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Razzia in Berlin: 180 Fußball-Anhänger festgenommen

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
letzten sonntag gabs in berlin eine razzia gegen "hooligans". ich hatte das ganze nicht weiter verfolgt- mir ist nur noch vom vorbeigehen die reisserische schlagzeile samt fotos aus der "BZ" im kopf.

hier aus der FAZ:

Bei einer Razzia in einer Berliner Diskothek hat die Polizei in der Nacht zu Sonntag mehr als 180 Fußball-Anhänger festgenommen. Diese aktuellen Zahlen teilte die Polizei am Sonntag nachmittag mit. Ziel war es, vor dem Fußballspiel zwischen den Oberligisten 1. FC Union und BFC Dynamo Rädelsführer der gewaltbereiten Fußballfanszene namhaft zu machen und mögliche Ausschreitungen bei dem Derby zu verhindern.


Der Großeinsatz mit etwa 300 Beamten hatte gegen 1.30 Uhr in der Diskothek ?Jeton? an der Frankfurter Allee im Bezirk Friedrichshain begonnen, wo mehr als 200 Fans des BFC Dynamo versammelt waren. Die Diskothek sei als ?Treffpunkt gewaltbereiter Fußballfans des BFC Dynamo? und Hooligans bekannt, hieß es bei der Polizei.


?Harter Kern der gewaltbereiten Fanszene?


Nach Angaben der Polizei leisteten Dynamo-Anhänger ?massiven Widerstand? gegen die Festnahmen. Sie sollen die Beamten mit Flaschen, Gläsern und Einrichtungsgegenständen angegriffen haben. Dabei seien fünf Fans leicht verletzt worden. Polizeibeamte wurden nicht verletzt. Am Nachmittag befanden sich noch 145 Festgenommene in Gewahrsam. Sie sollen Polizeiangaben zufolge zum ?harten Kern der gewaltbereiten Fanszene? gehören...

faz


heute bin ich auf einen beitrag von einem augenzeugen gestoßen, der die ereignisse doch ziemlich anders schildert.
naja, lest selbst selbst:

polizeieinsatz bfc/ betroffenenbericht


hallo leute

nachdem ich mich in den letzten stunden halbwegs gesammelt habe (soweit das möglich ist), hier meine anmerkungen zum thema ?polizeieinsatz am 21.08.04?:

vorausgeschickt einige angaben zu meiner person:
ich bin 40 jahre alt und in dieser zeit nie straffällig geworden oder sonstwie auffällig gewesen. meine ?akte? vermerkt ein 4-wöchiges fahrverbot und einen punkt in flensburg. ich arbeite seit jahren als freier journalist/dolmetscher/übersetzer. Ich habe keine glatzte, bin nicht tätowiert und stehe politisch links (falls das hier überhaupt von bedeutung ist). am wochenende bestand meine aufgabe darin, unsere gäste aus schweden und schottland zu betreuen und für sie zu dolmetschen. das vor allem war auch der grund meines aufenthaltes im jeton.

bereits am freitag nachmittag, als wir die schotten vom flughafen tegel abholten, erschienen dort zivile kräfte der egh. die aberdeener wurden befragt, mussten ihre pässe vorlegen, die mit listen abgeglichen wurden. auch meine personalien wurde (erstmalig) erfasst. mir wurde gesagt, dass der einsatz mit dem derby am sonntag zusammenhängen würde und ich wurde darauf hingewiesen, dass wir beobachtet würden und dass jeder verstoß gegen gesetzliche bestimmungen geahndet werden würde. mal abgesehen davon, dass es dieser belehrung in meinem fall nicht bedurft hätte, habe ich unsere gäste über die lage informiert. für alle, sowohl für unsere ?hools?, unsere gäste, und für ?normale fans?, hieß die parole: keinen stress, unter keinen umständen!!! und wenn am sonntag doch wider erwarten etwas passieren sollte, raushalten, versuchen, so schnell wie möglich von evtl. gefahrenherden wegzukommen!

der samstag verging, das wetter war toll, das turnier ein voller erfolg, unsere gäste hatten, trotz bescheidener sportlicher ergebnisse und einiger ?ausfälle?, einen heidenspaß. es gab keinerlei zwischenfälle.

