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Protokolle von zion

Dieses Thema im Forum "Freimaurer, Illuminaten und andere Geheimbünde" wurde erstellt von Vril-Eulenspiegel, 20. Mai 2002.

  1. Vril-Eulenspiegel

    Vril-Eulenspiegel Geheimer Meister

    Beiträge:
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    Registriert seit:
    14. Mai 2002
    sicher habt ihr schonmal von den zionistichen protokollen gehört, vieleicht habt ihr sie auch mal gelesen. was haltet ihr davon?
    nach offizieller meinung sind sie eine fälschung der nazis , aber soweit ich informiert bin gibt es die protokolle schon lange bevor es die nsdap gab.
    ausserdem, was heißt gefälscht? gefälscht sind sie nicht , es gibt sie ja, und ihr inhalt hat sich ja auf erschrekende weise erfüllt. lediglich ihre herkunft wurde gefälscht ,aber woher kommen sie wirklich?
     
  2. Anonymous

    Anonymous Gast


    Da es sich um ein Protokoll handelt, es aber nichts zu protokollieren gab ist es sehr wohl eine Fälschung!!!

    Die Nazis haben dieses Protokoll lediglich aufgewärmt.

    Erstmals in geschriebener, kommerzieller Form erschiehnen die Protokolle in einem Roman um 1850.

    Die Absprache einer Versammlung von Juden auf einem Friedhof wird von zwei Männern die zufällig in der nähe sind protokolliert.

    Die Nazis jedoch nahmen nur die Protokolle und verstreuten sie als Macht-Plan der Juden.

    Die Protokolle werden in den arabischen Länder heute teilweise noch im Schulunterricht gelehrt.

    Ihr Einfluss ist immer noch in Holland, England, Amerika, Deutschland, Palästina, Italien, Russland und sogar in China sehr groß.

    Was an den Protokollen aber so geheim ist verstehe ich nicht denn solch ein Protokoll wird wohl jeder Politiker für sich beanspruchen...
     
  3. Sefirot Bina

    Sefirot Bina Großmeister

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    ich bin der meinung das sie nicht gefälscht sind. sie werden haltr nur der gruppe zugeordnet die diskreditiert werden soll. so wurden die gleichen protokolle bei einem gelehrten gefunden der von einem treffen mit weißhaupt kam. nur juden waren durch illuminaten ersetzt.
    außerdem haben die nazis sie nur aufgewärmt. die fälschung wird der orchana, vorläufer des kgb, zugeschrieben.
     
  4. Vril-Eulenspiegel

    Vril-Eulenspiegel Geheimer Meister

    Beiträge:
    262
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    14. Mai 2002
    laut wissentshaftlihen studien stammen die protokole aus russland , wo sie ein schreiber der damaligen führungsschicht zwischen 1900-und 1914 von einer hetzshrift des 1870 amtierenden zaren gegen napoleon den 3.fast original überommen haben soll
     
  5. Echnaton

    Echnaton Großmeister

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    Wenn ich einen 10-DM Schein fälsche, muss ich davon ausgehen, dass es auch einen echten gibt. So gibt es auch die echten Protokolle.
    Was mich an der geschichte stört: Man schaut viel eher darauf, ob sie nun WIRKLICH von denen sind, denen man sie zuschreibt, als darauf, was drinsteht.
    Es geht nur darum, dass man das was da drinsteht anwendet.
    Und wer hätte die Macht sie anzuwenden??

