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Bush für Polizeistaat...

blaXXer

Vollkommener Meister
8. Dezember 2003
581
US-Regierung droht bei Beschneidung des Patriot Act mit Veto

Der US-amerikanische Justizminister hat dem Senat angekündigt, Präsident George W. Bush werde sein Veto einlegen, wenn der Kongress dem SAFE Act in der bestehenden Form zustimme. mehr...

Quelle:heise.de

was meint ihr?
 

Antirotarier

Geheimer Meister
5. Juni 2003
144
Wohnungsdurchsuchungen? Lauschangriffe? Mein Gott! Das ist ja schon fast wie hier!

Abgesehen davon machen die doch sowieso was sie wollen, oder? Ist hier doch nicht anders... :evil:
 

blaXXer

Vollkommener Meister
8. Dezember 2003
581
comment schrieb:
Ich hörte noch immer das feine Surren des "Red Alert"-Warntones, das
mir zum steten Begleiter geworden war. Es war seltsam, aber ich hatte
sogar angefangen, morgens "hallo" zu der roten Warnleuchte zu sagen.
Ich weiß nicht einmal mehr, wie lange sie schon brennt und surrt. Der
riesige Gefahrenraum, den man uns eingerichtet hat, ist noch immer
voller Lebensmittel, Batterien etc, jeden Morgen gehe ich mit der
alten Dame von nebenan nach unten. Der Aufzug ist kaputt, deshalb
gehen wir gemeinsam die Treppen herunter, füllen unsere Körbe mit
dem, was wir brauchen und gehen wieder hinaus. Manchmal treffen wir
die anderem aus dem Haus, aber eigentlich haben wir wenig Kontakt.
Ich finde es besser so. Auch wenn die Türen und Fenster alle zu sind
und wir im Haus schon lange zusammen leben, wer weiß, ob nicht einer
von ihnen doch ein Schläfer ist, der nur auf eine unbedachte Bewegung
wartet? Deshalb tragen wir auch immer unsere Helme und unsere
kugelsichere Weste, wenn wir hinuntergehen. Und natürlich haben wir
unsere Gewehre bei uns, geben uns gegenseitig Rückendeckung. Es ist
witzig zu sehen, wie die alte Dame in ihrer Kluft mit einem Gewehr
hin- und herfuchtelt.

Heute, wenn mich nicht alles täuscht, ist heute mein Geburtstag,
werde ich mir ausnahmsweise mal ein paar Gramm Nahrung extra gönnen
und die alte Dame hat mir ein kleines Stück von ihrer gegeben.
"Feiern Sie ruhig." hat sie gemeint. Aber ich bin mir nicht sicher -
vielleicht hat sie es ja mit irgendetwas behandelt? Aber eigentlich
traue ich ihr. Unsere Nahrung liegt in einem verschlossenen Tresor
unten, denn man weiß ja nie, ob die anderen nicht was vorhaben. Aber
alles können wir nicht auf einmal mitnehmen, denn wenn die Alarmstufe
von Rot auf Rot inclusive lautem Alarmton wechselt, dann müssen wir
in den Gefahrenraum und deshalb müssen dort die Vorräte liegen.

Ich habe mich hingelegt und mir etwas Wasser in ein altes Glas
gegossen, die Nahrung auf ein Tellerchen gedrückt und singe mir
selbst ein Ständchen. Ich frage mich, ob die anderen noch leben. Die
Telefone wurden ja abgeklemmt, auch das Radio funktioniert nicht
mehr. Aber sobald es draußen wieder sicher ist, wird Alarmstufe
Orange oder sogar Gelb ausgerufen, dann können wir die Türen öffnen
und wieder hinausgehen. Ich vermisse das.

Schon als die Türen vernagelt wurden, wusste ich, dass es lange
dauern würde, bis die Bedrohung aufhören würde. Es gab so viel zu tun
für die Allianz und sie würden so viel Zeit benötigen. Wir würden
warten.

Etwas stimmt mit der Lüftung nicht. Es riecht irgendwie seltsam. Ich
habe versucht, es herauszufinden, aber ich weiß nicht, woran es
liegt. Ich weiß nur, dass, je länger ich diesen Geruch einatme, ich
schwächer und schwächer werden. Etwas ist nicht in Ordnung. Aber es
ist immernoch Alarmstufe Rot.


