Hallo miteinander,
Als erstes ist es wichtig anzumerken, dass über den ESM-Vertrag gestern im Bundestag nicht abgestimmt wurde, sondern über seinen Vorläufer EFSF. Der Eindruck könnte nämlich fälschlicherweise enstehen...
Ich persönlich kann in diesem Fall den "Euro-Gegnern" nicht zustimmen, da der ESM-Vertrag meines Erachtens eher ein Schritt in Richtung Staatenbund ist und weniger in Richtung Bundesstaat (Finalitätsdebatte!), d.h. die Mitgliedstaaten versuchen selbst gemeinsam das Währungsproblem in den Griff zu bekommen. Die EU-Kommission bekommt also keine weiteren Kompetenzen zugewiesen, welche es ihr erlauben würden einzelne Mitgliedsstaaten, die unsolide wirtschaften, im Notfall zu entmündigen.
Also mit diesem einen Satz ("Wer glaubt denn schon ernsthaft, dass die Mitglieder einer solchen Institution Betrug begehen würden.") macht der Autor sich selbst lächerlich, denn ich persönlich lese da eine gehörige Portion Unmündigkeit heraus. So etwas kenne ich sonst nur von der katholischen Kirche. Dort sind ja auch viele Mitglieder der felsenfesten Überzeugung, dass wenn der Papst etwas auf eine bestimmte Art und Weise tut, alles immer seine Richtigkeit haben muss. Vielleicht möchte der Autor mit solchen Zeilen auch das geistige Fundament für die Rekatholisierung Europas legen. Wer weiß...
Meinst du diese Abgeordneten hier oder diese? Hach, wie schön es doch ist, Politik in "guten" Händen zu wissen.
Europäische Völker? Welche europäischen Völker? Mit dem Vertrag von Maastricht wurde der Begriff der Unionsbürgerschaft eingeführt und mit dem Vertrag von Lissabon konkret geregelt. Die Unionsbürgerschaft ist de facto eine Staatsbürgerschaft, nur das sie nicht so genannt werden darf, weil es (noch) keinen europäischen Staat gibt. Nichtsdestotrotz ist es unter diesen Umständen korrekter von einem europäischen Volk zu sprechen.
Im Grunde haben sie ja auch nicht Unrecht. Es lassen sich sicherlich viele gute Argumente gegen den Euro anführen. Letztlich spielt das aber keine Rolle. Der Euro wurde ja nicht aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus eingeführt, sondern um die politische Einheit Europas (= ein europäischer Staat) herbeizuführen, koste es, was es wolle, und wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg, vor allem wenn man im Besitz von weltlicher Macht ist.
Beste Grüße
Suum Cuique



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