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Ist Deutschland ein Gewinner der Globalisierung?

Eisbaer

Geselle
4. Juni 2005
7
So lautet das Thema für eine Schularbeit.

Ich habe mich nun schon längere Zeit in dieses Thema eingelesen und musste -leider- feststellen, dass dieses Theme umso komplexer wird desto mehr man ließt.

Problematisch ist bereits der Begriff Globalisierung, da dieser nicht einheitlich defniert ist.

Meine bisherigen Einfälle:
PRO:
- höhere Unternehmensgewinne durch den billigeren Einkauf (z.B. Elektroprodukte aus China)
- Arbeitsplatzsicherung durch die hohen Exporte (D = Exportweltmeister)

Contra:
-Verlust von Arbeitsplätzen durch die Produktionsverlagerung ins Ausland


Mich würde euere Meinung zu diesem Thema interessieren, da ich dadurch auch neue Einfälle für meine Schularbeit bekomme.

Gruß
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Alle Völker sind Globalisierungsgewinner. Je mehr Menschen produktiv tätig sind, je weiter die Arbeitsteilung voranschreitet, desto besser für uns alle.

Wenn internationaler Handel schädlich wäre, wäre ja logischerweise auch Handel zwischen Provinzen und Städten schädlich, denn was soll der Unterschied zwischen Landes-, Provinz- und Gemeindegrenzen sein?

Ich empfehle www.liberty.li, insbesondere "Wie die Globalisierung weltweit Wohlstand schafft und Armut verringert." von Johan Norberg.

http://de.liberty.li/articles/kapitalismus.php
 

EsIstVollerSterne

Geheimer Meister
4. Dezember 2004
225
@ Eisbär

Moin Moin...
Für Deine Hausarbeit kann ich Dir folgende Lektüre wärmstens empfehlen : "Atlas der Globalisierung" , Herausgeber: LeMonde diplomatique, taz Verlags- und Vertriebs GmbH, ISBN: 3980691764...
Kostet 10 €
bezieht sich aber schon eher auf das globale Geschehen.

MfG
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Bist'n Schnelleser, Sentinel. Oder haste etwa den verlinkten Artikel gar nicht gelesen? Dann haste wohl Angst um Deine Vorurteile.
 

EsIstVollerSterne

Geheimer Meister
4. Dezember 2004
225
... Auch wenn viele mich hier gleich in der Luft zerreißen möchten... Aber folgender Link kann Dir eventuell ein paar nützliche Tips für Deine Ausarbeitung geben am Beispiel Deutsche Post World Net : http://www.dpwn.de/dpwn?skin=hi&check=yes&lang=de_DE&xmlFile=2004687

ach ja, vielleicht auch noch interessant, die Netzseite vom Bundeswirtschaftsministerium: http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/Wirtschaftspolitik/globalisierung.html

und: http://www.weltpolitik.net/Sachgebi...Globalisierung/Grundlagen/Globalisierung.html

Viel Spaß dabei... :wink:
 

Booth

Großer Auserwählter
19. Oktober 2003
1.521
Die Aufgabenstellung enthält aus meiner Sicht zwei Stoplersteine, die für eine Schularbeit eigentlich kaum zu bewältigen sind:

1. Wie genau definiert man die Globalisierung, und wie definiert man die Auswirkungen dessen. Erst dann wenn man diese Definitionen getroffen hat, lassen sich anschließend Bewertungen dieser Auswirkungen vornehmen.

2. Ab wann definiert man, daß ein Land "ein" Gewinner sei. Das Land Deutschland besteht aus 80 Millionen Menschen. Kaum anzunehmen, daß jeder dieser 80 Millionen Personen mehr Vor- als Nachteile durch eine globale Wirtschafts- und (meines Erachtens) Gesellschaftswentwicklung hat, wobei aber eben erstmal überhaupt definiert werden muss, welche Auswirkungen zu betrachten sind.

Aus meiner Sicht sind beide Punkte selbst für große Wirtschaftsforschungsinstitute kaum vernünftig und vor allem solide zu beantworten.

