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Sartre als letzter Philosoph

Martin_II

Geselle
29. Januar 2003
17
Sartre gilt als einer der letzten Universalgelehrten unseres Zeitalters und somit als einer der letzten Philosophen, die sich mit den Grundfragen des Lebens auseinandersetzten. Ist es heute nicht mehr möglich sich mit diesen Grundfragen auseinanderzusetzen und zeigt nicht gerade diese Uninteressiertheit an diesen Fragen den Zustand der Menschen und der Gesellschaft auf?

Natürlich ist unser Wissen vervielfacht worden in den letzten Jahrzehnten, natürlich kann man heute nicht mehr alles wissen. Doch ist die Auseinandersetzung mit den Grundfragen des Lebens nicht eine ansich nötige, eine die um ihretwillen geführt werden muß? Es scheint so, als haben wir ein Ziel erreicht, an dem es keine Auseinandersetzung mit diesen Fragen mehr gibt, doch in Wahrheit haben wir aufgegeben. Die Auseinandersetzung selbst ist das Ziel, welches die Auseinandersetzung hat. An diesem Weg wachsen wir und finden wir uns, jeder sich selbst.

Gerade in den Zeiten, in denen sich immer mehr Wissen anhäuft, brauchen wir ein System, welches uns diese Wissen selbst erklärt. Wir brauchen eine Ordnung an der wir jegliches Wissen zu uns selbst führen können. Wir brauchen eine Assoziationskette, die uns das große Wissen zum Menschen führt, so daß jeder das Wissen für sich nutzen kann. Was nützt ein Wissen, welches man nicht nutzen kann, da es unverständlich und abstrakt im Raum ohne Bezug zum Menschen steht?

Nebenbei bemerkt bin ich der Meinung, daß man nicht unbedingt alles wissen muß. Es gibt bestimmte Gebiete in denen es ausreicht eine Grundvorstellung von den Vorgängen zu haben, nicht aber in den Details kundig zu sein. Wie wäre es dann mit einem Buch über das, was man nicht zu wissen braucht?
 

Cataclysmus

Geselle
25. Februar 2003
32
Autsch... ;) ich denke das hat irgendwie gesessen.

Jean-Paul Sartre

Der französische Philosoph, Schriftsteller und politische Journalist Jean-Paul Charles Armard Sartre zählt zu den populärsten Vertretern der modernen Literatur. Durch seine Schriften, Essays, Dramen und Romane, wurde er zur Schlüsselfigur des Existenzialismus und zum Symbol der Intellektuellen Frankreichs...
Hm, warum denkst du das es keine Philosophen mehr gibt die sich damit beschäftigen? Per Definition ist jeder ein Philosoph der philosophiert. Ich wenn ich mit meinen Freunden nach der (sokratischen?) Dialektik diskutiere ebenso wie Sartre, meiner Meinung nach.

Was dir fehlt scheint jemand zu sein der (dir) die Richtung vorgibt, oder? Möchtest du vielleicht ein Buch lesen das dir manche Antworten abnimmt? Ich verstehe nämlich nicht ganz worauf due hinaus möchtest wenn du sagst das es keine Philosophen mehr gibt die sich mit (den) Grundfragen des Lebens befassen. Ich denke das du meinst das es keine mehr gibt die öffentlich philosophieren (diskutieren), oder ihre Gedanken publizieren.

mfG Cat
 

Aladin

Geheimer Meister
29. Februar 2004
205
Alf schreibt: "Wir brauchen eine Assoziationskette, die uns das große Wissen zum Menschen führt, so daß jeder das Wissen für sich nutzen kann. Was nützt ein Wissen, welches man nicht nutzen kann, da es unverständlich und abstrakt im Raum ohne Bezug zum Menschen steht?"

Dem stimme ich zu. Besonders die extreme Abstraktion von "Wissen" erachte ich als gefährlich, destruktiv. Mir fällt jetzt spontan Kafkas "Proceß" dazu ein... Man blick da nicht mehr durch, die Wissenschaftlichen Erkenntnisse werden immer größer, parallel dazu sinkt das "allgemein Wissen". Dieser Trend ist ja besonders under jungen menschen/Jugendlichen zu beobachten und es ist schon paradox das es in den modernen Industriegesellschaften die ja über die "besten Bildungsysteme" verfügen nicht anders ist als in Gesellschaften der "dritten Welt".

Vielleicht müßte man fragen was das Ziel an sich für den Menschen sein sollte: "Wissen oder Weisheit?". Eine Anhäufung von Wissen/Bildung ist nicht immer automatisch auch gleichzusetzten mit "Weisheit".

Dann stellt sich aber die Frage an welche Quellen wir uns wenden sollen. Welches "Wissen" brauchen wir? Religion, Philosophie und positive Wissenschaften bieten ja jeweils eigene Wege an, wobei generell die anderen Wege ausgeklammert werden.

Auch kann nicht jeder Mensch ein Universalgenie sein. In diesem Sinne verstehe ich Alf wenn er meint das wir Leute brauchen die uns aufzeigen welches "Wissen" grundlegend ist.

Deshalb, um auf den Gedankengang von Cataclysmus zu kommen, ohne einen Sokrates wären wir auch nicht in der Lage sokratisch-dialektisch zu Philosophieren.


