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"Keine Macht für Niemand" und Nietzsche...

Was bedeutet "Keine Macht für Niemand"?

  • (Alle) Macht für jemand/alle!

    Stimmen: 0 0,0%
  • (Mehr) Macht für alle!

    Stimmen: 0 0,0%
  • Gleiche Macht für alle!

    Stimmen: 0 0,0%
  • Was für eine besch*** Umfrage...

    Stimmen: 0 0,0%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    28

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Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
Anarchie zum Zweiten.
Inspiriert von Zoras Website, TonSteineScherben sowie meiner ganz persönlichen Entdeckung der PN-Funktion, hab ich mich ein wenig im Netz umgesehen, was bisher dazu geschrieben wurde. Gleich eine der ersten Seiten weckte mein Interesse: Eine kurze, bescheidene Auseinandersetzung mit Nietzsche, in der "Keine Macht für Niemand" als typischer Ausspruch gemäß der Denkweise der "Sklavenmenschen" gewertet wird.

http://www.ngfg.com/texte/nv041.htm

Die Definition der "Sklavenmenschen" ist weniger das Problem, doch bei den Herrenmeschen bleiben einige Fragen offen:
Fügen sie sich in die Hierarchie ein oder streben sie unabdinglich zur Macht? Bedeutet "Herrenmensch"
- willkürliche Ausübung und Aneignung von Macht? oder
- Selbstsicherheit, Macht bei Notwendigkeit auszuüben, ohne diese um ihrer Selbst willen auszuüben?

Mit diesem Sujet im Hinterkopf könnte man sich nun dem Spruch "Keine Macht für Niemand" zuwenden:
[Negation] Macht für [Negation] jemand: Macht für jemand!
-> (Alle) Macht für [einen] jemand! als Forderung eies totalitär-diktatorischen Staates
-> (Alle) Macht für jemand/alle [einer exemplarisch für jeden einzelnen]! als basisdemokratische oder anarchistische Forderung
-> (Mehr) Macht für Alle! als einfache demokratische Forderung


Also:
1. Aus dem Ideal des anpassungsfähigen, sich-selbst-moderierenden Herrenmenschen heraus lässt sich die "Keine Macht für Niemand"- Forderung als "Alle Macht für alle" interpretieren, die mögliche Parole eines "Anarchismus der Herrenmenschen".
2. Aus dem Ideal des unbedingt-nach-Macht-strebenden Herrenmenschen würde entweder ein gesetzlich-moderierter, oder ein im negativen Sinne anarchischer Konkurrenzkampf folgen. "KMFN" wäre ein schwachsinniger, bedeutungsloser Spruch, da jeder versucht, möglichst viel Macht an sich zu reissen.
(Bei diesen Überlegungen gehe ich nicht von einer Herren-Sklaven-Gesellschaft aus, sondern einer, die gleichmäßig auf das individuelle Erreichen des "Herrenmensch"-Stadiums hinarbeitet.)

Worauf ich hinaus will?
"Keine Macht für Niemand" ist KEIN schwachsinniger Spruch, der allerhöchstens noch als halbgares Paradoxon Verwendung findet, sondern viel eher eine hochaktuelle Forderung für die Zukunft des ("Herren-") Menschen:
Alle Macht für Alle = Keine Macht für Niemand = Gleiche Macht für alle.
Achtung, das soll keine Nivellierung sein, sondern eine Forderung -
Ein Herrenmensch muss vor allem das zweite Prinzip begreifen.
:arrow: Eine Gesellschaft, die Egoismus seiner selbst willen forciert und kultiviert, fördert eben das Gedeihen von manisch-machtgeilen Pseudo-Herrenmenschen, die wiederum Sklavenmenschen als Unterste der Hierarchien benötigen - nicht das der wirklich machtBEWUSSTEN, pragmatisch-selbst-moderierten Herrenmenschen.

Soviel fürs erste von meiner Seite,
peace
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Kaisar

Geheimer Meister
23. Februar 2003
258
Interessante Theorie.

Aber würde es die Sklavenmenschen nicht zutiefst enttäuschen, dass niemand mehr bereit ist Macht über sie auszuüben ?

