Lieder und Gedichte

Radikal

Großmeister
AW: Lieder und Gedichte

Wo keine Wiegen stehen, da rostet bald der Pflug,
wenn sich auch heut die Äcker breiten
und hell die Sensen darüber gleiten,
wo keine Wiegen stehen, wird jede Ernte Trug.

Wo keine Wiegen stehen, wird jedes Beten Spott,
ob auch die Dome wiederklingen
und Fromme ihre Opfer bringen.
Wo keine Wiegen stehen, da schweigt auch Gott.

Wo keine Wiegen stehen, wird auch das Schwert verlacht,
und mögen noch so stolze Bauten ragen
und Männer sieggewiß die Banner tragen,
wo keine Wiegen stehen, verliert das Schwert die Macht.

L. Stengel v. Rutkowsky
 

Ehemaliger_User

Beatus ille, qui procul negotiis.
AW: Lieder und Gedichte

Der Fremde

Ein Fremder kam auf leisen Sohlen
und hat mir glatt mein Herz gestohlen.

Den Himmel frag' ich jeden Morgen,
wo hat er nur mein Herz verborgen?

Ist es etwa nur entrückt?
Mach kein Tamtam – gibs mir zurück.


Solly:-D
 

sinus09

Vollkommener Meister
AW: Lieder und Gedichte

"Wenn Worte überflüssig werden,
weil der Augenblick bis an den Rand mit Sinnen gefüllt ist,
beginnt das Leben unwiderstehlich von sich zu erzählen
und führt uns mitten hinein in faszinierende Geschichten...
wenn wir nur lauschen..."

Khalil Gibran
 
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Nov@

Geheimer Meister
AW: Lieder und Gedichte

Kraft der Liebe

Ich suche nach Dir
mühelos und ohne Rast
So weit mich meine Schwingen tragen
schwerelos und ohne Hast

Dunkelheit hat dich berührt
wie gut sie dir doch steht
Feuer ist in deinen Augen
kannst du mir noch liebe geben
weist du wie es geht ?

Meine Liebe kann nicht Schwärzen
brennt sie doch noch nur für Dich
sie ist geboren in Hoffnungschmertzen
verzehrt mich innerlich.

Schaffst du es mich zu berühren
Ohne Gier und nackter Haut
Schaffst du es mich zu spüren
ohne Stimme ohne Worte.... ohne Laut?
 

Radikal

Großmeister
AW: Lieder und Gedichte

Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen!
Das Ew’ge regt sich fort in allen,
Am Sein erhalte dich beglückt!
Das Sein ist ewig: denn Gesetze
Bewahren die lebend’gen Schätze,
Aus welchen sich das All geschmückt.

Das Wahre war schon längst gefunden,
Hat edle Geisterschaft verbunden;
Das alte Wahre, faß’ es an!
Verdank’ es, Erdensohn, dem Weisen,
Der ihr, die Sonne zu umkreisen,
Und dem Geschwister wies die Bahn.

Sofort nun wende dich nach innen,
Das Zentrum findest du dadrinnen,
Woran kein Edler zweifeln mag.
Wirst keine Regel da vermissen:
Denn das selbständige Gewissen
Ist Sonne deinem Sittentag.

Den Sinnen hast du dann zu trauen,
Kein Falsches lassen sie dich schauen,
Wenn dein Verstand dich wach erhält.
Mit frischem Blick bemerke freudig,
Und wandle sicher wie geschmeidig
Durch Auen reichbegabter Welt.

Genieße mäßig Füll und Segen,
Vernunft sei überall zugegen,
Wo Leben sich des Lebens freut.
Dann ist Vergangenheit beständig,
Das Künftige voraus lebendig,
Der Augenblick ist Ewigkeit.

Und war es endlich dir gelungen,
Und bist du vom Gefühl durchdrungen:
Was fruchtbar ist, allein ist wahr;
Du prüfst das allgemeine Walten,
Es wird nach seiner Weise schalten,
Geselle dich zur kleinsten Schar.

