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Terri Schiavo - Sterbehilfe oder Mord ???

EsIstVollerSterne

Geheimer Meister
4. Dezember 2004
225
Re: Terra Nova

Paladin schrieb:
Diese Frau vegetiert nur wegen der modernen Medizin vor sich hin.
Ein Verbrechen sondergleichen.
Dass diese Frau nichts empfindet und mitkriegt, kann dir jeder Neurochirurg bestätigen. Die Annahme dass sie alles mitbekommt, ist eine blanke Verhöhnung der Tatsachen.
Es macht keinen Sinn sie weiter am Leben zu erhalten, für sie nicht und für niemanden sonst, es ist nur quälerei.
Lass dein Romatisches gefasel vom Schutz des Lebens, das hat hier nichts zu suchen.
Ich sag dir was passieren wird, wenn sie weiterlebt:
Sie wird einen Dekubitus bekommen, folge Infektionen, weitere Abmagerung,
völlige Degeneration der Muskeln und Knochen.........
Man würde kein Leben schützen nur den Tod hinauszögern und wozu?
Sie wird ohnehin nicht lange leben und nichts davon mitbekommen.
@POW
Willst du wirklich ihr Leben schützen, oder nur blind an moralvorstwllungen festhalten weil du Angst vor der Realität des sterbens hast? Man muß das Leben nicht so lange strecken bis alles nur noch Agonie und Qual ist. Früher starben die Leute relativ schnell und in frieden, heute kann man sie über Monate im Koma halten, künstlich ernähren bis sie dann endlich doch sterben.

Manchmal hat es eben keinen Sinn, keinen ethischen und keinen Moralischen das Leben einer Person zu verlängern.

Paladin

Wie ich schon erwähnte, niemand kann jemals bestätigen, dass sich bei einem solchen Patienten wirklich gar nichts mehr abspielt. Und ich persönlich bezweifle stark, dass unsere Medizin wirklich alles weiß.
Niemand kann die Frage beantworten, was die Seele ausmacht, welche Organe und Sinne wichtig sind. Ich kann mich nur wiederholen und sagen, dass diesem schwerkranken Menschen nicht damit geholfen ist, sie langsam sterben zu lassen. Ich meine, wenn jemand so denkt, dann sollte man ihr eine 9mm durch den Kopf jagen, denn dann hat sie´s wirklich sofort hinter sich... Und dann machen wir es aber auch mit allen anderen, die keine "erstrebenswertes" Leben vor sich haben werden... todkranke Krebspatienten...Aidskranke..verhungernde Kinder in der dritten Welt...die 80jährige Oma nach ihrem zweiten Schlaganfall usw...
Ich kann vor der aktiven Sterbehilfe nur warnen, gerade im Bezug auf unsere niederländischen Nachbarn; dort hat man die Tür nur einen Spalt weit geöffnet un nun versucht man genau diese immer weiter aufzudrücken. Seit April 2002 ist die Sterbehilfe in den Niederlanden legal und jetzt schon fordern Ärzte dort, diese auch auf Säuglinge mit schwersten Mißbildungen auszuweiten...

Ich empfehle hierzu auch: www.hospize.de/texte/katalog.htm ,
www.faz.net/s/Rub6BFE3B22C90E478881...77B540D71169390DD2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Desweiteren kann ich sagen, dass ich keine Angst vor dem Tod habe. Ich muß dazu sagen, dass ich christlich erzogen wurde und an ein Leben nach dem Tod glaube und der Tod lediglich ein Kapitel/ eine Hürde in unserem Leben darstellt. Außerdem halte ich mich daran, dass wir Menschen eben nicht das Recht haben, einem anderen das Leben zu nehmen, denn das steht schon in den 10 Geboten.
 

zerocoolcat

Geheimer Meister
11. April 2002
475
Und dann machen wir es aber auch mit allen anderen, die keine "erstrebenswertes" Leben vor sich haben werden
...warum immer gleich verallgemeinern?



todkranke Krebspatienten...Aidskranke..verhungernde Kinder in der dritten Welt...die 80jährige Oma nach ihrem zweiten Schlaganfall usw...
...genau, denn die können sich ja auch nicht mehr selbst artikulieren... :roll:
 

