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Wie sinnvoll sind Verbote?

Trasher

Ritter der ehernen Schlange
10. April 2002
4.104
Hi,

ausgehend von einem anderen Thread stellte sich die Frage, welchen Sinn eigentlich Verbote erfüllen und ob es überhaupt vernünftige Verbote gibt.


RockRebell schrieb:
@ Trasher:
Dass es "Vernünftige Verbote" gibt, glaube ich nicht:

"Das darfst Du nicht." <-- Das ist ein Verbot.
"Warum nicht?" <-- Das ist schon "Auflehnung" - ich aktzeptiere Dein
Verbot nicht so einfach, ich will wissen, was Du Dir dabei denkst.
"Darum nicht." <-- Das wäre eine Ausflucht.
"Weil, wenn Du das tust, dann passiert das und das und das." <-- Das ist
KEIN Verbot, sondern die Weitergabe von Erfahrung.

Ein Verbot braucht m.E. nach eine Erklärung, bzw. gründet sich auf eine
Erfahrung. Wenn ich aber jemanden erläre, WARUM es BESSER ist, etwas
NICHT zu tun, dann brauche ich kein Verbot mehr auszusprechen.

Wenn ein Mensch schon von Kindesbeinen (oder Baby-Beinen) an immer
wieder mit Verboten konfrontiert wird, die selten begründet werden ("Schrei
nicht", "Lass das", "Das darf man nicht"), hört er irgendwann auf, sich über
das Warum Gedanken zu machen.
Wenn ich nicht nachvollziehen kann, WARUM ich etwas nicht DARF, dann
liegt mir das im Magen. Wenn mir niemand erklärt, WARUM ich das nicht
darf, dann meldet sich meine Neugier und ich probiere es aus.
Ich spreche NUR von mir - aber ich glaube, dass die meisten anderen Menschen
ebenso handeln, ob bewusst oder unbewusst.

Verbote engen ein. Eingeengte Menschen werden versuchen sich davon zu
befreien und gegen diese Verbote zu verstossen. Kommt eine Strafe hinzu,
baut sich Trotz auf. "Dieses System bestraft mich? Für ein Verbot, das ich
nicht aktzeptiere/nachvollziehen kann, und das mir nie begründet wurde?
Jetzt erst recht!"
Ja, klingt wieder nach dem pubertierendem Teenager. Aber viele "Erwachsene"
reagieren genauso.


Was ich mit "es" meine? Ich beziehe mich auf die Aussage, dass Verbote
unnötig wären, wenn ALLE Menschen umsichtig, rücksichtsvoll und nicht
verschwenderisch mit unseren Resourcen (sei es Wasser, sei es Alkohol,
sei es Hanf) umgehen.
Nicht darauf warten, dass "die Anderen" damit anfangen, oder denken, "die
Anderen" machen das ja eh nicht, oder sagen "das liegt wohl in der Natur
des Menschen", sondern MACHEN.
Frag Dich selbst, wo Du Ressourcen sparen kannst.
Frag Dich selbst, ob abends in der Küche Licht brennen muss, wenn Du im
Wohnzimmer bist.
Oder ob sich anstatt ´ner Wegwerfkamera nicht ´ne Digicam lohnen würde.
Oder ob Du anstatt dem "Supersonderangebotradio" für 3 €, das nach 3
Wochen den Geist aufgibt, lieber das für 30 € nimmst, das dann erheblich
länger hält.

Wie gesagt - WENN das alle machen WÜRDEN. Ich mache es allerdings nicht
davon abhängig, ob ANDERE das auch machen - ich MACHE.

So, 100% Off-Topic. Machen wir ´nen eigenen Thread über Verbote und ob
sie sinnvoll sind?

Gruss

der Rebell
Ich stimme Dir völlig zu, daß ein unbegründetes Verbot eine Trotzreaktion auslösen kann. Allerdings fände ich es im Zuge der Eigenständigkeit besser, wenn sich die Menschen auch mal selbst Gedanken über den Hintergedanken eines Verbotes machen würden.
Zumindest ist es mir zum Beispiel völlig schleierhaft, wie man mitten am Tage mit dem Auto mit 80 durch ein Wohngebiet heizen kann ohne daß es im eigenen Kopf eine Stimme gibt, die einen daran erinnert was passiert, wenn ein Kind auf die Straße rennt.
Genauso verhält es sich auf Autobahnbaustellen. Ich gebe zu, daß es schwerfällt, mit 80 durch eine Baustelle zu juckeln, aber die Nähe des Gegenverkehrs sollte solch ein Limit von selbst erklären, schließlich kommt ein Crash mit 90 mit dem Gegenverkehr einem Auffahrunfall auf ein stehendes Fahrzeug mit 180km/h(!) gleich.

