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Schriftentwicklung, Sprachphilosphie und Suggestion

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Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
Zu der Entstehung der Keilschrift und den Suggestionsmechanismen unserer Sprache

Schrift geht einher mit dem Festhalten von bestehenden Zuständen, grenzt Schriftkundige von Unkundigen ab, kann dem Personenkult und der Mythenbildung dienen und besitzt starke psychologische, realitätsgestaltende und manipulative Momente. Dass sie von Herrschern genutzt wird - und wohl auch zuerst von diesen und ihren Organisatoren und Beamten genutzt wurde - scheint uns offenbar.

Wie korrelieren Schrift, Kult und Autorität?
Was können wir aus der Entstehung und Entwicklung der Schrift für den Umgang mit unserer heutigen Sprache und Schrift lernen?
Wie haben sich der Gebrauch der Sprache – und damit der Gebrauch derselben durch die Herrschenden – verändert?

Mit diesen Fragen soll sich der Thread beschäftigen. Als Einstieg in die Materie ein kleiner Text von mir, der auf verschiedenen Quellen beruht (Oppenheim, Black & Green, Nissen etc.) dann einige Links und schließlich noch etwas zum Sprachforscher Alfred Korzybski, der den Bogen zur Gegenwart spannen soll.




Enmerkar von Uruk

Eine sumerische Geschichte zur Schriftentwicklung ist das Epos "Enmerkar und der Herr von Aratta" - eines der ältesten Epen der Menschheit, älter als dasjenige von Gilgamesh - wobei es sich bei Enmerkar um einen mythischen, vorsintflutlicher König handelt (2. König der 1. Dynastie von Uruk) und Aratta wohl im persischen Bergland zu suchen ist.
Schon in diesem Mythos ist zu sehen, wie die Götter der politischen Legitimation dienen und das Machtstreben einzelner Herrscher mit göttlichen Geboten legitimiert wird, eine Antizipation der späteren Vergöttlichung der Herrscher selbst: Enmerkar, der Eridu eingenommen und den Tempel (von Enki) zerstört hatte, fordert im Namen Enkis, dass Aratta Eridu samt Tempel neu aufzubauen hat. Im Laufe der Streitigkeiten kommt es zu dem Vorwurf seitens des König von Aratta, der Botschafter Uruks könne nicht mehr formulieren. Enmerkar reagiert wie folgt:
„Nahm einen Klumpen Ton der Herr von Uruk, schrieb darauf die Worte wie auf eine Tafel. Noch nie ward je ein Wort auf Ton gesetzt. Doch nun, da’s ihm der Sonnengott eingab, geschah’s. Die Tafel schrieb Enmerkar.“
Ein Brief als Symbol der Erfindung der Schrift ist treffend gewählt, neben wirtschaftlichen Aufzeichnungen und juristischen Urkunden war die königliche Korrespondenz (die sich auch mit Import/Export beschäftigte) ein wichtiger Teil der Aufzeichnungen, und auch der Ort der Invention könnte passender nicht sein, kommen doch die wohl frühesten Bild-/Keilschriftlichen Funde aus Uruk.
Da jedoch die vorsintflutlichen Könige mit ausgesprochen langen Regierungszeiten glänzen (Enmerkar bspw. mit 420 Jahren), lassen sich nur schwer zeitliche Rückschlüsse aus dieser Legende ziehen.
Nach der Ansicht des Verfassers deutet die Legende auch an, dass vor dem Ton andere Schriftträger schon in Umlauf waren.



Die Bilderschrift

Die prähistorische Zeichenentwicklung ist nur sehr eingeschränkt überliefert, da offenbar auch organische Zeichenträger in Gebrauch waren. Sogenannte Zählkugeln (clay counters) wurden ab 9000/5000 vC benutzt (bis etwa 1500 vC), Stempelsiegel vergleichbar lange (und im ganzen alten Orient), Rollsiegel dagegen anscheinend erst in den mesopotamischen Stadtstaaten. Ein anderer Aspekt der Schriftentwicklung ist die Verzierung von Keramik, die in einigen Epochen (auch zu der Zeit der Schriftentwicklung) eine starke, hochentwickelte Ausprägung erfuhr, und vielleicht als eine Form frühen kultischen/religiösen Ausdrucks angesehen werden kann – vom Verständnis desselben sind wir jedoch weit entfernt.
Aus der Zeit um 3000 vC sind in Uruk zahlreiche Aufzeichnungen wirtschaftlicher Art gefunden worden, die in der frühen sumerischen Bilderschrift gehalten sind. Etwa zu dieser Zeit begann wohl auch die weitere Abstraktion (mehrere hundert Jahre später bis hin zu den neuassyrischen Zeichen, die in Babylon noch weniger Jahrhunderte vor Christi Geburt verwendet wurden) sowie die schnelle Ausbreitung; Uruk (wohl der älteste), Ur und Kish sind hier bedeutende Fundorte. Zu dieser Zeit waren die Stadtstaaten unter Tempelherrschaft, dessen Verwalter wiederum dem Priesterkönig verpflichtet waren. Eine große Anzahl an Vorräte mußte registriert, gezählt, gelagert und verteilt werden. Um die Güter des Tempels zu kennzeichnen gab es zunächst die Rollsiegel, die auch zur Kennzeichnung der persönlichen Verantwortung einzelner Priester / „Tempelbeamter“ und als Verschlußmarke dienten.
Zu den frühen Tokens, den ersten Bildzeichen ist zu sagen, daß es einerseits viele Ganzdarstellungen gab (zb. Fisch, Kopf) andererseits jedoch früh Symbole gebraucht wurden - meist pars pro toto: zb. Rinderkopf (männlich: Hörner nach oben, weiblich nach unten) - , und ebenso viele frühe Abstraktionen (zb. Frau = Schamdreieck) und bisher/ wieder unbekannte und Zeichen existierten; Forscher gehen auch davon aus, dass andere Kulturen mit hinter den Tokens stehen. Indiz hierfür könnten Stadt- und Flußnahmen sein, die sich (vielleicht aber auch nur aus der unzureichenden Kenntnis der sumerischen Sprache) bisher nicht / nur umständlich ableiten lassen.
Zahleiche frühe Zeichen (-Verbindungen) gehören natürlich meist mit zu den ersten „wirtschaftlichen Aufzeichnungen“ (zb: Fisch-Skizze/Symbol eines Rinderkopfes + zwei Punkte), wie auch die gesamte Schriftentwicklung eng mit der wirtschaftlichen Planbarkeit und Organisation verbunden ist, bzw. durch diese bedingt und forciert wurde.
Eine weitere Ursache für die schnelle Entwicklung, Abstraktion und Ausbreitung der Keilschrift ist wohl die Struktur der sumerischen Sprache an sich, welche aus einzelnen, meist einsilbigen Wortbausteinen (die oft viele unterschiedliche Bedeutugnen je nach Kontext einnehmen können) ihre Satzketten „agglutiniert“. Die Abbildung dieser gesprochenen Sprache durch Silbenzeichen (die die Bildzeichen als überwiegend einsilbige „Wortzeichen“ ja sowieso besitzen) ist somit bspw. einfacher als die einer flektierenden, in der jede „flektierte Silbe“ ein eigenes Zeichen benötigen würde.
Um 2800 vC war die erste einigermaßen standardisierte Keilschrift („archaische Schrift“) im Gebrauch, in der sich die Bildzeichen mit Logogrammen deckten. Hierin wird teilweise ein Übergang von der Wort- zur Satzschrift gesehen, wie oben schon bemerkt, sind die meisten sumerischen Wörter jedoch einsilbig, so daß der „Übergang“ nur durch die Agglutination der Zeichen, in der sie ihren eigentlichen Bildsymbolcharakter verlieren, zustande kommt.

