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Kant und der Irak - Neues aus dem Legitimationslabor

Hätte Kant den jüngsten Krieg im Irak befürwortet?

  • Nein, aus prinzipieller Überzeugung nicht.

    Stimmen: 0 0,0%
  • Ja, aus prinzipieller Überzeugung.

    Stimmen: 0 0,0%
  • Nein - so wie es gelaufen ist sicher nicht.

    Stimmen: 0 0,0%
  • Ja, mit Einschränkungen.

    Stimmen: 0 0,0%
  • Das will ich nicht beurteilen.

    Stimmen: 0 0,0%

  • Umfrageteilnehmer
    285

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.622
Auf was man im Netz so alles stößt...


Kant indeed believed that war can be legitimately embarked on only as a defensive measure, and that pre-emptive attack is not defence. However, circumstances have changed, and I can see good Kantian reasons for the view that the civilised world, faced with the dangers that now confront it, should take pre-emptive measures when dealing with rogue states like Saddam’s Iraq.
[...]

Nevertheless, the recourse to international law, he believed, presupposes that members of the League of Nations are republics. If they are not republics, but regard themselves as in a state of nature vis-à-vis other states, then it may be necessary to confront them with violence, in order to prevent them from imposing their will.

http://www.opendemocracy.net/debates/article-2-95-1749.jsp





Zum Glück habe ich "zum Ewigen Frieden" hier, also lesen wir doch einfach mal nach:

Ein Staat ist nämlich nicht (wie etwa der Boden, auf dem er seinen Sitz hat) ein Habe (patrimonium). Er ist eine Gesellschaft von Menschen, über die niemand anders, als er selbst zu gebieten und zu disponieren hat.

[...]


5. „Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewaltthätig einmischen."

Denn was kann ihn dazu berechtigen? Etwa das Skandal, was er den Unterthanen eines andern Staats giebt? Es kann dieser vielmehr, durch das Beyspiel der großen Uebel, die sich ein Volk durch seine Gesetzlosigkeit zugezogen hat, zur Warnung dienen; und überhaupt ist das böse Beyspiel, was eine freye Person der andern giebt (als scandalum acceptum) keine Läsion derselben. - Dahin würde zwar nicht zu ziehen seyn, wenn ein Staat sich durch innere Veruneinigung in zwey Theile spaltete, deren jeder für sich einen besondern Staat vorstellt, der auf das Ganze Anspruch macht; wo einem derselben Beystand zu leisten einem äußern Staat nicht für Einmischung in die Verfassung des andern (denn es ist alsdann Anarchie) angerechnet werden könnte. Solange aber dieser innere Streit noch nicht entschieden ist, würde diese Einmischung äußerer Mächte Verletzung der Rechte eines nur mit seiner innern Krankheit ringenden, von keinem andern abhängigen Volks, selbst also ein gegebenes Skandal seyn und die Autonomie aller Staaten unsicher machen.


Auch interessant und aktuell:

4. „Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden."

Zum Behuf der Landesökonomie (der Wegebesserung, neuer Ansiedelungen, Anschaffung der Magazine für besorgliche Mißwachsjahre u.s.w.), außerhalb oder innerhalb dem Staate Hülfe zu suchen, ist diese Hülfsquelle unverdächtig. Aber als entgegenwirkende Maschine der Mächte gegeneinander, ist ein Creditsystem ins Unabsehliche anwachsender und doch immer für die gegenwärtige Forderung (weil sie doch nicht von allen Gläubigern auf einmal geschehen wird) gesicherter Schulden, - die sinnreiche Erfindung eines handeltreibenden Volks in diesem Jahrhundert -, eine gefährliche Geldmacht, nämlich ein Schatz zum Kriegführen, der die Schätze aller andern Staaten zusammengenommen übertrifft, und nur durch den einmal bevorstehenden Ausfall der Taxen (der doch auch durch die Belebung des Verkehrs, vermittelst der Rückwirkung auf Industrie und Erwerb, noch lange hingehalten wird) erschöpft werden kann. Diese Leichtigkeit Krieg zu führen, mit der Neigung der Machthabenden dazu, welche der menschlichen Natur eingeartet zu seyn scheint, verbunden, ist also ein großes Hinderniß des ewigen Friedens, welches zu verbieten um desto mehr ein Präliminarartikel desselben seyn müßte, weil der endlich doch unvermeidliche Staatsbankerott manche andere Staaten unverschuldet in den Schaden mit verwickeln muß, welches eine öffentliche Läsion der letzteren seyn würde. Mithin sind wenigstens andere Staaten berechtigt, sich gegen einen solchen und dessen Anmaßungen zu verbünden.

Und noch ein Absatz:

6. >>Es soll sich kein Staat im Kriege mit andern solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind Anstellung der Meuchelmörder (percussores), Giftmischer (venefici), Brechung der Kapitulation, Anstiftung des Verrats (perduellio) in dem bekriegten Staate etc.<<

Ich will mir nicht erlauben, über eine hypothetische Meinung von Kant über Sinn, Recht und Legitimation des Irak-Krieges zu urteilen, aber mir scheint der Artikel von Scruton doch eher propagandistisch als philosophisch intendiert zu sein...





Und nach dem Abtippen einiger Absätze bin ich dann auch auf die Idee gekommen, im Netz zu suchen :lol: :

http://philosophiebuch.de/ewfried.htm



mfg
hives
 

Zottelfritz

Geheimer Meister
27. November 2002
430
Hui, interessante Gegenüberstellung. Und im gewohnt sorgfältigen Hives-Stil recherchiert... :-)

hives schrieb:
Ich will mir nicht erlauben, über eine hypothetische Meinung von Kant über Sinn, Recht und Legitimation des Irak-Krieges zu urteilen, aber mir scheint der Artikel von Scruton doch eher propagandistisch als philosophisch intendiert zu sein...

Der Meinung schliesse ich mich an, der Artikel weist die Kantsche Legitimation eines Angriffskrieges in keiner Weise nach, stellt bloß diese sehr wacklige Theorie auf.
 

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