gegen 00.00 erreichte ich mit einem in berlin wohnenden englischen freund das jeton. wir verbrachten noch ca. eine halbe stunde vor besagtem etablissement, um auf die schotten/ schweden zu warten. ca. gegen 00.30 zahlten wir dann unseren eintritt, erhielten dafür die gelben armbänder, die zum zutritt der 3. etage und zum kostenlosen verzehr von getränken berechtigten.

wir machten uns also auf den weg zur bar, begrüßten bekannte, sagten hier und da hallo, und bestellten uns an der bar die ersten drinks. irgendwann kamen unsere ausländischen gäste, ich dolmetschte, beantwortete fragen, stellte leute einander vor etc..

gegen 01.30 dann der einsatz, der aus meiner sicht folgendermaßen ablief (bemerkung, ich hielt mich zu diesem zeitpunkt in der 2. etage im bereich vor de toiletten auf): mit dem ruf: ?alles auf den boden, ihr votzen!? stürmten vermummte einsatzkräfte die 2. etage. keiner wusste was los war, blankes entsetzen. wer die lage nicht erkannte und sich sofort hinschmiss, wurde sofort mit dem knüppel bearbeitet. es wurden keinerlei unterschiede gemacht zwischen männern und frauen, schmächtigen jugendlichen und kräftiger gebauten älteren semestern, kurz- und langhaarigen, tätowierten oder ?unbefleckten? bürgern, es war egal. alles lag auf dem boden - der teilweise übersät war mit scherben - in den lachen der verschütteten getränke. es gab auch nicht den geringsten versuch des widerstandes, nach maximal 30 sekunden lag alles und die ersten bekamen auch schon kabelbinder verpasst.

so lag man dann ca. eine stunde. auf anfragen, was das alles zu bedeuten hätte, bekam man entweder keine auskunft oder antworten wie: ?fresse halten, sonst kriegste richtig?, ?werdet ihr schon früh genug erfahren?, ?stell dich doch nicht dümmer, als du bist? etc. anfragen zu dienstnummern oder verantwortlichen wurden, unter höhnischem grinsen, mit ?110? oder ?polizeipräsident berlin? beantwortet. leuten, die auf dem bauch lagen, die hände auf dem rücken gefesselt, wurden als ?antwort? auf ihre fragen mit dem gesicht auf den boden geschlagen. nach ca. einer stunde durften dann einige leute, darunter auch ich aufstehen, man konnte sich umsetzen. mein hinweis an die beamten, dass wir ausländische gäste hätten, die keinerlei deutsch sprechen bzw. verstehen würden, das ich deren dolmetscher wäre und sie gerne informieren bzw. für sie übersetzen würde, wurden erst ignoriert, dann abgelehnt. ebenfalls ignoriert wurde mein hinweis, dass ich journalist sei und und mich auch als solcher ausweisen könne. nachdem ich irgendwann die ansage ?halt jetzt endlich das maul, sonst legen wir dich zusammen!?, gab ich auf. hin und wieder wurden leute von beamten zur toilette geführt, darunter auch eine, mir persönlich als union-fan (!) bekannte person, dessen eine gesichtshälfte eine einzige blutige masse war. überhaupt sah ich mehrere personen, die deutlich gezeichnet waren.

nach ca. 3 stunden (alle zeiten sind geschätzt) durften dann die frauen gehen. etwa zur gleichen zeit erschien die presse und begann, fotos zu machen (soviel mal zur in der ?bz? aufgestellten behauptung von ? 5 ½ stunden schlacht mit der polizei?, schon zeitlich völlig absurd). gegen 6 uhr wurden alle leute, die noch gelbe armbänder hatten, einzeln nach unten geführt. mir wurden im eingangsbereich des jeton alle persönlichen gegenstände (brieftasche, papiere, handy, wohnungs- und kfz-schlüssel etc.) abgenommen, ich wurde fotografiert, irgendwann in eine gefangenentransporter gesteckt. dann ging es zur keibelstraße, dort musste man in einen anderen transporter umsteigen, der dann nach tempelhof fuhr. insgesamt dauerte die prozedur ca. 2 stunden. nochmalige anfragen zum grund der verhaftung wurden lapidar mit ?gefahrenabwehr? und ?befehl des polizeipräsidenten? beantwortet, nachfragen zur art der ?gefahr? und was ich damit zu tun hätte, wurden ignoriert.