Die Möglichkeit der Aufzeichnung von Sprache schufen – neben besserer Organisations- und Planungsmöglichkeiten - den Hintergrund für das Festhalten von Kulthandlungen, das dokumentierende Rechtswesen (und somit auch die schriftliche Ausarbeitung von Eigentumsrecht und Erbrecht, was sich wiederum in der Festigung von Besitzständen auswirkt), die wichtigen Königsinschriften, mit denen sich Herrscher verewigten, und außerdem für die gezielte Legendenbildung um einzelne Herrscherpersonen.


Siegelschneider und Schreiber – eine frühe Bildungselite?

Die „Klassen“ der Siegelschneider und „Tontafel-Schreiber“ waren hoch angesehen, und das tradierte sich auch innerhalb der Familie. Dennoch ist zu vermuten, dass in den frühen Stadtstaaten Mesopotamiens die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten mehr oder weniger gleichwertig waren. In späterer Zeit gibt es jedoch zb. Überlieferungen, in denen die „meist bedeutenden Bürger“ zusammen mit den „weniger bedeutenden Bürgern“ eine Art Petition beim König einreichen - nach Oppenheim: „quite rarely“, „in an old-babylonian text“; also schon nach 2000 vC. Aus altbabylonischer Zeit sind andererseits viele Texte überliefert, die schwer zu entziffern sind, was als Indiz für eine Ausbreitung der Schreibfähigkeiten in die Masse angesehen werden kann.
In den frühen Stadtstaaten, mit denen Wissenschaftler wie Thorkild Jacobsen eine „primitive Demokratie“, andere einen „theokratischen Sozialismus" verbinden, hatten die Fähigkeiten „Lesen“ und „Schreiben“ jedenfalls eine andere Bedeutung als in einer Informationsgesellschaft.
Die Korrespondenz und Wirtschaftsbeziehungen mit anderen Städten und „Ländern“ war in vielen Zeiten erst den Tempeln (wohl auch aus organisatorischen Gründen) und später den Königen vorbehalten. Doch ließen Könige ihre Inschriften auch für das Volk anbringen, und bspw. bei Prozessionen durch die Stadt tragen. Hier kann vielleicht zumindest eine Tendenz zur "demokratischen" Bildung - unter Berücksichtigung der Arbeitsteilung und der fehlenden Notwendigkeit zur allgemeinen Schriftkundigkeit - in den frühen Stadtstaaten angenommen werden, sowie eine zunehmende Elitebildung mit Verstärkung der königlichen Herrschaft und der Klassengegensätze (spätestens ab akkadischer Zeit).
Etwa um die Zeit 2350 vC eroberte Lugalzagesi von Umma aus Uruk, Ur, Lagash und Nippur, zerstört viele Heiligtümer und verstärkt die Zentralisierung der Macht auf seine Person. Sargon von Akkad eignete sich derweil in Kish die Macht an (mit der Hilfe einier Familien die den König Urbaba nicht akzeptierten), besiegte Lugalzagesi und begründete das Akkadische Reich (2350 bis 2150). Da Sargon eigentlich kein legitimer König war, erdichtete er Mythen zur Legitimation seiner Herrschaft durch seine „Mutter, die Gottesherrin“. Hier haben wir also eine mehr oder weniger historische Evidenz der Legenbildung (also des Personenkultes oder, etwas abstrakter: der Verehrung des Symbols statt des Symbolisierten).
Mit Hilfe der Schrift haben einzelne Autoritäten die Macht, den ursprünglichen, mündlich tradierten Kultus zu verändern und nach ihren Bedürfnissen zu gestalten, außerdem hat die aufgezeichnete Sprache eine enorme psychologische, realitätsgestaltende Wirkung (selbst heutzutage bei Menschen, die sich der Suggestion bewußt sind), was bei einer Kultur, die die Schrift gewissermaßen erfindet, auch nicht wirklich anders gewesen sein kann. Somit diente sie auch der Festigung von Herrschaftverhältnissen.


weiterführende Links:

http://cdli.ucla.edu/

http://ragz-international.com/sumerian_king_list.htm

Das wohl umfangreichste Linkverzeichnis dieser Art:

http://www.sumerian.org/sumlinks.htm




Um wieder zurück in die Gegenwart zu gelangen, sei an dieser Stelle der Konspirologe Wilson zitiert:

