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Christentum trift Neuzeit

Klabautermann

Geheimer Meister
24. Februar 2013
418
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für seine Schafe. [SUP]12 [/SUP] Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht; und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. [SUB](Psalm 23.1) [/SUB][SUB](Jesaja 40.11) [/SUB][SUB](Hesekiel 34.11-23) [/SUB][SUB](Johannes 15.13) [/SUB][SUB](Hebräer 13.20) [/SUB][SUP]13 [/SUP] Der Mietling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht. [SUP]14 [/SUP] Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen, [SUB](2. Timotheus 2.19) [/SUB][SUP]15 [/SUP] wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
Quelle: - Johannes 10 (Luther 1912)


Wie kaum eine andere stelle der Bibel lässt sich hier auf die Neuzeit schliessen, Der Hirte war nicht der Eigentümer der Schafe zur Zeit Christus sondern ein gut bezahlter Beruf. Der Mietling aber war ein Faktischer Sklave. Auch heute erleben wir in Deutschland das besonders in Berufsgruppen die unterbezahlt sind Menschen die Arbeit fliehen. Wo vor 20 Jahren noch gutbezahlte Facharbeiter/innen sich der erfüllung Ihrer Aufgaben gewidmet haben. Ethisch und Moralisch sollten wir daraus lernen. Nur wo der Hirte auch gut leben kann sind die Schafe des Eigentümers sicher.
 

Ewolver

Geheimer Meister
3. Dezember 2012
380
AW: Christentum trift Neuzeit

Man könnte es auch so deuten:

Wenn einem etwas (Firma) nicht gehört, dann ist es ihm egal was damit passiert. (Manager)
Wenn einem aber etwas gehört, dann kümmert man sich auch darum. (Firmeneigentümer)

Man könnte das Gleichnis auch auf Staatsformen ummünzen:
Wenn mir das Stück Land nicht gehört, kümmere ich mich auch nicht darum. Geht mich nix an.
Wenn mir das Stück Land aber gehört, bewirtschaft ich es und sorge dafür, dass es fruchtbar bleibt.

Ewolver
 

Klabautermann

Geheimer Meister
24. Februar 2013
418
AW: Christentum trift Neuzeit

Moin Ewolver,

okay sicherlich ein bedenkenswerter Ansatz, das aber würde ja bedeuten wir sollten die Firma zum eigentum der Mitarbeiter machen, im sinne der Staatsform müsste dann auch das Staatsvermögen anteilig den Bürgern gehören. Wäre eine Firma oder ein Staat dann noch Handlungsfähig?

Oder anders gefragt gäbe es nicht eine Maximalgröße für Gemeinschaftseigentum damit es Handlungsfähig bleibt?
 

Ewolver

Geheimer Meister
3. Dezember 2012
380
AW: Christentum trift Neuzeit

Schwierige Fragen :-)

Ich dachte bei meiner Antwort eher an die Manger, die nur an kurfristigen Erfolgen interessiert sind, weil davon ihre Boni abhängig sind. Unternehmer geführte Firmen agieren langfristiger und nachhaltiger.

Grundsätzlich ist eine Anteilschaft an einer Firma schon erstrebenswert. Man ist auch am Staat beteiligt. Das vergessen nur viele, wenn sie auf den Staat schimpfen.
Ewolver
 

es könnte ja sein

Ritter vom Osten und Westen
22. September 2010
2.581
AW: Christentum trift Neuzeit

genau so hab ich deinen letzten satz auch verstanden, klabautermann

du sprichst das kurzfristige und den vergleich mit dem langfristigen an, oder?
 

Klabautermann

Geheimer Meister
24. Februar 2013
418
AW: Christentum trift Neuzeit

Ja EKJS, aber ich denke nicht nur ich habe das Angesprochen auch Ewolver hat das mit seinem Gedankengang getan. Ich denke das ist es was wir hier auch als Thema favorisieren sollten.
 

ThomasausBerlin

Ritter Kadosch
14. Januar 2012
5.094
AW: Christentum trift Neuzeit

Interessant - im Altertum gab's also schon "Zeitarbeiter" (Mietling).... :D Sollte die Prostitution vielleicht doch nicht "das älteste Gewerbe der Welt" sein....? :D

Die Idee das Arbeiter und Angestellte am Erfolg ihrer Firma in Form von Anteilsscheinen beteidigt sein sollten, ist nicht neu. Das "AG-Modell" zeigt aber, dass das so nicht funktioniert . besser wäre ein "GmbH"- oder Genossenschaftsmodell Und - "der Staat als Genossenschaft" - wäre vielleicht auch nicht so verkehrt... Schliesslich ist angeblich in der modernen Demokratie "das Volk der Souverän" und angeblich "sind wir alle Staat".....
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.929
Gestern ist es bei mir angekommen, erst am 07. September in Deutschland erschienen - ich hatte vorbestellt:

9783956405549_90233c1e-939c-41b2-b0e0-7fd1f0cfadb4.jpg


Robert Crumb, der Schöpfer von "Fritz the Cat" und "Mr. Natural" und Ikone der amerikanischen Underground Comix, ist bis heute ein kontroverser Künstler, der sowohl seine eigenen als auch die gesellschaftlichen Abgründe schonungslos offengelegt hat. Charakteristisch ...

