Die Schwere Des Lebens,Oder Doch Die Leichtigkeit?

Dieses Thema im Forum "Philosophisches und Grundsätzliches" wurde erstellt von MisterE, 28. August 2002.

  1. MisterE

    MisterE Großmeister

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    Registriert seit:
    28. August 2002
    mir ist etwas langweilig..und da will ich mal ein neues thema in den raum werfen..
    wird uns durch unser sein eine last auf die schultern gelegt?was ist überhaupt das "sein"? werden wir völlig frei von irgendwelcher verantwortung/last geboren und besitzen somit eine ungeheure leichtigkeit mit der wir durchs leben gehen könnten? legen wir uns selbst die last auf die schultern? viele philosophen haben sich mit solchen fragen auseinander gesetzt..
    für mich allerdings gibt es eine formel..
    umso höher die intelligenz eines menschen, desto höher die last die er auf seiner schulter trägt..
    wenn wir zurückschauen an die anfänge des lebens..den ursprung des *seins*, so können wir doch leicht erkennen das höhlenmenschen relativ leicht lebten..
    abgesehen von den grundbedürfnissen wie essen,unterkunft,sicherheit..er mußte sich keine gedanken um rente,einkommen,beruf etc machen..das einzige was wohl schon immer vorhanden war, ist der drang an gesellschaftlichem ansehen zu erlangen..
    so könnte man sagen das die gesellschaft schon immer eine tragende rolle in unserem da*sein* gespielt hat..
    die intelligenz spielt auch eine große rolle..meiner meinung nach..umso schlauer man ist, desto mehr setzt man sich mit vielen fragen auseinander.. interessengebiete sind anders verteilt..hätte sich ein darwin,nietzsche,davinci...mit seinen sachen beschäftigt,wäre er dumm gewesen? ich glaube kaum..
    ich denke das unser leben überhaupt nicht kompliziert ist..wie es von den meißten philosophen beschrieben wird..es gibt überhaupt keine last die uns auf den schultern liegt..wir sind völlig frei von allem..
    es ist alles nur einbildung..wir werden in eine bestimmte gesellschaft hineingeboren und übernehmen ihre verhaltensweisen..wir bemühen uns gut in der schule zu sein..nett unseren mitmenschen gegenüber..
    haben ideale und wertvorstellungen..versuchen einen guten beruf zu erlangen um ein tüchtiges leben zu führen und unsere *rolle* so gut wie möglich zu spielen..aber..sind das wirklich unsere ideale und wertvorstellungen? oder werden sie uns durch unser umfeld suggeriert? hier kommt wieder die frage was die gesellschaft und unser umfeld für einen maßgebenden einfluss auf uns hat..und wir sind ja schon in älteren beiträgen zu dem schluss gekommen das wir durch die gesellschaft und unser umfeld in dem wir leben/aufwachsen sehr geprägt werden..
    nietzsche hat zB einmal geschrieben das sich alles in unserem leben wiederholt..alles in der ganzen geschichte des seins..des universums..überhaupt alles wiederholt sich einmal..schon allein deswegen liegt eine ungeheure last auf unseren schultern..wir müßten mit allem was wir tun sehr bedacht darauf sein das es das richtige ist..da sich schon die kleinste bewegung irgendwann wiederholen wird..
    ich denke allerdings das es quatsch ist..auch wenn sich alles irgendwann einmal wiederholen sollte, ist es nicht meine aufgabe darauf zu achten mich möglichst korrekt zu verhalten..wer gibt überhaupt den maßstab des korrekten lebens? gibt es überhaupt eine richtlinie?? es gibt doch gar keinen vergleich..jeder lebt nur einmal..und auch wenn es soetwas wie wiedergeburt oder sonstiges geben sollte, so haben wir keine erinnerung an unser früheres leben..bei allen entscheidungen die wir treffen gibt es für uns also keinen vergleich zu früheren situationen..das leben ist eine einzige anreihung von unmengen an augenblicken..und mir müssen jeden augenblick leben..
    leben wie wir es wollen..lernen das es unser leben ist das wir leben..und nicht das eines anderen..wir dürfen nicht die ideale und wertvorstellungen irgendwelcher leute über unsere stellen..sonst merken wir schnell das wir zwar leben, aber wir leben nicht unser leben..
    wir tragen die sachen von anderen leuten..denken die gedanken von anderen menschen..benehmen uns so wie andere menschen es von uns erwarten..
    wenn uns das klar wird, ist es schwer einen weg zu finden der uns innere ruhe und ausgeglichenheit gibt..
    auf der einen seite stehen gesellschaft,eltern,umfeld
    und alles was unser sein beeinflusst..auf der anderen stehen unsere interessen,wertvorstellungen und ideale..
    ist es also einfach, die leichtigkeit zu erlangen?
    ja..denn wir werden mit ihr geboren..ist es aber auch leicht sie zu behalten und waren??nein..denn mit jedem tag unseres daseins werden uns lasten,verantwortung und erwartungen auf die schultern gelegt..
    wie würde unser leben aussehen wenn wir es in der leichtigkeit leben würden? erwartungen,lasten,verantwortung abwerfen die uns unsere gesellschaft,umfeld auferlegt hat? wer kann sich an den film "american beauty" erinnern? kein paradebeispiel aber doch ganz nett um es hier in bezug zu stellen..können wir in der völligen leichtigkeit überhaupt leben/überleben? oder werden wir selbst von der befreienden leichtigkeit erdrückt?
    um ein konkretes beispiel zu geben..
    könnte zB ein chirurg als strassenfeger arbeiten??