ca. gegen 08.00 (d.h. nach 2 stunden im gefangenentransporter, immer noch gefesselt!) waren wir dann in tempelhof. die leute wurden einzeln aus den knastwagen geholt, es gab die üblichen fragen zur person, man wurde (zum wiederholten mal) durchsucht, musste schnürsenkel und gürtel abgeben, kam dann, nach einem aufenthalt in einer einzelzelle, in eine große zelle, bei uns belegt mit ca. 15 leuten. in unserer zelle saß u.a. ein junger mann, offensichtlich nicht aus berlin, der im jeton mit freunden einen polterabend gefeiert hatte. da auch diese leute gelbe armbänder hatten, wurden sie wie wir bfcer kurzerhand einkassiert. die betreffenden person wusste nichts von einem ostberliner derby und hatte noch nie etwas von ?bfc? oder ?union? gehört!!!

die einsatzkräfte in tempelhof verhielten sich korrekt. wir durften rauchen, austreten gehen, es gab getränke und irgendwann auch essen. allerdings erhitzte sich die zelle im laufe des tages auf geschätzte 40 grad, die luft war wie in einer sauna, heiß, feucht, stickig. nach einigen stunden verlangte ich dann einen verantwortlichen zu sprechen, der mir auskunft über den grund meiner verhaftung geben könnte. erst hieß es: ?das erfahren sie von unserem vorgesetzten?, später dann. ?das erklärt ihnen der haftrichter?. weder den einen noch den anderen bekam ich je zu gesicht. nachfragen, wie lange wir in gewahrsam bleiben würden, wurden mit ?wissen wir nicht? beantwortet, bzw. es gab ansagen, die von ?2 stunden nach derbyende? bis ?ca. 21.00? reichten. der tenor der beamten vor ort war unisono: ?so was wie euch haben wir hier noch nie gesehen, kommt ihr aus dem krieg?!? mehrere beamte meinten mir gegenüber: ?lasst euch das auf keinen fall gefallen, erstattet anzeige!? ca. gegen 20.00 wurde wir dann entlassen, ohne je einem richter oder beamten vorgeführt worden zu sein. man bekam keine namen, kein schriftstück, dass den knapp 19-stündigen aufenthalt im polizeigewahrsam bestätigt oder begründet hätte. man bekam auch seine persönlichen gegenstände ausgehändigt, in meinem fall war allerdings der kfz-schlüssel verschwunden (das war zudem der zweitschlüssel, was bedeutet, dass der heutige tag für mich arbeitstechnisch fast ad acta gelegt werden kann, außerdem werde ich neue schlüssel anfertigen lassen müssen, und es besteht die gefahr, dass mein kfz umgesetzt wird/ wurde).

mein fazit: was ich gestern erlebt habe, hätte ich nie auch nur im entferntesten für möglich gehalten. dabei sind die schilderungen anderer betroffener noch deutlich dramatischer. so war zu hören, dass sich leute in die glasscherben legen mussten, und man ihnen die ärztliche behandlung verweigerte. einem bekannten mit tourette-syndrom (!) soll der gang zur toilette verwehrt worden sein, so dass er sich in die hosen machte. weiter wurde berichtet, dass eine schwangere frau (!!!) die treppe runtergeprügelt wurde, sie soll sich dabei den arm gebrochen haben, es gibt zig weitere augenzeugenberichte von leuten, die, obwohl schon gefesselt am boden liegend, massivst misshandelt wurden.

der einsatz war unglaublich brutal. das, was die beamten da ablieferten, stelle ich mir unter ?faschistischer soldateska? vor. mich erinnerte das an szenen, wie ich sie aus fernsehberichten über den putsch in chile in erinnerung habe, oder aus den schilderungen in walter jankas autobiographie (seine erlebnisse mit der stasi in den frühen 50ern) bzw. berichten aus der nazizeit kenne. mein englischer freund war früher als soldat in nordirland (!) stationiert - sein kommentar: ?so etwas habe ich noch nie gesehen, nicht mal annähernd!?

innerhalb eines tages habe ich jegliches vertrauen in unseren ?rechtstaat? und seine organe verloren. und wenn ich heute die presse lese (bz, tagesspiegel, berliner zeitung) wird mir kotzübel und ich schäme mich bis aufs blut für diese ?kollegen?. da wird gelogen, dass sich die balken biegen, werden leute, die völlig unschuldig opfer von extremster polizeiwillkür wurden, aufs übelste diffamiert und (bz) verhöhnt.