EsIstVollerSterne

Geheimer Meister
4. Dezember 2004
225
zerocoolcat schrieb:
Und dann machen wir es aber auch mit allen anderen, die keine "erstrebenswertes" Leben vor sich haben werden
...warum immer gleich verallgemeinern?
Das ist keine Verallgemeinerung!!! Wenn wir, wie ich es schon erwähnte, mit einem Fall anfangen, dann werden andere Folgen (siehe Holland).
Wie sollte es denn Deiner Meinung nach in der Praxis aussehen? Wer soll sich hinstelle und bestimmen, "der darf sterben, den erachte ich nämlich für sterbenswert, der andere muß weiterleben....".
todkranke Krebspatienten...Aidskranke..verhungernde Kinder in der dritten Welt...die 80jährige Oma nach ihrem zweiten Schlaganfall usw...
...genau, denn die können sich ja auch nicht mehr selbst artikulieren... :roll:

:?:
 

zerocoolcat

Geheimer Meister
11. April 2002
475
Wer soll sich hinstelle und bestimmen, "der darf sterben, den erachte ich nämlich für sterbenswert, der andere muß weiterleben....".
niemand. Wenn der Patient nicht dezidiert sagt oder im vorhinein festgelegt hat, dass er sterben will, dann soll er ja auch am Leben gehalten werden...
Aber nur auf eigene Kosten oder Kosten der Familie etc...


todkranke Krebspatienten...Aidskranke..verhungernde Kinder in der dritten Welt...die 80jährige Oma nach ihrem zweiten Schlaganfall usw...
...wenn sie das selbst so wollen: ja, auf jeden Fall. Nur: die können es eben noch selbst entscheiden...

edit: hab jetzt erst gesehen, dass du im Zitat weitergeschrieben hast...:
Klar ist es ne Verallgemeinerung. Du schliesst von dem, was ich zum Fall einer Person gesagt habe, auf alle anderen ähnlichen Fälle...
Meiner Meinung nach ist das von Mrs. Schiavo nicht mehr lebenswert. Trotzdem bin ich dafür, sie am Leben zu erhalten.
Ich bin aber auch dafür, dass Menschen, die sterben wollen, dabei geholfen werden darf. Ich hab nie gesagt, dass jemand anderer das entscheiden soll/darf.
Deshalb: Verallgemeinerung.

edit2: aus deinem faz-Link:
Unterdessen hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid ergeben, daß drei Viertel der Bundesbürger für aktive Sterbehilfe bei Schwerstkranken sind. Konkret plädierten 76 Prozent dafür, die Beendigung des Lebens eines Schwerstkranken auf dessen Wunsch hin in Zukunft zu erlauben.
genau das, was ich meine.
 

EsIstVollerSterne

Geheimer Meister
4. Dezember 2004
225
@zerocoolcat

... Naja, ich habe mal geschaut, was es noch an Umfrage-Ergebnissen so gibt. In einer, ebenfalls von Emnid herausgegebenen Umfrage heißt es wiederum, dass lediglich 34 Prozent die Sterbehilfe befürworten...In einer Umfrage, die die österreichische Ärztekammer in Auftrag gegeben hat, sprechen sich ebenfalls lediglich ein Viertel der Befragten für die aktive Sterbehilfe aus... Ich glaube, diese werden eher von Medien für machtpolitische Spielchen mißbraucht...

Ich respektiere Deine Denkweise, aber meiner Meinung nach stellt sich bei einer Deiner Aussagen ein Denkfehler ein. (Das, was ich mit der kleinen Hintertür vorhin meinte.) Du schreibst, "...niemand. Wenn der Patient nicht dezidiert sagt oder im vorhinein festgelegt hat, dass er sterben will, dann soll er ja auch am Leben gehalten werden...
Aber nur auf eigene Kosten oder Kosten der Familie etc... ". Hier liegt meiner Meinung nach, dass eben erwähnte Hintertürchen. Was ist mit einem Patienten, der finanziell schwach darsteht? Jemand, der dann in genau diesem Fall lieber stirbt, um der Geselllschaft oder seiner Familie nicht zur Last fallen will? Dieser jemand möchte vielleicht lieber weiterleben, aber nimmt lieber den Weg der Sterbehilfe aus finanziellen Gründen ... Und somit wäre der Weg frei für staatlichen, durch Gesetze verankerten, Mord; wie er ja nun (ich kann´s mir leider nicht verkneifen dieses Beipiel nochmal zu geben) schon seit Jahren mit der Abtreibung vollzogen wird...
 