R. A. Wilson schrieb:
„Sprache als Mittel der Bewußtseinskontrolle wurde von Philosophen wie Vico, Stirner, Nietzsche und Wittgenstein diskutiert. Zu den radikalsten Kritikern der Sprache in unserer Zeit gehören Graf Alfred Korzybski und Dr. Richard Bandler.
Korzybski, der in einem Haus aufwuchs, in dem viele Sprachen gesprochen wurden, und der später Englisch lernte, machte die Entdeckung, dass die Worte, die wir benutzen, unsere Wahrnehmung und Vorstellung von der Welt beeinflussen. Ein Buch kann zum Beispiel von einem Leser als „realistisch“ bezeichnet werden, von einem anderen Leser jedoch als „pornographisch“, und jeder der beiden wird das Buch automatisch immer mehr so sehen, je öfter er seine Bewertung wiederholt. Hier sind Mechanismen der Hypnose am Werk, wie Dr. Bandler später entdeckte.[...]
Von diesen Punkten ausgehend, erstellte Korzybski eine vernichtende Diagnose der gewohnheitsmäßigen linguistischen Strukturen unserer Kultur. [...]
Unsere schlimmste Angewohnheit, findet er, liegt in der ständigen Annahme einer Identität, die meistens im Gebrauch des Verbums „ist“ impliziert ist. [...]
Korzybski vetritt auch die Ansicht, das viele Sätze, und insbesondere Sätze, wegen denen Leute in Streit geraten oder sogar in den Krieg ziehen, nicht Sätze in logischem Sinn sind, sondern in eine Kategorie gehören, die Bertrand Russell „Propositionale Funktionen“ nannte.
[...]
Propositionale Funktionen, die man nicht erkennt oder als solche behandelt, nennt Korzybski „noise“.“
Diese Gedanken können auf die Schrift ausgedehnt werde, welche die realitätsbildende Komponente der Sprache potenziert, und zudem schon seit ihrem Entstehen zur Bildung und Festigung von Zuständen dient und beiträgt (siehe Enmerkar, Königsinsignien, Mythen um Sargon).
Das Schriftmonopol von König und Tempel sorgte unter anderem auch für die Entwicklung sowie Tradierung des Kultus und der Legitimation der Herrschaft, gegebenenfalls der entsprechenden Mythen.
Waren zu Beginn der Stadtstaaten die Priesterkönige die Repräsentanten einer göttlichen Ordnung, deren Prinzipien mündlich überliefert wurden, konnten sie dieselben nun schriftlich revidieren, außerdem in monumentalen Aufzeichnungen die Realität ihrer Bürger eindrucksvoller, schneller und tiefgreifender gestalten, als zu Zeiten der an Familien und Stämme geketteten mündlichen Überlieferungen.


Also noch einmal die oben erwähnten Fragen:

Wie korrelieren Schrift, Kult und Autorität?
Was könne wir aus der Entstehung und Entwicklung der Schrift für den Umgang mit unserer heutigen Sprache und Schrift lernen?
Wie haben sich der Gebrauch der Sprache – und damit der Gebrauch derselben durch die Herrschenden sowie die Mechanismen der Kontrolle und Realitätsgestaltung – verändert?


Danke fürs Lesen und die hoffentlich bald folgende Beteiligung an der Diskussion :D
 

Esajas

Geheimer Meister
12. April 2002
362
Kannst Du das auch kürzer und allgemeinverständlicher ausdrücken?

Ich interessiere mich durchaus für Sprache, aber auf diesem "Niveau" steige ich nicht ein!
 

Dagmar_Krause

Geheimer Meister
21. Februar 2003
114
Mich würde interessieren wie du dir die Demokratischen Stadtstaaten im alten Griechenland erklärst. Wenn ich deine Theorie richtig verstanden habe, hat der der die Schrift beherrscht auch die Macht bzw. beherrscht die die welche die Schrift nicht beherrschen und kann sie auch nach seinem Gusto beeinflussen.
Daher ist es heute betrachtet nach deiner Theorie logisch, dass wir in einer Demokratie leben da fast jeder die Schrift beherrscht. Natürlich beherrschen Presseorgane die Meinung vieler Menschen, schließlich lesen ja so weit ich mich nicht irre um die 10 Millionen Menschen täglich die Bildzeitung ,und einige davon werden die dort verbreitete Information auch glauben.
Aber meine Frage ist wie kommt es dazu dass im alten Athen die Demokratie geherrscht hat? Konnten dort alle lesen und schreiben?
 

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
Dagmar_Krause schrieb:
Wenn ich deine Theorie richtig verstanden habe, hat der der die Schrift beherrscht auch die Macht bzw. beherrscht die die welche die Schrift nicht beherrschen und kann sie auch nach seinem Gusto beeinflussen.
Daher ist es heute betrachtet nach deiner Theorie logisch, dass wir in einer Demokratie leben da fast jeder die Schrift beherrscht.
Wr die Schrift beherrscht, hat die Macht, Worte festzuhalten.
Wer die Schreiber beherrscht, hat die Macht über den Inhalt der festgehaltenen Worte.
Insofern hat ein Schriftunkundiger, der die Macht über die Schreiber besitzt, eine gewisse Macht über die Schriftkundigen, nämlich die der "Informierung".
Meiner Meinung nach, gewann die Frage "wer kann schreiben?" an gesellschaftlicher Bedeutung mit Entstehung der juristischen Notation, jedoch trat die eigentliche Verschärfung der Klassengegensätze (Gebildete/Ungebildete etc.) erst später auf. In den frühen mesopotamischen Stadtstaaten war die Schreibkundigkeit wohl vor allem Mittel zum Organisieren, dem Fernhandel, juristischen Aufzeichnungen und dem Preisen von Göttern und Königen (Inschriften) - Königtum und Tempel waren unangefochten.
Die Frage "Was wird geschrieben?" ist mindestens genauso wichtig wie "Wer kann schreiben?", gerade in einer Demokratie mit geringer Analphabetenquote.