Sind jetzt nur einseitige Beispiele, aber mir fiel im Moment nichts anderes ein.

Der Kernpunkt ist meiner Meinung nach jedenfalls die Unfähigkeit vieler Menschen, mit Vernunft zu denken und Dinge selbst zu hinterfragen, kurz: Die Ideale der Aufklärung haben noch lange nicht an Aktualität verloren.

---

Daß wir Energie sparen sollten ist mir absolut verständlich allerdings sehe ich zu oft, daß das Sparen von Ressourcen einen Preisanstieg derselben zur Folge hat. Durch das gewinnorientierte Arbeiten in unserer Gesellschaft sind Sparer meistens auf der Verliererseite und werden regelrecht dafür bestraft, gespart zu haben.
Wie gesagt - WENN das alle machen WÜRDEN. Ich mache es allerdings nicht
davon abhängig, ob ANDERE das auch machen - ich MACHE.
Eine sehr löbliche Einstellung!


Gruß, Trasher
 

Mitchell

Geheimer Meister
1. Oktober 2002
339
Trasher wrote: ( ich hab immer noch keine Ahnung, wie ich einen Text aus nem anderen Post als Zitat mache )

"Der Kernpunkt ist meiner Meinung nach jedenfalls die Unfähigkeit vieler Menschen, mit Vernunft zu denken und Dinge selbst zu hinterfragen, kurz: Die Ideale der Aufklärung haben noch lange nicht an Aktualität verloren."

Jo!! Der Kandidat hat 100 Punte!! Guter Text - leider.

Nur Aufklärung alleine hilft ( finde ich ) da nicht alleine. Ein gesunder Menschenverstand gehört einfach dazu. Und der kann nicht durch Aufklärung alleine erfolgen. Oder auch einfach nur Logik ( mit 80 durch ne Wohnstraße wo Kinder spielen könnten ). Das ist irgendwie blöd zu beschreiben finde ich.
Wiso haben einige Menschen einen gesunden Verstand und denken mit Vernunft und andere nicht? Erziehung, Lebenserfahrungen, Ideale, Umgebubg... I dont know...

Aber man frägt es sich jeden Tag mindestens ein mal ( oder öfter ): was geht denn?! Wiso, was soll denn das? ( oder so ) spinnt der?

Und daher finde ich, ist das mit den Verboten auch so schwer einzuschätzen.
 

RockRebell

Großmeister
18. November 2003
99
Trasher schrieb:
Allerdings fände ich es im Zuge der Eigenständigkeit besser, wenn sich die Menschen auch mal selbst Gedanken über den Hintergedanken eines Verbotes machen würden.
Hm. Dazu hab ich die Theorie, dass, je mehr ein Mensch in "Verhaltensschablonen"
gepresst wird (was Verbote ja auch tun), er umso weniger bereit ist, bzw.
"verlernt", für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.
Es ist ja "alles mögliche" geregelt. "Man" braucht sich ja eigentlich nur noch
darüber Gedanken zu machen, ein Dach überm Kopf und Essen auf dem
Tisch zu haben. Alles weitere regelt "das Gesetz".

"Warum soll ich mir Gedanken über den lärmenden Nachbarn machen und
womöglich noch mit DEM diskutieren - ich ruf die Polizei und Ruhe is."

Trasher schrieb:
Zumindest ist es mir zum Beispiel völlig schleierhaft, wie man mitten am Tage mit dem Auto mit 80 durch ein Wohngebiet heizen kann ohne daß es im eigenen Kopf eine Stimme gibt, die einen daran erinnert was passiert, wenn ein Kind auf die Straße rennt.
Genauso verhält es sich auf Autobahnbaustellen. Ich gebe zu, daß es schwerfällt, mit 80 durch eine Baustelle zu juckeln, aber die Nähe des Gegenverkehrs sollte solch ein Limit von selbst erklären, schließlich kommt ein Crash mit 90 mit dem Gegenverkehr einem Auffahrunfall auf ein stehendes Fahrzeug mit 180km/h(!) gleich.

Sind jetzt nur einseitige Beispiele, aber mir fiel im Moment nichts anderes ein.

