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Ist Toleranz nötig?

milktoast

Geheimer Meister
1. Dezember 2002
201
Ist Toleranz gut?

Was ist Toleranz eigentlich?

To|le|ranz die; -, -en <aus lat. tolerantia «Ertragen, Geduld» zu tolerare, vgl. tolerieren >: 1. (ohne Plur.) das Tolerantsein (1), Entgegenkommen; Duldung, Duldsamkeit; Ggs. Intoleranz (1). 2. begrenzte Widerstandsfähigkeit des Organismus (1) gegenüber schädlichen äußeren Einwirkungen, bes. gegenüber Giftstoffen od. Strahlen (Med.); Ggs. Intoleranz (2). 3. (in der Fertigung entstandene) Differenz zwischen der angestrebten Norm u. den tatsächlichen Maßen eines Werkstücks (Techn.).
Quelle: DUDEN - Das große Fremdwörterbuch

Ich weiß nicht ob es angebracht ist z.B. einen Rassisten zu mehr Toleranz zu ermahnen. Denn eigentlich ist Toleranz ja etwas anderes als Akzeptanz. Wenn ich jetzt einen Ausländer und sein Verhalten toleriere, heißt das nicht eigentlich das ich nicht mit dem einverstanden bin was er ist und was er tut? Ich bin nur so gnädig ihn zu dulden.
Muss man eigentlich überhaupt irgendwas tolerieren? Wenn mir etwas zu wieder ist warum soll ich dann Tolerant sein? Kann ich denn nicht einfach nach dem Leben was ich glaube? Muss man denn immer Kompromisse machen?

Ist nicht das eigentliche Problem das Denken von uns allen, das die Toleranz erst nötig macht. Wäre Toleranz nicht überflüssig wenn wir mehr über uns selbst und andere reflektieren würden.

Ich bin nicht tolerant anderen gegenüber.
Ich toleriere keine Homosexuellen, das sind ganz normale Leute mit anderer Sexueller Ausrichtung, die stören mich nicht.
Ich toleriere keine Ausländer die sind genau wie ich und die anderen Deutschen.
Ich toleriere keinen Faschismus, der kotzt mich an.
...

Ich persönlich würde mich beleidigt fühlen, wenn man mich nicht anerkennt sondern nur toleriert oder duldet.

Oder wäre es vielleicht doch angebracht ab und zu Tolerant zu sein?

cu milktoast
 

milktoast

Geheimer Meister
1. Dezember 2002
201
Das mit der Vorübergehenden Ansicht von Goethe ist ein guter Ansatz.
Aber der Punkt ist doch das wenn ich etwas nicht kenne, ich auch keine Meinung dazu habe (mir gehts zumindest so).
Es kann also schlecht sein das ich zu etwas keine Meinung habe und es dann toleriere, es ist mir dann schlicht und ergreifend fremd. Wenn ich dann ne Meinung habe, ist sie ja da und die Toleranz wieder überflüssig.
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
Die Toleranz wird dann nötig, wenn du eine schlechte Meinung von etwas hast, weil du ja dein Denken nicht als Maßstab für andere nutzen willst, oder?
 

milktoast

Geheimer Meister
1. Dezember 2002
201
@deLaval
Was wenn nicht mein Denken soll ich dann als Masstab nehmen?
Bzw. kann ich dann überhaupt urteilen. Steht es mir allgemein überhaupt zu einen Standpunkt zu haben? Oder gibt es da dann Ausnahmen, so das ich zu bestimmten Dingen dann doch einen Standpunkt haben kann und diesen dann auch bar jeglicher Toleranz vertreten kann?
 

Eingeweihter

Geheimer Meister
24. April 2003
337
Hallo milktoast,
ich finde, Dein Posting beinhaltet sehr viel nachdenkenswertes in Bezug auf die Art und Weise, wie wir den Begriff "Toleranz" so im allgemeinen benutzen...
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
@Mliktoast

wenn du das eigene Denken zum Maßstab deiner Taten machst, und Toleranz gegenüber dingen zu denen du eine schlechte Meinung hast ablehnst, rechtfertigt dieser Gedanke jede Form von z.B. Faschismus. Sicher kannst du jetzt sagen, "die sind aber voreingenommen..." merkst du was.
Das ist einer von den Vielen Punkten an dem es keine Universallösung gibt. Ich glaube deshalb haben die auch Sprüche wie, "richtet nicht, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet," oder "Liebet Eure Feinde" in die Bibel geschrieben. Und ich mag eigentlich keine Katholen :wink:
 

cosmo

Geselle
8. Januar 2003
23
Höchstens als Letzter Ausweg...