Jede Pauschalantwort (wie zuvor teilweise zu lesen) ist aus meiner Sicht nicht nur wenig hilfreich, sondern lässt einen Schüler auch noch glauben, er könnte komplexe Themen in zwei Sätzen abhandeln, was aus meiner Sicht nicht ansatzweise einem Lernenden dabei helfen kann, die komplexe Realität kennenzulernen.

gruß
Booth
 

EsIstVollerSterne

Geheimer Meister
4. Dezember 2004
225
Booth schrieb:
Die Aufgabenstellung enthält aus meiner Sicht zwei Stoplersteine, die für eine Schularbeit eigentlich kaum zu bewältigen sind:

1. Wie genau definiert man die Globalisierung, und wie definiert man die Auswirkungen dessen. Erst dann wenn man diese Definitionen getroffen hat, lassen sich anschließend Bewertungen dieser Auswirkungen vornehmen.

2. Ab wann definiert man, daß ein Land "ein" Gewinner sei. Das Land Deutschland besteht aus 80 Millionen Menschen. Kaum anzunehmen, daß jeder dieser 80 Millionen Personen mehr Vor- als Nachteile durch eine globale Wirtschafts- und (meines Erachtens) Gesellschaftswentwicklung hat, wobei aber eben erstmal überhaupt definiert werden muss, welche Auswirkungen zu betrachten sind.

Aus meiner Sicht sind beide Punkte selbst für große Wirtschaftsforschungsinstitute kaum vernünftig und vor allem solide zu beantworten.

Jede Pauschalantwort (wie zuvor teilweise zu lesen) ist aus meiner Sicht nicht nur wenig hilfreich, sondern lässt einen Schüler auch noch glauben, er könnte komplexe Themen in zwei Sätzen abhandeln, was aus meiner Sicht nicht ansatzweise einem Lernenden dabei helfen kann, die komplexe Realität kennenzulernen.

gruß
Booth

Hey super... genau so sollte seine Ausarbeitung aussehen und diese dann abgeben... dann wird aus ihm später bestimmt keiner der Gewinner... :wink:
ich unterstelle Eisbär einfach mal, dass er den Anforderungen gerecht eine Erörterung mit Pro und Contra abliefern muß/ wird...
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Booth schrieb:
Die Aufgabenstellung enthält aus meiner Sicht zwei Stoplersteine, die für eine Schularbeit eigentlich kaum zu bewältigen sind:

1. Wie genau definiert man die Globalisierung, und wie definiert man die Auswirkungen dessen. Erst dann wenn man diese Definitionen getroffen hat, lassen sich anschließend Bewertungen dieser Auswirkungen vornehmen.

Globalisierung ist ein Modewort für freien Welthandel.

2. Ab wann definiert man, daß ein Land "ein" Gewinner sei. Das Land Deutschland besteht aus 80 Millionen Menschen. Kaum anzunehmen, daß jeder dieser 80 Millionen Personen mehr Vor- als Nachteile durch eine globale Wirtschafts- und (meines Erachtens) Gesellschaftswentwicklung hat, wobei aber eben erstmal überhaupt definiert werden muss, welche Auswirkungen zu betrachten sind.

Wie definiert man denn "Land"? :wink:


Aus meiner Sicht sind beide Punkte selbst für große Wirtschaftsforschungsinstitute kaum vernünftig und vor allem solide zu beantworten.

Natürlich. Aber während man im Fach Mathematik klein anfängt und alles mir mathematischer Genauigkeit abhandelt (und dann in der 13 feststellen muß, daß man nur bis zum Dreisatz gekommen ist), wählt man in anderen Fächern eben den globalen Rumpel-Pumpel-Ansatz. Es wäre auch kaum sinnvoll, in Geschichte mit dem Ausgraben und Interpretieren von griechischen Scherben anzufangen und sich bis zum Abitur zur athenischen Verfassung hochzuarbeiten.
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
Ein_Liberaler schrieb:
Globalisierung ist ein Modewort für freien Welthandel.

Du machst es dir zu einfach.

Ginge es nur um den Handel, wäre Deutschland eindeutig der Gewinner.

Es geht aber z.B. auch um Kapitalwanderungen, um den Aufbau und die Schließung von Produktionsstätten, um Dinge also, auf die wir keinen Einfluß mehr haben, die aber unser Leben bestimmen und verändern.

Ein_Liberaler schrieb:
Aus meiner Sicht sind beide Punkte selbst für große Wirtschaftsforschungsinstitute kaum vernünftig und vor allem solide zu beantworten.