nicolecarina

Meister vom Königlichen Gewölbe
6. Juni 2003
1.414
hatte den fall erst gestern in einer sendung näher kennen gelernt und muss sagen, dass ich es grade in diesem fall unmöglich finde, diese frau auch noch verhungern zu lassen statt ihr dann wenigstens eine salzlösung oder was es da für schonenendere mittel gibt zu spritzen. diese art umgang mit menschen die nicht mal jahrzehnte lang flachliegen und sich gar nicht mehr regen kann ich nicht gut finden und ich bin sehr erschrocken, wie weit auch richter gehen, obwohl hier sogar noch eltern da sind die dagegen kämpfen, die pflege der jungen frau eventuell auch weiter in die wege leiten.

ich kannte einen mann der nach einem autounfall 26 jahre lang gelähmt im bett lag, wir haben ihn ab und an besucht und musiziert. klingt absurd ich weiß aber es war auch nicht mein job als kind zu entscheiden, ob der mann weiterleben darf oder nicht. er hat gelebt und sich mit heben und senken des zeigefingers ausgedrückt. in diesem fall war es eine atmosphäre, da wäre wohl kaum jemand auf die idee gekommen, dass dieser mann beschleunigt sterben soll und schon gar nicht verhungent. weil sogar sichtbar leben da war und wer will da sagen, du verhungerst jetzt weil es einem anderen in den kram passt? ich finde selbst österreichische entscheidungen, hirntoten sofort die organe entnehmen zu dürfen mindestens leicht problematisch.

gott sei dank greift die idee der patientenverfügung immer mehr um sich, wird zumindest passive sterbehilfe diskutiert, so dass künftig wohl leben nicht einfach mehr ausgelöscht wird und dann auf so barbarische weise wie verhungern lassen, bei einer frau, die nachweislich auf ihre umwelt reagiert. das finde ich wie schon jemand sagte mehr als heuchlerisch, sondern und eher sadistisch.

keine frag sind das schwerwiegende entscheidungen, im diesem fall glaube ich ging es den richtern sonstwo vorbei. kann ich mal davon ausgehen dass in diesem urteil amerikanisches gewissen zum ausdruck kommt - un das glaub ich schon - dann traue ich dem größten teil des amerikanischen gewissens in diesen fragen leider und ehrlich gesagt nicht allzu viel zu, was dieses urteil bestätigt. siehe auch die abtreibungsregelung. klar müssen die das machen, weil es ja nicht um soziale entscheidungen geht sondern um möglichst einfache und billige. so eine art gewissen können sich die meisten amerikaner und auch viele andere übrigens ímmer weniger leisten.

gestern kam noch die debatte wie hier mit solch einem fall umgegangen werden würde. es kam keinen pauschalantwort, klar ist das kompliziert aber das würde in deutschland wohl nicht einfach so über die bühne gehen, davon bin ich überzeugt, auch nicht von richterlicher seite. das würde wohl wenn auf passive sterbehilfe auf andere art rauslaufen.

stimmt auch pow mit seinem ersten post auf dieser seite völlig zu, in dieser frage kann man gar nicht sensibel genug vorgehen, selbst wenn der patient ausdrücklich um sterbehilfe bittet, wird ja auch drauf geachtet dass er würdig stirbt und nicht verhungert. das letzte, zumal der lebenswillen ein sehr sehr starker ist, habs bei meinem großvater gesehen, wo auch alle sagten, der tod wäre eine erlösung. ich vertraue dem körper, der ist oft schlauer als der verstand und damals habe ich mich ernsthaft gefragt, wäre es das oder braucht die seelische entwicklund nicht doch den ganzen prozess? selbst er hatte nach eigenen aussagen keine rechte lust mehr es war sehr schmerzvoll und es ging dann relativ schnell. aber ich bemerkte bei ihm, wie trotz aller anderslautender beteuerungen der lebenswille eben doch noch mehr als ausreichend vorhanden war und man braucht wohl auch kraft für den wechsel in den tod, weshalb ich nochmal sagen muss, verhungern lassen ist barbarisch in meinen augen.