Das ist keine leichte Kost. Crumb hat vier Jahre daran gearbeitet und Crumb überrascht wieder einmal mehr. Man erwartet eine freche Satire, es ist aber keine, ein Missionswerk allerdings auch nicht. Es handelt sich jedoch auch nicht um ein religiöses Alterswerk als Bonuskarte für ein hoffentlich nicht so baldiges Himmelreich.

Es wurde und wird darüber gestritten, ob Comics eine Form der Kunst sind. Das Buch Genesis von Robert Crumb ist definitiv Kunst. Vielmehr handelt es sich um Crumb's Interpretation des ersten Teils des Alten Testaments, nur der Originaltext (engl.: König Jakob Bibel, dt.: Luther 1912) - mit all den deftigen Dramen, die da im Original enthalten sind: Sex & Crime, Mord & Todschlag, Vergewaltigung & Plünderung, Genozid sowie zwei Naturkatastrophen.

In seinem Stil kräftiger Figuren mit großen Füßen, aufwendig gekritzelt in s/w ... oder ist das doch Satire? Nur eben eine besonders raffinierte, ja feinsinnige Satire, die einfach sagt: DAS ist die Story aus dem Original. Was kann da eine ggf. gläubigen Christen, Juden, Moslem daran aufregen?
 

Malakim

Insubordinate
31. August 2004
14.477
Gestern ist es bei mir angekommen, erst am 07. September in Deutschland erschienen - ich hatte vorbestellt:

9783956405549_90233c1e-939c-41b2-b0e0-7fd1f0cfadb4.jpg


Was kann da eine ggf. gläubigen Christen, Juden, Moslem daran aufregen?

Danke für den Tipp.
Mich hat beim Blick ins Buch gewundert das er die Schlange mit menschlichen Armen und Beinen interpretiert hat.
Ich persönlich bin bei Flügeln rausgekommen (geflügelte Schlange = Drache).
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.929
Nachtrag: Ein Meisterwerk.
Danke für den Tipp.
Mich hat beim Blick ins Buch gewundert das er die Schlange mit menschlichen Armen und Beinen interpretiert hat.
Ich persönlich bin bei Flügeln rausgekommen (geflügelte Schlange = Drache).

Das ist mir auch aufgefallen, Crumb macht die Schlange - vor dem Sündenfall - zu einer Art Reptiloid. Mir gefällt diese Argumentation, denn:

- Zuvor war es die göttlich beauftragte Aufgabe Adams, den von Gott erst kürzlich erschaffenen Tieren einen Namen zu geben. Adam benennt das Schwein als Schwein, das Rind als Rind und die Katze als die Katze. Das AT erzählt uns aber nichts davon, den Namen der Tiere lägen irgendwelche Beschreibungen des Aussehens der Tiere zugrunde. Die Namen der Tiere sind vielmehr willkürlich, es ist egal, wie eine "Schlange" denn aussieht (vergessen sollte man auch nicht: Adam war der erste Mensch und dementsprechend ein Mensch ohne jegliche Bildung).
Wenn Adam alle Tiere benannt hat, dann auch die wie auch immer beschaffene Schlange.

- Als Maßnahme Gottes nach dem Sündenfall bestraft Gott "die Schlange" dahingehend, dass sie fürderhin ohne Beine auf dem Boden herumkriechen muss. Schon als Kind habe ich an dieser Geschichte nicht verstanden: Wie kann man denn die Schlange - die ja sowieso keine Beine hat - damit bestrafen, dass man ihr die Beine nimmt?
Folgerichtig muss die Schlange vor ihrer Degradierung Beine gehabt haben, denn sonst ergibt die ganze Geschichte ja überhaupt keinen Sinn.

- Die Schlange verführt Eva - aber wie kann so ein flitschiger, überdimensionierter Wurm eine Frau verführen? Auch das habe ich bereits als Kind nicht verstanden. Wie kann so ein fuzzeliges, kleines Tier wie eine Schlange eine Frau - die ja sonst auch alles bekrittelt, was du tust, oder zumindest in Frage stellt - verführen?

- Crumbs illustratorische Arbeit ist die logische Konsequenz aus alledem: Er macht "die Schlange" vor ihrer Herabsetzung zu einer Art feschen Reptiloiden, der Arme & Beine hat, sie aber durch Gottes Bestrafung verliert. Und wäre er nicht so fesch gewesen, der Reptiloide, dann hätte er ja Eva auch kaum verführen können, oder?

- Und nicht zuletzt ein augenzwinkernder, kultureller Verweis auf reptiloide Aliens, damals wie heute.
 

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