
 

Lumelora

Großmeister
6. November 2017
62
Auserwählter, das klingt so mystisch. Schrecklich, damit kann ich nichts anfangen.
Als ich den ersten Matrix-Film sah, gefiel mir die Geschichte zunächst (wenn auch geklaut). Bis er an die Stelle kam, wo aus dem Helden ein "Auserwählter" wurde. Was soll das denn? habe ich mich gefragt, wozu braucht es diese mystische Kacke denn?
Vor allem, wer wählt den denn aus?

Gurus können schon mal Außenseiter gewesen sein, aber irgendwann sind sie keine Außenseiter mehr. Sie scharen einen mehr oder weniger großen Club naiver Anhänger um sich herum, die sie manipulieren, dafür werden sie von diesen kritiklos angehimmelt, was sie zu Auserwählten macht.

Eine gute Geschichte braucht keine Auserwählten. Das ist was für Schäfchen, die Gurus brauchen, damit sie bloß nicht selbst nachdenken müssen.

Außerdem:
Der Junge auf dem weißen Pferd, der kommt nicht mehr
Frauen werden nicht entführt, heut' nicht mehr
Da müsstet Ihr schon selber gehen
Und drum sag' ich's Euch noch mal allen
Und nehmt es nicht so schwer
Denn der Junge auf dem weißen Pferd, der kommt nicht mehr.
:grin:


Ja, Auserwählter klingt mystisch. Aber manche Leute mögen es nunmal mystisch. Kann ja sein, dass du persönlich keine mystischen Geschichten magst aber das ist dein persönlicher Geschmack, deswegen ist noch lange nicht alles, was mystisch ist kacke.

Und wie kommst du denn eigentlich von Auserwählten in erfundenen Geschichten auf Gurus?
Es gibt zwar Gurus, die sich selbst für den Auserwählten halten und Leute um sich scharen aber das ist doch was ganz anderes als ein Auserwählter in einer ERFUNDENEN Geschichte, einem Buch oder Film, der sich übrigens normalerweise auch nicht selbst als den auserwählten bezeichnet.
 

Nachbar

Ritter Kadosch
20. Februar 2011
5.039
Der Auserwählte passt in unsere arbeitsteilige Service-Gesellschaft. So wie ich an mein streikendes Auto nicht mehr ran komme, weil ich einen Auserwählten brauche um den Fehlerspeicher auszulesen, so kann ich eben auch nicht die Welt retten. Auch da muß eine Fachkraft mit Spezialfähigkeiten kommen. Alle anderen sollten es garnicht erst probieren, es wird eh nix. Das ist vielleicht das Problematische daran...
 

William Morris

Groß-Pontifex
4. Mai 2015
2.847
Der Auserwählte ist doch nur ein Klischee, damit wir uns besser mit dem Helden identifizieren können und aus dem langsamen Erstarken des Helden kann man noch einen kleinen Zusatzplot drechseln. Auch Conan wäre vielleicht ewig in seinem Dorf geblieben, wenn selbiges nicht überfallen worden wäre.

Ist halt wie der Kriminalpolizist, der immer eine kaputte Ehe hat und eine pubertäre Tochter. Daraus wird weiteres Storymaterial entwickelt, sonst wäre es zu langweilig.
 

Aragon70

Meister vom Königlichen Gewölbe
28. Juli 2008
1.465
Der Mensch hat nunmal den verzweifelten Wunsch jemandem zu haben für das Gute steht und in der Lage ist effektiv das Böse zu bekämpfen das uns ständig bedroht weil es sonst offensichtlicher keiner kann. Wenn es jemand ist der aus dem einfachen Volk stammt, also einer von "uns", akzeptieren wir dejenigen noch etwas eher als Auserwählten der keine schlechten Hintergedanken hat.

Superman war sicher der Prototyp des Bauernsohns der unter einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist. Wäre er als Erwachsener Außerirdischer auf die Erde gekommen und man wüßte nichts über sein voriges Leben wäre da immer der Gedanke das er doch nicht auf "unserer" Seite ist und plant die Erde zu übernehmen, zerstören etc. Es muß klar sein das man ihm trauen kann.

Wobei andere Superhelden wie Batman und Ironman keine Bauernsöhne sind sondern das Gegenteil, reich. Aber es sind dafür keine Superhelden mit Superkräften sondern normale Menschen die moderne Technik nutzen um zu Superhelden zu werden und dabei ständig ihr Leben riskieren, deswegen hat man davor wohl genauso viel Respekt wie vor dem Bauernsohn.

Sie müßten keine Superhelden sein sondern könnten sich auch zurücklehnen und auf einer Yacht ihre Zeit verbringen.

Jesus war vermutlich der erste "Superheld", die Bibel der erste Superhelden "Comic". Wenn man etwas darüber nachdenkt ist diese Deutung wahrscheinlicher. Wieso sollten Menschen vor tausenden Jahren sich nicht auch ihren eigenen Superhelden geschaffen haben?

