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Der Klimawandel-Schwindel

Nachbar

Ritter Kadosch
20. Februar 2011
5.160
... aber wo sind sie denn eigentlich jetzt, die Vorredner des "Klimawandel-Schwindels"? Man scheint nichts mehr von ihnen zu hören, nicht einmal kleinlaut sind sie, es herrscht völlige Funkstille aus dieser Position.
Tatsächlich. An dieser Ecke ist der Fraktion "Wissenschaft ist auch irgendwie nur eine Meinung" wohl die Realität ein bisschen zu aufdringlich geworden, Frechheit!, was aber zu keinem prinzipiellen Wandel führt. Die meisten derjenigen, die den Klimawandel einfach nicht mehr weggeleugnet kriegen ohne sich dabei als Obst zu fühlen, die fangen deshalb ja nicht plötzlich an, die Wissenschaft zu respektieren (die WISSEN schafft), sondern ziehen sich bloß um einen Schützengraben zurück, nämlich dass der Klimawandel nicht vom Menschen verursacht ist.

Schlachtruf: KLIMAWANDEL GAB ES IMMER!
Gerade erst live von Frau Weidel serviert, im Sommerinterview. Womit sie sogar weiter ist als gute Teile ihrer Partei, die ernsthaft beim Leugnen stecken geblieben sind. "Als ich Kind war gab es auch heisse Sommer", sagt der Afdler, und widerlegt damit eindrucksvoll die gesamte Klimaforschung. Es ist immer wieder schön.

Also, falls dir das fehlt, dieses gelegentliche Vorbeischwirren von Realitätsverweigerern, dann würde ich an deiner Stelle zum nächsten AfD Ortsverein gehen. Einfach warten und den Nächsten schnappen der rauskommt; das sollte passen.
Aber wahrscheinlich hast du da keinen Bock drauf, ich definitiv nicht, denn dann steht einem dieser Mensch gegenüber und man bekommt es mit der Endgegner-Kombination aus Dummheit und Ignoranz zu tun, wogegen kein Kraut gewachsen ist. Keine Chance. Nicht einmal ansatzweise. Allein schon deshalb, weil man direkt nach dem ersten Satz, nach der ersten Frage, als Feind gilt. Error, tilt, insert coin.
Ich kenne ja solche Leute, du vermutlich auch. Die könnten vor einem Mensch gewordenen Kondensat aus Newton, Leonardo da Vinci und Nelson Mandela stehen, aber nützt nix, die merken das nicht, die spüren die Begegnung mit Intelligenz schlicht nicht. Dass es jetzt Zeit für eine Verhaltensänderung wäre, dass man jetzt vielleicht nicht direkt rausposaunen sollte was einem Frau Weidel und fünf YouTuber beigepult haben, sondern dass statt dessen Respekt und Aufmerksamkeit gute Ideen wären, so für den Anfang, ja, aber ... nein. Man bekommt die Kombi aus Dummheit und Ignoranz nicht geknackt, es geht nicht, und das ist wirklich bedauerlich, weil das für den anderen Teil der Gesellschaft die Probleme vergrößert.

Die Dumm-Ignoranz benötigt natürlich auch eine Motivation, einen Antrieb, und das ist die Zugehörigkeit.
Hier ist die MAGA-Sekte ein guter Vergleich, mit ihrem Glaubensbekenntnis der gestohlenen Wahl. Diese Lüge muss man postulieren oder darf sie zumindest niemals öffentlich anzweifeln, nur dann kann man MAGA sein, das ist hinlänglich bekannt. Und echt fuckin' crazy, weil die Realität so offen daliegt wie ein Beutel Zwiebeln im Supermarkt. Aber plötzlich darfst du den Beutel Zwiebeln nicht mehr Beutel Zwiebeln nennen, sondern Steuererklärung. Für mich unfassbar, dass zig Millionen Menschen das mitmachen, die zwar definitiv nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind, aber prinzipiell schon dazu in der Lage wären, einen Beutel Zwiebeln zu erkennen.
Könnten sie. Wollen sie aber nicht. Die wollen MAGA sein, die wollen Zugehörigkeit.

Bei der AfD funktioniert das über den Klimawandel. Entweder existiert er nicht, oder wenn doch, dann ist er jedenfalls nicht vom Menschen verursacht. Zwar widerspricht das genauso den Tatsachen wie Trumps vermeintlicher Sieg 2020, aber egal, man will ja zur Bewegung "Rolle rückwärts in die Zukunft" gehören, und entsprechend muss man das leugnen, kann man auch wieder mehr Braunkohle fördern, bis ans Ende aller Tage Verbrenner bauen und, ganz besonders wichtig, man wird niemals zugeben müssen dass die Grünen mal wieder im Recht waren.
Es geht nicht um Inhalte, es geht nicht um Fakten, es geht um eine Zugehörigkeit mit vielen Feindbildern drumrum. Deshalb ist es auch eine reizende aber gänzlich dysfunktionale Idee, die AfD inhaltlich stellen zu wollen.



