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Der Absturz der Mittelschicht

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
vielleicht hat es der/die eine oder andere schon erlebt, vielleicht befürchtet er/sie es oder fühlt sich (noch) sicher oder realistischerweise schon unsicher: absturz ist nicht nur ein problem schlecht oder nicht ausgebildeteter unterschichten, sondern zunehmend auch der sehr gut qualifizierten- der sogenannten mittelschicht. nur scheint sie noch nicht so recht glauben zu können, das sie mit im untergehenden boot sitzt, das alles "nach unten treten" nichts nützt, das für sie "Kein Platz mehr im letzten Flugzeug" ist- wat ick natürlich jut finde, weil meinereiner sich nur eine zukunft ohne klassengesellschaft vorstellen kann. habe die ehre...

...Was haben diese Mittelklassen seitdem gelernt, in den USA wie in den noch sozialstaatlich verfassten Ländern Europas? Die Antwort fällt nicht leicht. Im Innern der Klassengesellschaft haben sich die sozialen Gewichte dramatisch verschoben. Aber nach wie vor schreibt der Alltagsverstand dem ideal gedachten Bürger die gesicherte Lebenslage, den angesehenen Beruf und eine risikoscheue Mentalität zu. Bemüht man die in Zeiten der Globalisierung wieder plausible Unterscheidung zwischen "Kosmopoliten" und "Lokalisten", so hält sich die Mehrheit der selbst ernannten Mittelklassen für mobile, leistungswillige und konsumfreudige Kosmopoliten.

Fernstenliebe bringt mehr ein als Nächstenliebe

Mit den Unterschichten, die eine gängige Modernisierungsrhetorik als unbewegliche, allenfalls fernsehende Lokalisten abtut, will man eher nichts zu schaffen haben. Aber auch der Zutritt zur notorisch schmalen Elite bleibt verwehrt. Hier herrschen die Besitzklassen und ihre maßgeblichen Manager, die mit der Selbstgewissheit von Sozialdarwinisten das Geschäft der schöpferischen Zerstörung weltweit betreiben. Sie meiden die lästigen Regeln der steuerfinanzierten, sozialstaatlich geordneten Nächstenliebe. Stattdessen suchen sie die Galadiners der Fernstenliebe auf, wo essen und trinken für weitab hungernde Kinder das öffentliche Ansehen mehrt und den privaten Reichtum nach Steuern. Irgendwo dazwischen wollen die bunt gescheckten Mittelklassen ihre unproletarische Daseinsform in den neuen Kapitalismus hinüberretten. Das wird schwierig, denn der Widerspruch zwischen den propagierten Leitbildern des Erfolgs und dem wirklichen Leben wird immer größer. Wenn sich besser verdienende Arbeiter und qualifizierte Angestellte nicht mehr als redliche Nutznießer des ökonomischen Fortschritts empfinden, sondern als Geprellte, dann sind die persönlichen und politischen Folgen dieser Entwicklung neu zu bedenken.

In ihrer Studie über die Middle Class der USA beschreibt Barbara Ehrenreich, wie sich die "Angst vor dem Absturz" in reale Erfahrung verwandelt. Für viele wird der alte Traum vom Erfolg zur Lebenslüge, obwohl sie die einschlägigen Regeln genauestens beachten: "In manchen Fällen handelt es sich um wahre Erfolgsmenschen auf gehobenen Posten, die gerade deshalb in Schwierigkeiten geraten sind, weil die Einsparung ihres Gehalts einen bequemen Weg zur Kostendämpfung darstellt ... Sie waren die Verlierer bei der klassischen Jagd nach dem immer besseren Job."[2]

Gefährdet sind damit zunehmend gerade diejenigen, die nach herrschender Wirtschaftslehre und Erfolgsratgebern "alles richtig gemacht" haben. Der ungeduldige Kapitalismus droht auch den arbeitenden Mittelklassen in den reichen Ländern[3] mit dem Gespenst der Nutzlosigkeit...

http://www.eurozine.com/articles/2006-12-21-ukadritzke-de.html
 

Aphorismus

Ritter vom Osten und Westen
22. Dezember 2004
2.466
samhain schrieb:
absturz ist nicht nur ein problem schlecht oder nicht ausgebildeteter unterschichten, sondern zunehmend auch der sehr gut qualifizierten- der sogenannten mittelschicht.

Gibt es Zahlen, die das belegen oder ist das nur eine Mischung aus Bauchgefühl und dem, was dir ins politische Konzept passt?
 