Egal... ich werde gehen. Ich klopfe bei der alten Dame, aber es kommt
keine Antwort. Ich laufe in meine Wohnung und hole die Notfallaxt,
die ich versteckt habe und schlage ihre Tür ein. Die alte Dame liegt
auf dem Boden, sie atmet nicht mehr.

Ich renne die Treppen hinunter zerschlage auf dem Weg die Türen der
anderen und schreie: "Kommt raus! Kommt raus."
Sie sehen mich an und schütteln die Köpfe. Wahrscheinlich habe ich
einen Dunkelheitskoller. Als ich beginne, die Tür des Hauses, diese
verdammte, vernagelte Tür, mit der Axt einzuschlagen, fühle ich ein
komisches Gefühl im Rücken, wie ein Schlag. Ich zucke zusammen,
greife nach hinten.
"Ich konnte nicht zulassen, dass er uns alle gefährdet!" höre ich
William rufen.
Ich schließe die Augen.



"Ich glaube, sie sind alle tot." sagt das kleine Mädchen, das sich
selbst Nina nannte. "Keiner rührt sich."
"Ja", sagt der Hüne neben ihr. "solange keine Entwarnung erfolgt,
sind die Häuser nicht zu verlassen. Das haben sie schon gut gemacht."
"Aber jetzt sind sie tot." Nina spazierte weiter und lachte.
"Ja", sagte der Hüne. "und nur wir sind rausgegangen. Weil wir dumm
sind."
Nina kam zurück und nahm seine Hand. "Aber lebendig..." sang sie.
"Aber le-be-hen-dig..."

...stand unter dem artikel als comment...dachte das is ma einen post wert....
 

Lasker71

Geheimer Meister
30. November 2003
129
Es mag sein, daß Bush für einen Polizeistaat ist, aber der Patriot Act ist ja nun nicht gerade neu. Wenn Bush Veto gegen eine Entschärfung des Patriot Act einlegen will, dann soll er doch. Das wird die momentane Lage nicht ändern.
Sobald bekannt wird, daß durch den Patriot Act - für den Bush ja so lebhaft eintritt - irgendwann doch klar Bürgerrechte verletzt werden, ist Bush sowieso geliefert, da hilft kein Jammern und kein Zetern - weg vom Fenster. So ähnlich wie die Republikaner 1960 noch zur Wahl angetreten sind, mit der Behauptung, Rassentrennung sei ja gar nicht der falsche Weg.
So gesehen: nur gut, daß Bush Veto einlegen will. Das ändert einerseits nichts ander gegenwärtigen Situation, aber andererseits buddelt er sich selbst eine immer tiefere Grube, in die er irgendwann ganz spektakulär reinfallen kann.
 

Adamantios

Geheimer Meister
11. Dezember 2003
171
Da Bush merkt, dass es langsam eng für ihn wird, versucht er mit allen tricks der Täuschung und falschen Versprechungen, Stimmen zu sichern und die Angst der Menschen vor Gewalt zu nutzen, um indirekt mit der "sanften Gewalt" im Vergorgenen selbst Gewalt auszuüben.

Wer Gewalt sät, erntet sie und braucht sich darüber nicht zu wundern !
 

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
@Adamantios

Da Bush merkt, dass es langsam eng für ihn wird, versucht er mit allen tricks der Täuschung und falschen Versprechungen, Stimmen zu sichern und die Angst der Menschen vor Gewalt zu nutzen, um indirekt mit der "sanften Gewalt" im Vergorgenen selbst Gewalt auszuüben.

und die große frage ist- wie lange kommt er damit noch durch?

im moment ist es noch so, das stark polarisiert wird, also die vermittlung des patriot act ist darauf angelegt, das der "feind" irgendwo da draussen lauert, und der feind ist alles, was irgendwie anders ist (oder sich vielleicht besonders gut tarnt?) und sich dadurch verdächtig macht. da gibt es also die tapferen, patriotischen amerikaner (oder das was sich dafür hält), die auch ganz offen dazu aufgerufen werden, "verdächtige elemente" in ihrer nachbarschaft zu denunzieren.
dieses bewusst gesäte misstrauen (die kleine geschichte weiter oben erinnert stark daran) hat folgen.
deshalb: ist eine durch und durch paranoide und gespaltene gesellschaft denn noch in der lage die kurve zu kriegen, bevor das kind endgültig in den brunnen gefallen ist?

natürlich regt sich widerwillen gegen diese politik, die ihre dreckigen finger auch in bisher private bastionen hereinstreckt und irgendwann wird sich das auch rächen, die frage ist nur wann?

und können diese kritiker gegen die gegenmacht des christlichen fundamentalismus etwas ausrichten?