mein aufruf an alle betroffenen: lasst euch das nicht gefallen! wehrt euch, nehmt euch anwälte, klagt!!! diese nummer dürfen wir knape und seinen ?beamten? auf keinen fall durchgehen lassen.

ich selbst werde alle rechtsmittel nutzen, die ich habe, um die betreffenden personen zur verantwortung zu ziehen. hier geht es nicht um gewaltbereite fußballfans, sondern um grundlegende bürger- und menschenrechte, die vom staat mit füßen getreten wurden, und das kann und darf einfach nicht sein!

http://www.nordostfussball.de/forum/thread.php?threadid=11954
 

Tortenhuber

Meister vom Königlichen Gewölbe
10. April 2002
1.490
nunja, mit ähnlichen wenn auch nicht ganz so brutalen methoden wurde hier (dresden) am männertag gegen alles vorgegangen, was sich abends an der elbe noch geregt hatte. dass die krawalle da längst vorüber waren (zum zeitpunkt welcher sich die polizei schön fernhielt) interessierte niemandem. studenten die da abends noch am elbufer campierten wurden mit tränengas und knüppel bearbeitet und schon tagsüber kam es dazu, dass zum beispiel einem einfach herumstehenden bekannten von mir (der mit dem handy filmte) das teil aus der hand geknüppelt wurde.

achso, eine meinung hab ich noch vergessen: ich für meinen teil kann über solch rigerose übergriffe (siehe auch die technoparty, die jetzt erst in tschechien stattfinden sollte) nur den kopfschütteln, ziemlich bedenklich was für entwicklungen es hier gibt. eine dienstnummer wirst du da von keiner schildkröte kriegen ... von daher: narrenfreiheit. da ich noch nie ein freund von großveranstaltungen war, hab ich auch kein problem da mit solchen fernzubleiben, aber das kann ja wohl keine lösung sein.

interessant wäre noch, ob krawalle wirklich vermieden wurden.

PS: ich finde es sollte eher "180 Pauschalverdächtige festgenommen" oder so lauten
 

Sensoe

Geheimer Meister
8. Februar 2003
379
zu dem Bericht von Samhain

Die BFCer sind sicher für vieles bekannt,aber sicher nicht als auf Gewalt verzichtende Linke.. :lol:
Ich will den Polizeieinsatz nicht verteidigen (ich war schließlich nicht dabei),aber ich glaube nicht dass die BFCer sich nicht gewehrt haben.
"Die Wahrheit" wird wohl irgendwo zwischen "BZ" und "Augenzeuge" liegen.

Schaut man sich allerdings die "Tradition" der Duelle zwischen BFC und Union Berlin an,kann man solche Maßnahmen (damit meine ich die präventiven Verhaftungen) seitens der Polizei sogar verstehen,was da teilweise ablief war schon mehr als heftig und steht Spielen (besser deren 3.Halbzeit) wie Ajax - Feyenoord in nix nach.
 

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
wie sich die bilder doch gleichen:

Verschärftes Tanzverbot in Utah

Woodstock ist für immer Hippie-Vergangenheit: Raveparty mit Anti-Terror-Kommandos geräumt

Zwar mag es auf Freiluft-Tanzveranstaltungen und in Diskotheken auch mal unerwünschte Drogen geben, doch sie sind eine friedliche und legale Veranstaltung. Nicht umsonst hieß Deutschlands größte Freiluft-Tanzmusikveranstaltung "Love-Parade". Doch mit dem Polizeieinsatz gegen tschechische Technofans ("Keine tanzenden Kinder") scheinen alle Dämme zu brechen: Hubschrauber, Tränengas, Maschinen- und Sturmgewehre, Sondereinschutzkommandos hinter Schutzschilden, sogar Panzer wurden gesehen. Und derartige Ereingnisse sind nun auch in den USA und Berlin angesagt.

Dabei ist es heutzutage weit ungefährlicher, im Gefängnis eine Party zu feiern, als beispielsweise in der Berliner Diskothek Jeton. Auf der Suche nach Fußball-Hooligans und Fußballfans, die in einem Raum der Diskothek eine Privatparty feiern wollten, stürmte am letzten Samstag, den 20. August 2005 um 1.30 Uhr morgens ein Sondereinsatzkommando der Polizei mit 300 Beamten in die Discothek.