Franziskaner

Ritter vom Schwert
4. Januar 2003
2.062
äh, Apho, ist heut Murmeltiertag? :wink:

und btw. und völlig OT: Ich persönlich freu mich, das samhain sich mal wieder hier blicken lässt! :)
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Tja, das mag Bauchgefühl sein, aber ich kenne genug Akademiker, die sich abmühen, nicht in Hartz IV zu rutschen oder die als Freiberufler ein Einkommen nahe null haben. Sind weißgott keine Wirtschaftswunderzeiten mehr.

samhain schrieb:
Sie meiden die lästigen Regeln der steuerfinanzierten, sozialstaatlich geordneten Nächstenliebe.

Was wohl der Sozialstaat mit Nächstenliebe zu tun hat? Soll das Ironie sein? Und wie kommt man um die Sozialabgaben drumrum? Ich sehe keine Möglichkeit.

Stattdessen suchen sie die Galadiners der Fernstenliebe auf, wo essen und trinken für weitab hungernde Kinder das öffentliche Ansehen mehrt und den privaten Reichtum nach Steuern.

Der Gewinn nach Steuern steigt nicht durch Spenden.

100.000 € Gewinn, -25 % Steuern, bleiben 75.000.

100.000 € Gwinn, 1.000 € Spende, -25% Steuern, bleiben 74.250.
 

wattwurm

Großmeister
18. August 2006
92
Ein_Liberaler schrieb:
Der Gewinn nach Steuern steigt nicht durch Spenden.
Da der Satz mit "stattdessen" beginnt, könnte man auch den "größeren Zusammenhang" mit dem vorausgehenden Satz betrachten und nicht nur eine rein mathematische Rechnung vornehmen. Und dann macht die Aussage des Autors schon Sinn: obwohl nur eine zahlenmäßg kleine Gruppe haben die Superreichen eben eine starke Lobby bei den Politikern und sorgen durch staatlich geförderte Hungerlöhnen (Kombi-/ Mindestlohn) und Steuersparmodelle (Stiftungen) für eine geringe Abgabequote unter ihresgleichen. Nicht ohne Grund fordern einige sozial eingestellte Millionäre, mehr Steuern zahlen zu dürfen. :wink:

Die Aussage des Zitats ist doch "sinngemäß": wenn die Superreichen hier in Deutschland mehr steuern zahlen würden, wäre es wirklich ein Gewinn für die Allgemeinheit, weil der Staat mehr Geld hätte, um in "Humankapital" zu investieren. Also Bildung und Gesundheit für junge Menschen, denen die Eltern eben keine Intensiv-Sprachkurse oder hochwertige Lebensmittel bezahlen können. Die medienwirksam zelebrierten Charity-Galas sind eher eine Alibiveranstaltung und ändern zudem ja auch nichts an dem Grundproblem, warum Menschen in Afrika verhungern oder Kinder in Asien arbeiten müssen. Nämlich der Ausbeutung von Arbeitskraft, Rohstoffen und Natur durch Wenige auf Kosten der Weltbevölkerung.

Zwischen 1990 und 2002 sanken die realen Nettoeinkommen der Arbeitnehmer in Deutschland um 0,7 Prozent, die Bezieher von Gewinn- und Vermögenseinkommen verzeichneten dagegen einen Zuwachs von fast 50 Prozent.:!:
Die Zahlen geben ihnen Recht. Zwischen 1990 und 2002 konnten Unternehmer und Vermögende in Deutschland ihr durchschnittliches Bruttoeinkommen preisbereinigt um rund 40 Prozent steigern. Die Bruttolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer dagegen stiegen lediglich um sieben Prozent. Betrachtet man die realen Nettoeinkommen, wächst der Abstand weiter. Dann ergibt sich bei den Arbeitnehmern sogar ein Minus von 0,7 Prozent, bei den Beziehern von Gewinn- und Vermögenseinkommen dagegen ein Zuwachs von fast 50 Prozent.

Den Unterschied zwischen brutto und netto macht die Steuer- und Abgabenpolitik des Staates.

1960 mussten Arbeitnehmer nach Berechnung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in Düsseldorf im Schnitt knapp 16 Prozent ihres Einkommens an Finanzamt und Sozialkassen abführen. Gewinn- und Vermögenseinkommen wurden mit 23 Prozent belastet.

Heute liegt die durchschnittliche Abgabenlast eines Arbeiters oder Angestellten bei 35 Prozent. Gutverdiener müssen sogar weit mehr als die Hälfte ihres Einkommens an den Staat abführen. Unternehmer, Selbstständige und Vermögende dagegen verlieren im Schnitt nur noch knapp elf Prozent. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt.

http://zeus.zeit.de/text/2004/40/Reiche
Nach Angabe des Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung besitzen heute die wohlhabendsten zehn Prozent der Deutschen fast die Hälfte des gesamten Privatvermögens.

http://zeus.zeit.de/text/2005/46/Kr_8amer

In einem offenen Brief hat sich eine Gruppe von Vermögenden, Schriftstellern und Wirtschaftsexperten für eine Erhöhung der Vermögens- und Erbschaftssteuern ausgesprochen.

