Herzlich Willkommen auf Weltverschwoerung.de

Angemeldete User sehen übrigens keine Werbung. Wir freuen uns wenn Du bei uns mitdiskutierst:

Altes Zitat - immer noch aktuell?

Don

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.692
Tucholsky-Zitat

Die Lösung

Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
Zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?

Irgendwie geisterte mir das Ding noch im Kopf herum. Und ich entdecke immer wieder einen aktuellen Zeitbezug. Was meint ihr dazu?

mfg Don
 

Mother_Shabubu

Geheimer Sekretär
3. Juli 2003
622
Einen aktuellen Zeitbezug könnte ich mir bei einer Regierung denken, wenn sich das Volk oder andere Wahlberechtigte nicht so entscheiden wollen, wie die Regierung es sich vorgestellt hat. Beispiele wären da der Ausgang der vorletzten Wahl in Österreich, als die FPÖ plötzlich an der Regierung war und Österreich daraufhin von der EU geschnitten wurde oder die Abstimmung im Bundestag über die Entsendung deutscher Soldaten in den Kosovo. Damals bekamen auch einige Abgeordnete der SPD einen Rüffel, weil sie sich nicht an die Linie der Regierung halten wollten.
P. S.: Das Zitat stammt von Brecht. Tucholsky war 1953 schon einige Jahre tot.
 

Don

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.692
Ich denke man darf nicht nur den Bezug auf D-Land sehen.

Ich dachte hier etwas weiter, der Sinn kann umgedeutet werden im Bezug auf Machtverhältnisse und Umgangsform.
Ist es denn nicht so das seit Anbeginn der Tage eine herrschende Masse, gleich welcher politischer Richtung versucht das Volk so zu biegen das sich die "Ziele" der Partei vom Volk erfüllt werden?

mfg Don
 

Mother_Shabubu

Geheimer Sekretär
3. Juli 2003
622
Minister schrieb:
Vielleicht stammte das Zitat tatsächlich ursprünglich von Tucholsky, Brecht hatte es möglicherweise nur überliefert und unter die Leute gebracht.
@Minister: Nein, das Gedicht stammt eindeutig von Brecht. Das erkennst Du an der Zeile "Nach dem Aufstand des 17. Juni", die sich auf den Arbeiteraufstand in der DDR 1953 bezieht. Da Tucholsky 1935 Selbstmord beging, konnte er davon nichts wissen, ebensowenig wie von einer "Stalinallee".
Es gibt allerdings auch von Tucholsky ein Gedicht "Die Lösung":
1
Wenn was nicht klappt,
dann wird vor allem mal nicht berappt.
Wir setzen frisch und munter
die Löhne, die Löhne herunter -
immer runter!

2
Wir haben bis über die Ohren
bei unsern Geschäften verloren...
Unser Geld ist in allen Welten:
Kapital und Zinsen und Zubehör.

3
So lassen wir denn unser großes Malheur
nur einen, nur einen entgelten:
Den, der sich nicht mehr wehren kann.
Den Angestellten, den Arbeitsmann;
den Hund, den Moskau verhetzte,
dem nehmen wir nun das Letzte.
Arbeiterblut muß man keltern.
Wir sparen an den Gehältern -
immer runter!

4
Unsre Inserate sind nur noch ein Hohn.
Was braucht denn auch die deutsche Nation
sich Hemden und Stiefel zu kaufen?
Soll sie doch barfuß laufen!
Wir haben im Schädel nur ein Wort:
Export! Export!

5
Was braucht ihr eigenen Hausstand?
Unsre Kunden wohnen im Ausland!
Für euch gibts keine Waren.
Für euch heißts: sparen! sparen!
Nicht wahr, ein richtiger Kapitalist
hat verdient, als es gut gegangen ist.
Er hat einen guten Magen.
Wir mußten das Risiko tragen...
Wir geben das Risiko traurig und schlapp
inzwischen in der Garderobe ab.

6
Was macht man mit Arbeitermassen?
Entlassen! Entlassen! Entlassen!

7
Wir haben die Lösung gefunden:
Krieg den eigenen Kunden!
Dieweil der deutsche Kapitalist
Gemüt hat und Exportkaufmann ist.
Wußten Sie das nicht schon früher -?
Gott segne die Wirtschaftsführer!
@Woppadaq: Andersherum geht das aber auch. Da heißt es dann:"So ein blödes Volk. Entscheidet sich einfach nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben."
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
Don schrieb:
Ist es denn nicht so das seit Anbeginn der Tage eine herrschende Masse, gleich welcher politischer Richtung versucht das Volk so zu biegen das sich die "Ziele" der Partei vom Volk erfüllt werden?
Dazu sind Parteien doch da !

Wenn ich z.B. die SPD wähle, will ich, daß sie sich nicht nur gegen die CDU, sondern auch z.T. gegen deren Wähler durchsetzt. Je nach dem, um welche Ziele es geht.