Es gibt das bekannte Schema der Helden Story nach der sich viele Hollywoodfilme richten. Starwars ist auch ein gutes Beispiel dafür wo der Bauernsohn Luke Skywalker der Auserwählte ist. Oder auch Herr der Ringe.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heldenreise

  1. Ausgangspunkt ist die gewohnte, langweilige oder unzureichende Welt des Helden. (Ein Bauernhof ist hier natürlich perfekt)
  2. Der Held wird von einem Herold zum Abenteuer gerufen.
  3. Diesem Ruf verweigert er sich zunächst.
  4. Ein Mentor überredet ihn daraufhin, die Reise anzutreten, und das Abenteuer beginnt.
etc.

Das passt wohl einfach sehr gut zu dem Wunsch vieler Menschen aus dem Alltagstrott herauszukommen und etwas außergewöhnliches zu tun wofür man Anerkennung bekommt.

Da aber nunmal nicht jeder ein Held sein kann, sonst wäre es ja nichts mehr besonders, muß derjenige auf eine besondere Art "auserwählt" sein.
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
18. November 2007
19.689
Dieses Heldenreisemotiv, das in den letzten Jahren so populär geworden ist, kann ich nicht mehr hören. Einer will es gefunden haben, und jetzt hat die ganze Trivialitätsmaschine von der taz bis Hollywood davon gehört, schwadroniert davon, trägt die Idee weiter und macht Filmabklatsche davon, es ist zum Durchdrehen!
 

Giacomo_S

Prinz von Libanon
13. August 2003
3.419
Wenn aber einer kommt und sagt "So darfst Du es nicht machen!" dann sollte man diese Äußerung gleich wieder vergessen. Kunst unterliegt keinen Verboten. Niemand kann solche Verbote aussprechen und umgekehrt ist niemand verpflichtet die ihm langweilig erscheinende Kunst zu konsumieren. Solche Aussagen sind auch keine ernsthafte Kritik.

Ob Literatur Kunst ist oder nicht allenfalls Kunsthandwerk - das ist auch noch so eine Frage.
Bis vor noch nicht allzu langer Zeit musste ein Text gedruckt werden, damit ihn Leute lesen konnten und es musste sich ein Verleger finden, der dies veranlasste. Und der tat dies nur mit der Option, mit der Literatur auch Auflage zu machen.
Von Verboten spricht niemand.
Aber Kunst, die niemanden interessiert, findet auch keine Verbreitung - für die Literatur unverzichtbar, im Unterschied zu so mancher freien Kunst.

Und ich kann mit Superhelden nichts anfangen. Dennoch gibt es Millionen Menschen die das gut finden. Vielleicht solltest Du nicht so arrogant sein und annehmen Du wärst der Auserwählte dessen Kunstgeschmack der einzig richtige ist.

Was heißt hier arrogant? Ich gebe meine persönliche Meinung ab, das ist alles. "Schrecklich, damit kann ich nichts anfangen" schrub ich, nicht: "Ist für alle schrecklich".

Aragon70 schrieb:
Jesus war vermutlich der erste "Superheld", die Bibel der erste Superhelden "Comic". Wenn man etwas darüber nachdenkt ist diese Deutung wahrscheinlicher. Wieso sollten Menschen vor tausenden Jahren sich nicht auch ihren eigenen Superhelden geschaffen haben?

Richtig, nur war er nicht der erste.
Bezogen auf die Bibel gab es da eine ganze Reihe anderer vor ihm, die Propheten. Historisch gab es eine ganze Reihe vor ihm, die Helden der griechischen Mythologie, Perseus, Herakles, Odysseus.
Der älteste uns bekannte "Superheld" ist Gilgamesch - und damit das älteste uns bekannte Stück Literatur überhaupt.

Man sieht: Schon damals waren es Räuberpistolen, die die Menschen faszinierten und nicht etwa die Beschreibung des Alltags von Weberin Irmy oder Hirte Seppi.

Lumelora schrieb:
Und wie kommst du denn eigentlich von Auserwählten in erfundenen Geschichten auf Gurus?
Es gibt zwar Gurus, die sich selbst für den Auserwählten halten und Leute um sich scharen aber das ist doch was ganz anderes als ein Auserwählter in einer ERFUNDENEN Geschichte, einem Buch oder Film, der sich übrigens normalerweise auch nicht selbst als den auserwählten bezeichnet.

Einfach deshalb, weil in vielen erfundenen Geschichten ein Auserwählter auf dasselbe Podest gestellt wird. Einmal der Auserwählte, billigen seine Kumpane alle seine Handlungen und kleben an den Lippen seiner Äußerungen.
Eine gut erzählte Geschichte braucht vielleicht einen Helden, aber keinen Auserwählten. Finde ich unnötig und macht die Geschichte nicht besser.
Um bei dem Beispiel Matrix 1 zu bleiben: Interessant ist, wie ein Massenmensch aus seinem Alltag ausbricht, erst lernen und wachsen muss, um ein Held zu werden, Rückschläge erleidet und wieder aufsteht.
Warum man ihn am Ende des Films zu einem Auserwählten machen musste, das erschließt sich mir nicht. Die Geschichte wird dadurch auch nicht besser, eher profaner.

