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Das Phänomen des Krieges

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Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Eine mögliche Definition für 'Krieg': Krieg ist die Verfolgung politischer Ziele mit Gewalt.

"Mit den heutigen Waffen ist es leicht möglich, ein Land in die Steinzeit zurückzubomben." Die Aussage klingt flachsig, aber diese und ähnliche kommen einem doch ab und zu Ohren. Krieg als bewaffneter Konflikt ist ein uraltes Phänomen. Dabei muss Krieg nicht mit explosiven Gegenständen oder scharfen Instrumenten geführt werden. Andere Mittel sind die Isolierung (Boykott) oder auch die Erlassung von Dekreten unter Androhung (Waffengewalt im Hintergrund, Festnahmen, etc.). Was sind die Zündfunken für Krieg? Welche Folgen hat Krieg für die Entwicklungen auf unserem Globus, welche für den Menschen? Ist eine 'kriegsfreie Welt' überhaupt möglich? Wieviel Gewicht wurde der Kriegsvermeidung in der politischen Ideengeschichte gegeben? Ist es die Natur des Menschen oder liegt ein Urgrund für den Krieg an dem System 'Staat'? Sind in der politischen Ideengeschichte falsche Grundüberlegungen angestellt worden? Bieten staatliche Grenzen zu viel Anlass für Konflikte? Ist der Mensch tendenziell besser als der, der ihn regieren will?
 

Aghera

Großmeister
28. Juli 2002
78
mit der moral wächst die abneigung gegen den krieg oder überhaupt gegen stumpfe gewalt. aber darauf beruht auch das staatswesen ansich. man merkt wenn man sich die geschicht ansieht, die moralische entwicklung die der mensch durchlaufen hat und die daraus entsprechende staatsform.
wir sind wenigsten, bis zum heutigen zeitpunkt, in den meisten industrieländern zu der ansicht gelangt, dass die grundrechte der menschen das wichtigste und elementarste sind. der daraus entstandene demokratiegedanke versucht den menschen dementsprechend in einer gesellschaft das zusammenleben zu ermöglichen.
doch wir sind noch lange nicht am ziel der perfekten gesellschaft. diese kann nächmlich nur dann existieren, wenn die moral der menschen genug weit fortgeschritten ist. die höchste vernunft ist das ziel. erst wenn die menschen begriffen haben, dass friedliches zusammenleben nur durch völlige gegenseitige unterstützung und respekt des lebens möglich ist sind wir eins. dann sind unser alle sorgen vergessen.
aber bis dahin wird es die menschheit es nicht schaffen...
 

tsuribito

Vorsteher und Richter
27. September 2002
732
Krieg ist die Verfolgung politischer Ziele mit Gewalt
Das ist so nicht ganz richtig. Krieg kann auch ohne Gewalt geführt werden.

Vgl Clausewitz Vom Kriege Buch 3 Anhang

Mögliche Gefechte sind der Folgen wegen als wirkliche zu betrachten

Wenn man einen Haufen absendet, um dem fliehenden Feinde den Rückweg zu versperren, und er sich darauf ergibt, ohne weiter zu fechten, so ist es doch nur das Gefecht, welches ihm dieser abgesandte Haufen anbietet, wodurch sein Entschluß hervorgebracht ist.

Wenn ein Teil unseres Heeres eine feindliche Provinz besetzt, die ohne Verteidigung war und dem Feinde dadurch beträchtliche Kräfte zur Ergänzung seines Heeres entzieht, so ist es nur das Gefecht, welches dieser abgesandte Teil dem Feinde vorher sehen läßt, im Fall er die Provinz wieder nehmen wollte, wodurch wir im Besitz derselben bleiben.

In beiden Fällen hat also die bloße Möglichkeit des Gefechts Folgen gehabt und ist dadurch in die Reihe der wirklichen Dinge getreten. Gesetzt, der Feind hätte in beiden Fällen unseren Korps andere entgegengestellt, denen sie nicht gewachsen wären, und sie dadurch bewogen, ohne Gefecht ihren Zweck aufzugeben, so ist zwar unser Zweck verfehlt, aber das Gefecht, welches wir dem Feinde auf diesem Punkte anboten, darum doch nicht ohne Wirkung geblieben, denn es hat die feindlichen Kräfte herbeigezogen. Selbst dann, wenn uns das ganze Unternehmen zum Schaden gereicht, kann man nicht sagen, daß jene Aufstellungen, jene möglichen Gefechte ohne Wirkung geblieben seien; diese Wirkungen sind dann denen eines verlorenen Gefechts ähnlich.