Auf dem Weg zum Gottesstaat?

Schon immer begriffen sich die USA als „god`s own country“, eine Arroganz, die mehr und mehr zu einer ernsthaften Bedrohung für die ganze Welt wird. Diese Anmaßung hat durch die machtpolitische Ausgestaltung mit Hilfe des religiösen Fundamentalisten George Bush eine grundsätzlich neue Qualität erhalten. Nicht mehr am deutschen Wesen soll die Welt genesen, sondern am amerikanischen way of life, der schließlich gottgewollt ist und deshalb nicht falsch sein kann.
Die Amerikaner sind gerade dabei, sich eine zutiefst totalitäre Ideologie aus einem wüsten Mix aus Religion, Kommerz und Übermenschentum zusammen zu brauen, die alles bisher da gewesene leicht in den Schatten stellen könnte. Die Gefährlichkeit liegt insbesondere darin, dass sich diesem Fanatismus eine grenzenlose wirtschaftliche und militärische Macht zur Seite stellt, deren Bändigung über kurz oder lang außer Kontrolle zu geraten droht.
Die amerikanische Gesellschaft befindet sich in einem überaus gefährlichen Fahrwasser. Gewinnen die religiösen Fundamentalisten und evangelikalen Prediger weiter an Einfluss, droht das gesamte rechtsstaatliche System der USA in einen „Gottesstaat“ umzukippen. Die ersten Anzeichen dafür können schon heute festgestellt werden. Die Chancen einer Umkehr der Entwicklung sind äußerst gering. Zu mächtig ist die Allianz aus Politik, Medien und Kapital, die jeden Widerstand mit den sanften Mitteln von grenzenlosem Konsum, Desinformation und angeborener Bequemlichkeit der Menschen jederzeit im Griff hat und lenkend eingreifen kann.

leider kein link, aber unter "Auf dem Weg zum Gottesstaat? von Frank Eschrich" und "Friedensinitiative" müsste man suchmaschinentechnisch fündig werden.
 

Antirotarier

Geheimer Meister
5. Juni 2003
144
Es sollte klar sein das Bush das will was er wollen soll. Der Totalitäre Staat...ein Traum der Polizei, Geheindienste und Politiker.

Sollte sich der Widerstand in der Bevölkerung zu stark mehren, dann haben die genannten Institutionen bestimmt noch ein paar Flugzeuge übrig um ihren Wünschen den entsprechenden Nachdruck zu verleihen. Ziele gibt es genug, aber diesmal mit einem größeren "Kollateralschaden" (wenn richtig geschrieben), dann sagt erst mal keiner was und der Senat wird auch für verschärftes Durchgreifen sein um das "geliebte Volk" vor dem imaginären "bösen Feind" zu schützen...

Die Geschichte wiederholt sich...
 

semball

Großer Auserwählter
26. Mai 2002
1.615
Antirotarier schrieb:
Wohnungsdurchsuchungen? Lauschangriffe? Mein Gott! Das ist ja schon fast wie hier!

Haha sehr witzig...
Nebenbei, was hast du bitte gegen Hausdurchsuchungen und Lauschangriffe im normalen Rahmen?

edit: "Die da oben" ist wirklich ´ne tolle Ausrede

gruss semball
 

streicher

Ritter Rosenkreuzer
15. April 2002
2.728
@ samhain

Bastelei eines Übermenschentum in den USA - welche Belege hat Eschrich dazu aufgeführt?
 

samhain

Ritter Rosenkreuzer
10. April 2002
2.774
@streicher

da der artikel wohl nicht so leicht zu finden ist, stelle ich ihn einfach mal in seiner gänze hier rein (ps: es gibt kein copyright).

mache sich dann jeder selbst ein bild:

Auf dem Weg zum Gottesstaat?

