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Vorurteile als Notwendigkeit?

dosenpfand

Großmeister
18. Juni 2003
54
vorurteile sind in der regel negativ connotiert.

aber vorurteile sind doch nur urteile aus der vergangenheit.
im positiven fall behalten sie ihre gültigkeit
im negativen fall verlieren sie sie, was dazu führt, dass menschen situationen falsch einschätzen.

aber was wäre eine welt, ohne dass uns urteile aus der vergangenheit, also vorurteile, zur Verfügung stehen.

Würden wir dann immer jede situation aufs neue beurteilen und zu einem aktuellen und auch guten urteil kommen?

Oder würden wir ohne vorhandene Kategorien in denen wir dinge einordnen können überhaupt noch bewerten können, in einer gesellschaft, die von vorurteilen in praktisch allen teilen fest umklammert wird?
 

tsuribito

Vorsteher und Richter
27. September 2002
732
1. Vorurteile sind nicht aus der Vergangenheit, sondern sind Urteile, die vor der Beurteilung getroffen werden und zumeist beibehalten.
2. Ohne Vorurteile kann man in einer Gesellschaft wenig tun, man sollte sie jedoch auch verwerfen können
 

dosenpfand

Großmeister
18. Juni 2003
54
Vorurteile sind nicht aus der Vergangenheit,
und wo sind sie dann her? wenn sie nicht aus der vergangenheit kommen, müssten sie ja immer im moment der gegenwart erscheinen, und wären dann ja keine vorurteile mehr, sondern urteile.



sind Urteile, die vor der Beurteilung getroffen werden
aber ist das nicht gerade das problem, dass die urteile, die gemacht wurden, eben gerade nicht neu beurteilt werden, und somit u.U. ihre gültigkeit verlieren?

und zumeist beibehalten.
was beibehalten?
meinst du, die urteile werden neu beurteilt, ohne dass dabei das urteil geändert würde? das geht bei einigen urteilen sicher (ein dreieck war, ist, und wird wohl auch ein dreieck bleiben)
aber was ist mit urteilen, die ihre gültigkeit verlieren?

Ohne Vorurteile kann man in einer Gesellschaft wenig tun, man sollte sie jedoch auch verwerfen können
kann man denn in einer gesellschaft überhaupt irgendetwas ohne vorurteile tun? und wenn es wenig davon gibt, bitte ich um beispiele, um meine zweifel zu beseitigen.
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
Vorurteile sind oberflächliche (und daher teilweise völlig falsche) verallgemeinerungen. Diese müssen nicht zwangsläufig negativ behaftet sein. Wieviele Leute spielen mit dem Gedanken ins Ausland zu gehen, weil "die leute da viel netter sind als hier".

Ideal wäre es natürlich, völlig ohne Vorurteile leben zu können, nur dürfte das schwierig bis gänzlich unmöglich sein. Man müßte immer wieder bei Null anfangen, was die Anhäufung von "Wissen" unmöglich macht.

Dem Thema ist mE nicht genüge getan, wenn mann sich mit groben Vorurteilen gegen (oder für) verschiedene Personen oder Situationen beschäftigt, weil das "Vorurteil" eine logische Konsequenz der Fähigkeit zu abstrahieren ist, ohne die wiederum keinerlei Bildung oder Kulter möglich wären.

mfg
 

Lydian

Großmeister
16. Juni 2003
69
ein vorurteil ist doch einfach eine nicht auf tatsaechlichen fakten und erfahrungen beruhendes urteil, im allgemeinen sprachgebrauch zumindest.
ein mensch mit vorurteilen hat sich einfach nicht die muehe gemacht sich mit jmd/etwas auseinander zu setzen und danach ein urteil zu faellen. Oder aus bequemlichkeit nimmt er einen einzelfall um auf das allgemeine zu schliessen, was jetzt gewissermassen vorurteile von mir sind.
Keine Vorurteile zu haben macht wissen und kultur nicht unmoeglich, im gegenteil, je mehr wissen ein mensch anhaeuft desto weniger muss er auf vorurteile zurueckgreifen.
wenn du als def von vorurteil nimmst, dass jede Meinung die man bisher hat, und folglich darauf aufbauend alles andere bewertet, ein vorurteil ist, dann hast du natuerlich recht.
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
@Lydian