Der Kernpunkt ist meiner Meinung nach jedenfalls die Unfähigkeit vieler Menschen, mit Vernunft zu denken und Dinge selbst zu hinterfragen, kurz: Die Ideale der Aufklärung haben noch lange nicht an Aktualität verloren.
So einseitig finde ich das Beispiel garnicht.
Eigentlich sollte es jedem klar sein, dass ich bei Tempo 80, auch schon bei
Tempo 30 in einer verkehrsberuhigten Zone, in der ausschliesslich Wohnhäuser
stehen und etliche Autos am Strassenrand parken, jeden Augenblick ein
Kind, oder auch ein Erwachsener auf die Strasse laufen kann.
Aber "man ist ja versichert...". :roll:

Ja, Dinge zu hinterfragen... Vermutlich haben die meisten Menschen in ihrer
Kindheit gelernt, den Satz "Das ist halt so" zu aktzeptieren. Naja, Kinder
können ganz schön nerven..:
"Warum fahren alle Autos bei uns rechts?"
"Wenn alle fahren würden, wie sie wollen, gäb´s zu viele Unfälle."
"Warum?"
"Weil dann alle auf einer Fahrspur in verschiedene Richtungen fahren würden."
"Warum?"
"Weil keiner wüsste, wo er fahren soll."
"Warum?"
"Weil das eben so ist. Und jetzt hör auf zu fragen, ich hab keine Zeit."
Einerseits verständlich, aber andererseits...

Naja, mal zurück zu Verboten.
Es fängt ja wirklich schon im Kindesalter an... Du darfst nicht, Du musst, Du
sollst, das ist verboten.
Ich denke, dass die Menschen auch irgendwann gegen Verbote abstumpfen,
weil es einfach zu viele davon gibt.
Und ständig werden Verbote missachtet.
Es ist verboten, andere Menschen zu töten - lachhaft, wenn ich mir dann die
Nachrichten ansehe.
Es ist verboten, zu stehlen.
Lese ich von den neuesten Parteiskandalen, oder dass ein Top-Manager
mal wieder ein paar Millionen veruntreut hat - sorry.

Vielleicht würden Verbote sogar was bringen, wenn sich jeder daran halten
würde. Aber ein Verbot ist "nur" etwas theoretisches, es kann niemanden
wirklich daran hindern, etwas verbotenes zu tun.

Einsicht, dass etwas, was ich im Begriff bin, zu tun, anderen, und damit
letztlich mir selbst schaden könnte, ist meiner Meinung nach ein sehr viel
wirksamseres "Instrument".

Naja, wie gesagt - viele Menschen sind leider nicht sehr einsichtig, sondern
eher stur und dickköpfig. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern weil man eben in
dieser unseren Gesellschaft "weit kommen kann", wenn man viel Ellenbogen
und wenig Rücksicht benutzt.

Gruss

der Rebell
 

lowtide

Geheimer Meister
16. September 2003
469
Das Volk ist dumm....

Meiner Meinung nach ist dies der Grund warum Verbote unumgänglich sind, vielleicht wird sich das ja irgendwann mal ändern aber wenn ich mir die stumpfsinnigen Wahlparolen einiger Parteien in der Schweiz ansehe die sich inhaltlich noch unter dem Niveau einer Stammtischrunde befinden, diese Partei aber Wahlen gewinnt zweifle ich an der geistigen Entwicklung der breiten Masse.

Darum brauchen wir Verbote, das diese in einigen Fällen auch kontraproduktiv sind mag ich nicht bestreiten, doch geh ich in solchen Annahmen nicht von Menschen aus die zb. hier posten was ja ein gewisses selbsständiges Denken voraussetzt, nein ich gehe von der stillen Mehrheit der Bevölkerung aus deren ganze Bildung aus dem lesen einer boulevardzeitung besteht.

Aus diesem grunde braucht es Verbote die dem Volk gewisse Grenzen aufzeigen. Alles andere ist meiner Meinung nach Utopisch.
 

RockRebell

Großmeister
18. November 2003
99
@lowtide:
Da hast Du wohl in gewisser Weise (leider) recht.

Ich will auch weder mir noch anderen etwas vormachen:
JEDE Veränderung des jetzigen Zustandes (gesellschaftlich als auch politisch)
wird zunächst mal unangenehme Folgen haben, in welcher Art auch immer.

"Ohne Verbote, Gesetze und Regeln macht jeder, was er will."
Richtig. Die Frage ist, wielange?
Eine andere Frage ist, wie kommen wir aus diesem Teufelskreis heraus:

Verbot --> Unselbstständigkeit der "breiten Masse" --> mehr Verbote --> noch mehr Unselbstständigkeit....

