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Cross-Border-Leasing

fumarat

Erhabener auserwählter Ritter
21. Januar 2003
1.133
Ich hatte letzlich im Österreichischen Fernsehen eine Reportage über diese Art der Finanzierung gesehen. Ich wußte zuvor nur, daß unser lokaler Fußballverein durch solch ein Geschäft zugrunde ging. :evil:
Was mich verwunderte, war, wieviele Unternehmen schon auf diese Art und Weise ihre Einnahmen erhöhen. Das Wiener Kanalnetz, ÖBundesbahnen, U-Bahnen, einige Stromnetze, Kraftwerke,... aber auch in Deutschland blühe diese Geschäft.

Wie funktionierts? Man verpachtet einer US-Firma seine Anlagen (Stromnetz, Kanalnetz,...) und mietet es dann wieder zurück. Der Vorteil für den lokalen Vermieter: Die Pacht an die US-Firma ist höher, als die Miete die man dann wieder bezahlt. Der Vorteil für die US-Firma: Steuerersparnis. Beide Seiten profitieren also.
Für einen Kapitalisten ein sauberes Geschäft, den Moralisten ein Dorn im Auge. Das ist eine Sache.
Etwas anderes, verwunderliches, ist die Vertragszeit. Typischerweise 99 Jahre. Was aber wenn sich in den USA die Steuergesetze ändern. Es kann ja nicht im Interesse der US-Wirtschaft liegen, daß durch solch dubiose Vermietereien die Steuereinnahmen sinken, oder doch?
Ein dritter Punkt: Es könnte im Streitfall sein, daß US-Gerichte über unsere Kanalnetze,... urteilen. Das wird soviel ich weiß auch vertraglich vereinbart.

Hier ein Link:
http://www.duefinance.de/leasing/uslease.htm

Vielleicht auch den Punkt "Risiken" durchlesen.

Ich konnte nichts finden, welche US-Konzerne nun konkret diese Art der Finanzierung durchfühen. Weiß jemand was drüber?

Was haltet ihr davon?

Grüße fumarat
 

Fantom

Erhabener auserwählter Ritter
9. August 2002
1.198
da kam vor ca 2 monaten auch mal was in der ard.

ein extrem unsicheres system, wenn man es sich näher ansieht. für politiker/stadtverwaltung ein schneller weg an viel geld zu kommen.

wie du geschrieben hast ist das größte risiko sicherlich die amerikanische gesetzgebung. wenn das steuerrecht für auslandsinvestitionen reformiert würde (sicher erst wenn kein republikaner mehr im weißen haus sitzt), könnte die ganze angelegenheit platzen. schon leicht erhöhte rückzalungsraten würden ganze städte ruinieren. wenn sie es dann nicht schon längst sind.
 

Angel of Seven

Großer Auserwählter
23. Juli 2002
1.924
Re: Cross-Boarder-Leasing

fumarat schrieb:
Ich konnte nichts finden, welche US-Konzerne nun konkret diese Art der Finanzierung durchfühen. Weiß jemand was drüber?
PSPC-Consult GmbH, Earnest&Young Real estate GmbH sind für Witten im Gespräch.
 

fumarat

Erhabener auserwählter Ritter
21. Januar 2003
1.133
@Angel: Danke für die Infos

Sogar Schulen!? 8O
http://www.witten-geht-baden.habitants.de/art/030204110916.php


Allerdings hab ich bei beiden Firmen von denen du redest den Eindruck, es seien nur Vermittler und nicht die eigentlichen Interessenten.

Ernst & Young scheint eine multinationale Wirtschaftsberatungsfirma zu sein:
http://www.ey.com/global/content.nsf/Germany/Home

Und PSP-Consult eine Firma einiger Uniprofessoren, welche auch nur Beraterfunktion haben:
http://www.psp-consult.de

Es handelt sich also nur um Einfädler. Welche Firmen ziehen diese Geschäfte nun wirklich durch? Ich kann da nichts finden. Oder ich kapiers einfach nicht. Wirtschaft ist halt nicht so mein Ding. :?

Grüße fumarat
 

Rukhai

Geheimer Meister
10. Juni 2002
134
Hast recht.
Ernst & Young ist ne Wirtschafts- und Steuerberaterfirma, ne ziemlich große sogar. Haben vor einiger Zeit Arthur Andersen geschluckt weil nach einem fehlgeschlagenen Geschäft (ich glaub nen Klient wurde wegen Steuerhinterziehung angeklagt, ka) deren Ruf ruiniert war.

