Die Titanic

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Thinktwice

Geheimer Meister
21. September 2013
322
Ich denke, dass das der bedeutendste Einwand ist, dass die Titanic nur fahren konnte, solange die Schrauben am Heck gut im Wasser liegen und die Kohleöfen in Betrieb bleiben können. Zudem dürfte mit zunehmendem Absinken des Bugs der zunehmende Wasserwiderstand die Geschwindigkeit reduziert haben. Kesselraum 6 dürfte sofort ausgefallen sein, Kesselraum 5 vielleicht nicht gleich, aber bald. Alles dahinter dürfte einige Zeit geschützt gewesen sein, bis die vorderen Schotts überliefen. Ich weiß nicht, wann die Schiffsschrauben nicht mehr im Wasser lagen und vermute dazu, dass es schon einige Zeit bis dahin dauerte. Es gibt auf jeden Fall Unwägbarkeiten und da wäre eine Simulation interessant.

Wenn ich der Titanic mal ganz schätzend eine auf durchschn. 35 km/h reduzierte Geschwindigkeit für die Dauer einer Stunde zurechne, und die Carpathia mit 31,45 km/h entgegen kam, dann hätte sich der Abstand von zunächst 93 km auf nur noch etwa 26 km verringert. Wenn sich der Wassereintritt durch die Fahrt nicht erhöht hätte (siehe oben Bernoulli-Effekt, er könnte sogar geringer geworden sein), dann hätte die Titanic 26 km vor der Carpathia mit dem Aussetzen der Boote begonnen und noch 100 Minuten "Lebenszeit" gehabt. Die Carpathia hätte die Titanic dann 40 bis 45 Minuten vor ihrem Untergang erreicht.

Es wäre schon ein Rennen gegen die Zeit gewesen. Und ja, man müsste wissen, wie lange es dauerte, bis die Schiffe voneinander wussten und in Kontakt treten konnten. Also das mögliche Ergebnis ist schon einigermaßen unklar.

Aber klar scheint mir eines zu sein: Eine Fahrt zur Carpathia hätte so oder so nicht mehr Todesopfer auf der Titanic gefordert. Denn wenn sie ihre Rettungsboote erst 1 Stunde später ausgesetzt hätte und noch bis 100 Minuten Zeit gehabt hätte, dann hätte sie ebenfalls die bekannten 712 Geretteten in Sicherheit bringen können. Eventuell sogar mehr, weil man es in relativer Ruhe besser vorbereiten konnte und es nicht so panisch verlaufen wäre. Es blieben ja sehr viele Plätze der Rettungsboote unbesetzt. Und ich erachte die Chancen mal als ganz gut, dass auch die Rettungsboote der Carpathia nutzbar gewesen wären. Und selbst wenn die Titanic praktisch neben der Carpathia versunken wäre, hätten dann ins Wasser geratene Menschen oft noch rechtzeitig gerettet werden können.

Wie gesagt, eine alles berücksichtigende Simulation wäre schön.

Doch schon jetzt meine ich, dass man sagen kann: Man hätte nichts riskiert und hätte nur gewinnen können. Die 712 wären auch im ungünstigsten Verlauf ebenfalls gerettet worden, aber vielleicht hunderte weitere dazu, vielleicht alle.

Es ist seltsam, dass ich in 25 Jahren Beschäftigung mit der Titanic nie auf diese eigentlich nahe liegende Idee kam, sondern erst jetzt.
 

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
6.713
Hoppla. Die Google-KI teilte mir eben mit, dass eine schnelle Vorwärtsfahrt den Wassereintritt an der Rumpfseite sogar verringern (!) kann. Die KI sagt:

