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Wie würd eine Neorealistin Ende des Kalten Kriegs erklären?

Kaleidoskop

Geheimer Meister
10. April 2002
182
Essaythema: Wie würde eine Neorealistin das Ende das Kalten Krieges erklären?

Nach neorealisten Gesichtspunkten war doch die internationale Struktur zur Zeit des Ost-West-Konflikts äußerst stabil.
Es herrschte Bipolarität, man kannte gegenseitig fast auf die Bombe genau seine Capabilities. Die Abschreckung durch nukleare Atomwaffen war ungemein groß und ließ einen Erstschlag unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich erscheinen, wenn man sich das Kosten-Nutzen-Schema anschaute.
Beide Blöcke hatten neben einer immensen Aufrüstung (die dann allerdings durch SALT1 und SALT2 eingeschränkt wurde. Warum denn? Um die ökonomischen Capabilites nicht übermäßig zu schröpfen?) auch standhafte Allianzpartner an ihrer Seite.

Was gäbe es noch zu sagen?

Neorealistische Gründe für das Ende des Kalten Krieges:

Durch den ökonomischen Verfall der SU wurde das bipolare System zerstört und eine unipolare Struktur entstand. Die SU hatte keine Capabilites mehr um die USA weiterhin einzuschüchtern.
Die Allianzen der SU verringerten sich immens (Beispiele?, Ungarn, Tschechoslowakei?), auch dadurch entstand auch ein Mächteungleichgewicht.

Schwer, weitere Punkte zu finden, oder?

Würd mich über Hilfe sehr freuen, müssen 5 Seiten werden...

PS: Was hat es mit der Betonung auf sich, dass es sich bei der Fragestellung um eine Neorealistin handelt? Nur Ablenkung?
 

Malakim

Insubordinate
31. August 2004
12.207
Re: Wie würd eine Neorealistin Ende des Kalten Kriegs erklär

Kaleidoskop schrieb:
PS: Was hat es mit der Betonung auf sich, dass es sich bei der Fragestellung um eine Neorealistin handelt? Nur Ablenkung?

Evtl. sollst Du nicht zu sehr auf Geostrategische Gesichtspunkte eingehen, da eine Frau i.a. wenig bis garnicht aus der militärischen Sicht argumentieren wird. :roll:

Das beinhaltet ein (Vor)urteil gegenüber Frauen ;)
 

klandestino

Geselle
6. Januar 2005
11
Nach neorealisten Gesichtspunkten war doch die internationale Struktur zur Zeit des Ost-West-Konflikts äußerst stabil.
Es herrschte Bipolarität, man kannte gegenseitig fast auf die Bombe genau seine Capabilities. Die Abschreckung durch nukleare Atomwaffen war ungemein groß und ließ einen Erstschlag unwahrscheinlich, wenn nicht sogar unmöglich erscheinen, wenn man sich das Kosten-Nutzen-Schema anschaute.
Sind das nicht eher die Gesichtspunkte des klassischen Realismus nach Morgenthau?
Dass man bis auf die Bombe genau die capabilities kannte ist wohl eher unwahrscheinlich. Man konnte es schätzen.
- wichtig ist, daß die Beziehungen zw. Staaten durch Anarchie gekennzeichnet sind, dass also der Konflikt dominiert. Der Krieg ist stets zu erwarten, jeder Staat entscheidet autonom und souverän darüber, ob er mit Gewalt vorgeht um seine Sicherheit des Überlebens wegen zu festigen. Deshalb ist jeder Staat ein self-help Staat. Es ist auch nicht zu erwarten, daß andere Staaten einem helfen, und wenn könnten diese einen größeren Gewinn ergattern als man selbst. Ausserdem sind Abhängigkeiten zu vermeiden. (das alles sind Punkte die mit dem klassischen Realismus einhergehen)
Macht ist für die Neorealisten nur Mittel zum Zweck (ungleich Morgenthau), um die o.g. Sicherheit zu erlangen. Die Position im anarchischen internationalen System (verstanden als Fehlen einer übergeordneten Instanz) ist von Bedeutung. Nur eine Verbesserung dessen ist zu erstreben.

Die Intentionen und Motivationen eines Staates haben für die Neorealisten keinen direkten Einfluss auf das internationale Geschehen. Aber wie der Staat handelt wird von der Struktur des internationalen Systems bestimmt. Die Optionen bestimmen also das Handeln und nicht das Handeln die Optionen. (der sog. Strukturzwang) (der Weg aus der Strukturlosigkeit zu einer Struktur entsteht aus der Ableitung der microtheory der Wirtschaftswissenschaft, aber darauf gehe ich jetzt nicht ein)
Durch diesen Strukturzwang und dem Entstehen einer Struktur sind die autonomen Akteure eingeschränkt, ohne einer eigentlichen Intention. Doch nachdem sie in dieser Struktur involviert sind, können sie sich dieser nurnoch anpassen.
Vor Allem der letzte Absatz sollte also Deiner Frage mehrere Antworten liefern :wink:
(damit es keine Quellenstreitigkeiten gibt:Inhaltlich habe ich das alles aus: Xuewu Gu, Theorien der internationalen Beziehungen)

Beide Blöcke hatten neben einer immensen Aufrüstung (die dann allerdings durch SALT1 und SALT2 eingeschränkt wurde. Warum denn? Um die ökonomischen Capabilites nicht übermäßig zu schröpfen?)