Und wie von alters her im stillen
Ein Liebewerk nach eignem Willen
Der Philosoph, der Dichter schuf,
So wirst du schönste Gunst erzielen:
Denn edlen Seelen vorzufühlen
Ist wünschenswertester Beruf.
(Goethe)
 

Radikal

Großmeister
AW: Lieder und Gedichte

Was sonst erzeugt so tiefes Glück?
Was könnte mehr zur Freude taugen?
Wahrhaft vom Paradies ein Stück
sind strahlend frohe Kinderaugen.

Sie sagen dir, es geht mir gut,
ich fühl mich sicher, wohl behütet.
Welch Friede in dem Ausdruck ruht!
Welch Glück in Kinderseelen brütet!

Wie traurig und von Furcht druchtränkt,
sind Kinderaugen, wenn sie weinen,
Hilflos, verzweifelt und gekränkt,
im Unglück zu versinken scheinen.

Sie sagen dir, ich brauche dich,
bin hilflos ohne dich, verloren.
Komm hilf mir, lieb und tröste mich,
ich bin zum Fröhlichsein geboren.

(Verfasser mir unbekannt)
 

Radikal

Großmeister
AW: Lieder und Gedichte

Wer nicht will, wird nie zunichte,
Kehrt beständig wieder heim.
Frisch herauf zum alten Lichte
Dringt der neue Lebenskeim.

Keiner fürchte zu versinken,
Der ins tiefe Dunkel fährt.
Tausend Möglichkeiten winken
Ihm, der gerne wiederkehrt.

Dennoch seh ich dich erbeben,
Eh du in die Urne langst.
Weil dir bange vor dem Leben,
Hast du vor dem Tode Angst.
(W. Busch)
 

Ehemaliger_User

Beatus ille, qui procul negotiis.
AW: Lieder und Gedichte

Gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast
und denke an den Frieden der Stille.

So weit als möglich, ohne dich aufzugeben,
sei auf gutem Fuß mit jedermann.
Sprich deine Wahrheit ruhig und klar aus,
und höre Andere an,
auch wenn sie langweilig und unwissend sind,
denn auch sie haben an ihrem Schicksal zu tragen.
Meide die Lauten und Streitsüchtigen.
Sie verwirren den Geist.

Vergleichst du dich mit anderen,
kannst du hochmütig oder verbittert werden,
denn immer wird es Menschen geben,
die bedeutender oder schwächer sind als du.
Erfreue dich am Erreichten und an deinen Plänen.
Bemühe dich um deinen eigenen Werdegang,
wie bescheiden er auch sein mag;
er ist ein fester Besitz im Wandel der Zeit.

Sei vorsichtig bei deinen Geschäften,
denn die Welt ist voller Betrügerei.
Aber lass deswegen das Gute nicht aus den Augen,
denn Tugend ist auch vorhanden:
Viele streben nach Idealen,
und Helden gibt es überall im Leben.

Sei du selbst.
Täusche vor allem keine falschen Gefühle vor.
Sei auch nicht zynisch, wenn es um Liebe geht,
denn trotz aller Öde und Enttäuschung verdorrt sie nicht,
sondern wächst weiter wie Gras.

Höre freundlich auf den Ratschlag des Alters,
und verzichte mit Anmut auf die Dinge der Jugend.
Stärke die Kräfte deines Geistes,
um dich bei plötzlichem Unglück dadurch zu schützen.
Quäle dich nicht mit Wahnbildern.
Viele Ängste kommen aus Erschöpfung und Einsamkeit.
Bei aller angemessenen Disziplin,
sei freundlich zu dir selbst.
Genau wie die Bäume und Sterne,
so bist auch du ein Kind des Universums.
Du hast ein Recht auf deine Existenz.

Und ob du es verstehst oder nicht,
entfaltet sich die Welt so wie sie soll.
Bleibe also in Frieden mit Gott,
was immer er für dich bedeutet,
und was immer deine Sehnsüchte und Mühen
in der lärmenden Verworrenheit des Lebens seien –
bewahre den Frieden in deiner Seele.
Bei allen Täuschungen, Plackereien und zerronnenen Träumen
ist es dennoch eine schöne Welt.