Sehr vereinfacht dargestellt, aber ich denke, das ist das grundlegene Prinzip
des jetzigen Zustandes.

Verantwortung abgeben ist leider eines der liebsten Hobbies...
Verantwortung übernehmen aber ist m.E. nach u.a. ein Zeichen dafür,
dass man sich nicht von Verboten "kommandieren" lässt, sondern gewisse
Dinge ganz einfach aus einem tieferen Verständniss heraus nicht tut.

Gruss

der Rebell
 

Azariel

Geheimer Meister
23. August 2003
257
Jede Gesellschaft braucht Regeln und Normen die das Zusammenleben in einigermassen geordnete Bahnen lenken und der grund dafür ist denkbar einfach: Menschen sind Egoisten, sprich dumm und das heisst, dass niemand sich ohne weiteres an die Regel hält, dass die eigene Freiheit aufhört wo die des anderen beginnt.
Was Verantwortung angeht: Ich bin der Überzeugung, dass es ganz einfach so ist, dass viele Menschen nicht annähernd in der Lage sind verantwortungsbewusst mit sich und anderen umzugehen - traurig aber war. Ich meine guckt euch doch mal um was fürn Gesochs teilweise Kinder in diese Welt setzen darf, als wenn wir nicht schon genug Deppen hätten...aber ich schweife ab...
Jeden Tag wenn ich in die Firma komme in der ich z.Zt. jobbe, sehe ich die Personifizierung der Dummheit auf mich zukommen: BILD-Zeitung lesende, idiotische Sprüche brüllende Affen!!
Wer mir erzählen will, dass eine Gesellschaft die grösstenteils aus solchen "Menschen" besteht ohne Regeln auskommt, hat sie meiner Meinung nach nicht mehr alle!!
 

RockRebell

Großmeister
18. November 2003
99
@ Azariel:
Prinzipiell richtig.

Dem halte ich mal "Erfahrung sammeln" entgegen.
Die meisten unserer Verhaltensmuster basieren auf Erfahrung und Lernprozessen - stimmst Du mir da zu?

Der Mensch ist egoistisch - richtig.
Wenn aber genügend Menschen die Erfahrung machen, dass es sich ohne
Verbote, Gesetze und "Regeln" freier lebt - vorausgesetzt, man respektiert
einander und achtet seine Mitmenschen, dann denke ich, dass sich unsere
Gesellschaft sehr wohl wandeln kann.

Was denkst Du?

Gruss

der Rebell
 

Trasher

Ritter der ehernen Schlange
10. April 2002
4.104
Was würde wohl passieren, wenn man sämtliche Verbote für einen Tag abschaffen würde?
Ich denke, die Leute würden massenweise Grenzen übertreten, wenn man sie jedoch fragte, warum sie es tun, dann würden sie antworten, daß es ihnen schließlich keiner verbiete.

Allerdings scheitert eine gesetzlose Ordnung auch daran, dass jeder von uns andere Wertvorstellungen vertritt und es somit schon keinen moralischen Grundrahmen geben kann.
So findet es der Nachbar vielleicht normal, die Wohnsiedlung mit der neunten Symphonie zu beschallen, schließlich ist ja jeder, der die nicht mag ein Kunstbanause. ;)
Und wenn einer meint, er habe sein Auto auf eisglatter Straße bei 100km/h unter Kontrolle, dann wird es ohne einen Praxistest schwer sein, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

Verantwortung abgeben ist leider eines der liebsten Hobbies...
Verantwortung übernehmen aber ist m.E. nach u.a. ein Zeichen dafür,
dass man sich nicht von Verboten "kommandieren" lässt, sondern gewisse
Dinge ganz einfach aus einem tieferen Verständniss heraus nicht tut.
Genau so ist es!

"Warum soll ich mir Gedanken über den lärmenden Nachbarn machen und
womöglich noch mit DEM diskutieren - ich ruf die Polizei und Ruhe is."
Traurige Realität. Die Menschen scheinen langsam verlernt zu haben, sich umeinander zu kümmern.

