Balladen

Dieses Thema im Forum "Off-Topic" wurde erstellt von Ein wilder Jäger, 25. September 2016.

  1. Ein wilder Jäger

    Ein wilder Jäger Barbarisches Relikt Mitarbeiter

    Beiträge:
    16.737
    Registriert seit:
    18. November 2007
    Gemeinfrei, aber noch nicht im Internet. Zur gefälligen Beachtung.

    Heute: Spielmannslohn. Von Wilhelm Wackernagel, 1806 - 1869

    Großes Fest beging der Kaiser
    Friedrich mit dem roten Bart:
    Speere brachen da wie Reiser,
    Schilde wurden nicht gespart;
    Reiche Spenden
    Stoben da von milden Händen.

    Wer die Geige streichen lernte
    Oder Gauklerkünste pflag;
    Wohl ein Tag der vollsten Ernte
    Ward ihm dieser Freudentag:
    Heut im Schlosse
    Gab man Kleider ihm und Rosse.

    Zwischen zwei gar weisen Leuten
    Saß zu Tisch der Kaiser wert,
    Die, Gesetz und Recht zu deuten,
    Meister waren, wohlgelehrt.
    Zu den beiden
    Sprach er: "Wollet mich bescheiden!

    Alles neiget meinem Schwerte,
    Alles beugt sich meiner Hand;
    Was ich wolle, niemand wehrte
    Meinen Willen mir im Land;
    Meine Rede
    Schaffet Frieden, schaffet Fehde.

    Sagt, bin ich von Gottes wegen
    Angetan mit solcher Macht?
    Hat der Herr so reichen Segen
    Kaiserkronen zugedacht?
    Sagt, ob ihnen
    Also muß die Erde dienen?"

    "Gottes Will' ist, was Ihr wollet",
    Sprach der Meister linker Hand.
    "Gotte zollet, wer Euch zollet;
    Euer ist von Gott das Land.
    Der Euch krönte,
    Wollte, daß Euch alles frönte."

    "Wehe, wehe diesem Worte!"
    Sprach der Meister rechter Hand.
    "Wehe, wenn dies Wort die Pforte
    Eures Herzens offen fand!
    Herr, o leihet
    Mir die Ohren, und verzeihet!

    Euer Recht ist nur das Rechte,
    Euer Unrecht ist kein Recht:
    Denn der Herr gab ew'ge Rechte
    Auch dem dienenden Geschlecht.
    Die Gewichte
    Prüft' er, daß er beiden richte.

    Wenn Ihr von des Volkes Teile
    Nur ein Korn des Rechtes nahmt,
    Weh, so schadet's Eurem Heile,
    Daß Ihr je zur Krone kamt:
    Auch des Kornes
    Denket einst der Herr voll Zornes."

    Sinnend sprach der gute Kaiser
    Friedrich mit dem roten Bart:
    "Hier ein Weiser, dort ein Weiser,
    Beide treu und wohlgelahrt:
    Einem jeden
    Will ich lohnen seine Reden.

    Der du sagst, mein Wille gelte,
    Weil er Gottes Wille sei,
    Daß ich dankend dir vergelte,
    Gib du der Gesetze drei,
    Du statt meiner;
    Und ich weiß, die schilt mir keiner.

    Doch der sagte, was ich wolle,
    Wolle Gott im Himmel auch,
    Fürstenhand, die gnadenvolle,
    Lohnt auch dir nach mildem Brauch:
    Roß und Kleider
    Geh und nimm und freu dich beider!"
     
  2. Ein wilder Jäger

    Ein wilder Jäger Barbarisches Relikt Mitarbeiter

    Beiträge:
    16.737
    Registriert seit:
    18. November 2007
    Das sind die Götter, deren Namen vergessen sind:
    Auf silbernen Wolken, hoch über Wipfeln und Wind,
    In fahlem Lichte, nicht Tag und nicht Dämmerung,
    Thronen sie schweigend, schlafend und ewig jung.
    Eherner Schlummer den breiten Lidern ward
    Aber ihr Herz blieb wach. Es hofft und harrt
    Ob eine Stimme nicht aus des Elends Tiefe
    Laut und verzweiflungsvoll ihren Namen riefe.
    Und sie warten ob man ihn jauchzen werde
    Dankbar in Lust und Glück tief auf der grünen Erde. -

    Dann wird die Schar der Unsterblichen wieder erwachen
    Durch die Hallen der Himmel geht tönend ihr Lachen
    Schön gekrönt von neu erblühemdem Kranze
    Werden sie niedersteigen in eigenem Glanze,
    Stolz und froh bereit, ihre Liebe zu geben
    Breiten sie gnädig die Arme dem suchenden Leben. -

    Die Götter lächeln im Traume als ob es wehte
    Um ihre Stirn wie zager Herzen Gebete,
    Priestergesang dünkt ihnen das Klingen der Luft
    Sie atmen's wie Opfergerüche und Nardenduft
    Ihre lockigen Häupter sinken tiefer im Traum.

    Die schimmernden Wolken streift lautlos der Mantelsaum
    Wandernder Jahre, tausend und abertausend.

    Zerstobene Sterne streifen singend und sausend
    Ihrer Kronen goldene Zacken, zuckend und heiß.

    Sie spüren es nicht, sie harren geduldig des Schreis
    Der sie wecken wird zur Freude des segnenden Gebens. -

    Aber nie wieder erweckt der Ruf des Lebens
    Die in Dämmerung Träumenden.

    Tief auf der grünen Erde
    Zerfielen zu Staub ihre letzten Opferherde.
    Seit Zeiten, so lang, daß Menschen sie nicht messen,
    Sind der schlafenden Götter Namen vergessen.

    Agnes Miegel
     
  3. Ein wilder Jäger

    Ein wilder Jäger Barbarisches Relikt Mitarbeiter

    Beiträge:
    16.737
    Registriert seit:
    18. November 2007
    Sieben Jahr sollst du um Tote klagen
    Die befreundet Dir und lieb gewesen,
    Zwanzig Jahr sollst du um Jene jammern
    Die aus gleichem Blut wie du geboren,
    Hundert Jahre aber soll ein Volk
    Seines letzten Fürsten Tod beklagen.
     

Diese Seite empfehlen