So, bevor jeder den Artikel uebergeht, hier mal ein paar Anmerkungen - auch fuer all diejenigen, die dem Autor die fehlende Kenntnis der "Realpolitik" etc. unterstellen...
Btw: ich habe auch schon bessere Texte gelesen, jedoch ist das Pauschalurteil "Alles Unfug" sicher fehl am Platz...
"Am augenfälligsten zeigt sich dies im Niedergang der Parlamentsautorität, der im Bundestag bedenkliche Ausmaße angenommen hat. Seine Debatten haben ein Niveau erreicht, das auf Beobachter nur noch abstoßend wirken kann. Die Opposition beschränkt sich ganze Legislaturperioden hindurch darauf, der Regierung Versagen vorzuwerfen und Ministerrücktritte zu fordern. Die Regierung antwortet mit der ständig wiederholten Erklärung einer völligen Inkompetenz der Opposition. "
Das kommt der praktizierten "Realpolitik" zweifellos recht nahe...
"Und wie steht es um die Legitimierung der frei gewählten Regierung? Der Tiefstand ihrer Umfragewerte zeigt trotz aller Stimmungsabhängigkeiten, dass auch sie keine Ausnahme vom allgemeinen Autoritätsverfall der Demokratie bildet. Auch hier liegen die Gründe für diesen Zustand auf der Hand: Sie regiert nicht. Das heißt, sie trifft keine Entscheidungen, die - weil von der Verfassung gefordert - im Interesse des ganzen Staates liegen, auch wenn sie keineswegs allen Bürgern gefallen. Die Regierung Schröder regiert ebenso wenig wie die Regierung Kohl. Sie passt sich lediglich der jeweils - im Blick auf die nächste Wahl - mächtigsten Lobby an. Dadurch wird das für eine Wahl irrelevante untere Drittel der Bevölkerung von ihr gar nicht mehr vertreten. Die Regierung tut mit, wenn Arbeitslosen die Schuld an ihrer Lage zugeschrieben und so getan wird, als ob die durch Fusionen regelmäßig eintretende Vernichtung Tausender von Arbeitsplätzen die Arbeitslosen zu verantworten hätten. Sie tut mit, wenn Sozialhilfeempfänger, die nichts tun, als ihnen gesetzlich zustehende Leistungen zu beanspruchen, wie Straftäter der Aufhebung ihres Bankgeheimnisses, demütigenden Meldepflichten und Wohnungskontrollen unterworfen werden. "
Mal abgesehen davon, dass ich den recht apokalypisch anmutenden Tonfall gegen Ende nicht ganz nachvollziehen kann - Diese eingefaerbte Bestandsaufnahme steht "serioesen" Analysen nicht entgegen, sie beurteilt die Situation nur von einem eigenen, ökonomie- und kapitalkritischen Standpunkt aus...
"[...]Die Wirtschaft sei es, die sich in Deutschland mit Steuermillionen sanieren lässt, wenn die Pleite droht.
So unbestreitbar das alles ist - dieser populären Meinung liegt doch einer der verbreitetsten, aber auch fundamentalsten politischen Irrtümer zugrunde. Nämlich der: Kern aller demokratischen Freiheiten sei die Freiheit zwischen möglichst vielen Angeboten - Fernsehprogrammen, Automarken und Joghurtsorten - wählen zu können. Der Irrtum besteht nicht nur darin, dass mit der Zahl der Angebote auch ihre Ähnlichkeiten wachsen und damit die Auswahl immer bedeutungsloser wird. Nein! Die Basis der Demokratie ist nicht die Wahlfreiheit des Konsumenten, sondern die Freiheit und Mündigkeit von Bürgern, jene Staatsgewalt zu stiften, die laut Verfassung nur vom Volke ausgehen kann, wenn das Ergebnis Demokratie sein soll. "
Das kann ich teilweise unterstreichen, und moechte hinzufuegen:
Die Basis der Demokratie ist vor allem Information, denn
Desinformation + Direktdemokratie = Medienoligarchie
Mein Fazit: Nicht alles angemessen und richtig in der Beurteilung, außerdem kein Meisterwerk, aber trotzdem lesenswert, da auf bestehende Probleme hingewiesen wird!
und noch eine Erklärung:
Du willst ueber die "Authentizitaet" unserer Demokratie reden, und glaubst, dass sich die Massenmedien diesem Kontext entziehen?Zitat von Abbadon
Zu deiner Frage: Ich meine damit den Umgang/das Uebergehen mit/von diversen Problemen, Schein-Alternativen (zb. "entweder alles wird noch schlimmer oder wir beschneiden das soziale Netz") usw.
peace
hives



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