Hoppla. Aus einer kurzen Anmerkung ist ein längerer Text geworden...
Vielleicht weil es mich wirklich traurig macht, wie die Menschheit mit ihren Lebensgrundlagen und den anderen Lebewesen auf diesem Planeten umgeht. Und weil es mir leid tut, wie viele Existenzen jetzt bereits unter dem Klimawandel zugrunde gehen, zu Tausenden sogar ihr Leben verlieren, während allerorten irgendwelche verkackten Populisten die Realität leugnen um damit die Sehnsüchte und Ängste von Wählern zu triggern. Es ist so widerlich.

Ich selbst lebe seit geraumer Zeit auf einem geostrategisch bedeutungslosen Flecken im Atlantik, und obwohl der Klimawandel keinerlei Grund für den Umzug darstellte, weiß ich den großen Temperaturausgleichsbehälter um uns herum inzwischen sehr zu schätzen.
Es ist schon so, dass räumliche Distanz zu mehr emotionaler Distanz führt, aber ich mag Deutschland ja und wünsche entsprechend gutes Gelingen, und selbstverständlich gilt: man wählt keine Rechtsradikalen!!
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.922
Schlachtruf: KLIMAWANDEL GAB ES IMMER!
Gerade erst live von Frau Weidel serviert, im Sommerinterview. Womit sie sogar weiter ist als gute Teile ihrer Partei, die ernsthaft beim Leugnen stecken geblieben sind. "Als ich Kind war gab es auch heisse Sommer", sagt der Afdler, und widerlegt damit eindrucksvoll die gesamte Klimaforschung. Es ist immer wieder schön.

Selbst wenn man diese persönlichen Erfahrungen - die über eine langfristige Klimaentwicklung wenig aussagen - in die Bewertung einbeziehen will, dann halte ich mit meinen persönlichen Erfahrungen entgegen:

- Vor rund 30 Jahren erlebten wir im Sommer auch mal eine Hitzewelle. Die ging aber dann mal über ein, zwei Wochen im Juli - und das war's dann aber auch. Das Temperaturmaximum lag damals bei 30°C. Allerdings fanden wir eine solche Hitze bereits damals als ungewöhnlich.
- An einen Sommer, bei dem von Anfang Juni bis Ende August eine Hitzewelle die nächste ablöst, mit Maxima von 38°, ortsweise 40°C kann ich mich aber nicht erinnern. Und auch nicht daran, dass mehr oder weniger jeder Sommer in Folge dasselbe Schema aufweist.
- Über Brände und Flutkatastrophen wurde auch damals berichtet. Aber nicht derart, dass diese Naturkatastrophen in mehreren, weit voneinander entfernten Regionen der Welt gleichzeitig auftreten.

Es ist richtig, in der Erdgeschichte gab es immer klimatische Veränderungen. Allerdings passierten sie in geologischen Zeiträumen, in Jahrtausenden oder, wie die Kleine Eiszeit, in Jahrhunderten. Wobei es auch bei letzterer die Vermutung gibt, dass es sich um eine durch Menschen ausgelöste Klimaveränderung gehandelt hat.

Ich selbst lebe seit geraumer Zeit auf einem geostrategisch bedeutungslosen Flecken im Atlantik, und obwohl der Klimawandel keinerlei Grund für den Umzug darstellte, weiß ich den großen Temperaturausgleichsbehälter um uns herum inzwischen sehr zu schätzen.
Es ist schon so, dass räumliche Distanz zu mehr emotionaler Distanz führt, aber ich mag Deutschland ja und wünsche entsprechend gutes Gelingen, und selbstverständlich gilt: man wählt keine Rechtsradikalen!

Ich freue mich ganz ehrlich für Deinen gewählten Lebensort.
Da mir mein eigener Ruhestand in wenigen Jahren bevorsteht, denke auch ich darüber nach, mich noch einmal woanders niederzulassen. Nicht, weil es mir in Deutschland nicht gefiele, nicht, weil ich irgendwo "billiger" zu leben gedenke. Überhaupt, ich ginge nicht aus Frust oder Wut. Sondern vielmehr, weil ich es kann, und weil es doch nett wäre, auf seine alten Tage noch einmal anders zu leben. Derzeit habe ich den Südwesten Frankreichs ins Auge gefasst ...