Natürlich. Aber während man im Fach Mathematik klein anfängt und alles mir mathematischer Genauigkeit abhandelt (und dann in der 13 feststellen muß, daß man nur bis zum Dreisatz gekommen ist), wählt man in anderen Fächern eben den globalen Rumpel-Pumpel-Ansatz. Es wäre auch kaum sinnvoll, in Geschichte mit dem Ausgraben und Interpretieren von griechischen Scherben anzufangen und sich bis zum Abitur zur athenischen Verfassung hochzuarbeiten.

Was willst du damit sagen ?
 

Sentinel

Großmeister-Architekt
31. Januar 2003
1.222
Ein_Liberaler schrieb:
Globalisierung ist ein Modewort für freien Welthandel.

Sorry, aber Du scheinst so manchen Artikel nicht gelesen zu haben ...


Eigentlich ist das der größte Käse überhaupt, aber sowas hätte ich eigentlich auch sonst nur von überzeugt bürgerlichen Professoren erwartet.
 

agentP

Ritter Kadosch
10. April 2002
5.361
Was gibt es denn in einer bürgerlichen Gesellschaft wie Deutschland für nicht-bürgerliche Professoren?
"Arbeiter der Stirn", wie es mal hiess? :gruebel:
 

fiend

Geselle
2. November 2003
11
Woppadaq schrieb:
Ein_Liberaler schrieb:
Globalisierung ist ein Modewort für freien Welthandel.

Du machst es dir zu einfach.

Ginge es nur um den Handel, wäre Deutschland eindeutig der Gewinner.

Ich denke eher dass du es dir so einfach machst. Wenn wir eine globalisierte Welt hätten, also einen freien Welthandel, dann wären alle Länder die Gewinner.

Woppadaq schrieb:
Es geht aber z.B. auch um Kapitalwanderungen, um den Aufbau und die Schließung von Produktionsstätten, um Dinge also, auf die wir keinen Einfluß mehr haben, die aber unser Leben bestimmen und verändern.

"Daß aber alle heute reicher wären, wenn nicht durch die Schutzzollpolitik die Produktion künstlich von den günstigeren örtlichen Produktionsbedingungen zu den weniger günstigen hingedrängt würde, ist klar. Bei vollkommener Freiheit des Handelsverkehrs würden Kapital und Arbeit dort angesetzt werden, wo sich die günstigsten Produktionsbedingungen bieten."
- Ludwig von Mises

@Eisbaer
Ich empfehle dir diese Seite.
 

Descartes

Geselle
13. März 2006
41
Ich denke eher dass du es dir so einfach machst. Wenn wir eine globalisierte Welt hätten, also einen freien Welthandel, dann wären alle Länder die Gewinner.

Da liegst du falsch.Es können niemals alle Länder Gewinner sein.
Wenn 5 Leute Gewinn machen muss es immer mindestens einen geben der Verlust macht. Das muss einfach so sein, da die Rechnung sonst nicht aufgeht.
 

agentP

Ritter Kadosch
10. April 2002
5.361
Wenn du mir einen Laib Brot gibst und ich dir dafür eine Flasche Milch, wer ist dann der Verlierer und wer der Gewinner? Nach deiner Theorie muß es beide geben, weil sonst die Rechnung nicht aufgeht.
 

Eisbaer

Geselle
4. Juni 2005
7
Das man nicht pauschal sagen kann ob Deutschland ein Gewinner ist oder nicht ist mir klar.

Mein Ziel für die Arbeit währe:
- den Begriff Globalisierung zu (er)klären
- geschichtlicher Hintergrund zu Globalisierung
- Pro und Contra abwägen

Mein Problem ist eben das mir zu Pro und Contra noch zu wenig einfällt.

Ich bin ja praktisch mit der Globalisierung groß geworden - ich weiß ja gar nicht wie das vorher war. :wink:
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Woppadaq schrieb:
Ein_Liberaler schrieb:
Globalisierung ist ein Modewort für freien Welthandel.

Du machst es dir zu einfach.

Ginge es nur um den Handel, wäre Deutschland eindeutig der Gewinner.

Es geht aber z.B. auch um Kapitalwanderungen, um den Aufbau und die Schließung von Produktionsstätten, um Dinge also, auf die wir keinen Einfluß mehr haben, die aber unser Leben bestimmen und verändern.

Das ist doch alles Bestandteil des Handels.