    Hier ein paar handfeste Daten, historisch belegt, was auch immer das heißen mag:
    (zitiere also nur und enthalte meine meinung)



    Zionistenkongress Basel: 1897
    Führer: Theodor Herzel (= Journalist; hochaktiv im Cafe Kriemsteidl = Zentraler Treffpunkt sämtlicher Autoren der Wiener Moderne) --> 95/96 Besuch in Paris, starke Veränderung des Charakters nach Zeitzeugen, dann klarer Zionist

    Antisemitscher Bürgermeister Dr. Karl Lueger (1897)
    1889 Vorsitz der sozialdemokraten: Dr. Victor Adler (Jüd.) --> enormer Zulauf (polit.) der jüd. Bevölkerung Wiens

    80/90 enormer Anstieg der in Wien lebenden jüd. Bevölkerung

    Franz Werfel / Kafka --> Zionismus

    10 % der Bev. Wiens jüd.
    30-60% der Schüler jüd. Abstammung
     
  6. Locus

    Locus Geselle

    Beiträge:
    42
    Registriert seit:
    13. Mai 2002
    Eine Fälschung, die interessanterweise aus der Zeit der Gründung des Illuminatenordens stammt.
    Sie wurde 1789 vom antisemitischen Abbé Grégoire verfasst, um den Juden und Freimaurern die Schuld an der französischen Revolution in die Schuhe zu schieben.
    Es ist denkbar, das sehr viele ähnliche Protokolle zu der Zeit im Umlauf waren, denn die französische Revolution war geprägt von einer Vielzahl sehr verwirrender Anschuldigungen auf alle möglichen Gruppierungen. Sehr oft wurde da etwas zurechtgefälscht, um politisch missliebige Gegner zu diffamieren, manchmal aber auch hatte man eine wirkliche Verschwörung aufgedeckt, konnte aber niemandem irgendetwas beweisen.
    Es ist deshalb nicht so leicht festzustellen, ob nun ersteres oder letzteres der Fall war. Fest steht nur, dass sie später von der Ochrana, der zaristischen Geheimpolizei weiterverwendet wurden - wahrscheinlich um gegen die weitgehend jüdischen Finanzierer der Oktoberrevolution vorzugehen - und dass sie schliesslich auf einem äusserst vertrackten Irrweg in die Hände der Nationalsozialisten gelangten.
    Interessanterweise aber waren die Juden stets dort in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt, wo die Protokolle auftauchten.
    Man kann zwar die Protokolle somit als eine oft missbrauchte Fälschung zu Propagandazwecken bezeichnen; das Denken aber, welches aus ihnen spricht, sollte dennoch keineswegs ausser Acht gelassen werden.
    Aus ihnen spricht ein Ratgeber, ein Nachschlagewerk, das leider schon sehr vielen Verschwörern dieser Welt zum Vorbild diente.
    Und dies gilt sowohl für Juden, als auch für Antisemiten; Verschwörer ist und bleibt eben Verschwörer.
    Hitler selbst jedenfalls soll sogar laut den Tonbandaufzeichnungen "Gespräche mit Hitler" sich "bis ins kleinste Detail" an die Ausführungen der Protokolle gehalten haben (obwohl er sie ja offiziell bekämpfte).
    Also sind nicht die Protokolle das eigentlich gefährliche Element, sondern das in ihnen geäusserte Gedankengut.
     
  7. ilek

    ilek Geheimer Meister

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    18. Mai 2002
    Amnon Rubinstein




    Pünktlich zu seinem 70. Geburtstag und gleichzeitig passend zur aktuellen antizionistischen Kampagne in Durban, erschien beim dtv die deutsche Erstauflage von Amnon Rubinsteins "Geschichte des Zionismus".

    Einführung:
    Basel und Jerusalem

    Von Amnon Rubinstein

    Am Samstag, den 28. August 1897 — einem besonders heißen Tag — versammelten sich in der Synagoge in Basel unzählige Gläubige. Die kleine Schweizer Stadt stand nicht jeden Tag im Mittelpunkt von soviel Aufmerksamkeit. In der kleinen jüdischen Gemeinde und in den Straßen der Stadt liefen die Vorbereitungen für den Ersten — und vielleicht letzten — Zionistenkongress auf Hochtouren.