Auf irgend einer Erfahrung muß ein Vorurteil ja beruhen, deswegen sind Kinder, je jünger sie sind um so freier davon.
Andere haben gesagt(...) und sonst haben die ja auch recht oder sind glaubwürdig
Neuen Dingen offen gegenüberzustehen hat sich oft negativausgewirkt...
etc...
Wie entstehen denn Vorurteile? Aus Verallgemeinerung.
Und was Bildung und Kultur angeht, Bildung z.B. baut stark auf dem Vorurteil auf, daß das, was in Büchern steht auch "richtig" ist.

mfg
 

TheFreeman

Geheimer Meister
20. Juni 2003
424
Ich denke dass man das 'vor' in dem Wort nicht direkt als 'zeitlich vorher' sehen MUSS, also kurz vor zwei etc...
Man macht sich eben ein Urteil von jemandem oder von etwas bevor man ihn/sie/es kennt.
Urteilen vor dem Kennenlernen. Und man sollte das nicht mit Klisches verwechseln ;)
 

Lydian

Großmeister
16. Juni 2003
69
@ deLaval
vorurteile enstehen aus der verallgemeinerung von eigenen erfahrungenn, das sehe ich auch so. und sicher, kinder die keine erfahrung gemacht haben sind frei von vorurteilen, nur, sobald sie eine machen wird die vermutlich erstmal ein vorurteil werden ( alle mittelalten damen russischer herkunft sind gemein weil sie sich darueber beschweren wenn ich laut schreiend fussball spiele ). leider ist ja alles was man denkt gewissermassen eine verallgemeinerung weil man ja nie alles weiss und somit den objektiven standtpunkt besitzt. deswegen hab ich auch von vorurteilen im allgemeinen sprachgebrauch, also zumindest meinem, gesprochen. und ich will nicht ueber objektivitaet und deren ereichbarkeit oder was die grenze zwischen mangelnder und fuer einen menschen ausreichende erfahrung ist um von vorurteilen bzw einer, was weiss ich, 'fairen' meinung zu reden. Aber ich definiere vorurteile mal als wissen das nur unzureichend auf eigener erfahrung, bzw zu einseitiger ( alle frauen die ich kenne sind die aus der alkoholikerhilfe .. ok bloedes und unwahres bsp aber ich will nicht wieder auslaender aus dem ghetto bemuehen) oder zu wenigen erfahrungen beruht. und vorurteile beeinflussen deine meinung dahingehend, dass zukuenftig erfahrungen die ihnen wiedersprechen als ausnahmen abgetan oder gar nicht erst wargenommen werden.
fass das folgende jetzt bitte nicht als widersruch sondern als (ellenlange) ergaenzung zu dem von dir gesagten auf
ich denke bildung beruht darauf viel wissen, oder von mir aus neutraler, information aufzunehemen. dazu gehoert auch buecher lesen, aber die gewohnheit den inhalt unreflektiert als wahrheit anzunehmen ist bei bild lesern und welchen die nur aus dem tv was erfahren deutlich groesser als bei denen die wirklich so weit kommen und ein buch lesen. und ich mein jetzt ein 'anspruchsvolles' buch. ( was eines meiner vorurteile ist )

@ freeman
ein klische ist doch auch nur eine allgemein akzeptierte und eingebuergerte, manchmal ueber generationen weitergegebene form eines vorurteils
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
@Lydian