Wenn die Parteien das nämlich nicht machen, sondern "den Volk aufs Maul schauen" - was manchmal durchaus angebracht sein kann - dann werfen wir ihnen doch vor, populistisch zu sein - was mitunter ja auch stimmt.

Nebenbei gesagt: Eine Partei ist irgendwie ja auch ein Teil des Volkes.

Andersherum geht das aber auch. Da heißt es dann:"So ein blödes Volk. Entscheidet sich einfach nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben."
Das sollen sie mal vor laufenden Kameras sagen.

Wenn aber irgendsoein Süffke von um die Ecke das umgekehrte im Fernsehen sagt, heißt es gleich "Ja, der sagt doch was wahres..."
 

minister

Geheimer Meister
22. August 2003
420
Danke für die Aufklärung Mother_Shabubu, bin auf diesem Gebiet nicht so bewandert.

@Wopadaq

Weil ich Zeitung lesen kann.
Sie gehen einfach anders damit um, wenn das Volk anderer Meinungen bzw Ansichten ist. Sie haben andere Mittel und Konsequenzen zur Auswahl als das gemeine Volk, umfassendere und intensiv und hintergründig wirkendere Methoden damit umzugehen bzw zu dieses beeinflussende Manipulationen.



Minister
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
minister schrieb:
Sie haben andere Mittel und Konsequenzen zur Auswahl als das gemeine Volk, umfassendere und intensiv und hintergründig wirkendere Methoden damit umzugehen bzw zu dieses beeinflussende Manipulationen.
1. Bitte nochmal einen deutschen Satz daraus machen.
2. Bitte erklären, inwiefern die Regierung anders "meckert" als das gemeine Volk.
 

Mother_Shabubu

Geheimer Sekretär
3. Juli 2003
622
@Woppadaq: Das war jetzt auch etwas überspitzt formuliert. Zwischen den Zeilen kann man aber durchaus erkennen, wenn ein Politiker das sagen wollte.
Woppadaq schrieb:
Don schrieb:
Ist es denn nicht so das seit Anbeginn der Tage eine herrschende Masse, gleich welcher politischer Richtung versucht das Volk so zu biegen das sich die "Ziele" der Partei vom Volk erfüllt werden?
Dazu sind Parteien doch da !
Eigentlich sollten Parteien für das Volk da sein, nicht das Volk für die Parteien.

@minister: Keine Ursache. Ist Dir das Brecht-Gedicht nie in der Schule begegnet? Gerade im Deutsch- oder Geschichtsunterricht ist es sehr beliebt.
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
Mother_Shabubu schrieb:
Zwischen den Zeilen kann man aber durchaus erkennen, wenn ein Politiker das sagen wollte.
Schon merkwürdig: In einer Diktatur sagt der Herrschende, was er denkt, und das volk muß sich zusammenreißen, in einer Demokratie sagt das Volk was es denkt, und der Herschende soll sich zusammenreißen.

Angesichts dessen müßt ihr euch nicht wundern, wenn es keine ÜPolitiker gibt, die man beim Wort nehmen kann - es gilt ja eh nicht.

Eigentlich sollten Parteien für das Volk da sein, nicht das Volk für die Parteien.
Jedes Volk besteht nun aber mal aus mehreren Parteien. die behaupten alle, für das GANZE Volk dazusein, das geht aber rein logisch nicht.

z.B.

die einen wollen mehr Zensur, die anderen weniger.

Die Unternehmer wollen ein vereinfachtes Steuerrecht, die Steuerberater ein verkompliziertes.

Die Arbeiter wollen höhere Löhne, die Unternehmer niedrige.

usw.

Parteien können die Interessen bündeln. Für das ganze Volk handeln sie aber höchstens bei Sachfragen. Das wird immer so sein.
 

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
@Woppadaq

Schon merkwürdig: In einer Diktatur sagt der Herrschende, was er denkt, und das volk muß sich zusammenreißen, in einer Demokratie sagt das Volk was es denkt, und der Herschende soll sich zusammenreißen.
mmhh...obwohl wir angeblich in einer demokratie leben und deiner meinung hier das volk sagt was es denkt, kriege ich das ganz anders mit.

während regierung (samt opposition und den meisten medien) ins gleiche horn stößt, von kleineren differenzen abgesehen, aber im grundsatz einig, bleibt das volk praktisch aussen vor, oder nennst du irgendwelche ominösen umfragen etwa repräsentativ?
was ist mit den millionen, die den gedanken an eine sie vertretende politik längst aufgegeben haben und gar nicht mehr wählen gehen?

warum spricht die politik ständig im namen des volkes bzw. zu seinem angeblich besten, und fragt es nicht mal?