158 Personen, darunter auch ein Journalist wurden vorbeugend fast 24 Stunden lang festgesetzt; erst wurden sie auf dem Boden in der Discothek niedergeknüppelt, ohne die Toilette aufsuchen zu dürfen, bis sich genügend in die Hose gemacht hatten, dann ging es im Einsatzwagen und Polizeipräsidium weiter, wobei dort unbeteiligte Polizisten den Betroffenen empfahlen, später gegen diese Behandlung Anzeige zu erstatten.


Sondereinsatzkommando in der Diskothek


Fußballfans gab es sehr wohl unter den Niedergeprügelten und Festgenommenen, doch nur wenige Hooligans. Zudem wurden etliche ganz normale Gäste der Diskothek ebenfalls erkennungsdienstlich behandelt und verletzt. Die Diskothek sah sich sogar Vorwürfen ausgesetzt, die Polizei angefordert zu haben und hat nun neben Beschädigungen am Inventar mit einen massiven Imageverlust zu kämpfen.


Nun sind Fußball-Hooligans nicht ohne und ein Einsatz dieser Art deshalb prinzipiell noch irgendwo nachvollziehbar, auch wenn er hier eindeutig am falschen Ort stattfand und die falschen Leute mit einbezog ? solche Überfälle hätte man eher den Hooligans zugetraut als ihren Gegnern. In Amerika ist man dagegen noch einen Schritt weiter und will an solchen Hippiekrams wie Woodstock heute tunlichst nicht mehr erinnert werden. In Salt Lake City in Utah regieren die Mormonen, bei denen man zwar mehr als eine Frau haben darf, andere Freuden aber eher unerwünscht sind. Als da beispielsweise sind: Raveparties.


Eine solche war in derselben Nacht am 20. August 2005 im Spanish Fork Canyon nahe Salt Lake City, Utah angesetzt. Doch um 23.30 Uhr stürmte ein mit Maschinenpistolen, Tarnuniformen und Masken ausgestattetes Kommando von 90 Beamten regulärer Polizei- und Spezialeinheiten (SWAT) unterstützt von Hubschraubern den Rave Versus 2 und erklärte die Veranstaltung für aufgelöst. Die Musik wurde auf Anweisung sofort abgestellt, die Anwesenden (Zahlenangaben laut Polizei 1000, laut Veranstalter 3000) wurden aufgefordert, das Gelände unverzüglich zu verlassen. ..

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20795/1.html

der bürger als feind, unter generalverdacht (er könnte sich ja irgendwann was zuschulden kommen lassen...da gilt es präventiv den riegel vorzuschieben), gegen den es mittels überwachung und- wenn zur falschen zeit am "falschen" ort, polizeilicher willkür vorzugehen. ist nichts neues, nur werden in zukunft wesentlich mehr, als nur die üblichen verdächtigen diese erfahrung machen. das vorhaben, die bundeswehr im innern einzusetzen, die angestrebte wiedervereinigung von polizei und geheimdiensten... zeigt wohin die reise geht.
 

Tortenhuber

Meister vom Königlichen Gewölbe
10. April 2002
1.490
@ sensoe:

dies rechtfertigt aber noch lange nicht, dass unbeteiligte da ebenfalls mit eingeknastet werden. für derartige probleme gibt es auch andere lösung, wegen den dynamoprüglern wurde zum beispiel schonmal von der stadt die stehplatzzahl im stadion diktiert, bis sich die manieren wieder gebessert haben.
aber ich verstehe dein argument, auch auf der anderen seite hat man es mit leuten zu tun, die sich wohl im bürgerkrieg wohl fühlen. ausschreitungen wie nach einigen fußballspielen, wo die "fans" von den grünen zum bahnhof "geleitet" (bzw gekeilt) werden müssen sind einfach jenseits von vernunft und verstand.

in dem zusammenhang stellt sich die frage, ob in den letzten jahren eine gesteigerte gewaltbereitschaft zu verzeichnen ist und natürlich (falls ja) nach der ursache. ob sich vlt so die unzufriedenheit über soziale mißstände entlädt?

@ samhain:

nun ziehe man zu den betrachtungen noch den thread Hooligans soll Versicherungsschutz entzogen werden hinzu und wir haben unschuldige die ihre behandlung selber bezahlen müssen. sehr feine sache.
 