Oder würde sich das Sklavenmenschentum umorientieren und im engeren persönlichen Umfeld nach Führungspersonen umsehen ? (Lebensgefährtin oder enge Freunde)


Übrigens:

-->Ist nicht Nietzsche ein krasser Wiederspruch zu jedem Anarchisten ?
Nietzsche setzt doch Macht ( absolute Macht über andere) als höchstes Ideal, während der Anarchismus Freiheit (absolute Macht über sich selbst) als höchstes Ideal einstuft.
 

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Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
Kaisar schrieb:
-->Ist nicht Nietzsche ein krasser Wiederspruch zu jedem Anarchisten ?Nietzsche setzt doch Macht ( absolute Macht über andere) als höchstes Ideal, während der Anarchismus Freiheit (absolute Macht über sich selbst) als höchstes Ideal einstuft.
Auch Nietzsches Philosophie ist nur geistesgeschichtlich zu verstehen, für mich persönlich ist er vor allem interessant aufgrund seiner analytischen (falls dieser Ausdruck bei einer derart polemischen Sprachverwendung überhaupt anwendbar ist...) Gedanken und Untersuchungen bezüglich der Moral (zb. die Genealogie, aber auch der Zarathustra, der meiner Meinung nach auch zynisch-überspitzte Töne enthält).
In meinem vorherigen Post wollte ich nicht Nietzsche einen Hang zum anarchistischen Denken der Moderne unterstellen, sondern eine (mögliche) Verbindung des Freiheitsideals der Anarchisten mit dem - nicht abstreitbaren - "Willen zur Macht" bzw. dessen moderierter Form (moderiertes, angepasst-konstruktives Machtbewusstsein) untersuchen.
Platt formuliert vielleicht: Was können die Herrenmenschen von ihren Sklaven lernen? oder:
Die individuelle Synthese von Freiheitdrang und Machtbewusstsein (im obigen positiv- konstruktiven Sinn) als anarchistisch-nietzscheanisches Ideal?

Die Frage nach den Sklavenmenschen ist auch eine interessante:
Vorstellbar wären vielleicht Sklaven-Herrenmensch-Umerziehungslager :roll:

peace
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Iadom

Geheimer Meister
20. Oktober 2002
108
ist es letztendlich auch so, dass macht über andere primär macht über seiner selbst voraussetzt?
wenn ich nicht macht über meiner selbst habe, wie kann ich dann sicher sein, dass die macht, die ich auf andere ausübe, nicht die eigentliche macht dessen ist, was macht über mich hat?

wenn nun alle menschen nach macht-über-andere streben würden, müssten sie zuvor über die Macht-über-meiner/ihrer-selbst. sind hier alle menschen angelangt, fällt der zweite schritt aus, weil keiner mehr für fremdbestimmung anfällig ist.
einige menschen (wohl oft als anarchisten oder auch aufklärer bezeichnet) streben eben allein nach der Macht-über-meiner/ihrer-selbst und sind für die wenigen, welche nach der Macht-über-andere streben, schwer bis nicht zu greifen. hinzukommt hier, dass sie die machtlosen (also die, welche keine macht-über-sich-selbst habe und somit von anderen fremdbestimmt werden) auf eben diese ebene heben wollen. sie benutzen also ganz richtig ihre fähigkeit zur macht-über-andere, um sie auf die ebene der macht-über-sich-selbst zu hiefen, allein aber, um sie hier angelangt eigener wege gehen zu lassen.
what ever... wird im komplex wohl etwas mehr... ist ja letztendlich ein ewiger kreislauf, weil es jene und jene immer wieder geben wird, solang kinder auf die welt kommen, die zwangsläufig unter dem diktat der eltern stehen.
trinität: herrschaft-sklaverei und dazwischen die freiheit der wahl zwischen beiden, wenn man/frau denn so frei ist... vater-sohn-heiliger geist
muss reichen oder fragen....