Es ist richtig - im Wort "Toleranz" steckt eigentlich was negatives. Ich strebe auch danach, mit niemandem Toleranz üben zu müssen, weil ich jeden akzeptieren will. Das klappt aber nicht immer auf Anhieb. Schließlich sind wir alle Menschen und haben ab und zu mit Gefühlen zu kämpfen. Und so lange ich jemanden noch nicht akzeptieren kann, nehme ich gerne die Toleranz als "Notlösung" her. Immer mit dem Ziel, diese Toleranz schließlich in Akzeptanz umwandeln zu können.
 

milktoast

Geheimer Meister
1. Dezember 2002
201
@deLaval
wenn du das eigene Denken zum Maßstab deiner Taten machst, und Toleranz gegenüber dingen zu denen du eine schlechte Meinung hast ablehnst, rechtfertigt dieser Gedanke jede Form von z.B. Faschismus.
Das sagst jetzt du. Ich bin nicht der Meinung das Toleranz irgendetwas am Faschismus ändert. Auch ein toleranter Faschist ist ein Faschist. Da gilt es anzusetzen.
In dem du dich damit zufrieden gibst das der Faschist die "Untermenschen" toleriert, tolerierst du im Gegenzug nicht dadurch auch seine krankhafte Weltanschauung?

Ist es nicht so das die jenigen die Toleranz predigen eben diese genau so wenig an den Tag legen wie die jenigen die sich eh nicht darum scheren?
Ist man nicht intolerant gegenüber der Intoleranz?

"Liebet Eure Feinde"
Das klingt für mich nicht nach Toleranz. Da steht nicht dulde deine Feinde. Da steht Liebet und lieben ist etwas vollkommen anderes als tolerieren.
Der Spruch sagt für mich das man seinen freinden entgegenkommen und seine Gefühle ihm gegenüber auf ein "besseres" Level bringen soll.
Wenn ich jemanden liebe ist Toleranz unnötig.

"richtet nicht, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet,"
naja das liest sich in einem Glaubensgesetzbuch irgendwie komisch. Nur die Frage die ich schon vorhin gestellt habe ist, wenn ich nicht richten darf wie soll ich dann einen Standpunkt haben?

Ich glaube das richten bezieht sich auf das verhängen von Strafen, und darauf verzichte ich trotz meiner Intolleranz, weil das mir wirklich nicht zusteht.

cu milktoast
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
@Milktoast

Ich glaube das richten bezieht sich auf das verhängen von Strafen, und darauf verzichte ich trotz meiner Intolleranz, weil das mir wirklich nicht zusteht.

Wenn ich etwas nicht dulde, tue ich aktiv etwas dagegen, denn sonst dulde ich es ja. Weil es uns aber ja nicht zusteht, sind wir tolerant.

Ist man nicht intolerant gegenüber der Intoleranz?
Man wäre es gern, aber oft genug wird dann doch einfach weggeschaut.

Auch ein toleranter Faschist ist ein Faschist. Da gilt es anzusetzen.
In dem du dich damit zufrieden gibst das der Faschist die "Untermenschen" toleriert, tolerierst du im Gegenzug nicht dadurch auch seine krankhafte Weltanschauung?

Du meinst sicher seine, aus deiner Sicht krankhafte Weltanschauung (schließlich wollen wir ja nicht verallgemeinern :wink: ). Nicht, daß ich dir da nicht zustimmen würde, aber wer sind wir eine Weltanschauung als besser oder gesünder anzusehen, als eine andere.
Die Menschen werden niemals den Punkt erreichen, an dem sie alle einander toll finden. Folglich können wir einander wenigstens tolerieren oder uns die Köpfe einschlagen.
Ich persönlich bevorzuge ersteres, aber ich mag mich natürlich irren.
 

sdrulezagain

Geheimer Meister
3. Mai 2003
275
kurz: ja
weil
ich persönlich kann ja mein denken als maßstab nehmen doch andere nehmen ihr denken als maßstab und ich kann nicht einfach weil sie so denken hassen(um auf faschismus zu kommen)
wenn sie meinen sie müssten das machen dann müssen sies halt tun ich werd nen dreck tun sie zu ändern wer nicht willig dazu ist werd ichs nicht aufzwingen
andererseits tolerier ich homosexuelle und was weiß ich wen
ich tollerier jeden und alles solang nicht versucht wird meine meinung einzugrenzen oder nach ihren meinungen umzuformen!
und ich find dulden nicht als beleidigung ich find es neutral...
 

milktoast

Geheimer Meister
1. Dezember 2002
201
Also ist das allgemeine Echo wohl doch das Toleranz nötig ist.