(gleiche Firma, gleiche ANgestellte, weiße weste)
 

Jay-Ti

Auserwählter Meister der Neun
2. August 2002
989

fumarat

Erhabener auserwählter Ritter
21. Januar 2003
1.133
Ich sagte schon in meinem ersten Post, daß für einen eingefleischten Kapitalisten solche Geschäftchen sicher kein Problem darstellen. Daß sowas nichts mit natürlichem Handel zu tun hat, sondern nur einer Schlupflochsuche im Wirtschaftsgesetzesdschungel gleicht, läßt sich aber auch nicht von der Hand weisen. Allein schon deshalb bin ich dagegen. So ein Kasperltheater kann eigentlich nicht im Interesse einer vernünftigen Wirtschaftspolitik stehen. Daß saftige Bargeldbeträge, noch dazu in schwachen Zeiten, den ein oder anderen darüber hinwegsehen lassen, ist wieder eine andere Sache.

So wie ich die Angelegenheit verstanden habe, profitieren Unternehmen und den USA fehlen riesige Steuereinnahmen. Brauchen die das Geld denn nicht? Jeder andere Staat würde doch bei so offensichtlichen Transaktionen sofort gegensteuern?

Über eines ließt man immer wieder:
Wäre „alles legal“, wäre die enorme Geheimnistuerei nicht erklärbar. Bisher ist noch keinem Stadtrat der vollständige, verbindliche englische Vertragstext vorgelegt worden. Entsprechende Anträge kleiner Fraktionen wurden in mehreren Städten abgebügelt. Die Ratsvorlagen bestehen aus einer standardisierten deutschsprachigen Zusammenfassung von 10 bis 20 Seiten. „Der Investor hat sich Vertraulichkeit ausbedungen, sonst platzt das Geschäft“, heißt es regelmäßig. Name und Sitz des Trusts sind ebenfalls noch keinem Stadtrat mitgeteilt worden, obwohl der Trust der eigentliche Vertragspartner der Stadt ist.
www.privatisierungswahn.de
Die eigentlichen Firmen bleiben geheim. Alles läuf über seltsame Wirtschaftsberaterhaumichblaufirmen, die alles vermitteln und ihre Klienten streng geheim halten. Dabei muß doch zumindest die US-Finanz genau wissen weche Unternehmen dies sind. Die Transaktionen müssen ja auch offengelegt werden, sonst funktioniert ja das Spielchen nicht. Wozu also die Geheimniskrämerei?
Die zweite brennende Frage. Warum läuft das Geschäft gerade in Deutschand und Österreich so heiß? Oder hat wer Quellen aus anderen Staaten?

Wo bleiben die Wirtschaftler? Ich kenn mich jedenfalls nicht mehr aus. :?

Grüße fumarat
 

Jay-Ti

Auserwählter Meister der Neun
2. August 2002
989
Das der Kapitalismus immer irgendwen ausnudelt, sollte ja hoffentlich bekannt sein, ist hier aber nicht Thema.

Nach Angaben der oben genannten 2. Quelle liegt die Geheimhaltung scheinbar daran, dass die entsprechenden Firmen nicht wollen, dass ihre ausgearbeiteten Verträge in fremde Hände fallen (sprich Konkurrenzfirmen nehm ich mal an). Der Vertrag liegt 300 (?waren es doch glaub ich) Seitig vor, jeder gute Geschäftsmann wird zumindest Buisness english sprechen und daher keine Übersetzung brauchen, daher die kurze Zusammenfassung eines rezenten Vertrages wahrscheinlich für die Presse. Und solche Geschäfte werden sicherlich nicht nur in unseren Ländern abgewickelt.
Ich will hier keine Stellung beziehen, sondern deine kritischen Fragen nochmals kritisch hinterfragen ^^. Ich kenn mich doch auch nicht aus, und es wird wohl sicherlich keine Wirtschaftsexperten hier im Forum geben (vielleicht selbsternannte..), aber wenn du wirklich was findest, was nicht sauber ist und gegen unsere Gesetze verstößt, dann find ich das sehr gut. Am besten gehst du damit zum Abgeordneten deines Kreises, der hilft dir sicherlich (er brauch schließlich die Stimmen und weiß, dass wenn er nicht hilft, es die BILD Zeitung tut). Das ist wirklich ernst gemeint. Wenn du Hilfe bei solchen Sachen brauchst, dann sag mir bescheid, ich kenn da paar Leute, können bei sowas sicherlich helfen. Allerdings braucht man da was handfestes, und vermutungen reichen leider nicht aus.