Hab da was vergessen... Dieser Satz von Alf: "Nebenbei bemerkt bin ich der Meinung, daß man nicht unbedingt alles wissen muß. Es gibt bestimmte Gebiete in denen es ausreicht eine Grundvorstellung von den Vorgängen zu haben, nicht aber in den Details kundig zu sein. Wie wäre es dann mit einem Buch über das, was man nicht zu wissen braucht?"

Bis auf den letzten Satz stimme ich Alf zu. Schließlich sollte es "nur" um das Wesentliche im Leben gehen (wir haben eh nicht viel Zeit). Das hatte ich auch oben kurz angeschnitten. Der letzte Satz aber brachte mich aber schon zum Schmunzel...

Wenn wir ein Buch lesen über "Wissen das niemand braucht", werden wir uns ja unausweichlich doch dieses unnötige Wissen aneignen. :lol:

Aber du meinst wohl das es z.B. Einen Kanon geben sollte welche Art von Wissen(schaften) unnötig, nicht lebensnotwendig (für den Einzelnen) ist?
 

_Dark_

Ritter Rosenkreuzer
4. November 2003
2.666
naja, wissen ist macht.

aber wenn man bednkt, dass sich vor uns bereits tausende menschen gedanken über die existenziellen fragen des lebens gemacht haben, fällt es mir irgendwie schwer zu glauben, dass man noch etwas neues entdecken kann.
die wichstigen philosophischen felder sind erforscht, wie z.b verhaltensforschung, usw.

auch die frage nach dem sein wirft sowieso immer mehr fragen auf, als man beantworten kann.
deshalb denke ich dass zuviel denken in dieser richtung einen nur irre macht.

siehe dazu auch meinen post im thread zum tod
 

InsularMind

Geheimer Sekretär
9. Dezember 2003
644
Na ja es gibt diese Nachdenker sicher irgendwo, nur kann es gut sein sie werden bisher nicht wahrgenommen, sind noch nicht 'reif' genug um umfassendere Beachtung zu finden, legen eventuell keinen Wert drauf sich darin hervorzuheben, oder schreiben keine Bücher darüber.
Es ist quasi Alltäglichkeit für viele Leute geworden, sich mit Fragen und Dingen des Seins und Lebens auseinanderzusetzen, sodass es aktuelle grandiose Vordenker oder Geber von Leitlinien des effizienteren Zerpflückens nicht unbedingt mehr bedarf.
Da gibts die Geisteswissenschaftler -- wer weiß ob davon nicht in 50 Jahren Welche ähnlich bekannt werden, wenn sie ihr eigenes Erklärungswerk herausbringen.
Unter sich haben die bestimmt auch so ihre Favouriten.
In gewisser Weise sind doch wohl die meisten Erklärversuche Nuancen und Ableitungen oder Zusammenwürfe verschiedener Vorgänger - Ideen,
sohin würde ich schon zustimmen, dass viele Pfade mehr oder weniger ausgetreten sind.
Das große Angebot an niedergeschriebenem Gedankentum steht heute jedem zur Verfügung, und vielen Leuten reicht es aus in paar wichtige Grundpfeiler kennen zu lernen.
Es gibt eben auch viele Leute, die gar nicht wissen wollen oder denen tiefsinnigeres Hinterfragen zu anstrengend wäre, zu viel Zeit in Anspruch nähme.
Die spielen halt lieber mit ihrer Modell - Eisenbahn oder messen den Schärfegrad ihrer Wannabe -Freundinnen.

Über große Gedanken muss man der Welt heute nicht mehr unbedingt erzählen. Die Leute, die wissen wollen, gehen lesen und Wissen sammeln oder denken für sich nach.
Man muss heute zum Glück nicht mehr die Kirche fragen, ob man eine Lizenz zum Hinterfragen und Zweifeln bekommt :wink:
Früher haben das anscheinend eher auserlesene Kreise gemacht, oder es haben nur Einzelne ihr Denken so wichtig gefunden, um darüber zu schreiben.
Ob ein systematisch aufgebautes Wissen von Studierten nun bessere Denkfolgerungen liefert als ein freies Nachsinnieren, wenn es sich nicht an den ehrenvollen Köpfen entlang orientiert, darüber lässt sich streiten.
 

neon.copy

Geheimer Meister
22. April 2002
136
Dark_in_Doubt schrieb:
aber wenn man bednkt, dass sich vor uns bereits tausende menschen gedanken über die existenziellen fragen des lebens gemacht haben, fällt es mir irgendwie schwer zu glauben, dass man noch etwas neues entdecken kann.
die wichstigen philosophischen felder sind erforscht, wie z.b verhaltensforschung, usw.
irgendein amerikanischer president wollte das patentamt in den usa schließen, es war anfang des letzten oder ende des vorletzten jahrunderst, weil er dachte es würe alles erfunden...

ich glaube es gibt imemr etwas worüber philosophiert werden kann, den neue menschen machen sich neue gedanken und neue gedanken werfen neue fragen auf. die erforschung des weltalls und die fragen die dabei auftreten sind doch größtenteils philosophische.

Alf schrieb:
Wie wäre es dann mit einem Buch über das, was man nicht zu wissen braucht?
wer will den entscheiden was man wissen muss und was nicht, wer entscheidet, das ist wichtig und das nicht. ich finde jeder sollte das für sich selbst entscheiden
 
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