... oder geht man vllt. doch nicht in den Süden? Besser in den Norden, Skandinavien, das Baltikum? Oder gleich in das südliche Patagonien (Chile)?
 

Nachbar

Ritter Kadosch
20. Februar 2011
5.160
... oder geht man vllt. doch nicht in den Süden? Besser in den Norden, Skandinavien, das Baltikum? Oder gleich in das südliche Patagonien (Chile)?
Den Mittelmeerraum würde ich meiden, aufgrund von zunehmend heftigen Extremen. Hitze von 40° da und dort, teils schon im April, und dazu Brände und Starkregen.
In Skandinavien musst du mit der Dunkelheit des Winters klarkommen, das würde ich vorher einen Winter lang testen.
Das Baltikum ist wunderschön, aber was für Mutige. Zumal ich nicht viel auf die deutsche Panzerbrigade setze... Täte man statt dessen eine gemischte Drohnenbrigade aufbauen, fände ich das schon ein bisschen beruhigender.
Patagonien? Echt?? Aber gut, warum eigentlich nicht...

Überhaupt, ich ginge nicht aus Frust oder Wut.
Das sind wir auch nicht. Hamburg ist meine Heimat und eine ganz große Liebe, insbesondere St. Pauli.
Es ist sicherlich viel schöner und gesünder, man geht aus Lust.
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.922
Patagonien? Echt?? Aber gut, warum eigentlich nicht...

Ich glaube, da tät's mir gefallen. Vllt. schaue ich mir's irgendwann einmal an.

Nachdem ich mir jetzt einen Haufen Clips über das Auswandern angesehen habe - die sich allerdings meistens an US-Amerikaner wandten - zeichnet sich für mich ab: Ist man nicht mit wirklich viel Geld gesegnet, so kann man eigentlich nur in der EU bleiben.
Zwar gibt es durchaus Nicht-EU-Länder, die Retrirement-Visa zu ansprechenden Konditionen anbieten, und gar nicht so viel Asche voraussetzen. Darunter auch Chile.

Die Visa-Voraussetzungen sind aber nur die erste Hürde. Die wesentlichen Knackpunkte sind:

- Krankenkasse: Bleibt man in der EU, dann kann man seine Krankenkasse, oder genauer gesagt: die über die Jahre erworbenen Ansprüche - im Wesentlichen problemlos mitnehmen. Vorübergehend kann man in seiner bisherigen KK bleiben, sie gilt europaweit. Bleibt man dauerhaft im EU-Ausland, dann hat man in das dortige, nationale Krankenversicherungs-System zu wechseln, was i.d.R. problemlos möglich ist (allerdings dann auch zu den dortigen Konditionen).
In einem Nicht-EU-Land ist das i.d.R. nicht der Fall. Man muss dann eine private KV abschließen, und bei der ist man im Alter nicht gerade ein Wunschkunde. Es wird also teuer und es kann gut sein, dass bekannte Vorerkrankungen trotzdem nicht durch die private KV gedeckt sind.

- Banken: Wechselt man einfach dauerhaft in ein anderes Land, dann wird man von seiner Hausbank nicht selten gekündigt. Das ist keine Boshaftigkeit der Bank, sondern man wird dadurch zu einem unattraktiven Kunden. Denn die Bank hat dadurch mehr Pflichten abzuarbeiten, Geldwäsche-Gesetze, Dokumentations- und Prüfungspflichten durch die Bank usw. usf. und der erhöhte Aufwand lohnt sich für die Bank dann nicht mehr. Geht man es vorher geplant mit der Bank an und bleibt man in der EU, so kann das bei manchen Banken funktionieren. Bei einem Aufenthalt in Nicht-EU-Ländern spielen die Banken aber i.d.R. nicht mehr mit.
Man braucht also eine Bank in dem Land, in dem man lebt, mit allen Risiken, die das birgt.

- Reserven: Es kann (und wird) vorkommen, dass man kurzfristig mal wieder in das Heimatland reisen muss, z.B. aus familiären Gründen. Innerhalb der EU ist es keine große Sache, solche Reserven zu halten. Lebt man jedoch in einem weit entfernten Teil der Welt, so wird das teuer und auch zeitaufwändig. Denn einen günstigen Flug auf die Schnelle Chile - Deutschland gibt's dann meist nicht.

- Rechtssicherheit: Denken wir mal an so etwas wie das Mietrecht, so mag es auch innerhalb der EU einige Varianten und Abweichungen geben. Vor dem Allergröbsten ist man durch EU-Recht aber sicherlich geschützt. Woanders sieht's anders aus. Da hat man sich vllt. günstig eingemietet, und nach einem Jahr denkt sich dann der Vermieter: Jetzt will ich aber 50% mehr Miete haben ...