Auf diese Weise zeigt sich, daß die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte und die Niederwerfung der feindlichen Macht nur durch die Wirkungen des Gefechts geschehen, sei es, daß es wirklich stattfinde, oder daß es bloß angeboten und nicht angenommen werde.
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Androhung von Gewalt - Vermeidung des Gefechts

Vielleicht sollten wir uns auch darüber auseinandersetzen, was Gewalt eigentlich ist.

Andere Frage: Fängt denn ein Krieg bei der Kriegserklärung an?
 

tsuribito

Vorsteher und Richter
27. September 2002
732
Formalerweise ja aber daran hält sich niemand mehr, seit Krieg kein Gentleman sport mehr ist.

Der Krieg beginnt aber natürlich lange bevor es zu bewaffneten Auseinandersetzungen oder Kriegserklärungen kommt, daher muss man den Krieg auch erst definieren.
 

Hawkeye

Großmeister
12. April 2003
98
Irgendwo hab ich mal gelesen:

"Krieg ist bewaffneter Raubüberfall im großen Stil."

Ich finde diese Definition recht treffend, denn wenn man sich mal die Kriege in der Geschichte ansieht, ging es bei den meisten darum, dem Angegriffenen irgendwas (Land, Rohstoffe, etc.) wegzunehmen.
Wobei ich der Aussage, das Krieg auch ohne (Waffen-)Gewalt geführt werden kann, durchaus zustimme.
 

Aghera

Großmeister
28. Juli 2002
78
tsuribito schrieb:
Der Krieg beginnt aber natürlich lange bevor es zu bewaffneten Auseinandersetzungen oder Kriegserklärungen kommt, daher muss man den Krieg auch erst definieren.
wär konflikt vielleicht ein besseres wort? oder auch terror?

ich bin der meinung, dass Krieg beriets die konkrete bezeichnung für gewaltsame auseinandersetzungen ist. wie würdet ihr denn dann Sonst allein dieses phänomen nennen?
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
tsuribito schrieb:
Formalerweise ja aber daran hält sich niemand mehr, seit Krieg kein Gentleman sport mehr ist.
Führe diese Aussage doch mal ein wenig aus.
'Gentlemansport', da kommen mir u.a. Bilder in den Sinn, die Truppen, in Reihen angeordnet, mit Bajonetgewehren aufeinander zumaschierend in strengster Selbstkontrolle die 'Kampfhandlungen' ausführen.

Der Krieg beginnt aber natürlich lange bevor es zu bewaffneten Auseinandersetzungen oder Kriegserklärungen kommt, daher muss man den Krieg auch erst definieren.
Psychologische Kriegsführung...
Welche Definition von Krieg hälst du für 'brauchbar'?
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
SentByGod schrieb:
Krieg = Mord im Auftrag des Staates
Aber auch Stammesgesellschaften haben untereinander schon bewaffnete Kämpfe ausgetragen. Denke an Nordamerika vor der Landnahme durch die Europäer.
 

Ordnungszahl94

Geheimer Meister
9. Oktober 2002
141
Welche Folgen hat Krieg für die Entwicklungen auf unserem Globus, welche für den Menschen?
Naja, solange es "lokal begrenzte Auseinandersetzungen" zwischen "fortschrittlichen Gegnern" sind hat Krieg eine positive Auswirkung auf die Entwicklung neuer Techniken, welche zwar in diesem Fall hauptsächlich für die kriegerische Auseinandersetzung benutzt werden aber nach dem Krieg dann auch "dem Rest" zugute kommen...Beispiel:Atombombe/Kernenergie

Zündfunken für Krieg würd ich sagen sind:
- der Wille sich von "etwas" zu befreien (unterdrückung durch irgendwen oder was z.B.)
- eine kalkulierte Bedrohung (mmmh, wenn der jetzt noch 324234 Waffen baut, dann könnt er mir gefährlich werden also greif ich mal lieber zuerst an)
- persönliche streitereien zwischen den Oberbefehlshabern
- Rache (ihr legt unseren Präsidenten um, wir machen euch halt alle platt)
- terretoriale Erweiterungs-Bereitschaft

so, mehr fallen mir jetzt grad nicht ein..

