Religion und Wissen

Dieses Thema im Forum "Glaube und Religion" wurde erstellt von kND, 4. Juni 2002.

  1. kND

    kND Großer Auserwählter

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    Aus einem Buch

    Vor beinahe 12.000 Jahren entstand in Indien ein enormer Reichtum an Weisheit.
    Da dieses Wissen Wort für Wort, von Generation zu Generation weitergegeben
    wurde, kann der Zeitpunkt der Entstehung nur annähernd bestimmt werden. Es
    handelt sich hierbei um die Veden, was wortgetreu soviel wie Erkenntnis oder
    Wissen bedeutet. Der Mensch als vollständige Einheit wurde mit einem Streitwagen
    verglichen, bei dem Wagen und Pferde den Körper symbolisieren, die Zügel den
    Verstand und der Wagenlenker das Wesen selbst. Sie weisen auf einen religiösen
    Weg hin, auf dem der Mensch zuversichtlich höhere Stufen des Seins erreichen
    kann. In den Veden findet man den Glauben, dass der Mensch im Grunde ein
    geistiges Wesen ist, ein Leben nach dem anderen lebt und dabei von Körper zu
    Körper geht.

    Vor ungefähr 2.500 Jahren gelang es Siddharta Gautama, später Buddha genannt,
    einen Weg zu entdecken, sich selbst, als vom Körper unabhängig, bewusst zu
    werden. Unter einem Feigenbaum sitzend begann er methodisch zu meditieren und
    durchdrang mit seinem geistigen Auge Schicht für Schicht die Beschaffenheit des
    Daseins. Er erinnerte sich an seine vorangegangenen Existenzen, durchschaute das
    Gesetz der Wiedergeburt als eine Konsequenz der Taten im Leben eines Menschen
    (Karma). Er versuchte einen Weg zu finden, andere zu lehren das Gleiche zu
    erreichen. Das Leben war voller Leiden und der Mensch würde solange, wie er mit
    dem endlosen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt verbunden blieb damit
    fortfahren zu leiden. Mit dem Buddhismus begann eine Bewegung, die dazu beitrug,
    einen grossen Teil der Menschheit zu zivilisieren.

    Viele religiöse und weltanschauliche Bewegungen glaubten an die Reinkarnation
    und an den Kreislauf der Wiedergeburt. Sie war ein grundlegender Glaubenssatz in
    der römisch-katholischen Kirche bis zum Jahre 553 AD, als in der Synode von
    Konstantinopel entschieden wurde, dieser Glaube könne nicht existieren. Sie
    verdammte die Lehren der Reinkarnation als Ketzerei. Und zu diesem Zeitpunkt
    geschah es, dass Hinweise auf diesen Glauben aus der Bibel entfernt wurden.
    Christliche Kirchen behaupten heute, dass die Lehre von der Reinkarnation dem
    Urchristentum fremd gewesen wäre und erst nachträglich von Anhängern des
    griechischen Philosophen Pythagoras in die christliche Lehre eingebracht worden
    sei. Daraufhin hätte sich die Kirche veranlasst gesehen, diese "Irrlehre" auf
    einem Konzil zu verurteilen [1].

    Die historische Wissenschaft steht vor dem Problem, dass Glaubensfanatiker der
    Vergangenheit bedenkenlos historische Zeugnisse vernichtet [2] und verfälscht
    haben und ihre Meinungsgegner nicht mit geistigen, sondern kriegerischen Mitteln
    bekämpften. Der aus diesem Kampf hervorgegangene Sieger verkündete dann seine
    Anschauung als die alleingültige Wahrheit.

    Im Jahr 1200 AD stösst man auf die Albigenser (der Name ist auf die Stadt Albi in
    Südfrankreich zurückzuführen). Ihrer Erkenntnis zufolge war der Mensch ein
    geistiges Wesen, welches hier auf der Erde in einem Körper gefangen war. Er
    würde so lange in Körpern leben, bis er die Sünden, die er lange vorher beging,
    abgebüsst hatte. Die Albigenser glaubten, dass es in diesem Universum zwei
    unveränderliche Grundprinzipien gab: Gut und Böse. Das Gute kreiert das Geistige
    und das Böse schwerfällige Materie. Das Geistige wurde zur Strafe für vergangene
    Taten in vergänglichen Körpern eingesperrt. Es wandert eine Lebenszeit nach der
    anderen von Körper zu Körper, bis die Schuld für die ursprünglichen Vergehen
    bezahlt war. Die Albigenser lehnten die Rituale und Sakramente der Kirche und
    die Idee der Auferstehung des Leibes ab.