Dagmar_Krause schrieb:
Natürlich beherrschen Presseorgane die Meinung vieler Menschen, schließlich lesen ja so weit ich mich nicht irre um die 10 Millionen Menschen täglich die Bildzeitung ,und einige davon werden die dort verbreitete Information auch glauben.
Ja, das ist der Bezug zur Gegenwart :wink:
(aber nicht nur die Bildzeitung)


Dagmar_Krause schrieb:
Aber meine Frage ist wie kommt es dazu dass im alten Athen die Demokratie geherrscht hat? Konnten dort alle lesen und schreiben?
Inwieweit es damals eine Demokratei nach unseren heutigen Idealen gab, ist schwer zu sagen.

pinselpark schrieb:
Thukidydes schreibt: "Seinem Namen nach ist Athen eine Demokratie (Volksherrschaft) in Wirklichkeit aber die Herrschaft seines ersten Mannes! Volk und Staatslenker sind jedoch in grosser Harmonie. Die Wohlhabenden tragen durch freiwillige Leistungen (Liturgien) den grössten Teil der Staatslasten. Die Sklaverei hat kaum noch Bedeutung. Kultur der Freiheit in allen Lebensbereichen.
http://www.pinselpark.de/geschichte/tabellen/a3000p30_griechen1.html
(Zeittafel)

Also viel eher die Harmonie innerhalb der Stadtstaaten (Kriege wurden zb. geführt), die auch zb. in den alten mesopotamischen Stadtstaaten angestrebt wurde. Der Begriff Demokratie freilich war neu, wie weit er jedoch wirklich die Herrschaft des Volkes meinte (dh. Macht der Mehrheit über die reiche/einflußreiche Minderheit), kann ich persönlich nicht mit Sicherheit sagen, allein schon der Auschluß von weiten Teilen der Bevölkerung (nur einheimische Männer hatten Wahlrecht, diese waren wohl großteils auch der Schrift mächtig) ist ein Indiz dagegen.


Noch ein Zitat:
http://www.geschichte-schweiz.ch/demokratie.html

geschichte-schweiz.ch schrieb:
Fazit: Die Demokratie in Athen lässt sich nur sehr bedingt mit einer modernen Demokratie vergleichen. Trotzdem sind ihr drei wesentliche Punkte mit dieser gemeinsam:

-sie entstand als Reaktion auf übergrosse Machtfülle und Machtmissbrauch durch Einzelne
-ihre wichtigste Aufgaben sind die Kontrolle der Regierung und die abschliessende Entscheidung über Fragen von grosser Tragweite
-Gefahr droht der Demokratie durch Leute, die es verstehen, dem Volk mit einfachen Rezepten mehr zu versprechen, als realistisch ist - während verantwortungsvolle Politiker sich mit der harten Wahrheit unbeliebt machen
Über die Prozentsätze der Schriftkundigkeit unter den alten Griechen weiß ich leider nichts, ein großer Teil der Wahlberechtigten wird wohl schreiben gekonnt haben, ich vermute jedoch, dass die athenische "Demokratie" mehr durch die historischen Bedingungen (Tyrannen, Aristokraten etc.) zu begreifen ist, als durch die Bildungsquote, jedoch ist der Einfluß gebildeter Einzelner, und die Forcierung von Bildung (und "Wissenschaft") wohl schwer zu übersehen (Aufkommen der verschiedenen philosophischen "Schulen" etc.).
 

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
Esajas schrieb:
Kannst Du das auch kürzer und allgemeinverständlicher ausdrücken?
Schrift ermöglicht Festhalten von Tatsachen/Scheintatsachen.
Das kann mißbraucht werden.

Wie korrelieren Schrift, Kult und Autorität?
Gibt es interessante historische Fakten/Entwicklungen oder auch nachträgliche Interpretationen der Geschichte, die uns helfen/unterstützen könnten, die Suggestionsmechanismen von Sprache und Schrift besser zu verstehen, zu vermeiden und aufzudecken?
Wie läßt sich der Gebrauch der Schirft durch die Jahrtausende verfolgen - gibt es interessante Fakten/Vermutungen, die einen konstruktiven - zu Not auch kontruierten - Bezug zu Gegenwart haben?
Was können wir aus der Entstehung und Entwicklung der Schrift für den Umgang mit unserer heutigen Sprache und Schrift lernen?
Wie weit verfälscht Schrift notwendigerweise/unnötigerweise/bewußt die Realität?
Wie haben sich der Gebrauch von Sprache und Schrift verändert – und damit der Gebrauch derselben durch die Herrschenden – verändert?

Es sind viele Fragen, die mit diesem Thema in Verbindung stehen, unter anderem auch die die gegenwärtigen Medien - hier ist es übrigens interessant, wie in Verbindung mit dem Fernsehen die verbale Kommunikation gesendet/aufgezeichnet/wiederholt vermehrt ähnliche Zwecke wie die Schrift erfüllt.


Also: ich habe aus Interesse einige Fakten und Theorien zusammengetragen und mit meinen Interpretationen begonnen.
Um was es mir geht? Die Entwicklung der Sprache, die Korrelation mit der Autorität und dem Kultus, die (aktuellen) Problem der Suggestion, des Realitätverzerrens, der Manipulation etc. anzusprechen, um das alles mit anderen zu diskutieren :D
 

Esajas

Geheimer Meister
12. April 2002
362
Schrift ist immerhin zuverlässiger als mündliche Überlieferung. Sie hat uns im positiven und negativen Sinn unsere heutige Kultur beschert.

Hätten andere Kulturträger (auch) Schrift entwickelt, sähe unsere Welt heute anders aus!

Aktuell haben wir m. E. eher ein Sprachproblem als eine Schriftproblematik.
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Esajas schrieb:
Schrift ist immerhin zuverlässiger als mündliche Überlieferung. Sie hat uns im positiven und negativen Sinn unsere heutige Kultur beschert.
Dem könnte ich jetzt nicht uneingeschränkt zustimmen. Das Geschriebene resultiert doch auch beispielsweise aus dem Erinnerungsvermögen. Vielleicht fehlen dann die Jahreszahlen und die konkreten Namen, jedoch muss ja der Verlauf der Geschichte nicht linear (wie es zumindest oft gesehen wird), in einer steten Entwicklung laufen, sondern kann auch, wie es in manchen Kulturen heute noch (andeutungsweise) der Fall ist, in Zyklen verlaufen. Die Tradierung setzt dann natürlich ganz andere Schwerpunkte.
 

Shiva2012

Vollkommener Meister
17. Januar 2003
565
Meiner Meinung nach ist Schrift eine weitere Reduktion der Wirklichkeit, nach der Reduktion auf Sprache.
(beschränke mich auf in diesem Post auf die Kommunikation von Ideen /Konstrukten, also nicht im Sinne von Geschichtsüberlieferung durch Fakten und Details von Ereignissen)

Ein schönes Beispiel (erspart mir auch das Tippen) ist der Text zur Maya Priestersprache "SUYUA - TAN" :
Die Kraft der geheimen Priestersprache und die Verbindungen zur hebräischen Kabbalah
Umfangreicher Text, der etwas Grundwissen und Abstraktionsvermögen verlangt, und auch nicht besonders klar strukturiert ist.
Die Erläuterung der drei Maya Sprachen sind sprachwissenschaftlich aber ein Leckerbissen.