Ja, Dinge zu hinterfragen... Vermutlich haben die meisten Menschen in ihrer
Kindheit gelernt, den Satz "Das ist halt so" zu aktzeptieren. Naja, Kinder
können ganz schön nerven..:
"Warum fahren alle Autos bei uns rechts?"
"Wenn alle fahren würden, wie sie wollen, gäb´s zu viele Unfälle."
"Warum?"
"Weil dann alle auf einer Fahrspur in verschiedene Richtungen fahren würden."
"Warum?"
"Weil keiner wüsste, wo er fahren soll."
"Warum?"
"Weil das eben so ist. Und jetzt hör auf zu fragen, ich hab keine Zeit."
Einerseits verständlich, aber andererseits...
Vielleicht sollte man einem Kind eher kindgerechte Gegenfragen stellen, anstatt ihm absolute Antworten zu geben. Das setzt natürlich voraus, daß sich die Eltern intensiv mit ihren Kindern auseinandersetzen.
In der Schule waren mir auch die Fächer lieber, in denen ein Lehrer es schaffte, mich selbst zum Denken anzuregen, als mir Antworten aufzutischen, die doch nur weitere Fragen offenlegten.



Trasher
 

sillyLilly

graues WV- Urgestein
14. September 2002
3.269
Wenn aber genügend Menschen die Erfahrung machen, dass es sich ohne
Verbote, Gesetze und "Regeln" freier lebt - vorausgesetzt, man respektiert
einander und achtet seine Mitmenschen, dann denke ich, dass sich unsere
Gesellschaft sehr wohl wandeln kann.
:gruebel:
Also ich muß ehrlich sagen, daß ich irgendwie keine Verbote in dem Sinne kenne.
Mein Vater hat mir immer gesagt "Du kannst alles tun was du willst .... wenn du es nur wirklich willst und bereit bist, die Verantwortung dafür zu tragen" ;)

Namaste
Lilly
 

RockRebell

Großmeister
18. November 2003
99
Trasher schrieb:
Was würde wohl passieren, wenn man sämtliche Verbote für einen Tag abschaffen würde?
Ich denke, die Leute würden massenweise Grenzen übertreten, wenn man sie jedoch fragte, warum sie es tun, dann würden sie antworten, daß es ihnen schließlich keiner verbiete.
Anarchie, Chaos und Gewalt wären die Folge, schätze ich...
Ich male mal ein Bild:
Verbote, Gesetze und Regeln halten "die Menschen" wie ein Pendel in einer
Schräglage. Mit jedem Gesetz wird das Pendel ("die Menschen") weiter aus
der Mitte gezogen.
Verschwinden plötzlich alle Gesetze, schwingt das Pendel in die entgegen-
gesetzte Richtung - weg von der (scheinbaren) Ordnung hin zum Chaos.
Dann schwingt es wieder zurück, bis es irgendwann einen Ruhepunkt
findet. Die Frage ist - haben genügend Menschen überlebt, wenn dieser
Punkt erreicht ist?

Ein schrittweiser Abbau von Verboten wäre sicherlich sinnvoller....

Trasher schrieb:
Allerdings scheitert eine gesetzlose Ordnung auch daran, dass jeder von uns andere Wertvorstellungen vertritt und es somit schon keinen moralischen Grundrahmen geben kann.
So findet es der Nachbar vielleicht normal, die Wohnsiedlung mit der neunten Symphonie zu beschallen, schließlich ist ja jeder, der die nicht mag ein Kunstbanause.
Und wenn einer meint, er habe sein Auto auf eisglatter Straße bei 100km/h unter Kontrolle, dann wird es ohne einen Praxistest schwer sein, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.
Seh ich genauso. M.E. nach liegt das an der Gleichgültigkeit der Menschen,
weil, "unser Zusammenleben ist ja durch Gesetze und Verordnungen geregelt".
Die Menschen aus dieser Gleichgültigkeit zu "wecken", würde bedeuten, ihnen
"beizubringen", erstens über sich selbst, zweitens über die direkten Mitmenschen
nachzudenken:
"Ich weiss, dass mein Nachbar Beethoven nicht mag. Drehe ich meine Anlage
trotzdem voll auf, ist er genervt und dreht die SexPistols voll auf.
Ich könnte
1. zu Menschen gehen, die auch Beethoven mögen.
2. einen Kopfhörer kaufen
3. mich mit meinem Nachbarn verständigen, welche Lautstärke im Zweifelsfalle
den Anderen nicht belästigt."
Oder sich einfach klar machen, dass nicht jeder Beethoven mag - und die
gleiche Rücksicht walten lassen, die man sich von Anderen wünscht. :wink:

sillyLilly schrieb:
Also ich muß ehrlich sagen, daß ich irgendwie keine Verbote in dem Sinne kenne.
Mein Vater hat mir immer gesagt "Du kannst alles tun was du willst .... wenn du es nur wirklich willst und bereit bist, die Verantwortung dafür zu tragen"
Sollte ich jemals Vater werden, hoffe ich, mich an diesen Ausspruch zu
erinnern :)
Danke.