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
@Sensoe

ich werde hier bestimmt nicht partei für gewaltgeile hooligans ergreifen, aber die geschilderten ereignisse (und ich kenne soetwas aus anderen zusammenhängen...ist also nicht übertrieben) lassen sich einfach nicht mit einem angeblichen rechtsstaat unter einen hut bringen. da ist auch reine schikane und machtgeilheit am werk.
 

Sensoe

Geheimer Meister
8. Februar 2003
379
hier nochmal nen Taz-Bericht zum BFC Dynamo und seinen "Fans" (auf den Vorfall um den es hier geht wird leider nur kurz eingegangen),der war übrigens auch bei Indymedia verlinkt :wink:

http://www.taz.de/pt/2005/08/23/a0192.nf/text.ges,1


Edit:
@Samhain

Ich will die Vorgehensweise der Polizei auch nicht gutheissen.
Nur frag ich mich wie man solchen Grüppchen Herr werden will?
Dass da Polizisten ihren Job "ein wenig ernst genommen haben" steht für mich ebenfalls außer Frage.
Aber weinen kann ich da nicht wirklich drüber,okay,vielleicht tu ichs wenns mich mal bei soner PolizeiAktion trifft... :roll:
 

Mother_Shabubu

Geheimer Sekretär
3. Juli 2003
622
Hier eine Kopie des Durchsuchungsbefehls.
Wenn den Polizisten in etwa das gesagt wurde, was da drin steht, dann kann ich schon verstehen, daß sie da nicht wie in einen Kindergeburtstag reingehen. Wenn sie in so einem Fall aber erkennen, daß die Schilderungen überzogen waren, sollten sie aber auch versuchen, die gesuchten Leute rauszufischen und nicht noch andere schikanieren.
 

Aphorismus

Ritter vom Osten und Westen
22. Dezember 2004
2.466
Samhains Quelle schrieb:
Der Großeinsatz mit etwa 300 Beamten hatte gegen 1.30 Uhr in der Diskothek "Jeton" an der Frankfurter Allee im Bezirk Friedrichshain begonnen, wo mehr als 200 Fans des BFC Dynamo versammelt waren. Die Diskothek sei als "Treffpunkt gewaltbereiter Fußballfans des BFC Dynamo" und Hooligans bekannt, hieß es bei der Polizei.

Da wissen die mehr als ich, und ich habe über ein Jahr 150 m Luftlinie von besagter - zugegeben ziemlich asiger - Disco gewohnt... Kann trotzdem alles gut sein, aber wenn ich mir die Kneipen 500 m weiter hinter der Grenze nach Lichtenberg angucke, in denen sich Leute mit Hakenkreuz- und Rudolf-Hess-Tätowierungen die Klinke in die Hand geben frage ich mich trotzdem, was da in Sachen Prioritätensetzung geht...

OT: Wie heisst eigentlich dieser Verein, der im oder in der Nähe vom Victoria-Park spielt? Von den Fans (auch Berge, ich schätze knapp 150) hätte ich mal nach`m Spiel ohne Hilfe der Grünen gut was auf die Nase gekriegt.
 

vonderOder

Auserwählter Meister der Neun
24. November 2004
934
interessant liest sich auch was die "Junge Welt" dazu schrieb.

http://www.jungewelt.de/2005/08-22/027.php
http://www.jungewelt.de/2005/08-23/027.php

so kann man es aber auch sehen
Pressemeldung
Eingabe: 22.08.2005 - 14:45 Uhr
Einsatz gegen Fußballhooligans - 158 Personen in Polizeigewahrsam
Friedrichshain-Kreuzberg

# 1516

Nach dem Einsatz gegen Fußballhooligans vom vergangenen Wochenende in einer Diskothek in Friedrichshain sind gestern insgesamt 158 Personen in Polizeigewahrsam genommen worden.

Zuvor waren, wie berichtet, 188 Personen in den Räumen der Diskothek näher überprüft worden. Alle zählen nach Erkenntnissen der Polizei zum engeren Kreis der als gewaltbereit bekannten Hooligan-Szene. Fünf Personen wurden einem Richter vorgeführt, der gegen alle ein Anschlussgewahrsam verhängte, sogar über die von der Polizei beantragte Dauer hinaus. Ab 18 Uhr wurden die Festgenommenen entlassen.