von Frank Eschrich


Ist heute die Rede von „Gottesstaat“ oder „religiösem Fundamentalismus“, wird dabei meist eine Verbindung zum Islam und der arabischen Welt hergestellt. Religiöse Fanatiker werden automatisch mit moslemischen Terrororganisationen wie Al Quida oder mit fundamentalistischen Regimen wie dem Iran verknüpft. Die Angst der Menschen vor allem in der westlichen Welt vor dem islamischen Fundamentalismus wächst und wird täglich weiter gefördert. Zahlreiche Fernsehsendungen, Bücher und Zeitungsartikel beschäftigen sich mit diesem Thema und entwerfen ein mehr oder weniger deutliches Schreckensszenario einer islamischen Bedrohung sogenannter westlicher Werte. Dabei völlig ausgeblendet wird die Diskrepanz zwischen den Werten Demokratie, Freiheit und Menschenwürde einerseits und der gesellschaftlichen Realität andererseits, die von der Verwirklichung dieser Werte weiter denn je entfernt ist. Noch schlimmer ist jedoch das Verschweigen einer christlich-fundamentalistischen Tradition, die im Schatten der öffentlichen Meinung wächst und gedeiht und immer größeren, auch politischen, Einfluss gewinnt. Beides ist ursächlich miteinander verknüpft: Der christliche Fundamentalismus gewinnt Anhänger, weil die Angst vor dem islamischen Fundamentalismus geschürt wird. Entstanden ist ein System der Desinformation, das sich mehr und mehr der öffentlichen Kontrolle entzieht und sich selbst dabei immer höher entwickelt.
George Bush sprach vor dem Ausbruch des Irak-Krieges von einer „Achse des Bösen“ und bezeichnete die bevorstehende Militäroperation als „Kreuzzug“. Immer wieder tauchten in seinen Reden christliche Symbole und Bilder auf, mit deren Hilfe er sich als Bewahrer des „Guten“ gegenüber dem „Bösen“ darstellte. Seine Aussagen sprachen unbewusste Ängste an und verlagerten die politische Realität in ein Gewirr von christlicher Mystik, Kreuzzugsphantasien und simplen Schwarz-Weiß-Malereien. Der Angriff auf den Irak wurde damit zu seiner persönlichen und als christlich verstandenen Mission zur Vernichtung des Bösen verklärt. An die Stelle sachlicher Argumente trat ein ständiges Abgleiten in Irrationalität und die Aktivierung tiefenpsychologischer Prozesse menschlicher Aggressivität und Angst. Unverkennbar ist der Einfluss eines fundamentalistisch-christlichen Umfeldes, mit dem sich der amerikanische Präsident seit der Bewältigung seiner Alkoholsucht in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts umgeben hatte. Auslöser dieser Entwicklung war wohl die feste Überzeugung Bushs, durch göttliche Hilfe vom Alkohol befreit worden zu sein. Zu seinen engsten Beratern gehört inzwischen der berühmt- berüchtigte TV-Prediger Graham Hill, der in den USA seit den 40er Jahren des 20.Jahrhunderts aktiv ist, Stadien und Hallen füllt und enorm hohe Einschaltquoten bei seinen Fernsehauftritten erzielt. Daneben werden Bush persönliche Kontakte zur Scientology-Sekte nachgesagt.