    Die Inquisition, voll entwickelt seit dem 12. Jahrhundert, im Kampf der
    Papstkirche gegen das weit ausgedehnte Sektenwesen in Südfrankreich und in
    Spanien, ist sicherlich einer der dunkelsten Teile unserer Geschichte. Sie wurde
    erst 1808 in Spanien und 1870 im päpstlichen Kirchenstaat abgeschafft. Die
    Folgen daraus haben die weitere Geschichte geprägt. Es entstand eine Ablehnung
    der geistigen Monopolherrschaft der Kirche gegenüber. In der Zeit der Aufklärung
    löste sich die Wissenschaft aus dem aufgezwungenen Denkmuster der Kirche.

    1.1.2: Die wissenschaftliche Kontrolle über den Menschen

    Ende 1700 stellte Thomas Robert MALTHUS (englischer Nationalökonom und
    Historiker 1766-1834) die Hypothese auf, dass die Bevölkerung schneller wuchs als
    die Lebensmittelproduktion. Er begründete dies mit der Behauptung, dass die
    "Arbeiterklasse" sich zu schnell vermehre. Für MALTHUS gab es niedrige und höher
    stehende Klassen. MALTHUS war der erste, der biologische Massnahmen zur
    Eingrenzung der Bevölkerungsexplosion propagierte.
    Mitte 1800 griff Charles Robert Darwin (englischer Naturalist 1809-1882) die
    Theorien von MALTHUS auf und erarbeitete seine bekannten Theorien über die
    Entwicklung des Menschen.

    Francis GALTON (englischer Psychologe 1822-1911), Halbvetter Darwins,
    entwickelte, entschlossen die menschliche Rasse durch auserlesene Züchtung mit
    Hilfe sozialer Intervention zu verbessern, das Gebiet der Eugenik, welches
    später unter dem deutschen Begriff Rassenlehre zu zweifelhaftem Ruhm gelangen
    sollte. Obwohl die Anfänge des Rassismus weit in der Geschichte zurückliegen,
    beginnt dessen eigentliche moderne Entwicklung mit dem Franzosen Arthur Comte de
    Gobineau (1816-1882). Er war der Verfasser der klassisch, rassistischen
    Abhandlung "Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen".

    Eine detaillierte Abhandlung über dieses Gebiet würde diesen Rahmen sprengen. Es
    sei nur darauf hingewiesen, dass diese neue "sozialphilosophische Richtung"
    hauptsächlich von der Psychiatrie begierig aufgenommen und ausgebaut wurde und
    im Dritten Reich in den Rassengesetzen (Nürnberger Gesetze) gipfelte.
    Der nächste Schritt war dann Euthanasie (per Definition eigentlich "der süsse
    Tod" oder Sterbehilfe) oder die Vernichtung "lebensunwerten Lebens". Nach dem
    Zweiten Weltkrieg wurde festgestellt, dass ca. 250.000 geistig behinderte
    Menschen getötet worden sind. Dieses Geschwür kam in Deutschland zum Ausbruch,
    was jedoch nicht heisst, dass sich die restliche Welt dagegen gewehrt hätte, im
    Gegenteil. Eugenikgesellschaften und ähnliche Vereinigungen gab es überall auf
    der Welt unter verschiedenen Namen (Gesellschaften für Psychische Hygiene etc.).
    Im Jahre 1909 gab es die erste Professur für Eugenik in England. 1905 wurde
    eines der ersten Sterilisationsgesetze in Amerika (Pennsylvania) vorgeschlagen
    [3].

    Mitte 1800 etablierte Wilhelm Maximilian Wundt (1832-1920), Professor für
    Philosophie an der Universität Leipzig, das erste psychologische Laboratorium
    der Welt. Für WUNDT war der Wille, so wie er entstand, das direkte Resultat aus
    der Kombination wahrgenommener Reize, aber keineswegs die unabhängige Absicht
    eines selbstbestimmten Individuums. Er war der Überzeugung, der Mensch entbehre
    des Geistes und der Selbstbestimmung und suchte zu beweisen, dass er die Summe
    seiner Erfahrungen sei; der Reize, die in sein Bewusstsein und Unterbewusstsein
    eindrangen. WUNDT's These legte die philosophische Basis für die Prinzipien der
    Konditionierung, die später von PAVLOV (russischer Psychologe, 1849-1936) und
    amerikanischen Verhaltenspsychologen entwickelt wurden: für Lobotomie und
    Elektrokonvulsiv-Therapie, für Schulen, die mehr an der Sozialisierung des
    Kindes orientiert sind als an der Entwicklung des Intellekts und des Bestandes
    der Kultur und für das Wachstum einer Gesellschaft, die sich zunehmend der
    Befriedigung sensorischer Wünsche auf Kosten von Verantwortlichkeit und Leistung
    widmet.