    Überall waren Juden: begeisterte Studenten aus Rußland und Berlin, Rabbiner und Geschäftsleute, Professoren von deutschen Universitäten, Ladenbesitzer, Intellektuelle und Dichter, Bauern und Mitglieder der begüterten Klassen. Sie kamen aus Algier und Bukarest, Odessa und London, Paris und Kattowitz — und alle beteiligten sich auf ihre Art und Weise erwartungsvoll und eifrig an dem Stimmengewirr aus aufwogenden Gefühlen, intellektuellen Debatten, Hoffnungen und Befürchtungen. Würde von Basel eine neue Lehre ausgehen? Oder würde der Erste Zionistenkongreß nur eine ebenso rasch vergessene Episode sein wie die anderen hoffnungslos dem Untergang geweihten Versuche jüdischer Organisationen, die Situation der Juden zu verbessern?

    Doch es gab einen besonderen Grund für die aufgeladene Atmosphäre in der Synagoge: Theodor Herzl — der Journalist, Autor und Dramatiker, der im Jahr zuvor durch die Veröffentlichung eines dünnen Büchleins mit dem Titel >Der Judenstaat< einen Sturm ausgelöst hatte, ein Mann, der, egal wo er auftauchte, Gegenstand von Bewunderung, Widerstand und Spott war — kam zur Synagoge und würde zum Altar hinaufsteigen, um zur Torah aufgerufen zu werden. Der assimilierte Herzl, dessen Bar Mizvah in einer Budapester Synagoge seine letzte verschwommene Erinnerung an irgend etwas Jüdisches war, legte sich einen Gebetsschal um und rezitierte den Segen in einer fremden Sprache — Hebräisch.

    Am 9. September nach dem Kongreß wieder in Wien, als die Aufregung, die Hochrufe und das »Lang lebe der König« langsam verblaßten, schrieb Herzl, in Erinnerungen schwelgend, in sein Tagebuch:

    »Ich ging, aus Rücksicht auf das religiöse Bedenken am Samstag vor dem Congress in den Tempel. Der Gemeindevorstand rief mich auf. Ich ließ mir vom Schwager meines Freundes Beer aus Paris, Herrn Markus aus Meran, die Broche (den Segensspruch) eintrichtern. Und als ich zum Altar hinaufging, war ich aufgeregter als an allen Congresstagen: Die wenigen Worte der hebräischen Broche machten mir mehr Beklemmung als meine Begrüssungs- u. Schlussrede u. die ganze Leitung der Verhandlung.«1

    Der Sabbat in der Synagoge in Basel hatte etwas ähnlich Einzig artiges: Auch Max Nordau — ein assimilierter Jude, der sich mit einer Reihe umstrittener Bücher einen Namen gemacht hatte und in ganz Europa als erklärter Atheist bekannt war — kam in die Synagoge. Seiner Familie schrieb er in einem Brief folgendes über den Besuch:

    »Kaum war ich heute morgens angekommen, machte ich mich auf die Suche nach Herzl. Ich nahm einen Wagen und fuhr in die Synagoge, denn ich wußte, daß Herzl dort sei. Ich hatte jedoch ganz vergessen, daß es Samstag war. Anstatt nur den Tempeldiener zu finden, bin ich mitten in den Gottesdienst geraten und fand Herzl angetan mit einem Gebetsmantel. Das hat mich ganz aus der Fassung gebracht. Man wollte mich rufen >das Gesetz lesen, ist eine Ehre<, aber ich habe verzichtet und bin bestürzt fortgegangen ... «2

    1 Theodor Herzl: Briefe und Tagebücher. Bd. 2: Zionistisches Tagebuch 1895—1899. Berlin 1984, S. 544—545.
    2 Max Nordau: Erinnerungen. Erzählt von ihm selbst und von der Gefährtin seines Lebens. Leipzig, Wien 1928, S. 183.