    ich weiß das es eigentlich eine frage ist, die jeder für sich selbst entscheiden muß..schliesslich wird jeder anders geprägt..
    aber ich will einfach mal darüber diskutieren..

    muß jetzt leider aufhören weil ich raus muß..
    freu mich auf eure antworten von den philosophen unter euch =)

    bis denn
     
  2. Abbadon

    Abbadon Großmeister-Architekt

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    OMG immer soviel text...

    ich denke du setzt fälschlicherweise einfachheit oder simplizität mit leichtigkeit gleich... Ich denke nicht, dass ein Höhlenmensch oder Neandertaler ein leichtes Leben besass... Und auch mit Leichtigkeit war er wohl nicht dabei...
    Es gibt IMHO drei Versionen der Leichtigkeit

    1. Die Unschuld der Geburt... Wer noch gar nichts schweres kennt, für den ist automatisch alles leicht.
    2. Die Illusion der Leichtigkeit (Ignorance is bliss) Der Versuch durch striktes ignorieren aller Gegenbeweise eine rosarote Brille aufrecht zu behalten.
    3. Die Erkenntnis der Tatsächlichen Leichtigkeit... Aber die dauert...
     
  3. Amy

    Amy Geselle

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    Wie kommst du darauf, dass alles am Anfang leicht ist? Vielleicht ist es die schlimmste Erfahrung die es gibt, geboren zu werden, nur haben wir die schon vergessen... (Nur um mal das andere Extrem zu nennen, ich selber hab da auch keine Ahnung von)

    Es ist unmöglich, alle Verantwortung, Pflichten und Lasten abzuwerfen, weil wir sie uns selber auferlegen. Selbst wenn man mal die "fremden" Pflichten, Erwartungen und Lasten weglässt, die uns von Eltern usw. usf. auferlegt werden und die einfach zu einem Teil von uns werden. Dann bleiben noch die Erwartungen und Werte, die man sich selbst (durch den Charakter) aufstellt: z.B. die Weltanschauung, Prinzipien u.ä. (Der Charakter wird ja nicht ausschließlich von der Umwelt gebildet)
    Wenn man die weglegt, müßte man dann nicht automatisch seinen Charakter weglegen? Und das ist doch wohl unmöglich, oder? Dabei bezweifle ich nicht, dass es die absolute Leichtigkeit ist ohne Charakter zu leben.

    Im Moment kommts mir so vor, als ob es sowas wie die absolute Leichtigkeit, auf der man glücklich und zufreiden durch das Leben gleiten kann, nicht gibt, obwohl man es hofft. (Tut man doch, oder?)

    Ha, das ist doch auch ein anderer Weg, wie man die Sache angehen kann :) :
    Ich hoffe auf ein absolut schönes und leichtes Leben, deswegen stelle ich mir selbst erst Wünsche, dann Hoffnungen und Erwartungen. Und sobald diese Erwartungen enttäuscht werden, ist das Leben schlecht(er), kompliziert und belastend.
    Und nachdem man so richtig deprimiert ist, passiert immer wieder etwas was einem die Hoffnungen zurückgibt, und dann fängt alles wieder von vorne an. Gemein und trotzdem schön, oder?
     
  4. kalsoom

    kalsoom Geheimer Meister

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    Die Leichtigkeit des Seins hat mich zum Glück nie verlassen.
    In den schlimmsten Momenten meines Lebens gab es immer
    Zeiten in denen ich überlegte, was noch gut an diesem schlechten
    Tag ist. Jeden Tag nehme ich mir ein paar Minuten Zeit , um
    verückten Ideen nachzugehen. In die Matrix des Universums
    greifen und sich inspirieren lassen
     