    In den nachfolgenden Jahren konnte man an nahezu jeder wichtigen europäischen
    oder amerikanischen Universität die neue Psychologie unter jemandem studieren,
    der seinen Doktor direkt bei WUNDT in Leipzig gemacht hatte. Dies zog einen
    grossen Wandel, hauptsächlich im amerikanischen Erziehungswesen, nach sich. Gegen
    Ende des Ersten Weltkrieges begannen immer mehr Amerikaner eine Veränderung in
    der Unterrichtung ihrer Kinder zu bemerken. In den darauf folgenden Jahrzehnten
    sind die amerikanischen Schulen, die einst den amerikanischen Traum
    hervorbrachten, mit Drogen und Kriminalität infiziert worden und höhere
    Lehranstalten bringen Absolventen hervor, die kaum Lesen, Schreiben und einfache
    Arithmetik beherrschen [4].

    Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte eine globale Wende. Es war der
    Beginn einer neuen Weltordnung. Mit einem Mal wurde bewusst, dass ein nächster
    Krieg von diesem Ausmass, die Zerstörung der gesamten Zivilisation nach sich
    ziehen würde. Der Kalte Krieg begann und mit ihm die Erforschung von
    Möglichkeiten, den Verstand des Menschen zu kontrollieren. Der Dritte Weltkrieg
    würde zu einem Krieg um den Verstand des Menschen. Die Grossmächte versuchten
    sich gegenseitig den Rang abzulaufen. Die beiden grossen Geheimdienste (CIA und
    KGB) beschäftigten sich massiv mit dem Thema Mind Control [5]. Parallel dazu
    wurden nationale und internationale "Gesellschaften für geistige Gesundheit" ins
    Leben gerufen, initiiert und getrieben von John R. Rees (Mitbegründer der World
    Federation for Mental Health (WFMH)), einem, wie sich später herausstellte,
    Agenten des CIA. Das war in den der 50er Jahren.

    Wenn so massiv versucht wird, dem Menschen seine "geistige Herkunft" auszureden,
    lässt das nicht auf eine Interessengruppe schliessen, die ihrerseits vom Gegenteil
    überzeugt ist und einen Nutzen damit verbindet?

    Wem nützt die Mensch=Lehm-Theorie?

    Wem nützt es, dass das Bewusstsein des Menschen auf das einer geistigen
    Eintagsfliege heruntergeschraubt wird?

    Wenn das die Wahrheit wäre, müsste man so krampfhaft versuchen die Menschheit
    davon zu überzeugen? Warum sind so viele Menschen von einem "geistigen Ursprung"
    überzeugt? Was steckt hinter dem jahrhundertelangen Versuch, sich gegenseitig
    von der Existenz oder Nichtexistenz einer Seele zu überzeugen?

    Die Menschheit hat viele Philosophen hervorgebracht, und viel Wissen wurde in
    Gebieten der materiellen Wissenschaften, wie Chemie, Biologie, Physik,
    gesammelt. Sei es aus ideologischen oder politischen Motiven heraus, dieses
    Wissen wurde kaum auf die geistige Natur des Menschen angewandt. Diejenigen, die
    es versuchten, wurden verfolgt und vernichtet, wie wir es in der Inquisition
    erlebt haben. Wissen darüber wurde für politische Ziele, Kontrolle und
    Propaganda eingesetzt.
     
  2. Nausikaa

    Nausikaa Großmeister

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    Ich finde den Text stellenweise ganz interessant. Allerdings fällt es mir etwas schwer, einen wirklichen Bezug beispielsweise zwischen Inquisiton und Konditionierungstheorien herzustellen.
    Aus welchem Buch hast du denn den Text?
     
  3. kND

    kND Großer Auserwählter

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    Schach der Erde"
     
  4. Anonymous

    Anonymous Gast

    Das ist ein wirklich interessanter Text. "Was steckt hinter dem jahrhundertelangen Versuch, sich gegenseitig von der Existenz oder Nichtexistenz einer Seele zu überzeugen? "

    Besonders daß die frühen Christen an die Reinkarnation, und somit an die Seele geglaubt haben, wußte ich vorher noch nicht! (Stimmt aber, ich habs nachgeprüft!! Das wesentliche dabei war, daß nicht die Kirche selbst diese Lehre abgeschafft hat, sondern ein römischer Kaiser sie verbieten ließ, also die weltliche Macht.)