Zu den Fragestellungen (Wie korrelieren Schrift, Kult und Autorität?) :
Hier ist sicherlich die Gefahr des Missbrauchs und der Manipulation gegeben. Der Priester erläutert und interpretiert die Worte, soweit sich die Geisteswelt in Worte fassen lässt.
Schön wäre sicherlich, wenn alle gleich Autoritäten wären - fraglich, ob es machbar ist, die Masse durch eigene Erfahrungen (wie z.B. Eleusis) hinter/über die Sprachebene zu führen. Das dürfte die Sprache vielleicht sogar überflüssig machen.

nebenbei lade mir gerade die Reihe : Richard Bandler - Neuro Hypnotic Repatterning
Der erste clip war gestern durch - ist ja echt ein Freak ! :)
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
hives: Ein Brief als Symbol der Erfindung der Schrift ist treffend gewählt, neben wirtschaftlichen Aufzeichnungen und juristischen Urkunden war die königliche Korrespondenz (die sich auch mit Import/Export beschäftigte) ein wichtiger Teil der Aufzeichnungen
Vielleicht ist das ein Schlüsselhinweis auf eine Funktion von Schrift. Von Gebrauch war die Schrift der 'Verwaltung'. Es wurden Stammbäume erstellt, Lebensgemeinschaften eingetragen, 'Bescheinigungen' für Bildungsleistungen erstellt (wenn man das so nennen kann). Das lässt möglicherweise einen Tempel von damals etwas wie ein Landratsamt erscheinen. Blos, wie legitimierten sich die 'Verwalter' zu solchen 'Aufgaben'? Interessant wird die Überlegung auch, wenn man bedenkt, dass Abgaben vom Volk 'verwaltet' wurden, es wurde im wahrsten Sinne des Wortes re.giert. Nun könnte ein Effekt besondere Wirkung haben, dürfte doch eine Person, die lesen (und potentiell verwalten) kann, höheres Ansehen gehabt haben.
 

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
@Shiva2012: Danke für den interessanten Link - Habe ihn jedoch noch nicht ganz gelesen, Kommentar folgt :wink:

Shiva2012 schrieb:
nebenbei lade mir gerade die Reihe : Richard Bandler - Neuro Hypnotic Repatterning
Der erste clip war gestern durch - ist ja echt ein Freak ! :)
Ein kleiner Bericht ist ausdrücklich willkommen und ontopic! :D


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streicher schrieb:
Blos, wie legitimierten sich die 'Verwalter' zu solchen 'Aufgaben'? Interessant wird die Überlegung auch, wenn man bedenkt, dass Abgaben vom Volk 'verwaltet' wurden, es wurde im wahrsten Sinne des Wortes re.giert. Nun könnte ein Effekt besondere Wirkung haben, dürfte doch eine Person, die lesen (und potentiell verwalten) kann, höheres Ansehen gehabt haben.
Die Entwicklung von Klassengegensätze ist schwer nachzuvollziehen, eine Priesterin, die durch ein Orakel in ihrer Position bestätigt wurde, hatte natürlich einen anderen Stellenwert, als Autoritäts- oder Idolfiguren heutzutage. Ich werde in nächster Zeit mal versuchen, mehr Quellen zum Themengebiet "Bildungseliten?", priesterliche Legitimation etc. zusammenzutragen. kann jedoch ein bissel dauern... :wink:

Interessant wären hier auch mehr Beiträge zu anderen Zivilisationen und Kulturgebieten, siehe auch den Kommentar von Shiva2012.
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Schriftentwicklung auf typolexikon

Shiva 2012: Meiner Meinung nach ist Schrift eine weitere Reduktion der Wirklichkeit, nach der Reduktion auf Sprache.
Aus der o.g. Quelle:Sie (Schrift) wird heute als Medium zur Kommunikation und als eine Technologie zur Weitergabe und Archivierung von Wissen verstanden.
Die Gegenüberstellung der Aussagen ist recht interessant. Wie es aus deiner Quelle sich herauslesen lässt, sind die Wörter der Maya im warsten Sinnes des Wortes mit Inhalt gefüllt. Es verbergen sich nicht nur die Vorstellung eines Sachgegenstandes dahinter, sondern (möglicherweise) eine ganze Philosophie. Ist man sich dem bewusst, liesse es sich mit wenigen Worten sehr inhaltsreich kommunizieren.
Hat nun die Buchstabenschrift nicht auch unsere Kultur geprägt? Besonders ist derzeit eine Technologisierung der Sprache aufgrund der technologisierten Welt erkennbar. Wörter stehen für Gegenstände. Verkompliziert die (Buchstaben)schrift 'das Leben' (u.a. weil sie die Wirklichkeit reduziert)? Doch warum wurde sie dann eingeführt?
 

Trestone

Geheimer Meister
12. April 2002
306
Schrift nur scheinbar genauer: Sprache im Wandel

Hallo,
schon Platon hat die Schrift kritisiert und der mündlichen Überlieferung den Vorrang eingeräumt:
Jede lebendige Sprache ist ständig im Wandel, einmal Geschriebenes bleibt aber starr.
Sagen wir z.B. heute "die Sonne lacht" und warten dann 1000 Jahre, so leben wir dann vielleicht in einer übervölkerten Wüste, wo die Sonne als feindlich und Lachen als Aggression gilt. Eine sinngerechte Übersetzung wäre dann vielleicht "der Mond weint". Bei mündlicher Überlieferung wäre diese Anpassung automatisch erfolgt, bei der schriftlichen ist die Gefahr von Mißverständnissen größer.
In diesem Sinn ist auch das Internet ein potentiell "starres" Gebilde, das sich nur schwer dem ständigen Wandel anpasst. Allerdings habe ich noch wenig Erfahrung mit 1000-jährigen Links ...
 

Gestreift

Vollkommener Meister
12. Juli 2003
516
@ hives

Ich habe mich gerade gefragt, ob schon bei der Auswahl der Symbole, die wir zur Lautaufzeichnung benutzen, Kriterien zugrundeglegt wurden, die einen suggestiven Charakter haben? Hast Du im Rahmen deiner Ermittlungen etwas zum Thema "Struktur von Schriftsymbolen" gefunden?