es ist beides recht egoistisch: jemanden sterben lassen zu wollen sowie jemandes leben verlängern zu wollen. deshalb empfehle ich wirklich jedem in einer patientenverfügung genau diese fragen zu klären, so genau wie möglich, meine eltern und ich werden das demnächst tun.
 

zerocoolcat

Geheimer Meister
11. April 2002
475
Hier liegt meiner Meinung nach, dass eben erwähnte Hintertürchen.
...das ist kein Hintertürchen, das ist ein wichtiger Punkt meiner ganzen Überlegungen: denn mein (Über-)Lebenswille hängt ja eben auch von diesen äusseren faktoren ab (dass ich zB meiner Familie nicht finanziell zur Last fallen will etc). So soll es ja auch sein...

Und somit wäre der Weg frei für staatlichen, durch Gesetze verankerten, Mord;
...wie kommst du zu dieser Schlussfolgerung?
...es wäre durch gesetze verankerter SELBSTmord.

Hab grad im Radio gehört, dass in Österreich noch im Sommer ein Gesetz im Parlament kommen soll, das eine verpflichtende Einhaltung der Patientenverfügung vorsieht. Voraussetzung: vorherige ärztliche Beratung, notarielle Beglaubigung. Gut so.
 

racingrudi

Geheimer Meister
11. September 2004
475
echt schwierig das thema. was zählt man zu künstlicher lebensverlängerung: bypass, herzschrittmacher, dialyse? oder zählt das nur, sobald sich die patienten nicht mehr selbst äußern können? reicht da eine magensonde zur künstlichen ernährung aus? oder muss es schon eine herz-lungen-maschine sein ...

warum wird nicht gleich verbindlich von jedem verlangt, schon mal vorab eine patientenverfügung auszustellen? in vielen fällen wird man nämlich keine chance mehr dazu haben ...

fragen über fragen ...
 

zerocoolcat

Geheimer Meister
11. April 2002
475
es ist beides recht egoistisch: jemanden sterben lassen zu wollen sowie jemandes leben verlängern zu wollen. deshalb empfehle ich wirklich jedem in einer patientenverfügung genau diese fragen zu klären, so genau wie möglich, meine eltern und ich werden das demnächst tun.
...du sprichst mir aus der Seele.

...im fall von Mrs.Schiavo bin ich natürlich auch der Meinung, dass das Verhungernlassen unter aller Sau ist und keines Kommentars bedarf. Sollte nicht sein.


Da fällt mir auf: Threadtitel: Sterbehilfe oder Mord?
Mord ist per definitionem das vorzeitige, oft gewalttätige Beendens eines Lebens. Das ist ja hier nicht der fall, es wird "nur" nicht mehr weiterverlängert, oder?
 

Tino

Geheimer Meister
26. November 2004
349
Auch ich möchte zu dem FAZ Artikel Stellung nehmen:

Unterdessen hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid ergeben, daß drei Viertel der Bundesbürger für aktive Sterbehilfe bei Schwerstkranken sind. Konkret plädierten 76 Prozent dafür, die Beendigung des Lebens eines Schwerstkranken auf dessen Wunsch hin in Zukunft zu erlauben.

Wer setzt den diese "aktive Sterbehilfe" um? Sind Ärzte bei vorliegendem Wunsch auf aktive Sterbehilfe gezwungen diese umzusetzten?
Ich verweiger mich hier. Selber habe ich bei einigen Patienten Sterbebegleitung praktiziert (hört sich besser an als passiver Sterbehilfe, den passiv ist das ganz sicher nicht). Aber ich habe nicht Medizin studiert um jemanden umzubringen.

Die Probleme sind auf der einen Seite fehlende finanzielle Mittel für eine ordentliche, menschliche Sterbebegleitung, mangelne Ausbildung der Ärzte und des Pflegepersonals; und auf der anderen Seite die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung sich mit den sterbenden Angehörigen auseinander zu setzten.

Terri befindet sich an der Grenze dessen was wir uns vorstellen können. Nicht tot genug um zu sterben, nicht lebendig genug um zu leben. Ich kann hier beide Seiten verstehen. Doch trotz aller Verständniss für die beteiligte Familie (sowohl pro als auch conta) und des mit Sicherheit grenzwertigen Falles, muß sich eine humane Gesellschaft (meiner Meinung nach) immer für das Leben und niemals dagegen entscheiden.