Trasher schrieb:
Vielleicht sollte man einem Kind eher kindgerechte Gegenfragen stellen, anstatt ihm absolute Antworten zu geben. Das setzt natürlich voraus, daß sich die Eltern intensiv mit ihren Kindern auseinandersetzen.
Hm, das ist auch ein Punkt, den ich an unserer jetzigen Gesellschaftsform
"beanstande": Dieses keine-Zeit-haben.
Vater steht um 6 auf und kommt irgendwann um 19 Uhr nach Hause. Essen,
Nachrichten, kurz mit den Kindern spielen - Bett.
Mutter schmeisst den Haushalt, geht vllt. noch halbtags arbeiten, damit "man
sich auch mal was leisten kann" und ist mit ihren Gedanken auch nicht ganz
dabei, wenn die Kinder "was wollen".
Anstatt also auf die Kinder einzugehen, wird
- Fragen ausgewichen (weil man es selbst nicht weiss)
- Verboten (das darf man eben nicht... warum auch immer)
- Pauschalisiert (sowas tut "man" nicht)
Mit wem sollten Kinder sich noch identifizieren?
... ausser mit den Trickfiguren, die allmorgendlich über den Fernsehschirm
flimmern?
Ich fand es sehr bezeichnend - ich bin noch mit der Sesamstrasse, der
Sendung mit der Maus und Löwenzahn/Pusteblume mit Peter Lustig aufgewachsen.
Peter Lustig hat nach jeder Sendung gesagt:" So, abschalten, rausgehen,
an die frische Luft und ausprobieren."
Vor nicht allzulanger Zeit (war glaub ich noch dieses Jahr) hab ich ´nen Spruch
im Kinderfernsehen "aufgeschnappt":
Es gibt doch nichts schöneres, als stundenlang vor der Glotze zu sitzen und
das Kinderprogramm zu gucken.
Ist zwar nicht der genaue Wortlaut, aber sinngemäss....
Warum wird sowas nicht mal verboten...? <grübel>

Gruss

der Rebell
 

si3ge-dERlux

Großmeister
5. Januar 2003
71
Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN)
Gibt es ein Nord-Süd-Gefälle beim Cannabiskonsum? Bei den "geringen Mengen", bei denen das Verfahren straflos eingestellt werden kann sowie bei den Einstellungsraten unterscheiden sich die Bundesländer erheblich. Aber wie sieht es bei der Konsumverbreitung aus? Zahlt sich die harte Linie des bayerischen Innenministers Beckstein aus? Eine im Herbst 2002 veröffentlichte Studie weckt Zweifel daran. Die Notwendigkeit, problematischen Drogenkonsum unter Jugendlichen zu verhindern, wird oft als Argument für ein generelles Cannabisverbot bemüht, obwohl bundesweit ca. 85% der Konsumenten von Cannabis laut offiziellen Erhebungen Erwachsene sind: Etwa 500.000 minderjährigen Konsumenten stehen ca. 2,9 Millionen Konsumenten ab 18 gegenüber, die genauso kriminalisiert werden. Dabei beschützt eine betont repressive Cannabis-Politik keineswegs Minderjährige vor Drogen. Das zeigt die Studie "Jugendliche in Deutschland zur Jahrtausendwende: Gefährlich oder gefährdet?" des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Im Jahre 2000 befragten die Wissenschaftler in mehreren Großstädten in Deutschland sowie im Landkreis Friesland (zwischen Bremen und der niederländischen Grenze) in einer Repräsentativumfrage Schüler der 9. Jahrgangsstufe zu Gewalt, Straftaten und Schuleschwänzen sowie zu ihrem Konsum von legalen und illegalen Drogen.
Spitzenreiter beim Cannabiskonsum unter deutschen Jugendlichen waren dabei die Münchner Schüler, obwohl doch Bayern für seine repressive Cannabispolitik wohlbekannt ist. 14,8% der einheimisch-deutschen Jugendlichen der Hauptstadt des Freistaats Bayern hatten monatlich oder häufiger Cannabis konsumiert, mehr als in Hamburg (14,4%), Hannover (10,2%), in Friesland (9,1%) oder in Leipzig (8,1%). Nur geringe Unterschiede gab es beim Konsum von Ecstasy (Hannover: 1,2%, Leipzig: 1,1%, München: 1,0%, Hamburg: 1,0%, Friesland: 0,7%).Nicht nur bei Cannabis sondern auch bei Alkohol liegt München vorne. Mit 10,4% konsumierten rund doppelt soviele Münchner Schüler wöchentlich oder gar täglich Alkohol als in den anderen Städten (Friesland: 6,0%, Leipzig: 5,2%, Hamburg: 5,1%, Hannover: 4,7%). Bei Tabak lag München mit 35,3% nach Leipzig (37,4% und Friesland (37,0%) auf Platz 3 vor Hamburg (30,9%) und Hannover (27,8%).
Die Ergebnisse der KFN-Studie decken sich mit zwei anderen Untersuchungen. Eine Studie der Schweizer Fachstelle für Alkohol- und andere Suchtfragen (SFA) fand im Februar 2001, dass Cannabiskonsum unter Männern in der cannabis-repressiven Westschweiz weiter verbreitet ist als in der toleranteren Deutschschweiz oder im Südosten des Landes. Eine Studie im Dreiländereck zu Belgien und den Niederlanden in der Euregio um Aachen stellte fest, dass mehr deutsche als niederländische Schüler Cannabis konsumierten.
http://www.cannabislegal.de/studien/kfn.htm