Die insgesamt 21 Unterzeichner regen an, die Vermögensbesteuerung auf 3,8 Prozent des Bruttosozialprodukts anzuheben. Damit könnte der Staat eine Summe von 66 Milliarden Euro an Mehreinnahmen erwirtschaften.

Fasse man Grundsteuer-, Erbschafts-, Schenkungs- und Vermögenssteuer zusammen, sei Großbritannien mit einem Anteil von 4,3 Prozent am Bruttosozialprodukt Spitzenreiter der Belastung von Vermögen, heißt es in dem Brief. Es folgten Frankreich mit 3,3, die USA mit 3,2, Japan 2,8 Prozent. Schlusslicht sei Deutschland mit nur 0,8 Prozent.

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4923902_REF1,00.html
 

Winston_Smith

Groß-Pontifex
15. März 2003
2.804
...ändern zudem ja auch nichts an dem Grundproblem, warum Menschen in Afrika verhungern oder Kinder in Asien arbeiten müssen. Nämlich der Ausbeutung von Arbeitskraft, Rohstoffen und Natur durch Wenige auf Kosten der Weltbevölkerung.

Daran sind aber weniger "die reichen" Schuld, sondern DU und ICH. Ganz ehrlich, wer sich nen DVD-Player für 19EUR, ein T-Shirt für 3EUR oder Bananen für 50Cent kauft, sollte sich über Kinderarbeit und Ausbeutung nicht beschweren.

ws
 

dkR

Großmeister aller Symbolischen Logen
10. April 2002
3.142
Die Aussage des Zitats ist doch "sinngemäß": wenn die Superreichen hier in Deutschland mehr steuern zahlen würden, wäre es wirklich ein Gewinn für die Allgemeinheit, weil der Staat mehr Geld hätte, um in "Humankapital" zu investieren.
Wenn du dir mal überlegst, wieviele Personen das tatsächlich betrifft und entsprechend wie viel Steuern da herauskommen, bzw. wie viele Steuern dann nicht mehr herauskommen weil einfach eine Ausweichbewegung ins benachbarte Ausland stattfindet. Ich denk mal im Idealfall kommt das bei plusminus Null raus.
Der Ansatz "die bösen Reichen" ist zwar populistisch sehr wertvoll dafür umso sinnloser.
 

wattwurm

Großmeister
18. August 2006
92
Winston_Smith schrieb:
Daran sind aber weniger "die reichen" Schuld, sondern DU und ICH.
Ja , das ist richtig.
Aber eben auch eine Folge der Globalisierungs- und Privatisierungs-Spirale. Wenn ein Briefzusteller früher bei der Post 10 euro Stundenlohn bekam, dann entlassen wird und bei der PIN-AG für 5 euro arbeiten muss oder ein Müllwagenfahrer bei der Kommune mal 14 euro hatte, die dann die Abfallwirtschaft privatisiert und der private Arbeitgeber für die gleiche Arbeit nur noch 6 euro/Std. zahlt, sind Biobananen nicht bezahlbar.

Und der Ausverkauf vieler Deutscher Firmen und die darauffolgenden Dumpinglöhne sind auch politisch gezielt durch die Schröderregierung durch die Abschaffung der Steuer auf Beteiligungsgewinne herbeigeführt worden. Und Schröder wollte halt seinem jetzigen Chef aus der Bankbranche damit was gutes tun. :roll:
mit der vollständigen Abschaffung der Steuer auf Beteiligungsgewinne wird ein grundlegender Richtungswechsel eingeleitet.

Mit der Steuerreform verhilft die Schröder-Regierung dem Prinzip des shareholder value nun auch in Deutschland endgültig zum Durchbruch. Ab sofort ist die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik ausschließlich an den Interessen der Konzerne und Banken und einer kurzfristigen Steigerung der Aktienkurse orientiert.

http://www.wsws.org/de/2000/jul2000/steu-j20.shtml
 

_Dark_

Ritter Rosenkreuzer
4. November 2003
2.666
ich glaube das ist ja das problem.. er/man würde, wenn man es sich leisten könnte ^^
 

Winston_Smith

Groß-Pontifex
15. März 2003
2.804
@dark
er/man würde, wenn man es sich leisten könnte

Du ich kann/will mir auch keinen Biobananen leisten (vielleicht kommen wir ja mal von dem doofen Beispiel weg...)