du scheinst nach deiner aussage her zeitung zu lesen (welche?), aber wenn die öffentlichen, meist gleichgeschalteten medien die einzigen sind, über die du deine informationen beziehst, dann hast du einen ziemlich verfälschten, einseitigen eindruck der realitäten in diesem land.
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
samhain schrieb:
während regierung (samt opposition und den meisten medien) ins gleiche horn stößt, von kleineren differenzen abgesehen, aber im grundsatz einig, bleibt das volk praktisch aussen vor, oder nennst du irgendwelche ominösen umfragen etwa repräsentativ?
Nein, die sind natürlich nur gemacht, um die Regierung zu bestätigen. Hatte ich völlig vergessen.

was ist mit den millionen, die den gedanken an eine sie vertretende politik längst aufgegeben haben und gar nicht mehr wählen gehen?
Die berühmten Nichtwähler. Von denen höre ich das erste Mal.

Ich sag dir aber was - wer nicht wählen geht, darf sich hinterher nicht über die Politik beschweren, die gemacht wird und die er, wenn auch nur im begrenzten Rahmen, hätte beeinflussen können.

warum spricht die politik ständig im namen des volkes bzw. zu seinem angeblich besten, und fragt es nicht mal?
Wer ist das Volk? Was will das Volk denn ? Und was von dem, was das volk will, ist denn möglich ? Du redest, als würden wir in einer Diktatur leben. Ich komme aus einer, und manchmal frage ich mich, ob die meisten Probleme hierzulande nicht aus zuviel Demokratie herrühren. Ich bin wirklich für Demokratie, aber manchmal habe ich das Gefühl, daß dinge einfach blockiert werden, weil man sie blockieren kann.

du scheinst nach deiner aussage her zeitung zu lesen (welche?)
Überwiegend taz, SPIEGEL, Berliner Zeitung, Tagesspiegel......aber genaugenommen lese ich alles, was ich in die Finger krieg.

aber wenn die öffentlichen, meist gleichgeschalteten medien die einzigen sind, über die du deine informationen beziehst, dann hast du einen ziemlich verfälschten, einseitigen eindruck der realitäten in diesem land.
Voila, was liest du denn bzw. woher bekommst du deine Informationen ?
 

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
Voila, was liest du denn bzw. woher bekommst du deine Informationen ?
gerade was die ereignisse im inland angehen kann ich z.b.

www.freitag.de

oder

www.jungewelt.de

empfehlen.

das ist nur ein kleiner ausschnitt, aber wer suchet der findet, das netz ist riesig und es gibt unter vielem schrott doch einige perlen zu entdecken.

die berliner-zeitung lese ich jeden tag, weil ich ein abo habe.

nichtsdestotrotz geht mir die oft einseitige berichterstattung dort, gerade was das inland angeht, ziemlich auf den keks, weshalb ich spätestens zum ende des jahres auch kündigen werde.
 

Woppadaq

Großmeister-Architekt
2. August 2003
1.228
samhain schrieb:
gerade was die ereignisse im inland angehen kann ich z.b.

www.freitag.de

oder

www.jungewelt.de

empfehlen.
gerade was die ereignisse im inland angeht, ist www.freitag.de eher fragwürdig. während die außenpolitischen Sachen ganz interessant sind.

Die Junge Welt ist für mich seit dem Kosovo-Krieg gestorben. Wer Wolfgang Niedecken (BAP) beschimpft, nur weil der die Luftschläge für gerechtfertigt hält, wer, nachdem Milosevic von seinem eigenen Volk zum Rücktritt gezwungen wurde, schreibt "Wir werden ihn vermissen" (und das war nicht ironisch gemeint), wer schreibt, der Westen würde nur deshalb über Lukaschenko herziehen, weil dieser als einziger seine Regierung noch nach sozialistischer Art führe - sorry, aber so eine Zeitung kann ich nicht ernstnehmen. Diese Zeitung schreibt heute, in demokratischen Zeiten, verblendeter als damals, als sie noch das Zentralorgan der FDJ war.

die berliner-zeitung lese ich jeden tag, weil ich ein abo habe.

nichtsdestotrotz geht mir die oft einseitige berichterstattung dort, gerade was das inland angeht, ziemlich auf den keks, weshalb ich spätestens zum ende des jahres auch kündigen werde.
Ich habs hier also mit einem total verblendeten zu tun. voila !

Ist ja nicht so, daß ich alles glaube, was in den Medien berichtet wird. wenn z.B. alle schreiben, daß Schröder mit seiner Ablehnung zum Irakkrieg für Deutschland unermeßlichen außenpolitischen Schaden angerichtet hat, dann können die das umschreiben, wie sie wollen, ich weiß einfach, daß es nicht stimmt. Ich hinterfrage schon Meldungen und ziehe in Betracht, daß man mich anlügt oder manipuliert. Weshalb ich mich ein bißchen frage, warum du das nicht tust. Schließlich bist du, was Quellen angeht, nicht gerade auf den Kopf gefallen....
 
Oben Unten