Und keineswegs neu. Stichwort Untergang der englischen Wollindustrie dank indischer Baumwolle, Untergang Grönlands durch den Zusammenbruch des Marktes für Walroßelfenbein, Zerstörung der Feuerstein- durch die Bronzeindustrie etc. pp.

Was willst du damit sagen ?

Daß eine wirklich detaillierte Antwort mit vertretbarem Aufwand nicht zu finden ist und deshalb notwendig das Ungefähre, Große und Ganze betrachtet werden muß. Erst recht im Rahmen einer Schularbeit.


Sentinel schrieb:
Sorry, aber Du scheinst so manchen Artikel nicht gelesen zu haben ...


Eigentlich ist das der größte Käse überhaupt, aber sowas hätte ich eigentlich auch sonst nur von überzeugt bürgerlichen Professoren erwartet.

Karten für die Retourkutsche gibt's scheinbar jetzt auch beim Mackie.

@ fiend: Schön, mal außerhalb des Freiheitsforums einen Misianer zu treffen.

Descartes schrieb:
Da liegst du falsch.Es können niemals alle Länder Gewinner sein.
Wenn 5 Leute Gewinn machen muss es immer mindestens einen geben der Verlust macht. Das muss einfach so sein, da die Rechnung sonst nicht aufgeht.

Im Gegensatz zum Raub ist der Handel kein Nullsummenspiel.

Eisbaer schrieb:
Das man nicht pauschal sagen kann ob Deutschland ein Gewinner ist oder nicht ist mir klar.

Was ist Deutschland? Doch wohl die Summe seiner Einwohner. Es dürfte klar sein, daß die auf unterschiedliche Weise betroffen sind. Nehmen wir die deutsche Textilindustrie, die ist praktisch vom Fenster. Schlecht für Arbeiter und Unternehmer in diesem Sektor. Aber auch schlecht für den Rest Deutschlands? Natürlich nicht. Gerade weil der deutsche Verbraucher seine Kledage im Ausland billiger bekam, ist die deutsche Textilindustrie untergegangen. Alle Deutschen sind besser und billiger gekleidet, einige müssen ihr Einkommen auf neue Weise suchen.

Wie ist das zu bewerten? Meiner Ansicht nach nicht anders, als wenn eine Erfindung die Textilindustrie überflüssig gemacht hätte, also als Fortschritt.


Mein Ziel für die Arbeit währe:
- den Begriff Globalisierung zu (er)klären

Da sollte man nicht zu viele Worte verlieren. Mehr als weltweite Arbeitsteilung ist nicht dahinter.

- geschichtlicher Hintergrund zu Globalisierung

Globalisierung ist eigentlich der Normalfall. Seit Jahrtausenden haben die Menschen Himmel und Hölle für den internationalen Austausch in Bewegung gesetzt und ihr Leben dabei riskiert. Immer wieder haben Machthaber versucht, das zu unterbinden, um sich auf Kosten anderer zu bereichern oder auch nur, um anderen zu schaden. (Merkantilismus, Kontinentalsperre...)

- Pro und Contra abwägen

Mein Problem ist eben das mir zu Pro und Contra noch zu wenig einfällt.

Ich bin ja praktisch mit der Globalisierung groß geworden - ich weiß ja gar nicht wie das vorher war.

Vorher gab es am Rhein alle paar Kilometer einen Zoll...

Ernsthaft, so ein richtiges Vorher gab es doch gar nicht. Es gibt seit Jahrtausenden freiere und unfreiere Phasen des internationalen Austauschs in unregelmäßigem Wechsel.
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
Ein_Liberaler schrieb:
Das ist doch alles Bestandteil des Handels.

Nicht zwingend. Man kann auch mit einem Land ausschließlich Handel betreiben, ohne dort gleich eine Fabrik zu kaufen, die dann die eigenen Produkte herstellt.

Das ist ja die große Angst der Leute: Daß wir am Ende nur noch Kunden, aber keine Hersteller mehr sein sollen. Die Tatsache, daß dies nie auf alle zutreffen wird, reicht da nicht aus, um Sicherheit zu schaffen (jene Sicherheit, die dann auch die Geburtenraten wieder in die Höhe treiben würde)

Wie ist das zu bewerten? Meiner Ansicht nach nicht anders, als wenn eine Erfindung die Textilindustrie überflüssig gemacht hätte, also als Fortschritt.