    Der folgende Tag ist vollkommen anders. In der Haupthalle des Kasinos der Stadt herrscht eine feierliche, aufgeregte Atmosphäre. Die Delegierten — auch Nordau, der sich dem Diktat vergeblich widersetzt hatte — tragen auf Herzls Bitte Gehröcke; es werden Reden gehalten, unterbrochen von donnerndem Applaus. Herzl ist überall, kontrolliert den Ablauf sowohl als Regisseur als auch als Produzent, regelt die Details, leitet das Ganze nach den parlamentarischen Verfahren, die er als Korrespondent einer Wiener Zeitung im Palais Bourbon, dem Sitz der Nationalversammlung in Paris, kennengelernt hat.

    Nordau, Anhänger eines extremen Individualismus und leidenschaftlicher Gegner des Nationalismus, spricht aus dem Stegreif zu der versammelten Menge; er spricht von den Problemen der Juden und der Notwendigkeit, sie von der Unterdrückung zu befreien. Herzl und Nordau — beides assimilierte Juden, deren gewaltiges Abweichen vom traditionellen Judentum einen Tag zuvor in der Synagoge noch unterstrichen worden war — sprechen von eben dem jüdischen Volk, dem sie jetzt als Wortführer, Propheten, Priester und Führer dienen wollen.

    Herzl wendet sich an den Kongreß:

    »Schon hat der Zionismus etwas Merkwürdiges, ehedem für unmöglich Gehaltenes zuwege gebracht: die enge Verbindung der modernsten Elemente des Judentums mit den konservativsten. Da sich dies ereignet hat, ohne daß von der einen oder der anderen Seite unwürdige Konzessionen gemacht, Opfer des Intellekts gebracht worden wären, so ist dies ein Beweis mehr, wenn es noch eines Beweises bedürfte, für das Volkstum der Juden. Ein solcher Zusammenschluß ist nur möglich auf der Grundlage der Nation.«3

    3 Theodor Herzl: Eröffnungsrede zum Ersten Kongress. In: Theodor Herzl: Zionistische Schriften. Hg. von Leon Keller. Berlin o.J., 5.222—223.

    Denkt er, während er diese Worte ausspricht, an sein Treffen in dem Hotel mit einer Delegation von Rabbinern, die auch an dem Kongreß teilnehmen — eine kleine, wenn auch wichtige Minderheit —, und an seinen Besuch in der Synagoge am Tag zuvor? Denkt er über die Welt des osteuropäischen Judentums nach, vertreten durch Juden aus dem zaristischen Rußland? Er steht vor einem Querschnitt dieser so verschiedenen Menschen, die sich in Sprache, Kultur, Lebensstil und religiöser Einstellung voneinander unterscheiden. Auf Herzls Einladung hin haben sie sich in Basel getroffen, um über die mißliche Lage eines heimatlosen, landlosen Volkes nachzudenken, das über die ganze Welt verstreut ist. Verbunden sind sie durch das Jüdische Problem, das wiederum an verschiedenen Orten unterschiedliche Formen annimmt. Der gemeinsame Nenner ist das universale Bedürfnis der Juden nach Erlösung von ihrer Drangsal, Befreiung aus dem umfassenden Zustand des Unbehagens und persönlicher Scham — das Bedürfnis, eine Nation zu werden, gleich zu sein in einer Gesellschaft von Gleichen.

    Auch der Schriftsteller und Philosoph Achad Haam — ein skeptischer Beobachter — reagiert auf die Ereignisse in Basel:

    »Von all den hochtrabenden Zielen, die der Zionismus sich gesetzt hat, ist nur eines zur Zeit in Reichweite; und zwar das moralische Ziel, uns selbst aus der Sklaverei des inneren Wesens zu befreien, von dem unterdrückten menschlichen Geist, der durch die Assimilation entstand. Wir müssen unsere nationale Einheit stärken, indem wir in allen Aspekten der Existenz unserer Nation zusammenarbeiten, bis wir bereit sind für ein Leben in Würde und Freiheit — in den Tagen, die kommen werden.«4

    4. Arthur Hertzberg (Hg.): The Zionist Idea. New York 1966, 5.83.

    Die Juden, die sich in Basel versammeln, möchten einzigartig unter den Nationen sein — ein Volk, für das moralische Grundsätze und die Regeln des Gesetzes untrennbar miteinander verbunden sind. Herzl drückt das so aus:

