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Richtige Entscheidung?

74

Geselle
16. Dezember 2002
25
Mir ist heute folgendes passiert: Ich bekam einen Anruf aus dem Altenheim, in dem meine Großmutter lebt. Sie hatte einen Schlaganfall. Ich fuhr also hin und war geschockt; sie konnte nur noch röcheln und war gelähmt, aber bei vollem Bewusstsein. Der Arzt klärte mich auf, sie hätte auch eine Schlucklähmung, an der sie innerhalb der nächsten 7 Tage sterben wird, würde sie nicht ins Krankenhaus kommen. Im Krankenhaus würde sie etwa noch 2 Monate leben, allerdings mit einem Schlauch durch den Bauch, an Apparaten, etc. Da ich eine Vollmacht habe, musste ich innerhalb von wenigen Stunden eine Entscheidung treffen. Das war nicht sehr leicht, kann man sich so eigentlich gar nicht vorstellen, in welcher Situation man sich da plötzlich und völlig unerwartet befindet!
Ich entschloss mich, sie in Ruhe sterben zu lassen.
Das muss ich jetzt allerdings mit mir ausmachen. Wenn sie in den nächsten Tagen tot ist, werde ich wohl damit klarkommen müssen, dass sie noch leben könnte, wenn ich anders entschieden hätte.
Aber die Frage ist, gibt es einen Grund, warum man Menschen so lange wie möglich am Leben erhalten muss, auch wenn sie sich nur noch quälen würden?
 

Deimos

Geheimer Meister
23. September 2002
341
ich denke, du hast die richtige entscheidung getroffen.

bei meiner grossmutter war es ziemlich ähnlich. sie hatte krebs im endstadium und litt unter höllischen schmerzen. der arzt meinte, man könne sie noch 2 monate "künstlich" am leben erhalten, oder aber man würde ihr morphium verabreichen und sie würde so innert 3 tagen (schmerzfrei) hinübergehen.


es gibt keinen grund, einen todkranken menschen um jeden preis am leben zu erhalten. vorallem in einer phase, in welcher der sterbende nicht mehr im besitz seiner geistigen kräfte ist.
 

Borg

Großmeister
11. Februar 2003
84
74 schrieb:
Aber die Frage ist, gibt es einen Grund, warum man Menschen so lange wie möglich am Leben erhalten muss, auch wenn sie sich nur noch quälen würden?
Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund! Ich hätte genauso entschieden wie Du!! Man muss sich vor Augen halten, was humaner ist. Ich halte es für völlig unhuman, dass Leben auf Biegen und Brechen zu verlängern. Was hat derjenige denn davon, dass er 2 Monate länger vor sich hin vegetiert, vielleicht sogar noch unter Schmerzen, die evtl. noch mit Morphium geblockt werden?

In meiner Familie standen wir vor 5 Jahren vor einem ähnlichen Problem. Mein Patenonkel hatte Lungenkrebs im Endstadium. Den haben sie in der Klinik auf- und direkt wieder zugemacht. In der Klinik hätte er wohl noch 3-4 Monate zu leben gehabt, ohne medizinische Lebensverlängerung noch etwa 1 Monat. Daraufhin hat meine Tante ihn zum sterben nach Hause geholt und nach drei Wochen ist er friedlich einfgeschlafen. Meine Tante hat sich auch Vorwürfe ohne Ende gemacht, aber als ich ihn das letzte Mal gesehen habe und er mich angelächelt hat, war mir klar, dass meine Tante die absolut richtige Entscheidung getroffen hat!

Borg
 

Don

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.692
Hut ab!

Viele besitzen nicht den Mut ihre Familienmitglieder in Ruhe sterben zu lassen. Deine Entscheidung für den schnelleren Tod war meiner Meinung nach richtig. Was sind zwei Monate bei vollem Bewußtsein und dem Wissen das man nur noch auf kurze Zeit dank der Schläuche und Apperate leben kann? Es ist eine uns nicht vorstellbare Qual.