Zur Patientenverfügung: Bestimmt kann eine solche schwierige Situationen erleichtern. Doch man darf nie vergessen, das man nicht alle Situationen im vornherein erfassen kann und (selbst erlebt) das sich so manche Meinung in einer geänderten Situation auch ändert.
Auch hierzu: als Arzt ist die Patientenverfügung für mich ein zu berücksichtigender Wunsch des Patienten, aber wenn ich zweifel habe werde ich mich nicht daran halten.

Ostergrüße Tino
 

zerocoolcat

Geheimer Meister
11. April 2002
475
Auch hierzu: als Arzt ist die Patientenverfügung für mich ein zu berücksichtigender Wunsch des Patienten, aber wenn ich zweifel habe werde ich mich nicht daran halten.

...ich hoffe du meinst mit "nicht daran halten", dass du den Patienten an einen Kollegen abgeben würdest und nicht einfach seine Wünsche ignorierst?!?! Das wäre ja noch willkürlicher als jede fiktive "Kommission", die entscheidet, ob ein Patient leben soll oder nicht...
Wozu schreibe ich dann ne Verfügung, wenn sie mein Arzt nicht einhält?
Wozu ein Testament, würde es nicht eingehalten werden?

Verständnislose, aber doch osterliche Grüsse
Zero
 

nicolecarina

Meister vom Königlichen Gewölbe
6. Juni 2003
1.414
Die Probleme sind auf der einen Seite fehlende finanzielle Mittel für eine ordentliche, menschliche Sterbebegleitung, mangelne Ausbildung der Ärzte und des Pflegepersonals; und auf der anderen Seite die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung sich mit den sterbenden Angehörigen auseinander zu setzten.

*mehrmalsunterstreichund michselbstgarnichtausnehm*

die aussage, dass tino sich als arzt im zweifelsfall nicht an eine patientenverfügung hält find ich ehrlich gesagt ganz schön selbstherrlich, obwohl ich durchaus gelten lasse, dass ein mediziner in solchen fällen sicher meist mehr erfahrung und möglichkeiten hat. ein guter vorausgesetzt denn ich denke die mehrheit der ärzte ist mittlerweile in den authismus abgerutscht denen einige tausend dollar oder euro für eine spenderniere mehr wert ist als das "unwerte" leben einer nichterwerbsfähigen patientin. beobachte solches verhalten auch bei ärzten im familienkreis. das beispiel meiner mutter zeigt mir außerdem dass aufgrund dieses husch-husch-gehabes der notfall mehrmals noch schlimmer gemacht wurde als er war.

fazit: im zweifelsfall sollte die patientenmeinung zählen schluss aus fertig denn immerhin muss er oder seine seele mit den konsequenzen klar kommen. dass da höchstgenaues abwägen vorausgehen muss und wenn noch möglich viele gespräche setze ich voraus. und ein satz drüber sollte dann noch stehen: wo immer möglich für das leben und sieht es noch so unscheinbar aus.[/quote]
 

Trasher

Ritter der ehernen Schlange
10. April 2002
4.104
Tino schrieb:
Auch hierzu: als Arzt ist die Patientenverfügung für mich ein zu berücksichtigender Wunsch des Patienten, aber wenn ich zweifel habe werde ich mich nicht daran halten.
Das klingt ja fast so, als würden Ärzte Verantwortung übernehmen. Im Sterbefall habe ich es leider schon zweimal erleben müssen, dass nicht der Arzt sondern die Angehörigen Entscheidungen treffen mussten, Entscheidungen, die man einem Nicht-Mediziner eigentlich gar nicht zumuten kann. Die Ärzte haben sich da rausgehalten. :?

Eine Verfügung muss absolut verbindlich sein, allerdings muss sie dafür auch im vollen Besitz der geistigen Kraft verfasst worden sein. Und da liegt in vielen Fällen wohl das Problem.[/quote]
 

Tino

Geheimer Meister
26. November 2004
349
Hallo Zero,

Wozu schreibe ich dann ne Verfügung, wenn sie mein Arzt nicht einhält?

Ich hatte „ ...im Zweifel ...“ geschrieben. Natürlich ist für mich ein Patiententestament erst mal bindend. Aber nicht absolut. Weil ein Patiententestament nicht alle Eventualitäten mit einbeziehen kann. Das bedeutet, das man sich als Arzt schon noch Gedanken machen sollte, was der Patient wirklich wollte.