Evangelikalismus und christlicher Fundamentalismus in den USA

Als Definition für „Evangelikalismus“ gibt der Duden „eine theologische Richtung, die die unbedingte Autorität des Neuen Testamentes im Sinne des Fundamentalismus vertritt“ an. Als evangelikale Christen werden alle Gläubigen verstanden, die die Bibel, insbesondere das Neue Testament, als historisch und empirisch belegte Wahrheit begreifen und als unanfechtbare Handlungsmaxime verstehen. In den USA wird darunter zusätzlich der theologisch-konservative Protestantismus schlechthin verstanden.
In den USA gehen nach einer Studie am Ende des 20. Jahrhunderts rund 40 Prozent der Bevölkerung am Sonntag in einen christlichen Gottesdienst. In England sind es zum Vergleich etwa 10 Prozent, auf dem europäischen Kontinent rund 5 Prozent der Bevölkerung, die regelmäßig einen christlichen Gottesdienst aufsuchen. In den Vereinigten Staaten ist deshalb der Alltag ungemein religiöser als in Europa geprägt, christliche Überzeugungen spielen nahezu in allen öffentlichen und privaten Bereichen eine herausragende Rolle, während der „Materialismus“ der Europäer immer häufiger öffentlich an den Pranger gestellt wird. Das Spektrum des amerikanischen Christentums ist dabei keineswegs ausschließlich fundamentalistisch geprägt, doch gewinnen evangelikale Christen mehr und mehr Einfluss und blicken dabei auf eine lange Tradition zurück. Die katholische Kirche verliert dagegen ständig an Zuspruch innerhalb der Bevölkerung.
Um 1900 waren nach Hunter etwa 41 Prozent der US-Amerikaner evangelikale Christen und trotz des Jahrhunderts der technischen und wissenschaftlichen Innovationen betrug der Anteil dieser anachronistischen Glaubensgemeinschaft im Jahr 1980 immerhin noch 32 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im Vergleich dazu bewegt sich das christlich- fundamentalistische Spektrum Europas im einstelligen Prozentbereich, wobei deren Öffentlichkeitsarbeit ungleich geringer und unprofessioneller organisiert ist. In den USA fängt die Erziehung zum „rechten Glauben“ schon in der Schule an. Heute gibt es dort schon 17.000 evangelikale Primar-und Sekundarschulen, die sich offen und unbehelligt für die Verbreitung ihres Glaubens engagieren und ihren pädagogischen Auftrag alleine danach ausrichten. Als das weltweit wichtigste evangelikale-theologische Bildungsinstitut gilt das Fuller-Seminary in Los Angeles mit rund 4000 Studienabgängern jährlich. In den USA scheint die Trennung zwischen Bildungssystem, Religion und Kommerz inzwischen unwiederbringlich aufgelöst worden zu sein. Die staatlichen Bildungseinrichtungen werden systematisch vernachlässigt und haben keine Chance, sich gegen ihre private Konkurrenz durchzusetzen, die finanziell aus vollen Töpfen schöpfen kann. Damit wachsen in den USA ständig neue Generationen heran, die ausschließlich christlich-fundamentalistisch oder kapitalistisch-kommerziell oder aus einer Mischung von beidem geprägt sind. Von unabhängiger Bildung, Ausbildung und Wissenschaft kann in Amerika keine Rede sein, alle Bereiche sind zweckgebunden und ideologisch nach dem jeweiligen Geschmack ausgerichtet.
Neben dem Bildungssystem wird die amerikanische Rechtsprechung systematisch fundamentalistisch unterwandert. Im Supreme Court, dem obersten Gericht der USA, das mit Richtern auf Lebenszeit ausgestattet ist, wurden von Präsident Reagan und Präsident Bush drei Neubesetzungen mit ausgesprochen konservativ-evangelikalem Charakter vorgenommen. Ein Grund dafür, dass sich in den USA immer mehr Homosexuelle für ihre sexuelle Orientierung gerichtlich verantworten müssen und Frauen wegen an sich legalen Abtreibungen strafrechtlich verfolgt werden.
Die evangelikalen Fundamentalisten der USA geben sich jedoch keineswegs mit ihrer schleichenden Machtergreifung innerhalb des Landes zufrieden. Im Jahr 1980 waren rund 30.000 evangelikale US-Missionare im Ausland tätig, die meisten davon in Südamerika. Mit dem Einzug des christlichen Fundamentalismus in die Außen-und Sicherheitspolitik der Bush-Administration hat diese Missionstätigkeit eine neue Qualität erreicht. Inzwischen sind nach einer Umfrage aus dem Jahr 2001 die Mehrheit der Amerikaner davon überzeugt, dass Kriminalität, Unmoral und Habsucht gottgewollt sind und nur durch Beten bekämpft werden können.

