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Medientagebuch eines Kriegskonsumenten

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
Während die Welt gebannt die neuen militärischen Neuigkeiten zur Kenntnis nimmt, tut sich auch viel auf den Kriegsschauplätzen der kurzfristigen Diplomatie und der langfristigen Ideologie. Ein oberflächlicher War-Konsument hat sich einige Stichpunkte notiert.


- Genfer Konvention und Völkerrecht.
Bitte, geht doch! Auf einmal sprach Rumsfeld von der Genfer Konvention, die 2001 doch ebenfalls "den Test nicht bestanden" hatte. Bushs Worte: Behandelt unsere Gefangenen menschlich, so wie wir Eure menschlich behandeln. Tut uns nichts, dann tun wir euch auch nichts. Plötzlich redet er von gleich zu gleich, zumindest für eine Minute. Nicht im Leben, aber im Verrecken sind alle Menschen gleich, daß weiß sogar das Weiße Haus. Und doch eine Doppelbedeutung: Wenn ihr unseren was tut, dann wir den euren vielleicht auch...


- BBC
Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst, aber die alte Tante BBC hält sich ganz tapfer. Wenn man bedenkt, der offizielle Sender eines Kriegstreiber-Staates. Dennoch ständig Informationen und Interviews, die die Schattenseiten des Unternehmens deutlich machen. Heute sehr intensiv über die verhängnisvolle Rolle der falschen Erwartung diskutiert, die Irakis würden den Angreifern als Befreier um die Arme fallen. Wieso eigentlich hatte man das geglaubt? Hatte man das wirklich geglaubt? Wenn nicht, wozu dann die naiv-zynischen Flugblätter? Wenn ja, warum, behauptet dann Blair, man habe alles richtig vorhergesehen? Tenor: Wir laufen mit offenem Visier ins Chaos. Ob es die BBC in dieser Form beim nächsten Krieg noch geben wird?

- Helden, Mythen Geister
Moralisch haben die USA den Krieg jetzt schon verloren, jedenfalls auf dem europäischen Kontinent. Und in Arabien hat Hussein ihn jetzt schon gewonnen. Ganz gleich, was weiter passiert, wie lang es dauern wird, wieviele umkommen werden – Saddam wird auf Jahrzehnte hinaus als derjenige gelten, der von Kreuzfahrern überfallen wurde und sich tapfer gewehrt hat. Das gilt insbesondere dann, wenn er im Zuge der Kampfhandlungen sterben sollte. Dieser Mythos wird die Befriedung und Demokratisierung der arabischen Welt nicht erleichtern. Seine Entstehung könnte nur dadurch beschädigt werden, wenn Hussein überlebt.

-- Don't forget Tony!
Georg ist ein Idiot, das ist abgemacht. Aber was ist eigentlich mit Tony? Der ist weder Neo-Konservativ, noch hatte er ein Erweckungserlebnis, noch will er für Vietnam Rache nehmen. Was ist nur los mit ihm? Wenn ich mich erinnere, hat das U.K. sogar das Abkommen zum Internat. Strafgerichtshof unterschrieben.

- Präventive Anschuldigungne: Menschliche Schutzschilde und Giftgas
Die Angreifer behaupten, die Verteidiger benutzten angeblich Zivilisten als menschliche Schutzschilde und verschanzten sich hinter Krankenhäusern und Schulen. Man würde es der Baath-Partei zutrauen, aber bislang handelt es sich nur um Gerüchte. Es gab noch keine Beweise für diese Behauptung.
Höchstwahrscheinlich handelt es sich um eine gezielte Fehlinformation, mit der die US-Öffentlichkeit auf tote irakische Zivilisten vorbereitet werden soll, von denen man jetzt weiß, daß es sie unweigerlich geben wird.
Zum Giftgas: Powell und Bush beten täglich zu Gott, im Irak doch noch Giftgas zu finden. Was ist, wenn der skrupellose Saddam Hussein alles in letzter Minute heimlich zerstört oder unauffindbar in den Iran verschiebt?

Deutschland, die CDU und Amerika
Schon bald wird der Moment kommen, wo auch die CDU behaupten wird, den Krieg niemals wirklich unterstützt zu haben. Gerhard Schröders Position hat sich durch den Kriegsverlauf erheblich verbessert. Das Argument der Briten und der CDU, sein Verhalten habe die "Drohkulisse" geschwächt, wird kaum noch jemand wiederholen wollen. Schon allein die Idee, Hussein mit einer "Drohkulisse" ins Exil verjagen zu können, wirkt im Nachhinenin absurd.

- Durst als demokratischer Diskurs.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind vermutlich schon viele Menschen in Basra verdurstet (Alte, Kranke, Kinder, schwangere Frauen, etc.). Hundertausende leiden in diesem Augenblick höllischen Durst. Die Eroberer werden behaupten, keinen Massenmord angestrebt zu haben. Sie werden behaupten, die irakischen Truppen seien für das Sterben verantwortlich, weil sie nicht rechtzeitig kapitulierten und somit eine Versorgung verhindert hätten. In gewisser Weise stimmt das. Die Eroberer wollen tatsächlich nicht den Tod der Bevölkerung, sie wollen ihr lediglich ihren Willen aufzwingen. Sie sollen ihre Regierung stürzen, um zu überleben. Entführung und Geiselnahme also. Wie fast alle Kriege der letzten Jahrzehnte wird auch in diesem Krieg wieder die Zivilbevölkerung als Geisel genommen. Besonders zukunftsweisend ist die Verknüpfung der Technik der Geiselnahme mit dem Argument der Demokratisierung. Im Kosovo-Krieg waren auch viele Joschka-Fischer-Fans bereit, diesen Diskurs zu unterstützen.