"ich bin nicht knecht, ich bin nicht herr - jupiter - ich bin meine freiheit." sartre, die fliegen


axo ... "alle macht für alle" und "gleiche macht für alle" sollte letztendlich schon das gleiche sein, weil eben "alle macht für alle" zum einen eben bedeutet, dass alle die gleiche menge macht haben, nämlich alle macht.
zum anderen ist alle macht zu besitzen für menschen nicht möglich, ebenso wenig wir absolut keine macht zu besitzen, denn allein die physische existenz ermöglicht ja zum beispiel einen gewissen raum einzunehmen oder auf den gegenüber zum beispiel visuelle, akkustische reize auszuüben. somit hat der machtlose zumindest diese macht, welche dem vermeintlich allmächtigen zwangsläufig fehlt.
- von gottheiten mal bitte abgesehen. und entschuldigt bitte die männlichkeitsformen (der machtlose, der allmächtige etc.). mag diesen latenten sexismus absolut nicht, aber es ist recht aufwendig, dies zu bedenken und dementsprechend zu handeln, schreiben, sprechen, denken etc.
der gottheit kinder sind lucifer und buddha. beide sie sind ein-und-das-selbe
wesen und bezeichnen letztendlich (nur) eine handlung/metamorphose.
der gottheit gebote sind empfehlungen. lucifer wendet sich ab, prüft sie. buddha erkennt und kehrt zurück. beide sind und bleiben teile der gottheit. beide können ohne das andere nicht sein. beide sind oder sind nicht. und sind sie oder sind sie nicht, so ist die gottheit oder ist sie nicht.
alles ist absolute bewegung und absoluter stillstand zugleich.
 

Iadom

Geheimer Meister
20. Oktober 2002
108
axo ... den hier bitte mal rausschmeißen, geändert, oben eigefügt... mir fehlt das löschen-X. bittebittebitte. danke
 

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
Iadom schrieb:
einige menschen (wohl oft als anarchisten oder auch aufklärer bezeichnet) streben eben allein nach der Macht-über-meiner/ihrer-selbst und sind für die wenigen, welche nach der Macht-über-andere streben, schwer bis nicht zu greifen. hinzukommt hier, dass sie die machtlosen (also die, welche keine macht-über-sich-selbst habe und somit von anderen fremdbestimmt werden) auf eben diese ebene heben wollen.
Als Gegenkonzept zur Sklaven-/Herrenmenschen- Einteilung Nietzsches, ähnelt das meiner zusätzlichen Aufspaltung der "Herrenmenschen".
Für die dritte Gruppe sollten wir vielleicht so langsam einen Begriff einführen, wir übertreffen uns gegenseitig an möglichst-präzis-sein-wollenden Umschreibungen :wink:
 

Iadom

Geheimer Meister
20. Oktober 2002
108
vielleicht sind dies die von nietzsche gemeinten übermenschen? wer weiß schon außer freund friedrich selbst. jedenfalls scheinen sie aber doch außerhalb dieser geschichte Sklaven-herren-krieg zu stehen, versuchen diesen konflikt zu lösen.
vielleicht die einzig freien menschen?

vielleicht ist selbst die macht über mich eigentlich die macht eines anderen dinges über mich?

sorry... frei natürlich in "" (anführungsstrichen), weil, was ist schon frei?




-schmeißt mal bitte wer mein vorheriges posting raus, weil hab's ja in das DAVOR eingefügt. leider fehlt es beim letzten am "löschen"-x. dank wemauchimmer
 

hives

Ritter Rosenkreuzer
20. März 2003
2.603
Iadom schrieb:
jedenfalls scheinen sie aber doch außerhalb dieser geschichte Sklaven-herren-krieg zu stehen, versuchen diesen konflikt zu lösen.
vielleicht die einzig freien menschen?

Ja, was ist schon "frei". Nach der Rezeption der Libet- Experimente wird die Existenz eines "freien Willens" imho immer unwahrscheinlicher - auch wenn verschiedene Wissenschaftler ein "letztes Veto" retten wollen...

http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=151370
http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=157567

Vielleicht wäre "Menschen" im Gegensatz zu Sklaven- und Herrenmenschen die einzig sinnvolle Umschreibung :wink:
 
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