    Eigentlich haben alle großen Kulturen und die großen Mystiker der Geschichte an die Reinkarnation geglaubt.

    In unserem allzu weltlichem Denken ist dafür natürlich kein Platz mehr, wir können nur noch ans hier und jetzt denken. Deshalb wird die Seele besonders von machthungrigen Menschen verleugnet, wie z.B. dieser römische Kaiser (wie hieß er denn nur...!?). Sonst hätten sie ja auch keine Kontrolle über den Einzelnen. Wenn aber der "Einzelne" nur an sich und sein Vorteil denkt, nur aufs Nehmen bedacht ist, und nie auf Geben, dann verkauft er sich auch an Menschen, die ihm Macht versprechen.

    So wie Bart Simpson seine Seele an Milhouse verkauft hat. Oder Faust, aber wer hat den schon gelesen...

    Liebe Grüße
    Peppi

    PS: Ja wer hat eigentlich Faust gelesen, Hände hoch :!:
     
  5. Anonymous

    Anonymous Gast

    übrigens:

    @mods

    Wollen wir den Thread nicht lieber ins Philosophie-Forum verschieben :?:
     
  6. kND

    kND Großer Auserwählter

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    nein dieser thread kann hier bleiben !!
     
  7. Anonymous

    Anonymous Gast

    OK ;)
     
  8. kND

    kND Großer Auserwählter

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    klar wir sind ja nicht hier zum streiten *zwinka* austausch ist wichtig, kritik und kritisiert werden ;-)
     
  9. Anonymous

    Anonymous Gast

    Du hast das Thema eröffnet, also bist du der Chef *ggg*

    Besonders viele Leute scheinen sich ja nicht hier an der Diskussion beteiligen zu wollen, aber macht nichts, ich geb trotzdem nochmal meinen Senf hierzu.

    Der Kaiser nämlich, der die Seelenwanderung "verboten" hat, hieß Konstantin der Große, das wollte ich mal nachtragen. Konstantin hat sich sehr um die Christliche Kirche bemüht, während seiner Regierungszeit beendete er die grausame Christenverfolgung, und hielt den ersten Konzil in Nicäa ab, wo sich fast alle Bischöfe versammelt haben.

    Mit diesem Konzil hatte er eine Art Institution der christlichen Kirche geschaffen, die vorher eigentlich nur aus verfolgten und armen Gläubigen oder einsiedelnden Mönchen bestand. So hatte er die Kirche unter Kontrolle und mit ihr eine Menge Gläubige, die sich vorher allen Verboten widersetzt hatten und lieber den Märtyrertod erlitten, als sich anzupassen.

    Also ließ er sich Versprechen machen, und versprach der Kirche dafür den Schutz des Römischen Imperiums. Er nahm sogar den Glauben an, aber taufen lies er sich erst auf dem Sterbebett, denn wenn einem bei der Taufe alle Sünden vergeben werden, dann sollte man sich doch erst taufen lassen, wenn man keine Sünden mehr begehen kann ;)

    Naja, so hatte er die Kirche in der Hand, und konnte ihr diktieren, was ihm an ihrem Glauben gefällt (na klar, die Demut der Menschen + die Allmacht ihres Gottes) bzw. nicht gefällt (Seele z.B. oder andere Formen der Mystik).

    Daraufhin wurden im ganzen Römischen Reich die Tempel der Heiden zerstört und die Priester umgebracht, und Konstantin erbaute neben neuen Residenzstadt Konstantinopel (=Istambul, seine vorherige Residenz war übrigens Trier) die wichtigsten Kirchen des Christentums: die Geburtskirche, die Grabeskirche in Jerusalem und die Vorgängerkirche vom Petersdom in Rom.

    Seine Mutter hat übrigens das angebliche Kreuz Jesu' in Palestina gefunden, sowie sein Hemd, dessen Überreste sich heute immernoch in Trier befinden. Außerdem hat er der Kirche auch jede Menge Besitz vermacht, also den Kirchenstaat.

    So ist die Kirche wohl eine Erfindung dieses Mannes, dessen Auffassung von Religiösität sie seit über einem Jahrtausend verbreitet, um dabei immer den Herrschenden dienlich zu sein... Oder sich die Herrschenden dienlich zu machen, z.B. mit dme Gang nach Canossa.

    Irgendwelche Anmerkungen?
     
  10. kND

    kND Großer Auserwählter

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    ich habe zudem nichst mehr zu sagen...gut ..echt gut die frau !!!! ;-) ich meinte auch dass die religionen auch irrefügungen sind! ;-)
     

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