Sei frohgemut. Strebe danach glücklich zu sein.

desiderata ?(heikohaller)?
 

Pinsel

Erhabener auserwählter Ritter
AW: Lieder und Gedichte

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos !

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken brechen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus,
Wenn die Börsenkurse fallen.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika !

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne
 

Pinsel

Erhabener auserwählter Ritter
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Es scheint so

Es scheint so, daß auf dem Planeten, den wir so gern mit Füßen treten und ihn dadurch total verderben
- daß also hier nur Gute sterben! Denn: las man je im Inserat,
daß ein Verblichner Böses tat,
daß er voll Neid war und verdorben, und daß er nun mit Recht gestorben? Es kann hier keinen Zweifel geben: die Schlechten bleiben alle leben!

heinz erhardt
 

Ein wilder Jäger

Barbarisches Relikt
Teammitglied
AW: Lieder und Gedichte

Ja, da hat es bei der ersten Veröffentlichung Kuddelmuddel mit den Dichtern gegeben. Das wird jetzt für alle Zeiten als Tucholskygedicht durchs Netz geistern.
 

Pinsel

Erhabener auserwählter Ritter
AW: Lieder und Gedichte

naja...dank dir haben wir es jetzt wenigstens hier richtig gestellt :flora:
 

Ich mag mein Becks

Gesperrter Benutzer
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Es gibt Tage, da stelle ich mir diese Frage,
gibt es Liebe ? Ich meine die einzig wahre...
wird sie mich finden und auf ewig binden?
Es gibt Tage, da stelle ich mir diese Frage,
sind es bloß Triebe? Das wäre zu schade...
ich werde mich schinden, Liebe zu finden!
Es gibt Tage, da stelle ich mir diese Frage,
gibt es Liebe? Ich meine die einzig wahre...
 

Ich mag mein Becks

Gesperrter Benutzer
AW: Lieder und Gedichte

Ein endlos scheinendes blaues Meer,
doch vermisse ich die Landbewohner jetzt sehr...
Was ist nur geschehen?
Das kleine öde Land ist alles was übrig blieb,
es war eure Ignoranz die mich dazu trieb...
Was ist nur geschehen?
Kamen wir nicht über Jahrtausende gut miteinander aus?
Warum forderte ihr meinen Zorn heraus...
Was ist nur geschehen ?
Ihr habt mir diese unzähligen Wunden beigebracht,
als hätte ich irgendetwas falsch gemacht...
Was ist nur geschehen?
Anfangs wehrte ich mich nur mit Sturm und Blitz,
doch ihr habt nur gelacht, als wäre es ein Witz...
Was ist nur geschehen?
Nun könnt ihr diese friedliche Welt nicht mehr erleben,
der große Sturm kam und machte euch verlegen
es tut mir Leid
doch es musste zu meinem Schutze geschehen...
 

Ehemaliger_User

Beatus ille, qui procul negotiis.
AW: Lieder und Gedichte

Für Becks,

Da ich nicht dichten kann, nehme ich diesen guten Mann.....



Wenn ich in deine Augen seh' --- von HEINRICH HEINE
Wenn ich in deine Augen seh',
So schwindet all mein Leid und Weh',
Doch wenn ich küsse deinen Mund,
So wird ich ganz und gar gesund.

Wenn ich mich lehn' an deine Brust,
Kommt's über mich wie Himmelslust;
Doch wenn du sprichst: "Ich liebe dich!"
So muß ich weinen bitterlich.

 

wedernochwe

Großer Auserwählter
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Ich schreibe spontan was;

Es fängt mit den Himmel an,
da wo angäblich keiner sich
erinnen kann, nun durch die
Zeit ist nichts mehr dein oder
mein.

Was bleibt ist der Sensucht, die sich
in alles Wandel kann, soger in Wut,
aber vielleicht auch in eine Stern, die
uns holen kann, das bin ich, das bist du.

Wedernochwe
 

Pinsel

Erhabener auserwählter Ritter
AW: Lieder und Gedichte

Schenken

Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
sodaß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Daß dein Geschenk
Du selber bist.

Joachim Ringelnatz
 
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