Ich bin ganz bestimmt kein Fortschrittsgegner, aber manchmal hat der Fortschritt eben auch negative Seiten oder Folgen, und natürlich will man die, wenn man sie schon nicht beseitigen kann, doch zumindest abgeschwächt wissen.

Nach deiner Theorie sollen wir jedesmal, wenn eine Überschwemmung stattfindet, das eben einfach hinnehmen und bloß nicht versuchen, sie vielleicht zu verhindern oder ihre möglichen Folgen abzuschwächen, weil das hätte man ja schon Jahrhunderte vorher versucht und es hätte alles nur noch schlimmer gemacht, ja ? In meinen Augen auch nicht gerade fortschrittsfreundlich.
 

agentP

Ritter Kadosch
10. April 2002
5.361
In Ägypten hat man jahrtausendelang gut von den Überschwemmmungen gelebt. Man hat gewartet, bis der Nil wieder im Bett war und hat dann dort Getreide angepflanzt. Das lief so gut, daß man nicht nur sich selbst versorgen konnte, sondern sogar den ganzen Mittelmeerraum belieferte.
Dann kam man im letzten Jahrhundert auf die gloreiche Idee, man könnte ja die Überschwemmungen unter Kontrolle bringen, indem man einen Staudamm baut. Und rate mal was passiert ist?
Auch die durch den Damm neu geschaffene Agrarsituation ist nicht unproblematisch: Der neue Staudamm verhindert den Durchlass des Nilschlamms, der aufgrund seines Nährstoffgehalts ein wichtiger Dünger war und nun durch Kunstdünger ersetzt werden muss, was wiederum eine sinkende Wasserqualität des Nils zur Folge hat. Dadurch ist zwar eine erfolgreiche Düngerindustrie entstanden, allerdings können sehr viele Bauern sich den teuren Dünger nicht leisten.

Durch die fehlenden Nährstoffe im Wasser ist der Fischbestand ab Assuan zudem drastisch zurückgegangen, und sogar im Mittelmeer sind die Effekte zu spüren: Besonders im östlichen Mittelmeer sanken die Fischfänge nach dem Bau des Damms um fast die Hälfte, scheinen sich aber langsam wieder zu erholen.
Der zurückgehaltene Nilschlamm ist jedoch nicht nur für die Landwirtschaft flussabwärts ein Problem, sondern auch für den Stausee selbst. Durch die zunehmende Versandung des Sees kann immer weniger Wasser gespeichert werden. Schätzungen zufolge wird der See in etwa 500 Jahren vollständig versanden und damit für die Wasserspeicherung nutzlos sein. Nach Fertigstellung des Staudamms wurde festgestellt, dass im Kraftwerk weniger als die Hälfte des errechneten Stroms gewonnen wird, was zum einem am falsch errechneten Durchflussvolumen, zum anderen aber auch an der unterschätzten Verdunstung im Staubecken durch die viel größere Seefläche liegt. Kritiker merken an, dass der Stausee drohe umzukippen, da der Wasserstrom nicht ausreiche um genügend neuen Sauerstoff in den Stausee zu befördern.

Flussabwärts und vor allem im Nildelta stellt auch Erosion ein großes Problem dar. Durch den Mangel an Nilschlamm, der vom Fluss transportiert wird, wird Ackerland weggespült und Uferbefestigungen beschädigt. Auch die Fischbestände im Brackwasser des Nildeltas, wo momentan ein Großteil des ägyptischen Fischs gefangen wird, werden durch das salzige Meerwasser geschädigt. Daneben gibt es eine signifikante Erosion entlang der Küsten des östlichen Mittelmeeres, da der vom Nil ins Meer gespülte Sand fehlt.

Durch die Umsiedlung der hauptsächlich nubischen Bauern ist viel von der nubischen Kultur verloren gegangen.

Auch von einer steigenden Bilharziose-Gefahr wird berichtet. Diese Krankheit wird von einer im Wasser lebenden Schnecke übertragen, die sich im Nasser-See sowie in den Bewässerungsgräben flussabwärts, die früher zumindest einmal jährlich austrockneten, stark vermehren konnte. Es wird versucht die Schnecken mit Pestiziden zu bekämpfen.
www.wikipedia.de
In der Tat wäre weniger Eingriff hier mehr gewesen. Ein wunderbares Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Menschen überzeugt sind, sie müssten regulierend in ein komplexes System eingreifen.
 
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