Aber im weiteren Sinne:
Kleine Schurkereien nennt man Verbrechen
Große historische Taten...
 

Gurke

Großer Auserwählter
25. März 2003
1.626
Den Grund Befreiung oder beschützen nennen meist die Angreifer, wenn sie auf moralisch machen wollen.
Befreiungskriege ansich, beginnen meist als Terroraktion.

In den meisten Kriegen gehts nur um, die haben was was wir gern hätten, Grüde wie die haben wen von uns umleget oder sowas in der Art, sind nur Vorwand.
 

tsuribito

Vorsteher und Richter
27. September 2002
732
'Gentlemansport', da kommen mir u.a. Bilder in den Sinn, die Truppen, in Reihen angeordnet, mit Bajonetgewehren aufeinander zumaschierend in strengster Selbstkontrolle die 'Kampfhandlungen' ausführen.
Ja so verstehe ich das auch. Da konnten die Herrscher praktisch Tee trinken und zusehen, wie Krieg geführt wurde. Das war noch lokal begrenzt und uferte nicht so sehr aus. Heute eine sehr absurde vorstellung.

Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln
Ist für mich die wertfreiste und beste Definition, die existiert. Denn so etwas grosses, dynamisches wie den Krieg kann man nicht in eine enge Definition zwängen.
 

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Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
streicher: 'Gentlemansport', da kommen mir u.a. Bilder in den Sinn, die Truppen, in Reihen angeordnet, mit Bajonetgewehren aufeinander zumaschierend in strengster Selbstkontrolle die 'Kampfhandlungen' ausführen.
tsuribito: Ja so verstehe ich das auch. Da konnten die Herrscher praktisch Tee trinken und zusehen, wie Krieg geführt wurde. Das war noch lokal begrenzt und uferte nicht so sehr aus. Heute eine sehr absurde vorstellung.
Krieg, so wie damals geführt, erscheint beinahe als Kriegsspiel der Herrschenden, Soldaten müssen als Opfer für Interessen herhalten. Allerdings, heute - schauen die Herrschenden mit Tee vor dem Fernseher zu. Etwas andere Relation... Die Ausuferung heute hat natürlich auch mit der Art der Waffen zu tun, die im Gebrauch sind. Allerdings der 30-jährige Krieg - der ist doch auch 'eskaliert'...

Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln
tsuribito: Ist für mich die wertfreiste und beste Definition, die existiert. Denn so etwas grosses, dynamisches wie den Krieg kann man nicht in eine enge Definition zwängen.
Was sind den die 'normalen' oder 'gewöhnlichen' Mittel der Politik?
 

Tarvoc

Ritter vom Osten und Westen
10. April 2002
2.559
Friedrich Nietzsche schrieb:
Ihr führt Krieg? Ihr fürchtet euch vor einem Nachbarn? So nehmt doch die Grenzsteine weg - so habt ihr keinen Nachbarn mehr. Aber ihr wollt den Krieg und deshalb erst setztet ihr die Grenzsteine.
 

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Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Aus dem Zitat kann man ableiten, dass Grenzen in der Tat das Phänomen des Krieges begünstigen. Sind Staatsgrenzen also tatsächlich eher eine 'Gefahr' als 'Schutz'?
 

Hawkeye

Großmeister
12. April 2003
98
Der Schluß liegt natürlich nahe. Allerdings brechen Kriege auch innerhalb von Staatsgrenzen (also Bürgerkriege) aus. Und diese können sich natürlich ausweiten, indem andere hineingezogen werden oder von selbst eingreifen.
 

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Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Innerstaatliche Konflikte - ein Eingriff ist kaum möglich. Auch die können Territorialkonflikte darstellen, müssen natürlich nicht. Grenzen betreffen jedoch nicht nur 'geographischen Raum'. Sind die Staaten vielleicht zu grosse Gebilde, die deshalb leicht anfällig für Instabilität sind? Oder bieten sie zuviel Möglichkeiten für Machtkonzentration, die dann zu Missbrauch führt?
 
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