Herzlich Willkommen auf Weltverschwoerung.de

Angemeldete User sehen übrigens keine Werbung. Wir freuen uns wenn Du bei uns mitdiskutierst:

Baden-Baden. Toulouse. Carcassone. Reisethread, Glanz und Abglanz.

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.871
Seit etwa 10 Tagen befinde ich mich auf Reisen.
Zunächst nach Baden-Baden, das hatte allerdings familiäre (und finanzielle) Gründe. Danach ging es nach Toulouse weiter und seit heute bin ich in Carcassonne (beides Frankreich). In Toulouse & Carcassonne war ich noch nie und es handelt sich um von mir ausgewählte Ziele.

Toulouse hat mir an sich ganz gut gefallen, und die mittelalterliche Festungsanlage von Carcassone ist sehr beeindruckend, geradezu atemberaubend. Es war die Reise in jedem Fall wert, Toulouse, und Carcassone, das muss man echt gesehen haben. Ich habe zwar einige Fotos gemacht, aber die Fotos können die eigene Wahrnehmung & das Erleben kaum wiedergeben. Es fehlt ihnen der Eindruck der Tiefe, und die mangelnde Dynamik der Pille-Palle-Digicam kann die deutlich sichtbaren Pyrenäen am Horizont nicht abbilden.

Und dennoch, es ergreift mich eine gewisse Melancholie. Denn eines haben die drei Orte, die unterschiedlicher kaum sein könnten, gemeinsam: Auf den Hauptstrecken, da ist alles glanzvoll, weicht man aber nur ein paar Nebenstraßen von ihnen ab: Da ist der Verfall unübersehbar. Geschlossene Läden, Restaurants und Bars, oft noch mit dem Gerümpel darin. Eingestaubt, offenbar war hier schon länger niemand mehr darin. Heruntergekommene Häuser, ob bewohnt oder leerstehend ...

Bleiben wir beim Thema Carcassonne, da wird mein Thema vllt. am besten deutlich (heute war ich allerdings nur kurz dort, heute erst angekommen, das Wetter wurde am Nachmittag zu heiss).
Es ist hier sehr touristisch, das hatte ich auch anders nicht erwartet. Man führt Gruppen herum, ganze Schulklassen ... viele Menschen, und alle halbe Stunde fährt eine motorgetriebene Straßen-Bimmelbahn ganze Gruppen von Besuchern umher. Verlässt man die Cité von Carcassonne jedoch, dann spaziert man umgehend an teils gespenstischen Straßenzügen entlang ... mit bereits vergilbten Schildern: Zu vermieten, zu verkaufen ...

Persönlich werde ich einen gewissen Eindruck nicht los, trotz der unzweifelhaft historischen Architektur: Disneyland (wo ich glücklicherweise noch nicht war).
Solange man "auf dem Gelände" ist, solange gibt es da eine gewisse Show, verlässt man es, ist alles marode ... man scheint es heutzutage nicht mehr hinzubekommen, einerseits diese Orte (wieder-) zu beleben, und ihnen dennoch die Würde zu lassen, die sie verdienen. Allenfalls wird so eine Art mittelalterliches Disneyland daraus.

Vielleicht täuscht mein bislang eher kurzer Eindruck aber auch. Morgen habe ich noch einen ganzen Tag hier, ich werde ich danach noch berichten.
 

Giacomo_S

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
13. August 2003
4.871

Später sah ich mir noch anderes an ... im Rückblick: Meine Kurzreise nach Okzitanien, in den Südwesten Frankreichs, war großartig!
Am liebsten wäre ich gleich da geblieben.

Dabei habe ich es gar nicht so krachen lassen, vielmehr habe ich mich ausgeruht.
Die Menschen waren großartig, höflich, ja herzlich. Mir gefällt diese französische Höflichkeit sehr, Bonjour Madame, Monsieur, s'il vous plait, marci, avec plaisir!

Die Organisation des ÖPNV ist, vor allem im Vergleich zu deutschen Verhältnissen, vorbildlich. Bei meiner Rückreise Carcassonne ==> Toulouse entschied ich mich anders und erwarb an einem Fahrscheinautomaten am Bhf. ein neues Ticket, numehr für einen Schnellzug, eine Verbindung ohne Zwischenhalt überhaupt. Der Automat erwartet die Eingabe deiner emailadresse, und nach Abschluss des Vorgangs hast du innerhalb von Sekunden dein Ticket auf deinem SP, ohne App-Download oder ähnlichen Murks.
Automatisch hat er dir dann einen Sitzplatz reserviert, ohne Aufpreis, und diesen gibt es auch, ohne Ausfall eines Buchungscomputers im Zug - denn dieser existiert erst gar nicht. Vielmehr sitzen alle anderen Fahrgäste auch auf reservierten Plätzen, weshalb es keinen Grund dafür gibt, dass jemand fremdsitzt. Ganz einfach, oder?

In der Stadt kommt schon mal der eine oder andere und schnorrt Kleingeld. An den Bahnhöfen und Flughäfen selbst aber, bei uns der Aso-Treff, da hast du deine Ruhe. Und kaum, dass ich wieder in München am Flughafen angekommen war, hatte ich an der S-Bahn-Station die nächste Polen-Tschechien-Ossi - Nervensäge wieder an der Backe! Und während man in Frankreich selbst in der Provinz einfach pünktlich einsteigt und losfährt, erwartet einen bei der Rückkehr nach Deutschland wieder die Störung, das geht nicht, der zu spät, der fährt gar nicht.
 
Ähnliche Beiträge

Ähnliche Beiträge

Oben Unten