Nur das Argument mit dem Faschismus verstehe ich nicht richtig. Denn wenn jemand ein Faschist ist, dann wird er eh nicht viel von Toleranz halten. Also ist man mit seiner Forderung nach mehr Toleranz auf verlorenen Posten.

In welchen Situationen seid ihr persönlich tolerant? Und ich meine jetzt tolerant im eigentlichen Sinne, d.h. was könnt ihr erdulden obwohl ihr es hasst oder der Auffassung seid das es nicht in Ordnung ist.

@deLaval
Wenn ich etwas nicht dulde, tue ich aktiv etwas dagegen, denn sonst dulde ich es ja. Weil es uns aber ja nicht zusteht, sind wir tolerant.
Ich bin durchaus der Meinung das es mir zusteht aktiv zu werden. Ich sagte nur das ich keine Strafe verhängen würde, das schließt aber Aktivität nicht aus. Wenn ich deiner Logik folgen würde, dann dürfte ich gar nichts denken. Trotzdem habe ich eine Meinung und ich glaube das das in der Natur des Menschen liegt, so das ich gar keine Wahl habe. Und wenn ich dann eine habe, dann muß ich doch auch das Recht haben sie zu vertreten.

Die Menschen werden niemals den Punkt erreichen, an dem sie alle einander toll finden. Folglich können wir einander wenigstens tolerieren oder uns die Köpfe einschlagen.
Ich glaube mit dem nötigen Respekt vor dem Menschen als solches, kann man auch unterschiedliche Standpunkte oder sogar Abneigungen haben, ohne sich gleich die Schädel einzuschlagen.
Oder ist der Mensch ein Tier das ohne diese Schranken wie Toleranz und Gesetzen sich immer gleich ans Leder will?
Habe ich nur ein zu rosiges Bild vom Menschen?

cu milktoast
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
Ich glaube mit dem nötigen Respekt vor dem Menschen als solches, kann man auch unterschiedliche Standpunkte oder sogar Abneigungen haben, ohne sich gleich die Schädel einzuschlagen.

Was würdest du denn Tun, wenn jemand etwas denkt, tut oder ist, was du ablehnst oder sogar haßt? Ihn von der Richtigkeit deines Denkens überzeugen, ihm aus dem Weg gehen, oder versuchen ihn loszuwerden? Vermutlich würdest du den "respektvollen" zweiten weg wählen, und wenn das nicht geht?

Trotzdem habe ich eine Meinung und ich glaube das das in der Natur des Menschen liegt, so das ich gar keine Wahl habe. Und wenn ich dann eine habe, dann muß ich doch auch das Recht haben sie zu vertreten.

Seine Meinung vertreten, oder etwas gegen die Meinung eines Anderen zu tun sind zwei Paar Schuhe. Natürlich kannst du denken, daß die Meinung eines anderen "falsch" ist, aber sobald du aktiv wirst "verhengst du eine Strafe".

In welchen Situationen seid ihr persönlich tolerant? Und ich meine jetzt tolerant im eigentlichen Sinne, d.h. was könnt ihr erdulden obwohl ihr es hasst oder der Auffassung seid das es nicht in Ordnung ist.

Ich halte mich gar nicht für einen besonders Toleranten Menschen. Praktisch stehe deinem Standpunkt sehr nah, das macht ihn aber theoretisch nicht richtiger. Es ist nicht leicht Dinge die man Haßt zu dulden (zum Glück gibt es nicht sehr viel, das ich hasse :twisted: ) aber deshalb ist es doch allemal erstrebenswert.
 

Lyle

Vorsteher und Richter
16. Februar 2003
777
milktoast schrieb:
In welchen Situationen seid ihr persönlich tolerant

Ich würde die Frage erweitert gestellt haben. In welchen Situationen seid ihr persönlich freiwillig Tolerant. In unserer Gesellschaft, die Toleranz zum Dogma erhoben hat ist es nämlich, sieht man mal von Internetforen oder Stammtischen ab, schwierig intolerant zu sein. (was auch nicht gerade sehr tolerant ist :roll: ) Also rate ich eher zur Frage.