dieser studie nach hilft das verbot nicht so ganz....
ok mit dieser studie kann man sagen alle verbote sinn- und nutzlos sind
ich persoenlich denke das der mensch selbst zwischen richtig und falsch unterscheiden koennen muss was aber denken vorraussetzt...

mal ne frage: was haltet ihr von anarchie? jetzt rein theoretisch... ist sie perfekt oder das ende?
 

lowtide

Geheimer Meister
16. September 2003
469
si3ge-dERlux schrieb:
dieser studie nach hilft das verbot nicht so ganz....
Kann das aus meiner Sicht nicht ganz nachvollziehen, da ich im Kanton Zürich wohne wo das ganze relativ tolerant gehandhabt wird stört es mich nicht wirklich wenn ich mal en paar gramm dabeihabe, wenn ich jedoch in den kanton Argau fahre pass ich schon eher auf da du dort mit einer Anzeige wegen einigen Gramm rechnen musst und ich einfach keinen Bock habe mir wegen ein zwei Joints en Strafregistereintrag zu riskieren...

aber eben meiner meinung nach legalize it....
 

Zora

Geheimer Meister
12. Mai 2002
133
Anarchie, Chaos und Gewalt wären die Folge, schätze ich
Mann!!!
Anarchie heißt nix anderes als Herrschaftsfreiheit. Das schleißt die Aufhebung von Verboten mit ein, ist aber kein Resultat davon!
Außerdem: Wenn jeder Mensch so denkt, dass Verbote uns vor Chaos und Gewalt schützen, dann schaffen sie selber diesen Zustand. Wenn die Menschen etwas aufgeklärter wären und nich so durch Gesetze und verbote eingeschränkt, wüssten sie, dass dieses autoritäre System überflüssig ist.
Ich denke zwar, dass viele Menschen nich gerade viel Wissen haben, aber ich will sie einfach nicht ünterschätzen. Man muss den Menschen nur etwas Zeit geben, sich zu bilden.

Ich meine, wenn einer gegen ein Verbot verstoßen will, tut er's sowieso.
Und verstoßen nur gegen bestimmte Verbote, weil es eben verboten ist. Man sollte die Gesellschaft viel mehr auf Eigenverantwortung und Altruismus einstimmen, dann wäre es einfacher.
Und da ja die Leute ziemlich manipulierbar sind (wie wir alle wissen :? ), stelle ich es mir nicht so schwierig vor, die Message der Medien zu verändern und so die Leute zu verändern...
Oh mann, wie utopisch, ich weiß. Aber nur, weil es momentan so ausweglos scheint. Aber ich glaube, dass die Menschen gar nicht so dumm sind, wie sie dargestellt werden. Das ist ach nur 'ne Masche der Medien, um die Menschen glauben zu lassen, das Volk sei ja sooo dumm...
 

Trasher

Ritter der ehernen Schlange
10. April 2002
4.104
Eine Herrschaftsfreiheit scheitert genau wie der Kommunismus an den Leuten, die Macht über andere ausüben wollen und es auch tun, wenn sie die Freiheit dazu besitzen.
Ich glaube nicht an ein sich selbst regelndes System, es sei denn, wir führten die Selbstjustiz wieder ein.
 