Du willst nicht über definittionen streiten, aber benutz Begriffe wie "ausreichende Erfahrungen". Ich habe keinen Schimmer was du meinst, wenn "ausreichend nicht definierst, weil ich "ausreichend" mit sicherheit anders definiere. (Soviel dazu)
Du beschreibst ja die Entstehung von Vorurteilen sehr korrekt (soll heißen, so wie ich es auch tun würde),
vorurteile enstehen aus der verallgemeinerung von eigenen erfahrungenn
du beschreibst aber die Entehung von "Wissen" sehr ähnlich.
ich denke bildung beruht darauf viel wissen, oder von mir aus neutraler, information aufzunehemen
Daß kein Mensch Informationen wirklich objektiv erfassen kann, hast du auch eingesehen
leider ist ja alles was man denkt gewissermassen eine verallgemeinerung weil man ja nie alles weiss und somit den objektiven standtpunkt besitzt.
und da liegt das Problem. Vorurteile und "Bildung" basieren auf der gleichen Wurzel, nämlich der subjektiven Erfahrung des Individuums. Wenn du also das Übel an seiner Wurzel packen willst, hast du ein Problem.
mfg
 

Frederick

Geselle
20. Juni 2003
9
Vorurteile begrenzen die Sicht - das kann aber auch nützlich sein.
Offenheit erweitert die Sicht - das kann aber auch unnötig sein.

Es kommt immer drauf an zu was es dich motiviert.
 

Lydian

Großmeister
16. Juni 2003
69
@ deLaval
ich will ausreichend nicht definieren obwohl aber auch gerade weil wohl jeder etwas anderes darunter versteht, weil sonst der streit losgeht was denn jetzt als ausreichend zu gelten hat. und da wir nicht ueber einen konkreten fall entscheiden muessen ist es doch letztlich egal was genau als ausreichend gilt, wichtig ist doch nur das es fuer jeden einen unterschied zwischen wissen und vorurteilen gibt ( jeder ? gut ein weiteres vorurteil von mir )
wie ich auch (hoffentlich verstaendlich ) geschrieben habe gibt es zwischen wissen und vorurteilen eine willkuerliche, vielleicht einfach gefuehlte und nicht eindeutig definierte grenze, aber im endefekt ist auf grund mangelnder objektivitaet eben jedes wissen ein vorurteil, wass ich ja nicht geleugnet sondern bestaetigt habe. Mir ging es nur darum, dass das wort vorurteil, wie ich es eben in einer normalen konversation benutze, ebenso wie alle mit denen ich mich so zu unterhalten pflege ( natuerlich ist es ein vorurteil zu glauben alle menschen taeten dies ), eben automatisch all jenes 'wissen' meint was unter/jenseits dieser ominoesen grenze liegt.
und ja man hat ein grosses problem sobald man zur wurzel des problems kommt, aber trotzdem hatte ich bis jetzt eigentlich kein problem das wort nutzen oder vorurteil zu verwenden, da mir schien, dass es schweigender konsens ist, dass es eben einen unterschied gibt und die grenze dazwischen zwar nicht fuer alle gleich ist, man aber daselbe mit den worten meint, naemlich ueber oder unterhalb der 'grenze'.
@frederick
absolut, allerdings wuenscht sich dann doch keiner 'happines in slavery'
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
@Lydian

im praktischen Gebrauch gibt es da auch eine Unterscheidung, aber die ist fiktiv, und existiert nicht wirklich. Das ist wie mit Newtons Gravitationsregeln, die eigentlich auch nicht wirklich richtig sind, wird in der Praxis damit gerechnet :wink:

Ich mag deine "Ich will aber Argumentaion". Du siehst die "Richtigkeit" eines Gegenargument und suchst dann einen Weg es trotzdem ignorieren zu können.
Und jetzt fühle dich bitte nicht "nicht ernstgenommen", denn das ist nicht meine Absicht.