    »Überall soll man erfahren, was der Zionismus, den man für eine Art von chiliastischem Schrecken ausgab, in Wirklichkeit ist: eine gesittete, gesetzliche, menschenfreundliche Bewegung nach dem alten Ziel der Sehnsucht unseres Volkes.«5

    Ein paar Tage vor dem Kongreß hatte Herzl, auf dem drohender Hohn und Spott wie immer schwer lasteten, am 24. August im Zug nach Basel folgenden Eintrag in sein Tagebuch gemacht:

    »Thatsache ist, was ich Jedermann verschweige, dass ich nur eine Armee von Schnorrern habe. Ich stehe nur an der Spitze von Knaben, Bettlern und Schmöcken. Manche beuten mich aus. Andere sind schon neidisch oder treulos. Die Dritten fallen ab, so wie sich ihnen eine kleine Carrière eröffnet. Wenige sind uneigennützige Enthusiasten. Dennoch würde dieses Heer vollkommen genügen, wenn sich nur der Erfolg zeigte. Da würde es rasch eine stramme reguläre Armee werden. Wir werden also sehen, was die nächste Zukunft bringt.«6

    Aber am 30. August hatte sich seine Stimmung verändert:

    »Die Geschichte des gestrigen Tages brauche ich nicht mehr zu schreiben, die schreiben jetzt bereits andere.«7

    5. Theodor Herzl: Eröffnungsrede zum Ersten Kongreß. In: Theodor Herzl: Zionistische Schriften. Hg. von Leon Keller. Berlin o. J., S. 227.
    6 Theodor Herzl: Briefe und Tagebücher. Bd. 2: Zionistisches Tagebuch 1895—1899. Berlin 1984, S. 535.
    7. Ebda., S. 538.

    Seine Kollegen bei der >Neuen Freien Presse< in Wien begrüßen ihn scherzhaft als den »König der Juden«. Als er sich von seinen anstrengenden Arbeiten allmählich erholt und der emotionale Aufruhr durch die Ereignisse langsam wieder nachläßt, findet Herzl die prophetischen Worte, die durch die moderne Geschichte des Judentums widerhallen werden. Am 3. September schreibt er in sein Tagebuch:

    »Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen — das ich mich hüten werde öffentlich auszusprechen — so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es Jeder einsehen. Der Staat ist wesentlich im Staatswillen des Volkes, ja selbst eines genügend mächtigen Einzelnen (l'etat c'est moi Ludwig XIV) begründet. Territorium ist nur die concrete Unterlage, der Staat ist selbst wo er Territorium hat immer etwas Abstractes. Der Kirchenstaat besteht auch ohne Territorium, sonst wäre der Papst nicht souverän. Ich habe also in Basel dieses Abstracte u. darum den Allermeisten Unsichtbare geschaffen. Eigentlich mit infinitesimalen Mitteln. Ich hetzte die Leute allmälich in die Staatsstimmung hinein u. brachte ihnen das Gefühl bei, dass sie die Nationalversammlung seien.«8

    8. Ebda., 5.539.

    Herzl schreibt diese Worte zu einer Zeit, in der der Zionismus, den er sich ausgedacht und den er begründet hat, trotz der enthusiastischen Begeisterung auf dem Kongreß immer noch eine esoterische Randerscheinung ist.

    Der Kongreß ist eine Quelle, aus der nur ein dünnes Rinnsal fließt. Der Zionismus kann sich nicht auf politische Unterstützung berufen: Es gibt keinen einzigen Hinweis darauf, dass der Sultan in Konstantinopel auf die Träume — andere würden sie als Halluzinationen bezeichnen — des Wiener Journalisten eingeht; die wohlhabenden Juden der Welt und die große Mehrheit der religiösen Führer stehen ihm entweder ablehnend oder ambivalent gegenüber. Verglichen mit den großen Bewegungen des Judentums — Assimilation, Orthodoxie, Reformation, Revolution — scheint diese Quelle fast versiegt zu sein.