Hallo nicolecarina,

die aussage, dass tino sich als arzt im zweifelsfall nicht an eine patientenverfügung hält find ich ehrlich gesagt ganz schön selbstherrlich, obwohl ich durchaus gelten lasse, dass ein mediziner in solchen fällen sicher meist mehr erfahrung und möglichkeiten hat.

Ich will nicht selbstherrlich sein. Aber ich will nicht gedankenlos Medizin machen, erst recht nicht wenn es um die Frage Leben oder Tod geht.

fazit: im zweifelsfall sollte die patientenmeinung zählen schluss aus fertig denn immerhin muss er oder seine seele mit den konsequenzen klar kommen. .

Nein, eben gerade nicht. Im Zweifelsfall, muss man erst mal nachdenken, nicht einfach jemanden sterben lassen.

Vielleicht stört euch die Einschränkung. In der Regel habe ich mich in Absprache mit meinen Chefs und den Angehörigen natürlich an eine Patientenverfügung gehalten. Aber es gibt eben ausnahmen, Situationen, die nicht so eindeutig zu beantworten sind. Darum ging es mir.

Hallo Trasher,

Das klingt ja fast so, als würden Ärzte Verantwortung übernehmen.

Ich kann nicht alle Verantwortung tragen, aber ich kann durchaus die Verantwortung für mein Handeln tragen. Dazu gehört auch im Gespräch mit den Angehörigen für eine Entscheidung einzustehen; oder eben die Verantwortung tragen.

Im Sterbefall habe ich es leider schon zweimal erleben müssen, dass nicht der Arzt sondern die Angehörigen Entscheidungen treffen mussten, Entscheidungen, die man einem Nicht-Mediziner eigentlich gar nicht zumuten kann. Die Ärzte haben sich da rausgehalten.

Es tut mir Leid, für diese schmachvolle Erfahrung. Meiner Meinung nach haben da die Ärzte versagt.

Eine Verfügung muss absolut verbindlich sein, allerdings muss sie dafür auch im vollen Besitz der geistigen Kraft verfasst worden sein. Und da liegt in vielen Fällen wohl das Problem.

Doch, in der Regel schon. Es reicht ja oft, wenn man mit dem Patienten auf Station darüber redet. Ich habe auch schon ohne schriftliche Verfügung, aber nach dem persönlichen Gespräch die sogenannten „erweiterten Maßnahmen“ (Reanimation, Intensivstation) abgesetzt.

Gruß Tino
 

nicolecarina

Meister vom Königlichen Gewölbe
6. Juni 2003
1.414
Nein, eben gerade nicht. Im Zweifelsfall, muss man erst mal nachdenken, nicht einfach jemanden sterben lassen.

so sehe ich das aber so und dass man erst mal nachdenkt ist ja wohl selbst für nichtmediziner pflicht tät ich sagen *wunderungwasdumitdemsatzsagenwillst*

aber weils grade passt: von einer bekannten die mutter hatte in ihren letzten krankenhauswochen von sich aus die nahrung verweigert und ist dann sehr schnell gestorben.

ihr gegenschwieger wollte es genauso machen und bei ihm dauerte der sterbe- und leidensprozess leider viel viel länger - es kommt also offenbar wirklich auf den einzelfall an.
 

Themis

Geheimer Meister
20. Dezember 2004
282
Hallo allerseits....

Tino schrieb:
[...]muß sich eine humane Gesellschaft (meiner Meinung nach) immer für das Leben und niemals dagegen entscheiden.