Die Frage kann man auch anders formulieren. Erfüllt das Aussehen von Buchstaben einen weiteren Zweck, der über die reine Lautbezeichnung hinausgeht?
 

semball

Großer Auserwählter
26. Mai 2002
1.615
Sprache UND Schrift sind erstmal DIE Grundlage jeder Zivilisation und damit völlig wertfrei zu behandeln.

Nehmen wir doch mal das Beispiel einer stinknormalen Gabel:
Klar kann man eine Gabel missbrauchen und damit jemanden erstechen. Sollte man deshalb alle Gabeln verbieten? Nein!

Genauso ist es doch auch mit der Schrift:
Man kann Gedichte, Liebesbrief oder gar ein kommunistisches Manifest niederschreiben, man kann natürlich auch eine Bild-zeitung hervorbringen. Ist das ein Grund die Schrift abzuschaffen? Ich denke mal nicht!

Ich finde, so gut wie alle Sachen, die der Mensch entwicklen kann, sind im Grunde wertfrei: Die Nutzung der Elektrizität ermöglicht uns Licht aber auch den elektrischen Stuhl; Dank Waffen kann sich der Mensch gegen wilde Tiere verteidigen aber auch seinem Nachbarn den Schädel wegpusten, das Telefon ermöglicht den schnellen Austausch von wichtigen Informationen aber auch die schnelle Erteilung von Mordaufträgen usw usw usw....

Genauso verhält es sich doch auch mit menschlichen Eigenschaften:
Pflichtbewusstsein ist gut, wenn ein Mechaniker bei der Bahn ehrlich drauf achtet, ob auch immer alle Zugbremsen in Lot sind.
Pflichtbewusstsein ist schlecht, wenn ein SS-Mann ehrlich drauf achtet, ob auch wirklich jeder Jude erschossen wurde.

Ich bin sicher euch fallen noch mehr Beispiele ein,
gruss semball
 

BrettonWoods

Geheimer Meister
5. Juni 2003
304
Viele Menschen bezweifeln die tatsächliche Weisheit moderner Wissenschaft, sie zweifeln am Nutzen ihres Umgangs mit den jeweilig gewonnenen Erkenntnissen. Sie gehen davon aus, dass Detailwissen und Expertentum genau dort wenig weiterbringt und sogar gefährlich sein kann, wo der Bezug zum Allgemeinwohl verloren geht. Urgesellschaften kannten unser heutiges Detailwissen nicht. Dafür aber waren sie oftmals mehr im Bewußtsein kosmischer Zusammenhänge und lebensgrundlegender Gesetze bewandert, denen sie aus reinem Überlebenswillen Rücksicht* zollten. Das Wissen um diese Zusammenhänge wurde von Generation zu Generation durch Erzählen von Mythen und Märchen und durch Tradition von Gebräuchen weitergegeben, - alles kulturelle Werkzeuge, die uns heute vielfach fremd geworden sind. Aufgrund der verwirrenden und unübersichtlich gewordenen Zunahme an Detailwissen droht das Wissen und die Gewissheit um die Verbundenheit allen Seins verloren zu gehen. Hand in Hand mit dem sich vollziehenden Verlust wächst die Entfremdung, nehmen Angst und Einsamkeit zu. Profitorientierte Manipulation von Informationen durch monopolisierte Medienkonzerne und machtstrategische Produktion von Falschinformation durch offizielle Desinformationsministerien des politischen Establishments verwirren immer größer werdende Bereiche der Weltöffentlichkeit bis hin zu deren völligen Orientierungslosigkeit. Schließlich wird die Möglichkeit jeglicher änderung angstvoll bezweifelt. Das geistige Potenzial der Menschen, ihre Kreativität wird gelähmt, um möglichst jeglichen Widerstand gegen die herrschende Ordnung auszuschalten. Dabei bleibt fast unbemerkt das Leben auf der Strecke. Die Wahrheit steht Kopf!

Die völkergeschichtliche Forschung besagt, dass die Gesellschaften bis vor etwa 5000 bis 7000 Jahren friedvoll lebten.
Höhlenzeichnungen und andere Hinweise aus dieser alten Zeit geben keinerlei Anhalt für gewaltbereites oder zerstörendes Verhalten ihrer Schöpfer. Diese frühe Phase der Menschheitsentwicklung war durch matriarchale Kulturen geprägt. In derartigen Kulturen garantierte die Freiheit von Herrschafts- und Unterdrückungssystemen gesellschaftliche Organisationsformen, die in Einklang sowohl mit der Natur wie auch mit den Erfordernissen eines menschlichen Zusammenlebens standen, das die Gesellschaft erhält und fördert. Wissen war stets das Ergebnis der gesammelten Lebenserfahrung und wurde ausnahmslos durch Erzählungen und Gebräuche, die wiederum lebensichernde Erfahrungen vermitteln, von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Eine andere Möglichkeit gab es vor Entwicklung der Schrift und von anderen Informationstechniken noch nicht. Das frei tradierte Wissen mußte sich stets durch die Lebenserfahrung bestätigen und konnte durch diese auch laufend bereichert werden, es blieb authentisch. Fehlende dogmatische Erstarrung und offener Umgang fördern eine breite Kreativität, die selbst früheste Kulturen zu hochkomplexen Organisationsformen finden ließ. Ihre Zeugnisse äußerst differenzierten Wissens von kosmischen Zusammenhängen erscheinen uns heute schier unglaublich, denken wir an die weltweit gefundenen prähistorischen Steinmonumente in Kreis- oder Spiralform, die Pyramiden in Afrika und in Mittelamerika, den präinkaischen wie inkaischen Städtebau Südamerikas - alles Zeugen exakter astronomischer Kenntnisse (1). Weniger spektakulär, doch nicht weniger unglaublich und bedeutend, war das Wissen um heilende Orte, um heilende Energien, um heilende Pflanzen, das Wissen um die kausalen Zusammenhänge der Kreisläufe der Natur, von Jahreszeiten, von Säen und Ernten - Voraussetzungen, ohne die es kaum Überlebens-Chancen der frühen Gesellschaften gegeben hätte!