Die Rolle der Medien

Die Ausbreitung des evangelikalen Christentums in den USA wurde von Anfang an durch eine fast unglaubliche Medienpräsenz seiner Protagonisten gefördert. Schon 1944 gründeten 150 evangelikale Programmveranstalter in Ohio die „National Religious Broadcasters (NRB)“ , ein landesweit tätiger Zusammenschluss von lokalen Fernseh-und Radiostationen, der die gesamte USA mit einem Netz von klerikaler Propaganda in seinem Sinne überzog. Als die zuständige Bundeskommission 1960 schließlich entschied, dass Programm und Werbung für religiöse Ziele nicht mehr getrennt gesendet werden müsse, stand der medialen Gehirnwäsche Tür und Tor jedes amerikanischen Wohnzimmers offen. Die Zuschauer und –hörer konnten spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr bewußt zwischen Programm und religiöser Berieselung unterscheiden, die von da an 24 Stunden täglich auf sie hernieder ging. Gleichzeitig verlor der bis dahin bestimmende mainstream aus evangelisch, katholisch oder jüdisch geprägten Religionssendungen seinen Einfluss, da durch Kabelnetz und Pay-TV die kostenlos nutzbare Programmzeit immer geringer wurde. Schließlich setzten sich im nun restlos kommerzialisierten amerikanischen Rundfunksystem die finanzstarken evangelikalen Stationen durch und verdrängten andere Glaubensrichtungen fast vollständig.
1985 organisierten die National Religious Broadcasters (NRB) inclusive den Filialen 1180 Radiostationen, der Anteil ihrer Fernsehsender mit rein evangelikalem Programm stieg von 8 Prozent 1990 auf 12,5 Prozent im Jahr 1996 von allen Programmanbietern. Insgesamt gab es 1998 242 Fernsehstationen mit vornehmlich christlichem Programm in den USA.
Die von diesem Netzwerk erreichte Anzahl von Personen ist enorm. Neben dem unangefochtenen Star der Szene Billy Graham erreichen auch TV-Prediger wie Jerry Falwell ein Millionenpublikum. Die Auswertung einer 1998 durchgeführten Studie ergab, dass Falwell während des gesamten Jahres durchschnittlich 5,6 Millionen Haushalte mit seiner wöchentlich gesendeten Show erreichte. Ein weiteres religiöses Netzwerk, das Christian Broadcasting Network (CBN), gründete sich Ende der 80er Jahre und erreichte mit dem Wunderheiler-Evangelisten Pat Robertson Einschaltquoten von 16,3 Millionen Haushalten monatlich. Insgesamt gehen Schätzungen davon aus, dass 40 Prozent aller amerikanischen Haushalte mindestens einmal pro Monat religiöse Programme konsumieren. Selbst aufs billigste produzierte Shows, die Rollstuhlfahrern versichern, wenn sie nur richtig glaubten, würden sie geheilt werden oder den Menschen vermitteln, sie sollten nur ordentlich Geld auf das eingeblendete Konto einzahlen, um damit selbst schnell reich zu werden, finden einen reisenden Absatz auf dem amerikanischen TV-Markt. Bis jetzt ist niemand in der Lage, wenigstens ein ungefähre Schätzung darüber abzugeben, wie viel Geld amerikanischer Bürger auf diese Weise auf Konten der dubiosen Anbieter verschwindet. Doch lassen Marketing und Organisiertheit der Evangelikalen keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um exorbitante Summen handeln muss. Wer sich vor Augen hält, welche Summen selbst kurze Werbesendungen bei privaten Anbietern verschlingen, kann sich leicht vorstellen welche Finanzangebote bei den Dauerwerbesendungen der TV- Prediger im Spiel sein müssen. Anscheinend wird mit Macht verhindert, dass sich die Kritiker dieses Systems auf handfeste Zahlen beziehen können.
Der Markt für evangelikalisch-fundamentalistische Bücher ist dagegen etwas besser untersucht, allerdings sind die neuesten Statistiken auch schon fast 20 Jahre alt und bieten in sofern nur Anhaltspunkte. So erwirtschafteten die rund 6000 evangelikalen Buchläden 1984 einen Umsatz von 1,25 Milliarden Dollar und waren bei rund 70 bedeutenden Verlagshäusern organisiert, die sich auf die Verbreitung dieser Art von religiöser Propaganda spezialisiert hatten.
Finanzieren sich die evangelikalen Medien vorwiegend über die Spenden von Nicht- Mitgliedern mit Hilfe ihrer zahlreichen Fernsehsendungen, wird die evangelikale Kirchengemeinde hauptsächlich von den Spenden ihrer Mitglieder getragen. 1983 gaben die Evangelikalen im Durchschnitt 535 Dollar an ihre Kirchengemeinde, die ähnlich wie im bundesdeutschen System steuerabzugsberechtigt verbucht werden konnten. In sofern zahlen über den Steuerausgleich aus dem Gesamtaufkommen alle US-Bürger für den christlichen Fundamentalismus in ihrem Land.


