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Clash of Civilisations

Technoir

Meister vom Königlichen Gewölbe
29. April 2002
1.452
Welche Gründe gibt es für die USA, im Irak zu intervenieren bzw. wie wird sich die Lage durch radikale Fundamentalisten im nahen und mitleren Osten in naher Zukunft verändern?

Ich gehe davon aus, daß man im Planungsstab des Pentagon spätestens nach den verheerenden Anschlägen des 9/11 folgendes Szenario als das Wahrscheinlichste und Gefährlichste ansieht:

Eine zunehmende Radikalisierung der islamischen Länder ist selbst für den Laien nicht mehr zu verkennen.
Länder wie Saudi Arabien, Jemen, Iran, Jordanien, Libanon, Pakistan, Afghanistan, die Phillipinen und einige andere mehr haben zunehmend das Problem, dass immer mehr vor allem junge Muslime sich dem
anschliessen, was als Jihad bezeichnet wird. Dass es sich dabei nicht mehr nur um friedlichen Protest in Form von Demonstationen handelt ist wohl auch unumstritten.Durch zunehmende (Bomben)attentate werden muslimische Länder zunehmend destabilisiert und über kurz
oder lang für einen Putsch reif gebombt.
Im Hinblick auf die Ölreserven ist dies für die Stabilität unserer Wirtschaft und die Stabilität der Region eine brandgefährliche Tendenz.
Diese Entwicklung ist zwar bereits seit Anfang der 90er Jahre zu beobachten, jedoch hat sich dieser Trend nach den Anschlägen des 9/11 und die zweite Intifada um ein Vielfaches verstärkt. Immerhin stammte die Mehrheit der Attentäter des 9/11 aus Saudi Arabien und grad in diesem Land sind Massendemonstrationen mit zehntausenden vermummter Radikaler gegen das saudische Königshaus und die USA mitlerweile fast an der Tagesordung. Das Land droht zunehmend eine Radikalisierung, wie es auch schon in Afghanistan, Iran und in
Teilen Pakistans geschehen ist. Ein Putsch rückt immer näher.

Hinzu kommt, daß ein Zusammenspiel von radikalen Muslimen und dem Schreckensregime in Baghdad immer wahrscheinlicher wird: Proliferation von MVW von diktatorischen Regimen an Terrorgruppen. Saddam hat sich nach den Anschlägen von Tansania/Nairobi, dem Angriff auf die USS
Cole im Jemen sowie dem 9/11 bewundernd und zunehmend wohlwollend in Richtung AlQuaeda geäußert und es wird immer deutlicher, dass Saddam und AlQuaeda (wobei ich AlQuaeda hier als die Dachorganisation für all die vielen Splittergruppen wie GIA, Abu Sayaf, Taliban, Muslimbruderschaft etc. ansehe) eine Zweckgemeinschaft "der Feind meines Feindes ist mein Freund" gebildet haben auch wenn Sie im Grunde
genommen nichts gemeinsam haben (Bis auf ihren Hass auf die USA und die westliche Welt).

Der Krieg der Terrorgruppen gegen westliche Einrichtungen und Interessen ist nicht neu und eine offizielle Kriegserklärung gegen "die Juden und Kreuzfahrer" seitens Osama bin Laden gab es bereits am 23. August 1996 unter anderem mit dem Vermerk: "Es ist die religiöse Pflicht für jeden Muslim, chemische und biologische Waffen zu erlangen und einzusetzen".

Das sie diese Waffen auch ohne Zögern gegen uns einsetzen würden, steht wohl außer Frage und die erst kürzlichen Funde von bestens ausgestatteten Chemielabors und einsatzfähigem und hochwirksamem Rizin bei Schläferzellen in Spanien, Frankreich und England ist beängstigend. Dass mehrere westliche Staaten Pockenimpfungen für einige 100 Millionen Dollar durchführen wollen, deutet darauf hin, dass es geheimdienstliche Informationen in diese Richtung gibt.

Die USA fürchten sich nun einerseits davor, von den Ölquellen der Saudis abgeschnitten zu werden und suchen nun händeringend nach einer sicheren Alternative und sehen diese im Irak, der dann von einem Saddam Hussein befreit und demokratisiert ist. Hinzu kommt, dass Iraks Bio und Chemiewaffen dann nicht mehr in die Hände von islamistischen Terrorgruppen fallen kann.

Zu einem großen Problem wird ein Krieg so oder so für uns werden, da OBL und andere radikale Führer den Irakkrieg für Ihre Propagandazwecke mißbrauchen werden und diesen Krieg als einen Krieg gegen die gesamte islamische Welt verkaufen werden, um die Stimmung noch mehr anzuheizen und wenn es Ihnen gelingt, die breite Masse der jungen Muslime weiter zu radikalisieren und aufzuhetzen, droht uns wirklich der von Huntington beschriebene "clash of civilizations"

Auf der anderen Seite müssen wir uns fragen, ob wir es uns erlauben können, eine Intervention weiter hinauszuschieben um Monate oder Jahre, denn über kurz oder lang werden radikale Gruppierungen in den Besitz von MVW gelangen und dann sind wir alle ohne weiteres erpressbar. Denn ein Staat kann sich gegen eine solche Bedrohung nicht wirklich schützen und der Sommer mit seinen besten klimatischen Voraussetzungen für ein Attentat mit Biowaffen rückt immer näher

Wir sitzen so oder so in einer Falle, die sich die "zivilisierte" Welt vor Jahren selber gebaut hat.

Lassen wir den Irak so weitermachen wie bisher?
Greifen wir ein und versuchen diese Mittel unschädlich zu machen?