Dem Einsatz gegen die Hooligans lag ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss zugrunde. Die Polizei hatte Erkenntnisse, wonach die hochgradig gewaltbereiten Personen während des Treffens Straftaten verabreden wollten, um diese im Anschluss an die Feier auch zu begehen. Es sollten bereits ab dem Morgen des Sonntages gezielt körperliche Konfrontationen mit Anhängern des 1. FC Union bzw. mit der Polizei gesucht werden.

Die zum Teil der Türsteherszene zuzuordnenden Mitglieder dieses Personenkreises sind erfahrungsgemäß besonders gewalttätig und besitzen Erfahrungen in Kampfsportarten. Um jegliche Widerstandsgedanken im Keim zu ersticken, war ein entschlossener und konsequenter Polizeieinsatz notwendig.
und noch mals die Polizei
Eingabe: 22.08.2005 - 16:05 Uhr
Polizeipräsident bewertet Einsätze positiv - Gesprächbereitschaft signalisiert
Tempelhof-Schöneberg
# 1517

Die Berliner Polizei hat nach Ansicht ihres Präsidenten Dieter Glietsch die Einsätze rund um das Fußballspiel 1.FC Union gegen BFC Dynamo gut bewältigt.

„ Die Berliner Polizei hat am Wochenende deutlich gemacht, dass sie alle ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen und einsatztaktischen Möglichkeiten ausschöpft, um organisierte Gewalt bei Sportveranstaltungen möglichst schon im Vorfeld zu unterbinden“,
betonte Glietsch am Nachmittag im Präsidium.

Gleichzeitig hofft der Polizeipräsident, dass dieses Signal nicht nur in der Szene gehört werde, sondern auch bei dem Verein, für den sich diese Szene stark macht.
„Ich erwarte von jeder Vereinsführung, auch von der des BFC Dynamo, dass sie sich nicht mit Gewalttätern solidarisiert, sondern mit der Polizei kooperiert. Mit diesem Ziel werden wir das Gespräch mit der Vereinsführung suchen“,
sagte der Präsident.
http://www.berlin.de/polizei/presse-fahndung/presse.html

und das "Neue Deutschland"
26.08.05
Anzeigenflut gegen die Polizei
Fan-Beauftragter des BFC sagt im Innenausschuss aus / Kripo ermittelt gegen Einsatzkräfte
Die brutale Polizei-Gewalt gegen vermeintliche Hooligans beim Einsatz in der Diskothek »Jeton« in der Frankfurter Allee war vielen Besuchern eines Friedrichshainer Lokals am Mittwochabend noch anzusehen. Etliche der rund 100 Frauen und Männer kamen mit Nasenbeinbrüchen, blau geprügelten Augen und genähten Platzwunden zu der internen Veranstaltung. Hier haben gleichermaßen geschädigte Fußball-Fans und normale Disco-Besucher ihre weitere Vorgehensweise besprochen.
»Es geht nur um die Wahrheit. Wir wollen wissen, warum dieser Polizeieinsatz stattgefunden hat. Uns interessieren auch die vielen Widersprüche«, sagte Rainer L. Der Fan-Beauftragte des BFC Dynamo wurde inzwischen von Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen, angerufen. Eine Einladung für den Innenausschuss des Abgeordnetenhauses an den Ex-Hooligan, der sich eigenen Worten zufolge seit 15 Jahren nichts mehr zu Schulden kommen lässt, ist unterwegs. Rainer L., der während der Razzia drei Stunden lang an den Armen gefesselt auf dem Fußboden liegen musste, will am Montag aussagen.
Die bislang offiziell zugegebene Zahl von 40 Anzeigen gegen Polizeibeamte hält Rechtsanwalt Rene Lau für reichlich untertrieben. »Zusammen mit den Mandanten, die Kollegen von mir betreuen, dürften bislang bis zu 100 Anzeigen erstattet worden sein. Diese Ziffer wird vermutlich noch steigen«, meinte der dem BFC nahe stehende Anwalt, Bruder des Dynamo-Stürmers Hendryk...
mehr unter:
http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=77052&IDC=5
 

vonderOder

Auserwählter Meister der Neun
24. November 2004
934
In Halle fand beim Spiel HFC - Halberstadt eine Aktion
gegen Polizeigewalt statt.