Fülle an Nahrungsmitteln und an notwendigen Gebrauchsgegenständen war das Ergebnis eines solidaren Zusammenlebens, das sicherlich auch nicht immer und überall frei von Problemen war. Doch geschah der Umgang mit diesen augenscheinlich gewaltfrei und in gegenseitiger Unterstützung konstruktiv, allein aus der Gewissheit heraus, gemeinsam in der Natur des Kosmos geborgen zu sein (2). Pluralistische Götterwelten als Ausdruck von Toleranz verweisen auf ein Wissen um die vielschichtigen und differenzierten Abhängigkeiten des Lebens von vorgegebenen Gesetzen.

Bei vielen Menschen bereits ersetzt maschinengleiches Funktionieren ein kreatives Denken und einfühlsames Handeln.

quelle: http://uuhome.de/global/deutsch/spirale.html
 

BrettonWoods

Geheimer Meister
5. Juni 2003
304
Die chinesische Sprache

Die chinesische Sprache - eine totale Sprache, die Erfahrungen auf mehreren Ebenen ausdrücken kann, und deren Schriftzeichen aus Hieroglyphen weiterentwickelt sind - die damit also in einem engen Kontakt mit den beschriebenen Gegenständen und Erfahrungen bleibt. Die Ausgeglichenheit der Chinesen ist sicherlich darauf zurückzuführen, daß ihre Sprache für ein größeres geistiges Gleichgewicht strukturiert ist. Ich stelle immer wieder fest, daß Chinesen - wo auch immer sie sich aufhalten - ihre Sprache und Schrift beibehalten, während andere Auswanderer nach Generationen ihre Sprache aufgegeben haben.

Quelle: William s. burroughs, die elektronische revolution
Link: http://www.weltverschwoerung.de/modules.php?name=Forums&file=viewtopic&t=8754

Die chinesischen Schriftzeichen waren schon in der Mitte des 2. Jh. v. Chr. voll ausgebildet. Seit der Qing-Dynastie waren sie standardisiert. Im 3./4. Jh. n. Chr. wurde die bis heute gültige Schrift eingeführt. In der VR China schreibt man die Schriftzeichen von links nach rechts in horizontalen Zeilen, altmodisch auch von oben nach unten und von rechts nach links in "Spalten". In 1892 und 1926 gab es Versuche, die Wortschrift durch eine Lautschrift zu ersetzen. Aber diese Versuche konnten sich nicht durchsetzen. Im Vergleich zu den vorherigen Versuchen ist die letzte Reform in der VR China gut gelungen: Diese Reform sah zwar von der unmittelbaren Einführung einer Lautschrift ab, vereinfachte aber die Schriftzeichen und schrieb die Umgangssprache von Beijing für ganz China vor. Aber nicht alle Chinesen sind über diese Reform glücklich, weil manche Schriftzeichen so stark vereinfacht sind, daß man sie nicht wiederkennt.

In 1957 genehmigte der chinesische Staatsrat den Entwurf zur Latinisierung der chinesischen Schriftzeichen, genannt Pinyin. Pinyin besteht aus 20 Mitlautsymbolen und 6 Selbstlautsymbolen des lateinischen Alphabets. In der VR China gilt Pinyin als offizielle Transkription der chinesischen Sprache. Auch im Ausland wird Pinyin zunehmend als allgemein verbindliche Umschrift des Chinesichen. Bei einem chinesischen Reisepaß wird z.B. der Name des Inhabers auch in Pinyin angegeben.

Kalligraphie
Geschickt kalligrahierte chinesische Schriftzeichen sind geschätzte Kunstwerke. Die Zeichen der Kalligraphie sollen Stärke und Lebendigkeit vermitteln. Die Ausführung jedes Striches, der Aufbau des Zeichens, die Abstände und die Freiräume zueinander müssen in der Gesamtkomposition ausgeglichen sein. Eine gute Kalligraphie spiegelt Yin und Yang wieder, denn sie muß gleichzeitig Stille und Bewegung, Mannigfaltigkeit und Einfachheit, Lebendigkeit und Ruhe vermitteln.

Link: http://www.brucca.de/yuya.htm#Geschichte

Chinesische Sprache
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Chinesisch ist eigentlich keine Sprache, sondern eine Sprachengruppe. Die einzelnen 'Dialekte' des Chinesischen sind so unterschiedlich, dass eine mündliche Kommunikation zwischen einem Sprecher des Mandarin und einem des Kantonesischen beispielsweise sehr schwierig bis unmöglich ist. Die Kommunikation wird jedoch über die chinesische Schrift ermöglicht, welche von allen chinesischen Varietäten benutzt wird und aufgrund ihres ideographischen Charakters ausspracheunabhängig ist.
Chinesisch ist eine isolierende Sprache, das heißt, die einzelnen Worte stehen als isolierte Einheiten nebeneinander und werden nicht verändert. Grammatische Merkmale wie Anzahl, Fall oder Zeit werden durch hinzugefügte kennzeichnende Silben ausgedrückt, wo es nötig ist.
Chinesisch ist auch eine Tonsprache, das heißt, die Tonhöhe, in der ein Wort gesprochen wird, ist bedeutungsunterscheidend. Die Anzahl der Töne variiert unter den verschiedenen Varianten. Mandarin hat 4 Töne, der Shanghai-Dialekt (Wu) nur 2 ausgeprägte Töne, Kantonesisch (Yue, gesprochen in Guangdong und Hong Kong) hat 6 Töne.
http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Sprache

Wenn ich jetzt die chinesische mit den westlichen Sprachen/Schrift vergleiche lassen sich folgende Unrichtigkeiten formulieren:
Das Identisch-Sein. Du bist ein Körper. Du bist ein Tier. Was immer du sein magst, du bist kein "Körper" , du bist kein "Tier", da dies nur verbale Bezeichnungen sind. Das identisch-Sein impliziert immer die ausschließliche Identität von etwas, sein Zweck ist ständige Konditionierung: so sein und bleiben. Jeder Akt des Bezeichnens setzt ein Identisch sein als gegeben voraus. Dies ist überflüssig in einer hieroglyphischen Sprache wie dem Altägyptischen. Es ist überflüssig zu sagen: Die Sonne IST am Himmel - Das Zeichen der Sonne am Himmel genügt. Das hilfswort "sein" kann aus jeder Sprache ausgeklammert werden, und die Anhänger Korzybskis haben eben das im englischen getan.
Das dualistische Konzept des ENTWEDER/ODER. Recht oder Unrecht, körperlich oder geistig, wahr oder falsch .... das ganze Konzept des ENTWEDER/ODER schadet unserer Sprache nur. Die Verknüpfung mit UND ist vollkommend ausreichend. Dies geschieht bis zu einem gewissen Grad in jeder hieroglyphischen Sprache.
 