SentByGod

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.675
Man wird leicht Zielscheibe der Anarchisten und Neo-Sozialisten wenn man behauptet eine Gesellschaft ohne Regeln und Gesetze ( Verbote ) sei schlecht und überhaupt nicht tragbar. Und gerade wenn man seine Grenzen sieht, ist man in der Lage zu erkennen was Falsch ist und was man verbessern kann. Also her mit den Verboten!!
 

RockRebell

Großmeister
18. November 2003
99
@ Zora:
Das sehe ich ähnlich.
Mein Ausspruch "Anarchie, Gewalt und Chaos wären die Folge" bezog sich
vorallem darauf, wenn man "von einem Tag auf den anderen" alle Gesetze
und Verbote abschaffen würde.

Ich denke schon, dass Anarchie funktioniert, aber nur dann, wenn sich jeder
Mensch bewusst ist, dass alles, was er tut, auf ihn selbst zurückfällt.

Beispiel:
Niemand konnte sich erklären, was den Amokläufer von Erfurt zu seiner Tat
getrieben hat - sofern er es war. Gehen wir mal davon aus, dass er es getan
hat. Die ganzen Leute, die diesen Menschen für gestört, verrückt etc.
erklärt haben, sollten sich beim nächsten Mal, wenn Sie jemanden hänseln,
gängeln, verprügeln, erpressen blablubb, darüber Gedanken machen, ob
sich dieser Jemand nicht irgendwann wie ein gequältes und in die Enge
getriebenes Tier verhalten wird und "ausrastet".

Und utopisch finde ich Dein Posting überhaupt nicht ;-)

"Macht" funktioniert nur solange, wie Menschen bereit sind, einen Teil ihrer
eigenen Macht und damit auch ihrer eigenen Verantwortung abzugeben.
Die Menschen, die "mächtig" sind, sind dies nur, weil andere Menschen
ihnen erlauben, Macht über sie auszuüben.
Um ein extremes Bild zu malen:
Dem Polizeistaat nützt die Polizei keinen Meter, wenn ALLE Menschen sich
nicht mehr nach Gesetzen richten und die Polizeigewalt "einfach ignorieren".
Dass dies im weiteren Extremfall möglicherweise die komplette Auslöschung
der "Zivilbevölkerung", sprich, der Wähler, Verbraucher, Steuerzahler etc.
zur Folge haben kann, schliesse ich in dieses Szenario mit ein.
Aber: Was würde mit dem Staat, sprich, den "Herrschenden" passieren,
wenn keine Kühe mehr da sind, die sich melken lassen?
Wie gesagt, ein extremes Szenario.

Respekt und Achtung voreinander müssten meiner Meinung nach alle
Gesetze, Verordnungen und Verbote ersetzen können.

Gruss

der Rebell
 

SentByGod

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.675
RockRebell schrieb:
Ich denke schon, dass Anarchie funktioniert, aber nur dann, wenn sich jeder
Mensch bewusst ist, dass alles, was er tut, auf ihn selbst zurückfällt.
Der Einzelne - Ja. Die Masse - Nein.

Selbst in Zukunft nicht, denn dafuer müsste JEDER Einzelne der Masse den Fakt begreifen und das ist nicht durchzusetzen. Es ist schon schwierig eine Oberstufengruppe in irgend ein Projekt einzugliedern wenn dies auf freiwilliger Basis stattfinden soll! Anarchie als Gemeindschaft ist was für Träumer.
 

si3ge-dERlux

Großmeister
5. Januar 2003
71
also ich finde anarchie perfekt .. aber utopisch! der mensch vertraegt einfach keine perfektion...
gibt es ueberhaupt perfektion? kann nicht alles immer weiter verbessert werden? ach das schweift jetzt vom thema ab...
 

Zora

Geheimer Meister
12. Mai 2002
133
Solange wir sagen, der mensch vertrüge keine "Perfektion", tun wir das auch nicht. Ich denke, wir sollten uns als Menschheit etwas mehr zutrauen. :wink:
 

si3ge-dERlux

Großmeister
5. Januar 2003
71
ok es war ein wenig unguenstig formuliert: der mensch mit dem heutigen bewusstsein mit all seiner machtgeilheit usw. vertraegt keine perfektion..
das hoert sich jetzt wohl krass an ist aber imho so...
 
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