http://www.hfc-fanatics.de/index.ph...d=55&page=view&catid=185&PageNo=1&key=0&hit=1
 

vonderOder

Auserwählter Meister der Neun
24. November 2004
934
http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/berlin/92510.html

Der Polizeieinsatz im "Jeton": Blut fließt über den Kopf eines Besuchers.
(Foto: Lier/Berliner Morgenpost)

Polizei entschuldigt sich für Hooligan-Haue.
SEK-EINSATZ Unschuldige verletzt, 77 Anzeigen gegen beteiligte Beamten.


http://www.netzeitung.de/sport/354459.html
Berliner Polizist des Verrats verdächtigt

Ein Berliner Kriminalbeamter hat möglicherweise Polizeieinsätze gegen Hooligans an die Szene verraten. Der Fall des Mannes werde untersucht, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch am Dienstag. Der Polizist hatte in der Ermittlungsgruppe Hooligans des Landeskriminalamtes mitgearbeitet. Er sei weiter im Polizeidienst, gehöre aber nicht mehr dem Team an.
 

vonderOder

Auserwählter Meister der Neun
24. November 2004
934
Lazarus schrieb:
vonderOder schrieb:
In Halle fand beim Spiel HFC - Halberstadt eine Aktion
gegen Polizeigewalt statt.

schlechter fake

wenn einer sein sollte, beschwerde bitte an den macher der seite und des bildes.


aus dem text der seite http://www.hfc-fanatics.de/index.php?opt...o=1&key=0&hit=1
Zum heutigen Spiel gab es zuerst keine Chemie-Halle Aktion, denn die Fans wollten auf diverse Mißstände hinweisen. In Block 9 und 10 wurden 500 "STOP" Flyer verteilt. Dazu gab es die Transpi's "Stoppt Polizeigewalt - Polizeiwillkür" und "Wenn Recht zu Unrecht wird - wird Widerstand zur Pflicht".
 

vonderOder

Auserwählter Meister der Neun
24. November 2004
934
und hier noch was:
Knüppel und Hysterie
In Berlin und Hamburg zeigte die Polizei Gesicht
Von Martin Müller-Mertens

In Berlin drangen vermummte SEK-Beamte in der Nacht auf Sonntag vergangener Woche in die Diskothek Jeton ein, schlugen die Einrichtung kurz und klein, sowie die mehreren Hundert anwesenden Gäste wahllos zusammen. Als Grund gab die Behörde die Anwesenheit angeblicher gewaltsuchender Hooligans an... Inzwischen liegen 77 Strafanzeigen gegen die Polizei vor, darunter gegen Berlins berüchtigten Polizeidirektor Michael Knape, der während der Mißhandlungen anwesend gewesen sein soll. Selbst der bürgerlichen Berliner Presse, die sonst jedes Vorgehen gegen wirkliche oder vermeintliche BFC-Anhänger begrüßt, war der Übergriff zu viel. Vom „Prügeltanz“, bei dem das Blut über den Kopf floß, schrieb etwa der „Kurier“.

Nicht viel anders in Hamburg, wo die Behörden in der vergangenen Woche eine allgemeine Terrorismushysterie entfachten. Dabei war die ganze Angelegenheit recht mysteriös.

Zweifellos gibt es da Zusammenhänge. Die Gesellschaft wird auf Angst und Furcht eingestellt, was noch immer die probatesten Mittel zum Machterhalt waren, wenn das Korrumpieren mittels des Lebensstandards absehbar nicht mehr funktionierte. Sündenböcke werden gesucht und gefunden.

Hinzu kommt eine frustrierte Polizei mit keinem besonderen Ansehen in der Öffentlichkeit, Überstunden und auch nicht sonderlich gut bezahlt. Die Berliner SEK-Beamten, so heißt es, seien erst kurz vor der nächtlichen Sonderschicht informiert worden und tobten sich schließlich an den vermeintlich Schuldigen aus. Das ist zwar keine große Intelligenzleistung, aber so läuft es nun mal.

So macht der Staat sich abwehrbereit gegen seine sich auflösende Gesellschaft. Das haben jene, die es nun betreiben, übrigens immer angekündigt für den Fall, daß es nicht mehr anders geht. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: ein Polizeistaat ist das noch nicht. Aber wir sind auf dem Weg dorthin.

komplett nachzulesen unter: http://www.rbi-aktuell.de/cms/front_content.php?client=1&lang=1&idcat=5&idart=1776
 

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