Richtig....
Dennoch, mit welchem Recht läßt man in manchen Fällen Menschen, welche nicht mehr in der Lage sind, eigenständig zu atmen, zu essen...etc., welche wohlmöglich dennoch Schmerzen erleiden - mit welchem Recht läßt man diese Personen nicht gehen? Mir geht es nicht darum, jedem Rentner mit einem Harnwegsinfekt die entsprechende Therapie zu verweigern, oder bettlägrige Menschen aus dem klinischen Alltag fernzuhalten, ihnen die Option auf Hilfe zu entziehen, aber in manchen Fällen, z.B. bei Patienten mit Multiinfarktsyndromen und Decubiti, welche seit Jahren das Leben einer Salatpflanze genießen, kann doch
Tino schrieb:
Ich habe auch schon ohne schriftliche Verfügung, aber nach dem persönlichen Gespräch die sogenannten „erweiterten Maßnahmen“ (Reanimation, Intensivstation) abgesetzt.
oft nur die einzigste Vernünftige Maßnahme sein.
Versteht mich nicht falsch, es geht mir hier nicht um "Sterbehilfe", sondern vielmehr darum, zu akzeptieren, wann bei einer Person die "Uhr" abgelaufen ist...
Sicherlich ist es immer sehr schwierig, hier die richtige Entscheidung zu treffen, aber ein Stephan Hawkings sieht sicherlich in seinem Leben noch berechtigterweise einen Sinn, ist er doch alles andere als Hirntod - wäre ich jedoch eine hirntote Person (was Terri Schiavo ist), so gäbe es keinen Grund, warum ich noch am Leben erhalten werden sollte, denn nur noch auf vegetative Funktionen beschränkt... hmmmm... natürlich ist das jedenfalls nicht... und glaubts mir, schön kann es auch nicht sein, ist es doch oft ein leidvoller, schmerzlicher Weg...

Und um auf Terri Shiavo zurückzukommen - in ihrem Fall vertsehe ich die Argumentation der konservativ-christlichen Fraktion nicht... einerseits wird ein aktives Eingreifen in biologische Prozesse (z.B. Abtreibung, Gentechnik, Verhütung....etc) als "nicht gottgefällig" strikt abgelehnt (wobei man natürlich in allen Punkten nach besonnenen Kriterien urteilen sollte, ob diese Maßnahmen denn wirklich "diabolischen" Ursprungs sind), und dann wird eben doch in diesem speziellen Fall eine Person, die evtl. zu Ostern verstirbt, zu einer Märtyrerin stilisiert, nur weil ihr eben die "modernen", lebenserhaltenden Maßnahmen verwährt weden. Ich denke, dass bei diesen Personen eine falsche "Moralvorstellung" herscht.

Und solange diese Verhältnisse nicht geklärt werden (wie z.B. in den Niederlanden geschehen), und sich Politiker unpopulärer Standpunkte verschließen, solang wird auch das folgende geschehen:
nicolecarina schrieb:
hatte den fall erst gestern in einer sendung näher kennen gelernt und muss sagen, dass ich es grade in diesem fall unmöglich finde, diese frau auch noch verhungern zu lassen statt ihr dann wenigstens eine salzlösung oder was es da für schonenendere mittel gibt zu spritzen

MfG
 

Tino

Geheimer Meister
26. November 2004
349
Lesetip zum Thema:
http://content.nejm.org/cgi/reprint/NEJMp058062v1.pdf

Was mich an der Diskussion um Sterbebegleitung stört, ist die Diskussion an Grenzfällen oder gar Ausnahmefällen. Sowohl der Pro-, als auch der Contrafraktion. Diese Grenzfälle können die Schwächen unseres Systems "Todesumgang" aufdecken, aber leider können diese niemals ganz vermieden werden.

Ich finde den oben gelinken Artikel in einem sehr ruhigen Ton verfasst und die Kritik an der richtigen Stelle.

Sterbebegleitung muß immer menschlich sein, dazu gehört das Ende des Lebens nicht nur zu akzeptieren, sondern es auch nicht unnötig hinauszuzögern. Wer allerdings glaubt, das hier klare Grenzen herrschen irrt.

Ich habe mich bisher einmal (mit meinen Chefs) an der Dialyse über den Wunsch des Patienten und der Angehörigen hinweggesetzt, soweit ich weiß, lebt er immer noch und als ich ihn zuletzt sah war er ziemlich glücklich noch am Leben zu sein (Dialysepatient in einer echten Krisensituation mit Patientenverfügung und allem drum und dran. Trotzdem sahen wir die Situation als nicht gerechtfertigt, hier die Dialysebehandlung abzubrechen). Das Problem, man ist erst hinterher schlauer. Und man muß eine Entscheidung treffen.