MfG
 

fumarat

Erhabener auserwählter Ritter
21. Januar 2003
1.133
@Jay-Ti:
So ernst hab ich das jetzt auch gar nicht gemeint. Aber wer weiß. Vielleicht decken wir ja noch einen riesen Skandal auf. :lol:

Die erste schlechte Erfahrung in diesem Zusammenhang, war der Bankrott des Fußballvereins. :evil: Damals ging es um knapp 10 Millionen Euro, die angeblich bar überwiesen hätten werden sollen. Keine wußte aber um welche Firma es sich handelt. Vermittler war Quadriga, eine Beraterfirma... Der US-Konzern stieg aus und der Verein ging Pleite.

Nun wurde mir aber erstmal bewußt, daß es sich hier offensichtlich nicht um eine Ausnahme handelt, sondern, daß diese Geschäfte derzeit blühen. Wie ich herrausgefunden habe nicht nur im deutschsprachigen Raum. Hierzulande eigenen sich aber die Gesetze besonders gut dafür. Genauso wie damals Briefkastenfirmen auf irgedwelchen Inselstaaten blühten. Die typischerwise 99 Jahre Vertragsdauer beruhen auf dem US-Gesetz, daß ab einer Miete von 99 Jahren, das gepachtete Gut rechtlich einem Eigentum gleichgestellt wird. Nur so gehts. Was wenn nun dieses Gesetz plötzlich geändert wird? Die Lasten solcher Risiken liegen angeblich beim US-Konzern. Was läßt aber einen Konzern riesige Geldbeträge bar (!) ausbezahlen, und hoffen, daß 99 Jahre sich keine Gesetze ändern? Die Rückverpachtung erfolgt für rund 30 Jahre. Was wenn die Gemeinde, der Fußballverein,.. die Pacht plötzlich nicht mehr bezahlen kann? Gut, der Fußballverein wird gepfändet, die Spieler verkauft,... was passiert aber mit der Gemeinde? Wird die Wasserversorgung abgedreht, oder das Kanalnetz geschlossen? Und das kommt mir schon sehr seltsam vor. Interessanterweise blüht das Geschäft gerade im Infrastrukturbereich: Wasser, Kanal, Gleise, Straßen, U-Bahnen, Post, Strom- u. Telefonleitungen, Schulen,... und dabei wird im Streitfall der Gerichtsstand New York entscheiden! Das ist vertraglich so vereinbart!

Die ersten Firmen hab ich schon enttarnt :twisted: :Vivendi, Suez, Pepsi und Coca-Cola
http://www.rbi-aktuell.de/Umwelt/01022002-03/03052002-03/29072002-01/22102002-01/24032003-04.html

Grüße fumarat
 

Jay-Ti

Auserwählter Meister der Neun
2. August 2002
989
Es geht auf die Infrastruktur, weil das nunmal den Kommunen gehört. Das verkaufen bringt dann zwar kurzfristig viel Geld, die längerfristigen Einnahmen fallen aber weg.
Das der Verein pleite gegangen ist, hat vielleicht einen anderen Grund. Ich nehme an, dass es auch in diesem Fall viele Nachahmer Firmen gibt, welche zwar vorgeben Cross-Border-Leasing anzuwenden, aber stattdessen mit dem Geld verschwinden.
Das mit dem Risikofaktor Gesetz. Wenn es wirklich so große Risiken geben würde, würden die Kommunen gar nicht darauf eingehen. Die haben doch tausendmal bessere Experten, als wir das hier je sein werden, besonders weil wir unsere Informationen von Seiten beziehen, welche 1.) Voreingestellt sind und 2.) halbwahrheiten liefern. Ich denke den einzigen Verlust machen die Steuerzahler, und zwar hier in Deutschland und in Amerika, und die reichen Unternehmer lachen sich ins Fäustchen. So wirds wohl sein.

MfG
 
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