- Vergeltungsschläge
Was dem einen sein Terror, ist dem anderen sein Vergeltungsschlag. Vergeltungsschläge spielten in der Kriegsrhetorik der Eroberer auffälligerweise keine Rolle. Derzeit fürchten sie sich anscheinend selber vor Vergeltungsschlägen. Der vor etwa 20 Jahren begonnene Versuch der USA, dem Vergeltungsschlag gegen die feindliche Zivilbevölkerung (im Grunde eine andere Form der Geiselnahme) einen völkerrechtlichen Status zu verschaffen, wurde kurzzeitig unterbrochen. Für den Fall, daß Saddam Hussein dennoch in der Lage sein sollte, das Kapitol oder Downing Street Nr.10 oder ein entsprechendes Ziel in einem der 46 Staaten der "Koalition der Willigen" zu zerstören, will man lieber nicht daran erinnern, daß er sich bei einem solchen Vorgehen sich auf israelische und amerikanische Vorbilder berufen könnte.

- Die UNO
Täglich warte ich auf den Vorschlag Dick Cheneys, die UNO abzuschaffen und durch eine Nachfolgeorganisation zu ersetzen. Diese würde bisherigen Sicherheitsratsmitgliedern und souveränen Staaten deutlich weniger Gewicht einräumen. Die Rechte der Einzelstaaten würden stattdessen künftig aus ihrer Wirtschaftskraft abgeleitet werden und aus ihrer Bereitschaft, sich am freien Markt zu beteiligen.

- Wir selbst
Wir werden uns ans Frühjahr 2003 erinnern, wie wir wie Junkies Netz hingen und Neuigkeiten suchen. Eine biographische Erfahrung. Jeder wird wissen, was er getan hat. So war das im Kosovo-Krieg nicht. Clausewitz und Google.

- Fazit: Rückkehr in die Barbarei.
Wir dachten, Demokratie und Barbarei schlössen sich aus, aber das war vielleicht die Nachwirkung aufklärerischer Vorurteile. Auch das Alte Athen war demokratisch und barbarisch zugleich. Schreckliche Entdeckung: Die gedankliche Trennung in "unbeteiligte" Zivilisten und "legitime" Ziele stammt aus einer Zeit der Kabinettskriege, im Grunde noch aus dem absolutistischen Fürstenstaat. Niemals hätte die Zarin Elisabeth das Berliner Schloß zerstört, aber wir halten es für völlig normal, daß die Eroberer Saddam Husseins Palast bombardieren. Würden wir auch Angriffe auf den Buckingham Palace oder Downing Street moralisch akzeptieren? Antwort: Ja, wenn es ein Marschflugkörper wäre. Nein, wenn ein "als Zivilist getarnte Terrorist" die Sprengladung legen würde.



guter text, aber nicht von mir, sondern von hier:

http://germany.indymedia.org/2003/03/46687.shtml
 

Ordnungszahl94

Geheimer Meister
9. Oktober 2002
141
samhain schrieb:
Präventive Anschuldigungne: Menschliche Schutzschilde und Giftgas
Die Angreifer behaupten, die Verteidiger benutzten angeblich Zivilisten als menschliche Schutzschilde und verschanzten sich hinter Krankenhäusern und Schulen. Man würde es der Baath-Partei zutrauen, aber bislang handelt es sich nur um Gerüchte. Es gab noch keine Beweise für diese Behauptung.

Darum stellt man einfach mal neue Behauptungen auf:
14.50 Uhr: Das US-Militär hält es weiter für möglich, dass die irakische Armee absichtlich eine Rakete in ein belebtes Wohngebiet in Bagdad abgefeuert hat. Bei der Explosion im Viertel "El Schaab" waren am Mittwoch 15 Menschen getötet worden.
quelle:http://www.rp-online.de/news/ticker/politik/index.html

Da tötet man eh 100te Zivilisten und Soldaten und bei einem Medienrelevanten Ereigniss waren es dann die anderen...jaja :evil:

Dazu gibts ja noch ständig diese Berichte, dass ja Gasmasken und Schutzanzüge gefunden worden seien und das sowas der Beweis dafür ist, dass der Irak BC Waffen einsetzen will...Stellt sich die Frage ob die USA und GB das auch vorhaben, weil da ja schliesslich jeder Soldat ne Gasmaske mit sich rumschleppt...
 

Atlan

Vorsteher und Richter
10. April 2002
752
Stellt sich die Frage ob die USA und GB das auch vorhaben, weil da ja schliesslich jeder Soldat ne Gasmaske mit sich rumschleppt...

Jeder Soldat hat seine persönliche ABC-Schutzausrüstung (ABC-Schutzmaske, Atropin etc.). Das ist normal... da brauch auch nicht weiter spekuliert werden...
 

Ordnungszahl94

Geheimer Meister
9. Oktober 2002
141
Die Aussage war mehr Ironisch gemeint...Warum ist es ein Beweis dafür dass Irak BC Waffen einsetzen will nur weil die Irakischen Soldaten ABC Ausrüstung mit sich rumschleppen?
 
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