- Soziale Unterschiede: "Billige" Länder sind eben nur deshalb "billig", weil unser Geld mehr wert ist als das Geld der Einheimischen. Jene wiederum müssen für die paar Kröten hart schuften - und das schafft Begehrlichkeiten. Selbst wenn man nicht das Ziel von Kriminellen wird, so kann man durchaus zum "Opfer" werden, und sei es durch irgendwelche Nervensägen. Solange man erkennbar ein Tourist ist, so versuchen diese vllt. ein kleines, schnelles Geld zu machen. Denn schließlich wissen auch diese Typen: Man reist ohnehin bald wieder ab.
Wissen sie aber: Man wird bleiben, so kann es sich für diese Sozialvampire durchaus lohnen, eine Art "Social Engineering" zu betreiben.
Erst sind sie höflich, dann herzlich, schließlich schleimen sie sich ein.
Dann kommen die "Anfragen": Das Dach ist defekt, das Moped/Auto ist kaputt, das Straßenrestaurant könnte einen finanzstarken "Teilhaber" gut gebrauchen, usw. usw. Ist doch für Dich alles kein Problem, Du bist doch "reich".
Bei manchen Ländern - Thailand o.ä. (für mich definitiv eh keine Option) - scheint es sich dabei sogar um eine Art Standardprogramm zu handeln. Wenn nicht gar Ärgeres mit ins Spiel kommt, wie inszenierte Liebschaften, Sex o.ä.

- Möglicherweise kann man die letzten zwei Punkte eingrenzen, abschotten oder ausmerzen. Z.B. dadurch, dass man Teil einer Gesellschaft anderer dort niedergelassener Deutscher wird. Allerdings tauscht man dann die eine Mischpoke nur durch eine andere Mischpoke aus. Außerdem dürfte dies bedeuten, sich von den Einheimischen abzuschotten, um eine Art isoliertes und privilegiertes Leben zu führen. Und schließlich bezweifle ich sehr, die Gesellschaft der "Deutsche Volksgemeinschaft in Chile" zu mögen, gar ein aktives Mitglied im Männergesangsverein werden zu wollen.

Was für Schlüsse ziehe ich aus alledem?

1. Was bleibt, das ist die EU. Nur innerhalb der EU ist der rechtliche, ökonomische, soziale und nicht zuletzt kulturelle Rahmen soweit abgesichert, dass man als Einzelgänger auch seine Ruhe haben kann.
2. Die sozialen und ökonomischen Unterschiede sollten klein bis nicht vorhanden sein. Denn anderenfalls bleibt man der "reiche" Außenseiter, ob nun als "Opfer" oder als "Snob".
3. Man sollte sich ein Umfeld suchen, in dem man nicht den Eindruck haben muss, man nähme den Einheimischen etwas weg. Etwa deshalb, weil "reiche" Ausländer Mieten & Preise bezahlen, die für die Einheimischen nicht zu leisten sind. Denn dann werden sie sauer, und ich finde: Zu recht.
4. Punkt 3. impliziert: Meide die Hot Spots, die Orte, wo alle hin wollen und insbesondere die Plätze, wo all die geisteskranken Influencer ihre inhaltslosen Clips abdrehen. Und wenn Du mal an Deinem Ziel bist, dann halte nach außen hin die Klappe.
5. Keine Insel. Ich kann verstehen, wenn jemand eine Insel schätzt, für mich jedoch wäre dies zu kompliziert.
6. Mein Ideal wäre eine Klein-/Vorstadt, die per Bahn (kein Führerschein ...) an eine Großstadt angeschlossen ist. Da kann ich dann mit meinem heissgeliebten Fahrrad herumfahren, und wenn ich die Großstadt benötige, dann eben mit der Bahn. Und wenn ich mal "ins Maxim" gehen will, und absehbar ist, dass mein Besuch im Varieté länger geht ... nun, dann nehme ich mir halt mal ein einfaches Hotelzimmer für eine Nacht.
Cool würde ich es finden, in so einem Kaff ein kleines, altes Haus zu finden, dass ich mieten kann ... eines, in dem schon länger keiner mehr wohnt, von privat zu privat. Dann freuen sich die Leute eher, dass da mal wieder etwas passiert, als dass sie böse wären, ich nähme ihnen etwas weg.
 

Vercingetorix

Ritter vom Osten und Westen
22. Juli 2018
2.552
In der Schweiz lebt sichs gut. Ist Europa aber nicht EU, nur um es mal wieder erwähnt zu haben. Aber hier ist es neustens im Sommer auch heiss....
 
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