Da Du die Vollmacht zu entscheiden hattest und entscheiden mußtest; deine Entscheidung getroffen hast denke ich das Du richtig gehandelt hast.

Lieben heißt auch loslassen können!

Solltest Du Gespräche suchen um Deine Situation verarbeiten zu können biete ich Dir hiermit meine Beihilfe an.

Don
 

Kendrior

Intendant der Gebäude
25. Februar 2003
869
Du hast richtig gehandelt! Medizin verlängert zwar ein wenig das Leben, aber nur unter ständiger Aufsicht, dauernder Untersuchungen und wenn die Ärzte auch damit umgehen können...
Zumindest letzteres wird immer zweifelhafter dank sinkender Krankenhausbeiträge.
Außerdem: Wenn man stirbt, ist man nicht weg. Dann geht es erst richtig los :D
 

WzP

Vorsteher und Richter
2. Juni 2002
735
meiner Meinung nach dient diese "Lebendhaltung" nur dem Geldgewinn, und das ist nichtmal abwegig, wenn man anschaut, was so ein Tag auf der Intensivstation oder eine Woche voller Krebsmedikamente (lach) kosten.

Natürlich handelt kein Arzt bewusst so, aber heute wird man ja fast dazu erzogen, mit aller Gewalt alles was nach Leben aussehen könnte zu erhalten, weil man uns den Tod abspenstig gemacht hat, als ob er nichts mit dem Leben zu tun hätte.
 
3. April 2003
1
Ich denke auch, das du die richtige Entscheidung getroffen hast (ja, ich weiß, langweilig...).

Ich hab aber noch ne Frage: Wo wohnst du denn, das du darüber entscheiden darfst? Ist das nicht in Deutschland noch verboten? Zählt das nicht als aktive Sterbehilfe?
 

Ventus

Vollkommener Meister
15. März 2003
517
Ich denke auch das du die richtige Entscheidung getroffen hast Respekt...ich hätte das sicher nicht fertiggebracht!
 

gravedigger

Geheimer Meister
21. März 2003
110
yepp, richtige entscheidung, ich hätte es wohl auch so gemacht, hab auch ähnliche geschichten erlebt, aber so ist das leben nun einmal wird dich aber vermutlich nicht trösten...
 

tritop

Geheimer Meister
9. Dezember 2002
227
ich denke ebenfalls, dass du die richtige entscheidung getroffen hast. es wird jetzt verdammt hart, und je länger du darüber nachdenkst, desto mehr wirst du deine entscheidung wohl in frage stellen. aber wenn dies geschieht, solltest du dir diese postings noch einmal durchlesen.
es ist auf jeden fall auch eine gute idee, dass du darüber redest...wenn ich mich selber in diese lage versetze, würde ich genauso handeln!
 

Absurd

Geselle
14. Dezember 2002
29
kann mich hier nur anschließen! ich glaub du brauchst dir nicht den geringsten vorwurf zu machen. hast ihr schmerz un dahinvegitieren erspart!
 

Magna

Vollkommener Meister
10. April 2002
525
Ich glaube, du hast deine Entscheidung getroffen, weil du selber weißt, dass es das vernünftigste und vermutlich das menschlichste ist.
Warum sollte deine Großmutter sich länger quälen als nötig, wenn es sowieso keine Aussicht auf Heilung gibt?
Ich denke schon, dass es die richtige Entscheidung war.
Liebe Grüße,
Magna
 

Eskapismus

Großmeister-Architekt
19. Juli 2002
1.212
DasisteinBenutzername schrieb:
Ich hab aber noch ne Frage: Wo wohnst du denn, das du darüber entscheiden darfst? Ist das nicht in Deutschland noch verboten? Zählt das nicht als aktive Sterbehilfe?
Aktive Sterbehilfe ist, wenn etwas unternommen wird, damit jemand stirbt. Wenn man nichts unternimmt um jemanden weiterleben zu lassen ist das passive Sterbehilfe.
 
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