Herzlich Willkommen auf Weltverschwoerung.de

Angemeldete User sehen übrigens keine Werbung. Wir freuen uns wenn Du bei uns mitdiskutierst:

Abzocke durch Zeitarbeitsunternehmen

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Es gibt Arbeit, die Werte schafft, und Arbeit, die nur dem Konsum dient. Daß die Politik die Zukunft in personenbezogenen Dienstleistungen sieht, ist ein Teil des Problems.
 

SentByGod

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.675
Hab grad den WISO-Bericht über die Zeitarbeit gesehen. Da stellt sich mir die Frage:

Ist Zeitarbeit nicht eine Form von modernem Tagelöhner- und Leibeignentums?

Menschen werden wie Maschinen verliehen, haben eine ebenso nichtvorhandene Mitsprache bei dem was sie tun und wie ihre "Besitzer" mit ihnen umgehen (Hin- und Her schieben, Entlassung, Entlohnung)

:offtopic:
Leider wurde auf keine meiner Fragen im Chat geantwortet. Scheinbar befasst man sich da eher mit trivialem Zeug. :/
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Tagelöhnertum und Leibeigenschaft sind zwei grundverschiedene Dinge. Unter anderem hatte der Leibherr eine weitgehende Fürsorgepflicht für seinen Leibeigenen. Insofern ist die Leibeigenschaft eher mit den geordneten Beschäftigungsverhältnissen zu vergleichen, die von den Nationalsozialisten eingeführt wurden und die jetzt langsam aber sicher verschwinden. Die Nazis waren ja auch große Romantiker.
 

wattwurm

Großmeister
18. August 2006
92
Ein_Liberaler schrieb:
Tagelöhnertum und Leibeigenschaft sind zwei grundverschiedene Dinge.
Wieso, das von SentByGod genannte Zitat ist doch sehr passend ?!
Das Merkmal der Tagelöhner-Situation ist, dass der Anbieter der Arbeitskraft das Risiko der Beschäftigungs"auslastung" trägt. Wenn die potenziellen Arbeitgeber nur eine geringe Auftragslage verzeichnen und keinen Bedarf an zusätzlichen Leuten haben, befindet sich der Tagelöhner quasi im unbezahleten stand-by. Und der Status als Leibeigener verdeutlicht den Umstand, dass die Zeitarbeitsfirma nach ihren Vorstellungen über die Klienten verfügt und wie Werkzeug an Firmen ausleiht.

Man kann Zitate wortwörtlich auseinandernehmen (so wie das die Intellektuellen hier im Forum machen) oder man kann Zitate "sinngemäß" interpretieren und als Beschreibung ähnlicher aber nicht identischer Sachverhalte benutzen (gefällt mir besser). :wink:
 

Gurke

Großer Auserwählter
25. März 2003
1.626
Gibt so kein unbezahlten stand-by Modus.
Wenn nichts zu tun ist, werden sie rausgeschmissen. Wenn sie Überstunden haben, können sie die abbummeln und auf neuen Auftrag hoffen, wenn nicht werden sie rausgeschmissen.
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Ich halte weder Tagelöhnertum noch Leibeigenschaft mit der Beschäftigung in einer Zeitarbeitsfirme für vergleichbar, sondern den Vergleich einfach für Polemik, Denunziation, Verleumdung.
 

SentByGod

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.675
Ein_Liberaler schrieb:
Ich halte weder Tagelöhnertum noch Leibeigenschaft mit der Beschäftigung in einer Zeitarbeitsfirme für vergleichbar, sondern den Vergleich einfach für Polemik, Denunziation, Verleumdung.

Auf den ersten Blick stimmt das. Wenn man sich dann jedoch näher damit beschäftigt, wird man feststellen das bei einem Vergleich die Verhältnisse damit doch ziemlich treffend beschrieben werden.

Tagelöhner laut Wikipedia:

Heute spricht man statt von Tagelöhnern meistens von Saisonarbeitskräften oder kurzfristig Beschäftigte, die häufig aus Osteuropa stammen und Erntearbeiten (Erdbeeren, Spargel, Gemüse, Wein, Äpfel und Beeren) erledigen. Der Stundenverdienst liegt bei etwa 5 bis 6 €.