Beide Alternativen sind gefährlich. Nur welche ist die Schlimmere?
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
Immer wenn ich diesen Titel 'clash of civilisations' denke, kommt mir in den Sinn, dass es offiziell nur wenige sind, die diese 'Zivilisationen' führen. Auf der Münchner Friedenskonferenz sagte ein Redner, dass jeder einzelne eine 'Friedensbewegung' sein kann. Je leichter wir uns in Schubladen 'stecken' lassen, desto leicher sind wir re.gier.bar.
 

forcemagick

Ritter der Sonne
12. Mai 2002
4.641
ich denke wir stehen vor mehr als nur zwei alternativen...

bzw.. vor weniger wie man es sieht :wink:

einerseits denke ich ist es keine wirkliche alternative saddam weiter wursteln zu lassen wie bisher.

welche mittel sind uns dazu gegeben?

ich denke das blatt der diplomatie wurde schlicht noch lange nicht ausgespielt.

es ist eine vielzahl wirtschaftlicher straf sprich belohnungssysteme denkbar.
neben inspektoren sind auch kontrolleure denkbar.

neben bloßen sanktionen sind entwicklungshilfeteams denkbar und gezielte geldvergabe plus kontrollierter anwendung..

krieg dahingegen ist für mich lediglich dann eine traurige notwendigkeit wenn es um die reine und akute selbstverteidigung geht... das liegt hier aber nicht vor...

der irak hat keine attacken gestartet gegen eine der kriegwollenden mächte gestartet...

der clash of civilisations ( wie ihn huntington prophezeit hat ) ist ein soziokulturelles problem... solche probleme können unmöglich mit waffengewalt gelöst werden.

der radikale islam ist eine radikale fluchtbewegung gegen die rolle, in die sich viele menschen eher unterpriveligierter nationen gedrängt sehen...

es muss also etwas gegen wirtschaftlichen und sozialen verfall unternommen werden.
 

Atlan

Vorsteher und Richter
10. April 2002
752
krieg dahingegen ist für mich lediglich dann eine traurige notwendigkeit wenn es um die reine und akute selbstverteidigung geht

krieg ist das letzte mittel der politik! aber selbst du USA könnten noch viel diplomatie nutzen... nur wollen sie es nicht.
 

Technoir

Meister vom Königlichen Gewölbe
29. April 2002
1.452
Es ist definitiv mehr als ein soziokulturelles Problem, obwohl dies sicherlich der schwerwiegenste Grund ist, warum eine so radikale Gruppierung wie AlQuaeda solch einen regen Zulauf verbuchen kann.
Wenn man sich mal genau anschaut, wie in den Elendsvierteln islamisch geprägter Länder 10jährige Kids mit Postern und bedruckten OBL Shirts durch die Gegend laufen und ihn vergöttern wie hierzulande die Spacken von "Deutschland sucht den Supersklaven", kann einem Angst und Bange werden wenn man diese Entwicklung weiterspinnt.

Der Einzige, der sich angesichts der momentanen Weltlage die Hände reibt dürfte wohl unbestritten OBL sein.
Er profitiert als einziger von der Kurzsichtigkeit der amerikanischen Außenpolitik und wird einen Irakkrieg in jedem Fall für seine Zwecke mißbrauchen und die unwissenden Massen noch mehr gegen die westliche Welt aufhetzen.
Und wenn die USA es wirklich wagen sollten an einem UNO Beschluss vorbei auf eigene Faust den Irak anzugreifen, ist dies wahrscheinlich der berühmte letzte Tropfen...ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es dann in der gesamten muslimischen zugegehen wird.

Saddam muss entwaffnet werden, das steht für mich außer Frage.
Aber die Wahl der Mittel muss besonders weise gewählt werden, andernfalls wird es richtig ungemütlich für uns und der Terror bekommt einen Schub, den wir und glaube ich nicht wirklich vorstellen möchten.
Es scheint aber nicht so, dass die US-Administration diese Weisheit innehätte.

Langfristig wird sich der Zulauf und die Begeisterung für den Terror nur dann legen, wenn wir es schaffen diesen Menschen eine stabile Entwicklung und ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Mit der Perspektive, alt zu werden, zur Schule zu gehen, sich Bilden zu können...all das was für uns zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist.
 

Tizian

Großer Auserwählter
14. Mai 2002
1.591
Wenn niemand an den Wurzeln arbeitet, wird das Geschwür nicht ausgemerzt werden können. Der Diktator ist nur die Spitze eines Eiterbergs, der Diktatoren hervorbringt, wie Terry Pratchett einmal treffend bemerkte!
 

Technoir

Meister vom Königlichen Gewölbe
29. April 2002
1.452
@tizian
Wenn niemand an den Wurzeln arbeitet, wird das Geschwür nicht ausgemerzt werden können. Der Diktator ist nur die Spitze eines Eiterbergs, der Diktatoren hervorbringt, wie Terry Pratchett einmal treffend bemerkte!

da gebe ich dir vollkommen Recht.
Wenn wir es nicht auf die Kette kriegen, unseren Reichtum mit denen zu teilen, die nichts haben, werden auch immer wieder Diktatoren oder Terrorristen einen Weg finden, diesen Mißstand für ihre Zwecke auszunützen.
Das Problem ist halt nur: Solange ein Diktator an der Macht ist, wird es kaum möglich sein, ein Land zu entwickeln und mit ihm zu handeln.
So war und ist es bei den Diktatoren Afrikas und so ist es leider auch beim Irak und die Menschen in Nordkorea haben ja nu auch nicht wirklich was zu lachen.
 
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