Ich kaufe ebenfalls so günstig wie möglich ein.

Das diese Waren wohl nicht immer einwandfrei produziert werden, ist mir ebenfalls bewußt.

Aber: Bevor ich zum vermeintlichen "Klassenkampf" aufrufen und zum "Globalisierungsgegner" mutieren würde, würde ich mir erstmal an die eigene Nase fassen.

Und um nochmal das Bananenbeispiel zu nennen: den Luxus würde ich mir dann verkneifen.

ws
 

the_midget

Meister vom Königlichen Gewölbe
28. Juni 2004
1.437
Winston_Smith schrieb:
Ja , das ist richtig.
Aber...

Warum immer ein "aber" und warum zeigst Du mit dem Finger auf andere? Fang doch bei Dir an. Kaufst Du z.B. Biobananen usw?

ws

Das ist aber auch ein Totschlagargument. Sollte er, nur weil er es auch noch nicht umsetzt, nicht die Frage stellen dürfen, ob man es nicht anders machen sollte?
Und in dem Falle ist es ja auch wirklich schwierig, weil allein kann man sowas nicht so einfach durchziehen. Das ganze hilft ja nur, wenn alle mitmachen würden.

Wobei ich mich frage, ob - wenn so etwas tatsächlich allgemein durchgesetzt wird- sich tatsächlich etwas ändert, oder einfach alles nur teurer wird, die Menschen dafür aber mehr Geld bekommen. Dann hätte sich zwar der nominale Preis geändert (und der Verdienst) das Verhältnis zwischen Waren und Geld wäre aber immer noch das gleiche. Und da liegt der Hund ja schliesslich begraben.

Ich begebe mich da allerdings auf dünnes Eis, weil ich weder Experte für wirtschaftliche Fragen bin noch sehr sicher in Mathematik...

Um das wirklich zu ändern, müsste man das Geld anders verteilen, d.h. die Leute, die unmittelbar mit der Produktion einer Ware zu tun haben (also die Arbeiter) müssten mehr von der Summe kriegen, die der Unternehmer vom Konsumenten kriegt, und zwar vor allem wenn es um Waren geht, die z.B. in der dritten Welt hergesstellt werden.

Ich weiss jetzt nicht, ob ein Biobauer wirklich im Verhältnis mehr von seinem Umsatz an seine Erntehelfer abgibt, nur weil er mehr Geld einnimmt (pro Stück gerechnet), oder ob da nicht einfach nach dem Gießkannenprinzip eben einfach mehr eingenommen und mehr ausgeschüttet wird und dadurch eben mehr unten durchsickert. Letzteres würde nach meiner These aber nicht helfen. Und Steuern habe ich noch gar nicht berücksichtigt, die machen das ganze noch wesentlich Komplizierter.



gruß


midget
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
wattwurm schrieb:
Nicht ohne Grund fordern einige sozial eingestellte Millionäre, mehr Steuern zahlen zu dürfen.

Also mich hat der Staat noch nie gehindert, ihm was zu schenken. Was diese Herren in Wirklichkeit fordern, sind höhere Steuern auch für die anderen.

Die Aussage des Zitats ist doch "sinngemäß":

Finde ich nicht. Sie stellt eine ebenso klare wie falsche Behauptung auf.

wenn die Superreichen hier in Deutschland mehr steuern zahlen würden, wäre es wirklich ein Gewinn für die Allgemeinheit, weil der Staat mehr Geld hätte, um in "Humankapital" zu investieren. Also Bildung und Gesundheit für junge Menschen, denen die Eltern eben keine Intensiv-Sprachkurse oder hochwertige Lebensmittel bezahlen können.

Ich bezweifle, daß es Geld ist, was unserem Schulsystem fehlt. Und selbst wenn die Länder mehr Geld hätten, ist es fraglich, ob sie es in die Schulen stecken würden, denn die meisten können gerade ihre Pflichtaufgaben bezahlen. Berlin nicht mal die.

Die medienwirksam zelebrierten Charity-Galas sind eher eine Alibiveranstaltung und ändern zudem ja auch nichts an dem Grundproblem, warum Menschen in Afrika verhungern oder Kinder in Asien arbeiten müssen. Nämlich der Ausbeutung von Arbeitskraft, Rohstoffen und Natur durch Wenige auf Kosten der Weltbevölkerung.

Aha, wer beutet denn die Chinesen aus? Wer hat sie unter Mao ausgebeutet?