Ein Tagelöhner ist jemand, der keine feste Arbeitsstelle hat, sondern sich in der Regel immer wieder bei neuen Arbeitgebern in der Landwirtschaft um neue Hilfsarbeiten bemühen muss.

Ersetze man Erntearbeit mit Industrie und sonstiger Arbeit und Landwirtschaft mit Marktwirtschaft im allgemeinen, trifft es wie der Nagel auf den Kopf.

Leibeigener laut Wikipedia:
Die Leibeigenschaft bzw. Leibherrschaft bezeichnet eine im Mittelalter weit verbreitete persönliche Abhängigkeit der Bauern von ihrem Grundherren; die Erbuntertänigkeit stellt eine besondere, regionale Form der Leibeigenschaft dar und unterschied sich dabei grundsätzlich von der Sklaverei.

Ersetzt man auch hier die Bezeichnung Bauern & Grundherren durch Leih-Arbeitnehmer und Arbeitsentleiher. Wird der aktuelle Umstand ziemlich treffend formuliert.
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Das wird mir langsam zu doof. Erstens ist der Angestellte einer Zeitarbeitsfirme kein Tagelöhner und auch kein Saisonarbeiter, sondern hat einen festen Job, eventuell sogar mit Tarifvertrag und jedenfalls mit Kündigungsschutz, nur keine feste, sondern eine wechselnde Aufgabe. Zweitens sind auch Saisonarbeitskräfte keine Tagelöhner. Die meisten kommen jedes Jahr zum selben Bauern. Drittens waren die historischen Tagelöhner ein eigener Stand. Saisonarbeitskräfte sind das nicht mehr. Gerade die aus Osteuropa kommen aus allen Schichten. Viertens bestand zwischen Leibherr und Leibeigenem eine enge soziale Bindung auf Gegenseitigkeit, die den Leibherrn zur Fürsorge verpflichtete und die grundsätzlich nicht lösbar war. Der Leibeigene konnte nicht kündigen, und seine Kinder auch nicht, er konnte nur liehen, und das war illegal. Der Herr konnte ihn dafür auch nicht auf die Straße setzen, und daß er ihn ohne weiteres loswerden kann, ist die Hauptmotivation für einen Unternehmer, einen Leiharbeiter zu beschäftigen. Es bestehen keinerlei Ähnlichkeiten.
 

vonderOder

Auserwählter Meister der Neun
24. November 2004
934
antimarionette schrieb:
es geht um überhöhte Tarifverträge. Darum geht es.
wenn die Preise für alle anderen Dinge sinken würden wenn die Arbeiter und Angestellten auf (mehr) Lohn verzichten würden, dann wären diese wohl auch bereit auf Lohn zu verzichten.
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Wenn wir noch den Goldstandard hätten, hätten wir wahrscheinlich genau die Situation - sinkende Preise bei stagnierenden Löhnen.

Bei einer Geldmengenausweitung von fast 10 % im Jahr geht das nicht.
 

SentByGod

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.675
Ein_Liberaler schrieb:
Das wird mir langsam zu doof. Erstens ist der Angestellte einer Zeitarbeitsfirme kein Tagelöhner und auch kein Saisonarbeiter, sondern hat einen festen Job, eventuell sogar mit Tarifvertrag und jedenfalls mit Kündigungsschutz, nur keine feste, sondern eine wechselnde Aufgabe. Zweitens sind auch Saisonarbeitskräfte keine Tagelöhner. Die meisten kommen jedes Jahr zum selben Bauern. Drittens waren die historischen Tagelöhner ein eigener Stand. Saisonarbeitskräfte sind das nicht mehr. Gerade die aus Osteuropa kommen aus allen Schichten. Viertens bestand zwischen Leibherr und Leibeigenem eine enge soziale Bindung auf Gegenseitigkeit, die den Leibherrn zur Fürsorge verpflichtete und die grundsätzlich nicht lösbar war. Der Leibeigene konnte nicht kündigen, und seine Kinder auch nicht, er konnte nur liehen, und das war illegal. Der Herr konnte ihn dafür auch nicht auf die Straße setzen, und daß er ihn ohne weiteres loswerden kann, ist die Hauptmotivation für einen Unternehmer, einen Leiharbeiter zu beschäftigen. Es bestehen keinerlei Ähnlichkeiten.