Bisher habe ich Glück gehabt und nicht unnötig Leiden verlängert (zumindest nicht so, das ich mir etwas vorwerfen muss), aber, aller Warscheinlichkeit nach werde ich auch mal eine Fehlentscheidung treffen. Ich hoffe, dann nicht in der Luft zerrissen zu werden. Andersherum, treffe ich keine Entscheidung, lasse ich Patient und Angehörige alleine habe ich meinen Beruf verfehlt. Die Vorstellung man könne alles Regeln, bleibt ein Wahn. Wir können einige Eventualitäten vorhersehen und planen, aber eben auch in der Unplanbarkeit und Unberechenbarkeit des Lebens liegt doch ein Reiz; oder?

Gruß Tino
 

Themis

Geheimer Meister
20. Dezember 2004
282
Hallo allerseits...


@Tino

Wer allerdings glaubt, das hier klare Grenzen herrschen irrt.

Sterbebegleitung muß immer menschlich sein, dazu gehört das Ende des Lebens nicht nur zu akzeptieren, sondern es auch nicht unnötig hinauszuzögern. Wer allerdings glaubt, das hier klare Grenzen herrschen irrt.

Dem widerspreche ich ja nicht...
Nur im Fall der Terri Shiavo ist es nun mal ein extremes Beispiel.

Die Vorstellung man könne alles Regeln, bleibt ein Wahn. Wir können einige Eventualitäten vorhersehen und planen, aber eben auch in der Unplanbarkeit und Unberechenbarkeit des Lebens liegt doch ein Reiz; oder?

Richtig, keine Frage...
...aber sich neuen Rahmenbedingungen anpassen heisst auch, irgendwann loslassen zu können....

mfG
 

nicolecarina

Meister vom Königlichen Gewölbe
6. Juni 2003
1.414
also es soll ja menschen gegeben haben, die nachweislich ohne gehirn so gut wie normal lebten. ob das so eine geschichte wie die spinne in der yucca-palme ist weiß ich nicht aber der mensch und sein bewusstsein bestehen nicht nur aus den gehirnfunktionen und deshalb würde ich da ganz vorsichtig sein mit sterben lassen und organentnahme.

im übrigen leben zigtausen afrikaner in dämmerzustandsartiger armut, krankheit und elend soll man da auch über sterbehilfe nachdenken weil sie vor lauter mücken nicht mehr zu sehen sind? ich glaube nicht sondern wir müssen wieder lernen, auf unseren körper zu hören, prophylaxe zu betreiben und ein klein bisschen nachsichtiger und mitfühlender werden, das reicht schon und so bleibt der batzen nicht an einigen wenigen vollkommen überforderten pflegekräften oder entwicklungshelfern hängen
 
B

Booth

Gast
nicolecarina schrieb:
also es soll ja menschen gegeben haben, die nachweislich ohne gehirn so gut wie normal lebten
Wirklich völlig ohne Gehirn, oder mit einem auf Grund eines Unfalls verkleinerten Hirn? Wenn wirklich komplett ohne - hast Du eine Quelle, oder eine ungefähre Vorstellung, wo Du die Info mal gesehen hast... würde mich wirklich interessieren.
im übrigen leben zigtausen afrikaner in [...]
Der Vergleich zwischen Komapatienten und Hungeropfern finde ich ziemlich weit hergeholt - abgesehen davon, daß ich ihn etwas geschmacklos finde.

Wir Menschen müssen zur Zeit akzeptieren, daß wir schlicht nicht genau wissen, was im Komazustand mit geringen bis geringsten meßbaren Hirnaktivitäten mit dem "Ich" eines Menschen geschieht. Wir haben die medizinische Realität, daß ein Körper zig Jahre lang am "leben" gehalten werden kann, ohne daß die Person in irgendeiner nachweisbaren Weise aktiv am Leben teilnimmt oder dies wenigstens auch nur wahrnimmt.
Für das Problem, welches sich momenta in den USA an dem konkreten Beispiel darstellt gibt es keine Patentlösung. Daß ist wohl der Umstand, den die wenigsten bereit sind zu akzeptieren. Ganz gleich, wie man sich entscheidet - beide Richtungen können im Sinne der Patientin falsch sein... wir wissen es einfach nicht.
ich glaube nicht sondern wir müssen wieder lernen, auf unseren körper zu hören
Auf den eigenen Körper zu hören wäre sicher ein wichtiger Verbesserungsweg... aber wie soll man auf den Körper eines anderen hören, der sich nicht im geringsten artikulieren kann? Und dies ist ja das Kernproblem des konkreten Falls in den USA.
 

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