Wo seid ihr tolerant, obwohl ihr intolerant sein könntet?
 

milktoast

Geheimer Meister
1. Dezember 2002
201
@deLaval

Zu deinen drei Möglichkeiten.
1. überzeugen
2. Aus dem Weggehen
3. Loswerden

Naja ich finde der Respekt verlang von mir den Punkt 1 erst mal in Angriff zu nehmen. Dabei habe ich aber weniger das Überzeugen im Sinn als meinem Gegenüber meinen Standpunkt deutlich zu machen, bzw. seinen Besser zu verstehen. Also würde ich statt "Überzeugen" "Annähern" sagen.
Wenn das zu nichts führt muss man halt dementsprechend weiterschaun.
Ich werd mich wohl trotzdem noch weiterhin mit ihm verstehen wenn wir uns darüber auseinander gesetzt haben ob jetzt Rote oder Gelbe Gummibärchen besser schmecken und ich mit ihm auf keinen gemeinsammen Nenner gekommen bin.
Wenn jetzt aber ein anderes Thema das mir wichtiger ist zu keiner Einigung führt, dann werde ich wohl zu punkt 2 oder 3 übergehen.
Das soll heissen wenn es mich wirklich stört dann gibt es kein Auskommen, wenn es mich nicht stört, dann ist Toleranz überflüssig.
Und es gibt immer die Möglichkeit Distanz zu wahren, man muß ja nicht Jedermanns Freund sein.

cu milktoast
 

milktoast

Geheimer Meister
1. Dezember 2002
201
@Lyle
Intressante Frage die du da auf den Tisch legst. Ich finde aber beide Teile der Frage durchaus intressant.
Wenn es die Toleranz als Dogma wirklich gibt, zu welchen Zugeständnissen zwingt sie uns die wir sonst nicht machen würden?

cu milktoast
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
@Milktoast

Du hast meine Frage nur halb beantwortet. Was machst du, wenn das aus dem Weg gehen nicht, oder nur unter sehr großen Entbehrungen für dich selbst, möglich ist? Eine Situation, die leider immer wieder vorkommt.

Nebenbei, ob du es jetzt Überzeugen oder annähern nennst, ist doch eigentlich egal. Wie weit wärst du denn bereit gelbe Gummibärchen den roten vorzuziehen? :wink:
 

milktoast

Geheimer Meister
1. Dezember 2002
201
@deLaval
Kommt drauf an wie stark es mich stört und wie groß die Entbehrungen sein würden.
Die Frage ist eigentlich wie weit aktzeptabel etwas ist.
Schwierige Frage. Ich war noch nicht in der Situation das ich große Entbehrungen machen hätte müssen um jemanden zu meiden. Und kann mir momentan auch schwerlich eine solche Situation vorstellen.

Ich find gelbe und rote Gummibärchen lecker:-D.
Vielleicht kann man sich ja zusammensetzen und eine Gummibärchenverkostung durchführen und dann gemeinsam über die faden weißen lästern.
Der eigene Standpunkt ist ja nicht unbedingt das einzig Richtige oder Akzeptable. Oft ist man sich näher als man denkt.
Ich habe z.B. nichts gegen Gläubige Christen, obwohl mir deren Weltanschauung fremd ist. Das ist ein anderer Weg den ich respektiere. Aber einige Gläubige gehen mir in ihrem Glauben zu weit, und diesen Weg will ich nicht tolerieren, also meide ich diese Leute, was ja auch eine Reaktion ist - man muss ja nicht immer gleich Schädel einschlagen.

cu milktoast
 

deLaval

Auserwählter Meister der Neun
13. März 2003
914
@Milktoast

Ich stimme dir zu, was die weißen Gummibärchen betrifft (es wäre bestimmt amüsant bei nem Bier oder sieben, drüber zu lestern 8) ) Aber was ich eigentlich meinte, war als du von Annäherung sprachst, wärst du bereit, dich auf die Krasse Gegenmeinung einzulassen? Und wenn nicht, wie kannst du das von einem Anderen "verlangen".

Ich war noch nicht in der Situation das ich große Entbehrungen machen hätte müssen um jemanden zu meiden. Und kann mir momentan auch schwerlich eine solche Situation vorstellen.
Stell dir vor du arbeitest in einem Großraumbüro und hast sojemanden neben dir.
 

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