    Innerhalb der jüdischen Gemeinden herrscht Aufregung — besonders in Osteuropa —, und es gibt auch viel Widerstand. Nicht nur die Ultraorthodoxen stehen dem Zionismus ablehnend gegenüber, sondern auch einige jüdisch-russische Intellektuelle und die Revolutionäre der Linken. Wichtige Zeitungen berichten über das Ereignis in Basel — manche in einem positiven Licht, manche in einem verächtlichen, mit Feindseligkeit durchsetzten Ton. Die deutsche Botschaft in Bern schickt dem deutschen Kaiser einen ausführlichen Bericht darüber, was die Juden in Basel im Schilde führen. Auf den Rand des Dokuments schreibt Kaiser Wilhelm II.:

    »Ich bin sehr dafür, dass die Mauschels nach Palästina gehen, je eher sie dorthin abrücken, desto besser. Ich werde ihnen keine Schwierigkeiten in den Weg legen.«9

    9 Auswärtiges Amt, Politisches Archiv, Abt. 1 A Türkei 195: Die Juden in der Türkei, Bd.1 (R 14125).

    Fünfzig Jahre, nachdem Herzl diese Eintragungen in sein Tagebuch gemacht hatte, wurde der Jüdische Staat gegründet. Er war nicht ganz so, wie Herzl ihn sich vorgestellt hatte. Statt von Antisemiten gutgeheißen zu werden, wurde der Staat erst gegründet, nachdem der Großteil der europäischen Juden von Mitgliedern eben der Kultur, die Herzl so überaus bewundert hatte, ausgerottet worden war. Die zukünftigen Bürger reisten nicht — wie in Herzls Vorstellung — auf luxuriösen Ozeanriesen an, auf denen Orchester im Hintergrund klassische Musik spielten, sondern auf maroden Schiffen, von denen einige unterwegs sanken oder versenkt wurden. Sie kamen nicht in Frieden, wie in Basel prophezeit, sondern mitten hinein in das Blutvergießen und die Geschützfeuer des Unabhängigkeitskrieges und anderer Kriege, die noch kommen sollten.

    Fast einhundert Jahre, nachdem Herzl seine Bemerkungen über die dem Zionismus innewohnende Moral und Rechtsstaatlichkeit machte, wurde der Ministerpräsident des Staates Israel, Jizhak Rabin, von einem religiösen Fanatiker ermordet. Dieser führte seinen teuflischen Plan im Namen des jüdischen Glaubens und religiöser Gesetze aus, unterstützt vom Rat seiner geistlichen Führer. Er erschoß einen Mann, dessen Verbrechen es war, hartnäckig an der Idee des Friedens festzuhalten. Im Verfahren gegen den Mörder sagte Eliezer Goldberg, Richter am Obersten Gerichtshof:

    »Wir haben den Einspruch gehört, den wir hiermit an diesem Tag zurückweisen, dem zwanzigsten Tag des Tamus, dem Jahrestag des Todes von Herzl. Herzl war derjenige, der die Vision dieses Staates hatte. Die Möglichkeit, daß ein jüdischer Führer eines zukünftigen Judenstaates von einem Juden getötet werden würde, war ihm sicher nicht in den Sinn gekommen. Die Begründer unserer Nation stellten sich sicher nicht vor, was passieren würde, wenn wir Unabhängigkeit erlangten. Selbst unsere Generation, die sich des Auseinanderklaffens zwischen Vision und Wirklichkeit voll und ganz bewußt ist, kann kaum glauben, daß sich in Israel eine solch ruchlose Tat ereignen kann. Die Wirklichkeit hat den Begründern und ihren Nachkommen einen kalten, harten Schlag ins Gesicht versetzt. Tatsache ist, daß der Ministerpräsident des Staates Israel von dem Berufungskläger ermordet wurde. «10

