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Irak-Der Dollar tritt die Übergangsherrschaft an

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
interessant, besonders der letzte absatz zeigt, was andere länder, wie zb.ecuador, damit für erfahrungen gemacht haben...


>>Der Dollar tritt die Übergangsherrschaft an

IRAKS WÄHRUNG - Die alten Scheine mit Saddam Husseins Porträt gelten nicht mehr. Eine neue Regierung soll später neues Geld einführen. Jetzt werden US-Noten eingeflogen.

BERLIN/WASHINGTON, 21. April. Der Irak
ist geschlagen, die Regierung ist gestürzt ebenso wie die Denkmäler des ehemaligen Staatschefs Saddam Hussein. Und nun fällt das nächste Symbol der alten Herrschaft: Die irakischen Dinar-Noten mit dem Porträt Saddam Husseins werden zu Altpapier. Zumindestens vorläufig ist im Irak der US-Dollar offizielle Währung.

Der Dinar galt seit einiger Zeit als Auslaufmodell. Mit dem Machtverfall Saddams war auch die ökonomische Macht des alten Geldes geschwunden. Noch 1990 entsprach ein Dinar etwa 3,20 Dollar. Nach Verhängung der UN-Sanktionen in der Folge der irakischen Besetzung Kuwaits ging es parallel zur irakischen Wirtschaft auch mit der Währung bergab: Im Sommer 2002 kostete ein Dollar etwa 2 000 Dinar. Seitdem hatte sich der Wert der irakischen Währung noch einmal halbiert.

Aber nicht nur ökonomisch war der Dinar ruiniert. Auch politisch war er untragbar geworden. Weder eine künftige irakische Regierung noch die USA können sich mit einer Banknote anfreunden, die das Bild des alten Machthabers trägt.

Experten in Bagdad

Beliebt war der Dinar in seinen letzten Tagen nur noch als Sammlerstück. Bei Internet-Auktionen erzielten Banknoten mit dem bärtigen Antlitz des gestürzten Herrschers immer höhere Preise. Findige Verkäufer boten beim Online-Versteigerer eBay druckfrische Zehn-Dinar-Noten für ein Anfangsgebot von zehn Dollar feil. Das war das Vierzigfache des eigentlichen Wertes der inflationsgeschwächten Währung. Das Höchstgebot für einen 10 000-Dinar-Schein lag vergangene Woche bei 60 Dollar. "Jetzt, da Saddam Hussein gefallen ist, wird er nie wieder auf einer Banknote auftauchen", pries ein Anbieter seine Restbestände an. Denn wer keine Macht hat, der hat keinen Kredit. Und wer keinen Kredit hat, dessen Kreditgeld ist wertlos.

"Eine Dollarisierung ist die nächstliegende Lösung", sagt David DeRosa, Finanz-Professor an der Yale School of Management. "Denn Öl ist Hauptwirtschaftsfaktor des Irak und auf dem Öl- Markt wird in Dollar gehandelt." Ohnehin sei der Greenback in der gesamten Region anerkannt als Reichtum schlechthin. Wer kann, der hält seine Ersparnisse in Dollar, also in dem echten, stabilen Kreditgeld der Weltsupermacht. Auf dem Schwarzmarkt ist die US-Währung ohnehin bereits das wichtigste Zahlungsmittel.

Vierzehn Experten vom US Finanzministerium sind mit ihren Kollegen von anderen Ministerien mittlerweile in Bagdad, um die Geldprobleme mit den Irakern zu besprechen. "Wir sprechen über die Währung, aber wir selbst werden keine neue Währung in Irak einführen", sagt ein Mitarbeiter des amerikanischen Finanzministeriums. "Die Iraker werden ihre eigene Währung einführen."

Den Angaben zufolge sollen nun vor allem kleinere Dollarscheine in Umlauf gebracht werden, um damit hunderttausende Beamte und städtische Angestellte zu bezahlen. "Wir wollen die Menschen nicht mit Geld bezahlen, auf dem das Bild des Diktators zu sehen ist", sagte bereits vor einigen Wochen ein Vertreter der amerikanischen Regierung. Fraglich sei jedoch, meint Währungs- Experte DeRosa, ob die Iraker die Banknoten mit dem George- Washington-Porträt lieben lernen. Schließlich sei der Dollar "die zweite Flagge Amerikas".

Auch Dinar-Scheine ohne das Saddam-Konterfei aus den kurdischen Gebieten im Norden Iraks sollen die Bezahlung von Arbeitern in der Zwischenzeit gewährleisten.

DeRosa vermutet, es werde bald der Vorschlag aufkommen, statt des Dollar den Euro als Zahlungsmittel zu verwenden. "Dies wäre eine gute Chance für die Euro-Freunde, dem Dollar die Rolle der Weltreservewährung streitig zu machen", so DeRosa. "Zudem bietet es die Möglichkeit, das irakische Öl statt in Dollar in Euro zu handeln und so einen Teil des Weltölmarktes in einen Euro-Markt zu verwandeln." Dies sei aber gänzlich unwahrscheinlich.

Ob und wann es einen "Neuen Dinar" geben wird, ist unsicher. Denn ökonomisch ist der Irak ruiniert und abhängig von internationaler Hilfe. Eine künftige irakische Zivilregierung dürfte einige Zeit brauchen, bis sie genug politischen Kredit erworben hat, um eine neue Währung auszugeben.

Freiheit und Verschuldung

Daher ist es auch denkbar, dass die Währung der Siegermacht USA zum Dauergast wird. Irak wäre nicht das erste Land, das auf eine eigene Währung verzichtet und sich für die US-Devise entscheidet. Viele Länder Lateinamerikas sind bereits dollarisiert, unter anderem Ecuador, ein hoch verschuldetes Land, das den größten Teil seiner Deviseneinkünfte über Öl erwirtschaftet.

Eine Dollarisierung hat unterschiedliche Auswirkungen. "In Ecuador hat die Dollarisierung die Inflationsrate deutlich gesenkt", so Charlotte Fiala von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Gleichzeitig ging die staatliche Neuverschuldung drastisch zurück. Denn mit der Abschaffung der eigenen Währung verliert eine Regierung ihre Freiheit zur Verschuldung. Folge ist die Absenkung unproduktiver Staatsausgaben, also vor allem Einsparungen im Sozialetat. Ergebnis ist die "wirtschaftliche Marginalisierung großer Teile der Bevölkerung", so Fiala. Ecuador habe zwar wieder ein stabiles Geld. Begleiterscheinungen seien jedoch "ein Anstieg der Kriminalitätsrate und eine erhöhte Emigration, die sich innerhalb eines halben Jahres nach der Dollarisierung verdoppelt" habe<<

quelle: berliner-zeitung
 
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