Naja, die Staaten haben wohl eingesehen, daß das Wetthochrüsten a. unsinnig ist, b. unbezahlbar ist, c. Allianzpartner waren für die sog. Entspannungspolitik, d. sowjetische finanzielle Krise
(inhaltlich aus: Woyke, Handwörterbuch Internationale Politik)

Du solltest Dich evtl. mehr mit dem Thema auseinander setzen, Kaleido. Soll jetzt nicht böse rüberkommen, aber all Deine Fragen werden hinreichend in Büchern dargestellt und beantwortet.

Bezüglich der Betonung auf eine weibliche Person. google..Kritik am neorealistischen Paradigma der Internationalen
Beziehungen
Ich habe da jetzt nur kurz drübergelesen, aber evtl. kann Dir das weiterhelfen?


Viel Erfolg bei Deinem Essay.
 

Kaleidoskop

Geheimer Meister
10. April 2002
182
Kannst Du mir praktische neorealistische Gründe für das Ende des KK nennen, oder erschöpft sich das schon an meinen Argumenten?
 

antimagnet

Ritter Kadosch
10. April 2002
5.881
was ist denn neorealismus und ist der kalte krieg nicht zu ende gegangen, weil der ostblock auseinandergebrochen ist?
 

Aphorismus

Ritter vom Osten und Westen
22. Dezember 2004
2.466
Kaleidoskop schrieb:
Ach, dieses Forum ist auch nicht mehr das was es einmal war...

Doch, das ist es -- und zwar nach wie vor ein Diskussionsforum und somit leider Gottes kein Ort wo andere, weil man selber zu faul ist die notwendige Recherche auf sich zu nehmen, für einen die Hausaufgaben machen. :wink:

Schade, nicht wahr? :mrgreen:
 

holo

Frechdachs
27. August 2005
2.712
"Russland ging beim Wettrüsten pleite."
Sollten doch 5 Wörter sein, oder?

;-)

Gruß
Holo
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Ein Hegemon verlor seine Hegemonstellung. Das Mächte(un)gleichgewicht ist einem ständigen Wandel unterworfen. Ein starker Staat muss damit rechnen, dass aufstrebende Staaten ihm die Position streitig machen oder das der andere starke Staat ihm gegenüber relative Gewinne erzielt.


@ antimagnet
politischer Neorealismus
 

antimagnet

Ritter Kadosch
10. April 2002
5.881
[url=http://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Neorealismus schrieb:
wiki[/url]]Der Neorealismus nach Kenneth Waltz macht zunächst einige Grundannahmen zu Staaten und dem internationalen System:

  • Staaten sind einheitliche, uniforme, homogene und rationale Akteure. Das heißt es spielt für den Neorealismus keine Rolle, ob eine Demokratie oder einer Diktatur vorliegt.
    Der einzige Unterschied zwischen den Staaten ist ihr Machtpotential.
    Staaten haben eine klare Präferenzordnung: Zunächst verfolgen sie die sog. "high politics" (=Sicherheit, Unabhängigkeit, Überleben, etc.), dann die "low politics" (=alles andere).
    Das internationale System ist anarchisch, das heißt es gibt keine übergeordnete Regelungs- und Kontrollinstanz (etwa im Sinne einer Weltregierung).
    das System funktioniert nach dem Prinzip der Macht, sie ist das Einzige, was einem Staat hilft, seine Interessen durchzusetzen.

hört sich für mich ähnlich realistisch an wie die annahmen der (neo?)klassischen ökonomie. da hat der homo oeconomicus doch eigentlich auch ausgedient.

Es kommt darum und aufgrund der Tatsache, dass Macht das einzige wirksame Mittel zur Interessendurchsetzung ist, immer nur auf die relativen Gewinne an. Das heißt der andere (Staat) darf niemals mehr Machtgewinne einfahren als man selbst. Dementsprechend schließen Neorealisten die Möglichkeiten der Kooperation praktisch aus.

das ist übrigens schon etwas, was der homo oec. überwunden hat. man muss nur die zukunft einplanen - und schon kann auch unter rationalen egoisten kooperation entstehen. zumindest spieltheoretisch.

im übrigen halte ich weder menschen noch staaten für rationale akteure mit klaren präferenzordnungen... naja, bin halt soziologe - welcher wissenschaft sind denn diese neorealismus-theorien zuzuordnen? politikwissenschaften?
 

Kaleidoskop

Geheimer Meister
10. April 2002
182
@aphorismus:

Ich hatte mein Essay schon zum Zeitpunkt des Foreneintrages fertig, allerdings wollte ich nur von euch wissen, ob ich mich auf dem Holzweg befinde, oder vielleicht etwas wichtiges vergessen habe.
Das hat nichts mit Faulheit zu tun...
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Hi antimagnet,

ja, die Theorie ist den Politikwissenschaften zugeordnet, genauer genommen den Internationalen Beziehungen. Dem Neorealismus ist es nicht wichtig, ob ein Staat eine Diktatur oder eine Demokratie ist. Er versucht auf der Ebene des Internationalen Systems das Verhalten der Staaten zu erklären. Dass er die Staaten sozusagen als Einheiten behandelt, jeder Staat eine black box darstellt, hat viel Kritik hervorgerufen. Liberale Theorien betrachten zum Beispiel auch gesellschaftliche Gruppen im Staat, Institutionalisten halten neben dem Staat als wichtigsten Akteur auch Institutionen als verhaltensleitend und strukturierend für das internationale System. In der Erklärung des "Demokratischen Friedens" (Demokratien führen keine Kriege gegeneinander) tut sich der Neorealismus auch schwer. Es gibt Theorien, die durchaus "soziale Züge" haben und Staaten als soziale Akteue auffassen. Deine Anmerkung ist richtig: der Neorealismus hat Ideen aus den Wirtschaftswissenschaften gezogen.
 

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