William Morris schrieb:
Ist halt wie der Kriminalpolizist, der immer eine kaputte Ehe hat und eine pubertäre Tochter. Daraus wird weiteres Storymaterial entwickelt, sonst wäre es zu langweilig.

Leider wird aber auch das weitere Storymaterial immer nach dem gleichen Schema F weiterentwickelt - und das finde ich langweilig.
Am Ende nämlich überwindet der Kriminalpolizist - zusammen mit seiner Ex-Frau, wie "Zufall" und Story es mit sich bringen - alle Schwierigkeiten. Und darüber kommen Ex-Frau und Bulle wieder zusammen und sind wieder eine glückliche, amerikanische Familie.
Oder in der Kurzformel: Liebe (unterschwellig noch immer vorhanden) überwindet alle Probleme. Wenn man es nur will.

Das halte ich für eine unreflektierte, spießige und letztlich ziemlich amerikanische Sichtweise. Ein Franzose bspw. würde einen ganz anderen Plot daraus machen.
Und in der Realität wissen wir, dass "die Liebe" keineswegs in der Lage ist, alle Schwierigkeiten zu überwinden, sondern bestenfalls harte Psychoarbeit.
 

Lumelora

Großmeister
6. November 2017
62
Einfach deshalb, weil in vielen erfundenen Geschichten ein Auserwählter auf dasselbe Podest gestellt wird. Einmal der Auserwählte, billigen seine Kumpane alle seine Handlungen und kleben an den Lippen seiner Äußerungen.
Eine gut erzählte Geschichte braucht vielleicht einen Helden, aber keinen Auserwählten. Finde ich unnötig und macht die Geschichte nicht besser.
Um bei dem Beispiel Matrix 1 zu bleiben: Interessant ist, wie ein Massenmensch aus seinem Alltag ausbricht, erst lernen und wachsen muss, um ein Held zu werden, Rückschläge erleidet und wieder aufsteht.
Warum man ihn am Ende des Films zu einem Auserwählten machen musste, das erschließt sich mir nicht. Die Geschichte wird dadurch auch nicht besser, eher profaner.

Man muss niemanden zu einem Auserwählten machen, es spricht in meinen Augen aber auch nix dagegen es doch zu tun. Kann jeder so machen wie er will. Ich finde, dass die Geschichte dadurch weder automatisch besser noch schlechter wird. Da spielen wichtigere Dinge eine Rolle.

Ich finde es ja eine schöne Idee wenn der Auserwählte überhaupt keinen Bock hat der Auserwählte zu sein. Nicht nur am Anfang sondern nie! Und wenn er es überhaupt nicht will, dass alle an seinen Lippen hängen und sich das auch nie ändert!
 

William Morris

Groß-Pontifex
4. Mai 2015
2.847
Leider wird aber auch das weitere Storymaterial immer nach dem gleichen Schema F weiterentwickelt - und das finde ich langweilig.
Am Ende nämlich überwindet der Kriminalpolizist - zusammen mit seiner Ex-Frau, wie "Zufall" und Story es mit sich bringen - alle Schwierigkeiten. Und darüber kommen Ex-Frau und Bulle wieder zusammen und sind wieder eine glückliche, amerikanische Familie.
Oder in der Kurzformel: Liebe (unterschwellig noch immer vorhanden) überwindet alle Probleme. Wenn man es nur will.

Das halte ich für eine unreflektierte, spießige und letztlich ziemlich amerikanische Sichtweise. Ein Franzose bspw. würde einen ganz anderen Plot daraus machen.
Und in der Realität wissen wir, dass "die Liebe" keineswegs in der Lage ist, alle Schwierigkeiten zu überwinden, sondern bestenfalls harte Psychoarbeit.

Wahrscheinlich macht sich das einfach besser für die Geschichte, wenn der gebrochene Held ab und zu noch ein paar Damen aufreißen kann, die dann gern noch weitere Fälle bedeuten können, als wenn er nach Hause kommt, das Abendbrot steht auf dem Tisch und er spielt dann Mau-Mau mit den Kindern. Der alleinstehende Held zieht durch die Nachtclubs und bekommt einfach mal die Fresse poliert und lernt wahnsinnig attraktive Frauen kennen, die weitere Probleme bedeuten. Wie viele Polizisten haben denn in echt ein Hausboot mit Alligator (Miami Vice) oder einen verrumpelten Wohnwagen am Strand (Lethal Weapon)? Bestimmt keiner.
 
G

Gelöschtes Mitglied 25673

Gast
Ich finde nach wie vor den Gedanken einer ganzen Zahl möglicher Auserwählter( also die, die die ene Aufgabe erfüllen sollen) schön. Die dann untereinander in Konkurenz treten und sich schließlich miteinander verbünden. Dabei könnten auch der gefallene Held sein, oder der Verräter, der eben der, der eigentlich nicht will. Dabei könnte dann auch Bauer und Prinz sein.
 

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