BrettonWoods

Geheimer Meister
5. Juni 2003
304
Die Ökolinguistik

Die Ökolinguistik, ein recht junger, aber bereits etablierter Zweig der Sprachwissenschaft, "kartographiert" sprachliche Phänomene unter den ökologischen Aspekten von Vielfalt und Wechselwirkung.
Die Ökolinguistik will Sprache nicht verändern, keine Wörter oder Bedeutungen abschaffen, sondern eine Schärfung des Bewußtseins bewirken.
Brauchbarkeitsdenken
Was kaum jemandem auffällt ist die Tatsache, daß Tiere, Pflanzen oder andere Teile der Natur danach benannt sind, wie nützlich, schädlich, brauchbar oder unbrauchbar sie für den Menschen sind. Indem er die Dinge benennt, nimmt er sie in Besitz: Kühe, Schweine und Hühner werden zu seinen "Nutztieren", aus unberührten Almen macht er eine "Ferienregion" und Wälder verarbeitet er zu "Nutzholz". Um jedoch nicht an dieses un-ökologische und "unethische" Verhalten erinnert zu werden bzw. um es zu legitimieren, erfahren etwa die Rodungen und die Straßen- und Liftbauten eine positive Bewertung, indem man sagt, diese Gebiete werden "kultiviert" bzw. "erschlossen". Holt sich andererseits die Natur ein Stückchen ihrer selbst zurück, spricht man von "Verödung", "Versteppung" und "Versumpfung".
Eine neue Art zu denken
Deshalb ist wahrscheinlich der "ökopädagogische" Teil der Ökolinguistik für die Menschheit und das Fortbestehen ihrer unzähligen Kulturen am wichtigsten. Neuen Generationen soll eine andere Art von Denken vermittelt werden, in dem nicht Größe und ungebremstes Wachstum, sondern Vielfalt und harmonisches Zusammenleben im Vordergrund stehen, sowohl mit anderen Menschen als auch mit der lebenserhaltenden und lebensnotwendigen Umwelt.

Quelle: http://www.kfunigraz.ac.at/ainst/uz/497/4-97-04.html
 

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
Gestreift schrieb:
Ich habe mich gerade gefragt, ob schon bei der Auswahl der Symbole, die wir zur Lautaufzeichnung benutzen, Kriterien zugrundeglegt wurden, die einen suggestiven Charakter haben?
Um den Antworten auf derartige Fragen näher zu kommen, müssen imho vor allem folgende Aspekte/Umstände Berücksichtigung finden:
- Entstehung der Schrift aus der "Notwendigkeit wirtschaftlicher Planbarkeit"
- viele frühe wichtige Zeichen sind "optisch nachvollziehbar", auch ist bei vielen der "Abstraktionsprozess" mehr oder weniger klar zu erkennen
- Zu Beginn gab es viele schematisierte Darstellungen als Zeichen (siehe oben, pars pro toto etc.)
- Die Zeichen verlieren mit der Zeit ihren Bildcharakter (was die "Schreibweise" angeht)
- einzelne Symbole zeigen letztendlich einen "Lautstamm" und viele verschiedene weitere Bedeutungen/Lesungen, die auch häufiger als der Hauptstamm gebraucht werden können.
zb:
Zeichen: "KU"
Lesungen: ku, tukul, tush, dab5, dúr

Es gibt sehr interessante Fälle:

Zeichen "TI"
Lesungen: ti.l (Leben, lebendig...), ti-ng... (nähern, heranbringen), ti (Rippe), ti (Pfeil)

Zeichen "ZU"
Lesungen: zu (wissen, erkennen, begreifen...)

Zeichen "SU" (bis auf einen Strich identisch mit "ZU")
Lesungen: su (Körper), kush (Leder, Haut, Fell)

Das nur als Beispiel für nachvollziehbare Zusammenhänge/Verwandtschaften von Zeichen.


Aber zurück zum eigentlichen Sujet:

Gestreift schrieb:
Die Frage kann man auch anders formulieren. Erfüllt das Aussehen von Buchstaben einen weiteren Zweck, der über die reine Lautbezeichnung hinausgeht?
Genealogisch gesehen auf jeden Fall - es sind interessante Fragen, wie die ursprünglichen bildhaften Symbole zustande kamen, ebenso die der Abstraktion und Simplifizierung - jedoch würde ich jedwede Art von postulierten suggestiven (also versteckten) Absichten in ihrer Relevanz weit hinter den expliziten & kommunikativen ansiedeln - im Lauf der Zeit selbstverständlich mit stark zunehmender Tendenz - da ich die Vorstellung von einer bewußt-reflektierten "Einsetzung" bestimmter Anordnungen von Keilen zu Manipulationszwecken nicht für wahrscheinlich halte und eher in den Bereich der durch heutige Umstände bedingten Überinterpretation verweisen würde.

Dennoch ein interessanter Gedanke, vielleicht ist er ja im Kontext der verschiedenen Lesungen doch von Bedeutung... :wink:




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semball schrieb:
Sprache UND Schrift sind erstmal DIE Grundlage jeder Zivilisation und damit völlig wertfrei zu behandeln.
Kein Grund gleich so LAUT zu werden :wink:

Nein, im Ernst: Vielen Dank für die Veröffentlichung deiner Einsicht, aber hast du auch was zum Thema sagen :?:

Zur Erinnerung: In den ersten Posts sind extra ein paar Fragen aufgelistet...


semball schrieb:
Man kann Gedichte, Liebesbrief oder gar ein kommunistisches Manifest niederschreiben, man kann natürlich auch eine Bild-zeitung hervorbringen. Ist das ein Grund die Schrift abzuschaffen? Ich denke mal nicht!
Hab ich was verpasst?
Oder überlesen?
Oder mißverständlich formuliert?
:?:






Die Schrift abschaffen?!?
 
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