Zwischen 1990 und 2002 sanken die realen Nettoeinkommen der Arbeitnehmer in Deutschland um 0,7 Prozent, die Bezieher von Gewinn- und Vermögenseinkommen verzeichneten dagegen einen Zuwachs von fast 50 Prozent.:!:

In der Inflation sinken eben die Realeinkommen. Dafür ist sie da, lies nach bei Keynes, dem Mann, der die Idee von der wohltätigen Inflation aufgebracht hat. Das ist Sozialdemokratie, kein Liberalismus.

Und wer sich keine Biobananen leisten kann, dem kann ich in Brandenburg lange Alleen von Obstbäumen zeigen, die aus Faulheit kein Mensch aberntet. Pflücken, einkochen, Obst für's ganze Jahr. Und bio noch dazu.
 

Simple Man

Kanonenbootdiplomat
Teammitglied
4. November 2004
3.945
Ein_Liberaler schrieb:
Dafür ist sie da, lies nach bei Keynes, dem Mann, der die Idee von der wohltätigen Inflation aufgebracht hat. Das ist Sozialdemokratie, kein Liberalismus.
Sorry, aber das ist doch Quatsch ... wenn du was darüber lesen willst, lies es bei einigen der nachfolgenden Keynesianern. Bei Keynes wirst du da nicht viel zu finden ... genauso wenig wie etwas über das Deficit Spending ...
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Ich weiß zwar nicht mehr wo, aber ich bin mir sicher, daß Keynes geschrieben hat, es wäre sinnvoll, die Reallöhne per Inflation zu senken.
 

Simple Man

Kanonenbootdiplomat
Teammitglied
4. November 2004
3.945
Als dauerhafte Maßnahme? Kann ich mir schwerlich vorstellen ... im "Tract of Monetary Reform" hat er ja schon auf die Preisstabilität als wirtschaftspolitisches Ziel hingewiesen ... kann es sein, dass du dich hier im Grunde auf die "neoklassische Synthese" berufst? Im Grunde wollte Keynes imo eine Ausweitung der Geldmenge nur in einer Depression und für ihn entscheidend war, dass von dieser Geldmenge dann auch Gebrauch gemacht werden musste ...

Weißt du noch ungefähr, wo er das geschrieben haben soll? :gruebel:
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Nein, ich habe es aus Sekundärliteratur. Am besten also, ich rudere etwas zurück.

(Und als dauerhafte Maßnahme sicher nicht.)

Geldmengenausweitung ist für Dich Inflation, d.h. Du machst Inflation nicht am Warenkorb fest?

Dann meine ich, daß bei industriellem Fortschritt Preisstabilität automatisch Geldmengenausweitung bedeutet, ohne sie müßten die Preise fallen.
 

wattwurm

Großmeister
18. August 2006
92
Die ursprüngliche Fragestellung des Threads, nämlich wie sich die Mittelschicht beim Verteilungskampf einordnet, ist sehr interessant und könnte wirklich noch weiter ausgeleuchtet werden. :wink:

Es ist doch so: die Unterschicht ist zunehmend frustriert und perspektivlos und richtet sich zwischen Minijob, Hartz IV und Aldi irgendwie ein. Ich z.B. bin heute nicht zur Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt/M. gegangen, obwohl ich früher politisch interessiert war und eigentlich immer die Möglichkeit zur Stimmabgabe genutzt habe. Aber als Arbeitsloser finde ich mich in der Welt der Banker und PR-Berater, für die Frau Roth Politik macht, nicht mehr wieder.

Aber die gutausgebildete Mittelschicht ist umworben und sollte auch politisch aktiv sein. Vorallem wäre es sinnvoll, sich mal abseits der Mainstream-Medien über die wirtschafts-sozial-politischen Zusammenhänge zu informieren, um nicht eines Tages völlig unvorbereitet die aus "Sachzwängen unumgängliche Kündigung" des Rekordgewinne einstreichenden Arbeitgebers in Händen halten zu müssen. :?

http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/arbeit/581297.html?nv=fs_pd
 

Simple Man

Kanonenbootdiplomat
Teammitglied
4. November 2004
3.945
@ Ein Liberaler

Entschuldige, da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt ... ich meinte in dem Fall eine zusätzliche Ausweitung der Geldmenge ... grds. sollte sich die Geldmenge imo natürlich so ändern, wie sich das reale Sozialprodukt ändert ... allerdings ist eine reine Geldpolitik nach Keynes ja eh wirkungslos in einer Deflationsphase ...

Aber ist im Grunde eh OT ... im Grunde wollte ich halt bloß darauf hinweisen, dass Keynes imo nicht der Mann ist, "der dir Idee der wohltätigen Inflation aufgebracht hat" ... :wink:
 

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