mfg
 

Lydian

Großmeister
16. Juni 2003
69
deLaval schrieb:
im praktischen Gebrauch gibt es da auch eine Unterscheidung, aber die ist fiktiv, und existiert nicht wirklich.
dann ist ja gut das wir einer meinung sind. wie bereits geschrieben zweifle ich nicht an der fundamentalen gleichung von
nicht objektives wissen = vorurteil = menschliches wissen
( wobei das jetzt fuer unterschiedliche art von wissen unterschiedlich wichtig ist )
Aber wie du ja schon so richtig bemerkt hast gibt es da im praktischen gebrauch einen unterschied. und ich denke mal wenn man von vorurteilen spricht meint man eben 'vorurteile' und nicht alles menschliche wissen. ich hab ja deine aussage nicht komplett zuruechgewiesen, sondern wollte nur anmerken, dass wenn man von vorurteilen spricht eben vorurteile in ihrer gebraeuchlichen bedeutung meint. aus dosenpfands frage stellung geht aber genauso hervor das er vorurteile als zeitliches vor definiert. (das ist jetzt nur eine fesstellung nicht ein argument das besagt dass ich recht habe. wie gesagt, ich bin ja deiner meinung, wollte nur mal aus etwas aufmerksam machen)
ok?
 

Lydian

Großmeister
16. Juni 2003
69
Dann will ich jetzt auch mal auf dosenpfands eigentliche fragen eingehen.
Falls wir keine (zeitlichen) vorurteile zur verfuegung haetten wuerden wir uns vermutlich anderen menschen gegenueber erstmal so verhalten wie sie auf uns zukommen.
allgemein koennte man situationen sicher unvoreingenommen bewerten koennen und jedesmal aufs neue zu einem urteil kommen, aber ob das dann richtig ist ist eine andere frage.
und man haette gewissermassen immer das problem auf was man sich eigentlich beziehen soll. vermutlich wuerde alles dahingehend bemessen werden wie die unmittelbaren auswirkungen auf einen selber sind.
ohne vorurteile waere wohl auch die moral nicht besonders ausgepraegt und das problem: ich hunger, er essen wuerde wohl immer gleich enden...
 

dosenpfand

Großmeister
18. Juni 2003
54
Lydian schrieb:
Dann will ich jetzt auch mal auf dosenpfands eigentliche fragen eingehen.
danke!

Lydian schrieb:
das problem: ich hunger, er essen wuerde wohl immer gleich enden...
sehr schön ausgedrückt aber...

Lydian schrieb:
allgemein koennte man situationen sicher unvoreingenommen bewerten koennen und jedesmal aufs neue zu einem urteil kommen, aber ob das dann richtig ist ist eine andere frage.
... die frage, ob wir ohne jegliche vorurteile etwas bewerten könnten, und ob das urteil dann gut oder schlecht wäre, bräuchten wir gar nicht stellen, wenn wir davon ausgehen, dass alles schonmal bewertet wurde, oder es zumindest kategorien gibt, die dem ähneln.

also alles bullshit, bis ich mich gefragt habe, wo denn das erste urteil, das ur-urteil sozus., auf dem alles weitere basierte, herkam, wer das fällte. oder ob die urteile immanent im menschen, als er die schwelle vom affen zum menschen überschritt, enthalten waren und sind.
 

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
dosenpfand schrieb:
[...]bis ich mich gefragt habe, wo denn das erste urteil, das ur-urteil sozus., auf dem alles weitere basierte, herkam
1. Urteil: Gut/ schlecht (dh.: pos./neg. für den - erst sehr schwach als Subjekt empfundenen - Körper)
Eines der ersten Urteile zb.:
Schmerzen -> Urteil "Schlecht" -> Meiden der konkreten Situation

Alles weitere sind Assoziationen, Empirie, Erinnerungen, Prägungen, Fehlprägungen, Konditionierungen, Gegenkonditionierungen etcetc.

:arrow: Urteilen ist eine neurophysiologisch-emotionale Güterabwägung, bewusstes Entscheiden eine Illusion!
:arrow: Ohne (Vor-) Urteile keine Apperzeption, da die rein sinnliche Perzeption von unserem Gehirn schlicht und einfach nicht/kaum interpretiert werden könnte...
 
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