    10 Berufungsverfahren 3126/96, Jigal Amir gegen den Staat, Dinim Elyon 1996, Bd. 44, S. 396.

    Im August 1949 wurden Herzls Überreste nach Israel überführt und in Jerusalem beerdigt, oben auf dem Hügel, der seinen Namen trägt. Damals war der Herzl-Berg ein unfruchtbarer Hügel am Stadtrand von Jerusalem — einer geteilten, schwachen, von einer feindlichen Grenze umzingelten Stadt. Die Hauptstadt eines belagerten Landes, das den Flüchtlings- und Einwanderungswellen, die von Ost und West an seine Küsten brandeten, kaum gewachsen war.

    Am 6. November 1996, als Jitzchak Rabin gegenüber von Herzls Grab zur letzten Ruhe gebettet wurde, war die Szene eine vollkommen andere. Jerusalem war zu einer großen Stadt herangewachsen, und um den Herzl-Berg herum konnte man im Norden wie im Süden den Beweis für die rasche Entwicklung sehen, die sowohl Israel als auch seine Hauptstadt überflutete. Im Herbstlicht konnte man die Stadt und ihre Vororte überblicken, die frühere Grenze, die Türme und Minarette, die Parks und bewaldeten Gebiete, die neuen Technologieparks und Yad Vashem — die Holocaust-Gedenkstätte. Von der Kuppe des Herzl-Bergs konnten diejenigen, die an der Beisetzung teilnahmen, Jerusalem sehen — gefühlsmäßig immer noch geteilt zwischen Juden und Arabern und zwischen Juden und Juden, immer noch keine Stadt des Friedens, aber eine großartige Stadt, erfrischend in ihrer einzigartigen Schönheit, die Hauptstadt des jüdischen Staates: eines wohlhabenden und mächtigen Landes, das Satelliten in den Weltraum schießt und seine Industrieexporte auf Märkte rund um den Globus verschifft.

    Dort, gegenüber von Herzls Grab, waren die führenden Köpfe der Welt versammelt. Könige und Präsidenten, Premierminister und Prinzen, militärische Machthaber und Intellektuelle. Eine Versammlung von Menschen, wie es in Jerusalem noch keine gegeben hatte, nicht einmal in seinen alten Glanztagen. Auch die Köpfe arabischer Staaten waren da: der Präsident von Ägypten, der König von Jordanien, Vertreter der Palästinenserbehörde und Delegationen aus Marokko, Tunesien, Oman und Katar. Viele hatten Tränen in den Augen. Jitzchak Rabin war tot. Ein jüdischer Ministerpräsident war ermordet worden. Von einem Juden. Im Namen des Judentums. Einhundert Jahre nach dem Ereignis in Basel.

    Amnon Rubinstein
    Geschichte des Zionismus
    Von Theodor Herzl bis heute
    Aus dem Englischen von Elvira Willems
    Mit einer Einleitung von Arthur Herzberg
    360 Seiten - DM 38,- öS 277,- sFr 34,50
    ab 1.1.2002: € [D] 19,50 € [A] 20,-

    Deutsche Erstausgabe / ISBN 3 423 24267 1
    September 2001
     
  8. Anonymous

    Anonymous Gast

    :?:

    Die Protokolle enthalten z.T. identische Zitate aus dem Buch Esras.
    fragt mich bitte nicht, wie ich auf diese Verbindung stieß....... ich erinnere mich nicht mehr.
    Aber kann mir einer von euch eventuell genaueres sagen?
    Vielen lieben Dank im Voraus,

    Almare
     
  9. Amrei

    Amrei Geheimer Meister

    Beiträge:
    375
    Registriert seit:
    10. April 2002
    Almare was ist das Buch Esras?

    liebe Grüße
     
  10. Anonymous

    Anonymous Gast

    Eines der Geschichtsbücher des Alten Testaments

    Liebe Grüsse zurück :-)
     

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