  5. Lhasa

    Lhasa Großmeister

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    11. Juli 2002
    Ich glaube das man sein leben ganz einfach leben kann, und man tun kann was man wirklich will. Ein Beispiel: Ein Kumpel zerbricht sich schon seit Wochen den Kopf, wie er am besten an Geld für ein Auto kommt, was er meiner Meinung nach gar nicht braucht. Und er will auch ein Auto was 'geil' aussieht, schnell fährt ... . Ich meine wenn er mal wirklich überlegen würde, dann würde er darauf kommen das er das Auto nur zum Angeben braucht und so vielleicht einen höheren gesellschaftlichen 'Status' erreicht. Genauso ist es mit Klamotten, wenn man Sachen anhat die 'out' sind, dann zieht sie doch keiner mehr an. Man muss sich den ganzen Tag Gedanken machen, wie man in der Gesellschaft zu Ansehen kommt.
    Also was ich damit sagen will ist, das die Ursache für die Kompliziertheit unseres Lebens durch Gesellschaftliche Fremdzwänge entsteht. Man MUSS etwas aus sich machen, viel Geld verdienen, immer der Beste sein. Was man selbst tun will, interessiert nicht. Man muss heute selbstlos sein.
    Ich finde die Antwort auf diese Fremdzwänge liegt im Buddhismus, in der Überwindung seines Ichs. Viele werden einen dann als Außenseiter beschimpfen, aber eigentlich geht man dann nur seinen eigenen Interessen nach. Es hat hier jemand geschrieben, das man dann seinen Charkter verliert, das ist meiner Meinung nach Unsinn, denn wenn man tut was man selbst nur will, dann entwickelt man erst seinen eizigartigen wahren Charakter und nicht diesen oberflächlichen Charakter der zu allen nett , alles selbstlos tut, ... .
    Das heißt ja nicht das man zu anderen dann nicht mehr nett ist, aber es ist nicht gespielt.
    Ich bin zwar kein Freund von Zitaten, aber ich glaube dieses passt ganz gut, es ist von Hermann Hesse: 'Wer höher steigt und größere Aufgaben bekommt, wird nicht freier, er wird nur immer verantwortlicher."
    Ich finde Hermann Hesse genial, er hat sein Leben lang überlegt, warum Menschen sich diese Lasten auf die Schultern legen.
    bye
     
  6. Amy

    Amy Geselle

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    Könnte es sein dass du dich damit auf mich bezogen hast? Wenn ja, hast du mich falsch verstanden, und das will ich gerne berichtigen:
    Ich habe gemeint, dass die Wünsche und Hoffnungen eines Menschen auch, wie du schon passend kritisiert hast, durch die Gesellschaft entstehen. Ab einem bestimmten Alter "unterdrückt" das den Charakter des Menschen, als Kleinkind bildet es den Charakter.
    Angenommen, dem ist nicht so - ich glaube es nicht, aber nur mal angenommen - dann hat man doch trotzdem noch Wünsche und Träume, die man sich erfüllen will. Denn wir sind mehr als das Produkt unserer Umwelt.
    Wir haben also trotzdem noch irgendwelche Begierden, die wir stillen wollen. Ich denke, diese Begierden und Hoffnungen kommen vom Charakter: Weil man einen Charakter hat, lassen sie einen nicht los. Sie sind teilweise unser Charakter, manchmal auch nur ein Ausdruck davon. Und sie machen uns unser Leben hübsch kompliziert. Wenn man sie nun irgendwie loswerden könnte - würde man dann nicht seinen Charakter loswerden? Man kann seinen Charakter ändern, klar, aber dann ändert man nur seine Wünsche, wird sie aber nicht los. Kann man aber einen Teil seines Charakters einfach so wegradieren?

    Meiner Meinung nach auch. Damit finde ich habe ich begründet, weswegen es sowas wie die absolute Leichtigkeit nicht geben kann. Es sei denn, ich habe mal wieder etwas übersehen. :wink:



    PS: Deswegen will ich nicht hoch aufsteigen: Verantwortung macht nicht glücklich, sondern bedrückt einfach.
     
  7. Inoad

    Inoad Großmeister

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    nun, ich glaube die "schwerheit" die wir oft in unserem leben erlbenen resultiert einfach daraus, dass wir merken, dass wir in eine rolle gepresst werden! also ich meine, jeder von uns hat ja irgendwo seinen eigen willen und möchte das tun was er will, eben einfach er selber sein, doch diese individualität wird oft (vll sogar immer) unterdrückt! und wir merken das auch wenn es uns nicht bewusst ist! wir leben, doch merken, das es nicht unser leben ist! das macht uns traurig und wütent und lässt und das leben schwer erscheinen! doch leichtigkeit ist einfach, wenn ich ich bin, wenn ich mein leben lebe! (jedenfall sehe ich das so, und das kann für jeden wieder anderst sein) ich will so leben wie ich bin, dass ist für mich wichtig! wenn wir uns von en lasten der gesellschaft befreiein spüren wir diese leichtigkeit, nur leider kann man diese leichtigkeit nicht andauernt anhalten, denn unser leben wird, auch wenn wir uns dagegen wehren, was wichtig ist, immer von der gesellschaft bestimmt! für mich ist es wichtig mich frei zu machen von diesen zwängen und ich selber zu sein! es ist nicht leicht! ich könnte nun noch mehr schreiben, hab aber grad keine ziet mehr! demnächt mele ich mich noch mal! :)
     
  8. Rick

    Rick Geselle

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    21. April 2002
    Lies

    Lies das Buch "Die inerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Kundera
     
  9. Abbadon

    Abbadon Großmeister-Architekt

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    1.295
    Registriert seit:
    28. Juni 2002
    Nee wenn schon Kundera dann lieber "Die Unsterblichkeit"
     

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