Hydrodynamische Auswirkungen
  • Druckunterschiede (Bernoulli-Effekt): Laut dem Bernoulli-Prinzip sinkt der statische Druck in strömenden Flüssigkeiten bei zunehmender Geschwindigkeit. Bei Vorwärtsfahrt fließt das Wasser seitlich am Schiffsrumpf vorbei. An Stellen mit hoher Strömungsgeschwindigkeit kann ein Unterdruck entstehen, der den Wassereinstrom im Vergleich zum Ruhezustand sogar verringern kann.
  • Staudruck: Befindet sich das Leck an einer Stelle, auf die das Wasser direkt trifft (z. B. im Bereich der Bugwelle), entsteht hydrodynamischer Staudruck. Dieser drückt das Wasser mit zusätzlicher Kraft in den Rumpf, was die Leckrate massiv erhöht.
  • Wellensystem: Das fahrende Schiff erzeugt ein Primärwellensystem. Ein Leck im Bereich eines Wellenbergs (erhöhter Wasserstand) erfährt einen höheren hydrostatischen Druck als ein Leck in einem Wellental.

Oh, den Beitrag habe ich doch glatt übersehen, sorry. Hat sich wahrscheinlich mit einem von mir überschnitten.

Der Bernoulli ist da ein ziemlich unsicherer Patron, weil der Effekt sehr vom Winkel der Hauptströmung abhängt. Wenn der Luftstrom rechtwinklich am Parfumflakon vorbei streicht, saugt er ein bisschen Parfum heraus, bläst er direkt in die Öffnung hinein, dann nicht.

Ich denke, für unsere Zwecke hilft erst mal der hydrodynamische Staudruck weiter. Die Wellenhöhe am Rumpf korrelliert ja mit dem Wasserdruck. Und der Riss liegt jetzt da, wo sich am Rumpf die Bugwelle ausbilden würde - was anzeigt, dass hier der Wasserdruck in Fahrt steigt.


———————————
Nur mal so, wo es um Wellenbildung an Schiffsrümpfen geht:

Eine neuere Theorie (eines Youtubers „Drachinifel“) besagt, dass der britische Schlachtkreuzer „Hood“ im zweiten Weltkrieg wegen seines Wellenbildes bei hoher Fahrt verloren ging. In Korrelation zur hohen Welle am Vorschiff bildet sich ein tiefes Wellental im Achterschiff aus. Nach der Überlegung hätte der verhängnisvolle Treffer durch die „Bismarck“ hätte, ohne dieses Wellental die Wasseroberfläche getroffen, diese hätte den Zünder der Granate ausgelöst und das Ganze wäre als Nahtreffer glimpflich angegangen. Aber so wurde der bis unterhalb der Unterkante des Seitenpanzers freiliegende Rumpf unterhalb des Panzers getroffen. Der Verzögerungszünder wurde von der Bordwand ausgelöst und die Granate ist dann tief unten im Rumpf, mitten zwischen den Magazinen für den dritten Geschützturm detoniert. Klingt recht plausibel.
 

Popocatepetl

Inquisitor
27. August 2013
7.643
physik kann manchmal echt ein *piep*loch sein....


WAS HAT DIE PHYSIK JE FÜR UNS GETAN ???

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vielleicht sollten wir sie einfach per abstimmung abschaffen.... wer ist dafür ?
 
Zuletzt bearbeitet:

Rülspmin

Geheimer Meister
11. April 2025
105
Ich les das alles bestimmt nicht, obwohl ich weiß, daß es dem Wert wäre.
Nichtsdestotrotz habt ihr nerds schonmal über ne simple Milliardärsfalle nachgedacht?

Oder bin ich jetzt plötzlich Off topic - dann ignoriert diesen Post, Danke.
 

Rülspmin

Geheimer Meister
11. April 2025
105
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich - keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat, aber er sollte mehr verdienen als Christiano Ronaldo
 

Lupo

Ritter Kadosch
3. Oktober 2009
6.713
Nichtsdestotrotz habt ihr nerds schonmal über ne simple Milliardärsfalle nachgedacht?

Also, ich als Technik-Nerd sicherlich nicht. Ich weiß nur, dass es dem Milliardärsfallensteller auch nicht anders geht als dem Kojoten bei seinen Fallen, die er dem Roadrunner stellt, wenn er die Physik verdaddelt.

Insofern sehe ich mich auch weniger als Gegenspieler, denn als Sparringspartner in dieser Diskussion hier.
 

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