Auf dem Weg zum Gottesstaat?

Schon immer begriffen sich die USA als „god`s own country“, eine Arroganz, die mehr und mehr zu einer ernsthaften Bedrohung für die ganze Welt wird. Diese Anmaßung hat durch die machtpolitische Ausgestaltung mit Hilfe des religiösen Fundamentalisten George Bush eine grundsätzlich neue Qualität erhalten. Nicht mehr am deutschen Wesen soll die Welt genesen, sondern am amerikanischen way of life, der schließlich gottgewollt ist und deshalb nicht falsch sein kann.
Die Amerikaner sind gerade dabei, sich eine zutiefst totalitäre Ideologie aus einem wüsten Mix aus Religion, Kommerz und Übermenschentum zusammen zu brauen, die alles bisher da gewesene leicht in den Schatten stellen könnte. Die Gefährlichkeit liegt insbesondere darin, dass sich diesem Fanatismus eine grenzenlose wirtschaftliche und militärische Macht zur Seite stellt, deren Bändigung über kurz oder lang außer Kontrolle zu geraten droht.
Die amerikanische Gesellschaft befindet sich in einem überaus gefährlichen Fahrwasser. Gewinnen die religiösen Fundamentalisten und evangelikalen Prediger weiter an Einfluss, droht das gesamte rechtsstaatliche System der USA in einen „Gottesstaat“ umzukippen. Die ersten Anzeichen dafür können schon heute festgestellt werden. Die Chancen einer Umkehr der Entwicklung sind äußerst gering. Zu mächtig ist die Allianz aus Politik, Medien und Kapital, die jeden Widerstand mit den sanften Mitteln von grenzenlosem Konsum, Desinformation und angeborener Bequemlichkeit der Menschen jederzeit im Griff hat und lenkend eingreifen kann.
Leute wie Michael Moore, die immerhin auf Millionen Anhänger für eine politische Neuausrichtung bauen könnten, leben äußerst gefährlich. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte der USA würde eine Person einfach ausgeschaltet, die gegen die Herrschenden mobilisiert.

gruß, sam
 

BlackCoffee2

Geselle
21. Juni 2002
39
Wer das Buch >1984< von Orwell (Pflichtlektüre für WV'ler) kennt, sieht dramatische Parallelen in den USA als auch (meiner Meinung nach) in China. Ich kann mir zwar noch nicht die ganze Tragweite ausmalen wenn G. W. Bush sein Veto einlegt, kann mir aber gut Vorstellen das er genügend Unterstützung findet und sein Ziel erreichen wird. Interessant wird es ob die Demokraten (wenn sie im Nov. die Wahlen gewinnen sollte) den ganzen Schlamasel von uns Georg wieder rückgängig machen werden, wie es George mit Clintons letzten Amtshandlungen gemacht hat (wen das interessiert, >Stupid White Man< von Michael Moore). Wünschenswert ist es...
 

Ramses

Geheimer Meister
2. Januar 2004
405
Mal zu diesen religiösen Sendungen. Über Digital-Sat habe ich mal den Sender "GOD-TV" gefunden. Ein englischsprachiger Kanal, der Sendungen sowohl aus Großbritannien als auch aus den USA übertragen hat. Ich hab ein paar mal reingeschaut. Das ist die reinste Gehirnwäsche!!!!! 8O 8O 8O Ich kann nicht glauben, das in unserer westlichen, einigermaßen aufgeklärten Welt sowas möglich ist!!! Das waren die typschen "Wunderheilungen" mit anschließender "Trance" der vom "Moderator" berührten Zuschauer. Das hat schon gar nichts mehr mit christlicher Weltanschaung zu tun, das war eher Voodoomäßig aufgebaut.

Auch hab ich mal "K-TV" gefunden, ein deutschsprachiger religiöser Kanal. Dessen Kinderprogramm sollte schleunigst vom Bundesverfassungsschutz und den Sektenbeauftragten untersucht werden.

Oh Welt, wohin gehst du?!
 

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