Übertrage diese Verhältnisse in unsere Zeit, und du hast das Wirkliche und tatsächliche Profil eines Leiharbeiters und nicht den Wirtschaftspropagandairrsinn.

Zumal selbst unter http://de.wikipedia.org/wiki/Leiharbeit die Contra's die Pro's eindeutig überwiegen.
 

ConspirIsee

Geheimer Meister
16. Januar 2005
161
auf den Tagelöhnerstatus als Zeitarbeiter läuft es aber schon seit min. 5 Jahren drauf hinaus. Bekanntes niederländisches Zeitarbeitsunternehmen hat 5 Monate mit den "besten" Mitteln versucht mir meinen Vertrag umzuschreiben, da ich noch lohnfortzahlung auch im nicht Einsatz hatte. Da wuden auch schonmal eine Krankheitswoche als Grund angeführt, man wäre ja viel zu oft krank (6 Krankheitsttage in 2einhalb jahren, 4 tage davon als Ergebniss eines Arbeitsunfalles).
 

Winston_Smith

Groß-Pontifex
15. März 2003
2.804
@Ein_Liberaler

Gib es einfach auf. Das ist doch vergebliche Liebesmüh. Wenn jemand unbedingt unpassende und falsche "Kampfbegriffe" benutzen muß, sei es drum.

ws
 

ConspirIsee

Geheimer Meister
16. Januar 2005
161
antimagnet schrieb:
was für einen vertrag haben denn tagelöhner?

keinen nennenswerten, was genau der Punkt ist, denn mit den WIschen die sich in manchen zeitarbeitsfirmen Verträge schimpfen, kann man sich den Popo abputzen. Du hast grundlegend Gewehr bei Fuss zu stehen, auch bei nichteinsatz, wo man natürlich kein gehalt in der zeit bezieht, man muss grundlegend nehmen was man vorgesetzt bekommt, egal ob man für die angebotene Arbeit ueberhaupt background besitzt und, wie in Köln bei besagtem Niederländischen Zeitarbeitsanbieter praktiziert, kannst deine Fahrtkosten auch zu 100% selbst tragen. Schonmal von der kölner innenstadt mit der Deutschen Bahn in die Olpener Region gefahren ohne Jobticket? Tut verdammt weh in der Tasche, und kann summa sumarum 20% deines Nettolohns ausmachen.
Das sind erfahrungswerte die ich selbst gemacht habe, trotz allem sage ich, das meine Zeit als Zeitarbeiter grade für meine entwicklung super war. Sie war interessant und ich habe den Absprung geschafft bevor man mir an meinem Vertrag was ändern konnte. Zeitarbeit ist nicht generell schlecht, nur die Nebeneffekte machen es teilweise unglaublich schwer der ganzen Sache noch was positives abzugewinnen.
 

Ein_Liberaler

Ritter des Heiligen Andreas von Schottland
14. September 2003
4.926
Winston_Smith schrieb:
@Ein_Liberaler

Gib es einfach auf. Das ist doch vergebliche Liebesmüh. Wenn jemand unbedingt unpassende und falsche "Kampfbegriffe" benutzen muß, sei es drum.

ws

Ich geb's tatsächlich auf. SentByGod könnte nichtmal Gott überzeugen, und unbeteiligte Dritte können sich ihr bild machen, auch ohne noch eine Wiederholung.
 

SentByGod

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.675
Da habt ihr Recht.

In meiner Überzeugung ist die Zeitarbeit einfach schlecht.

Egal welche Propaganda betrieben wird, das kann nicht die Lösung für unsere gesellschaftswirtschaftlichen Probleme sein.

Und ohne Kampfbegriffe scheint die Masse sowieso nicht zu verstehen worum es eigentlich geht.

Danke.

*edit*

@Liberaler und Winston

Eure Einstellungen sind mit Sicherheit nicht die Wahrheit, also sprecht nicht über meine Meinung als sei diese grundsätzlich Falsch.

Vielleicht liegen wir alle grundlegend Falsch und die Zeit zeigt uns das, was wirklich Gut ist.
 

Winston_Smith

Groß-Pontifex
15. März 2003
2.804
@SentByGod

Es ging ja nicht darum, ob Zeitarbeit gut oder schlecht ist. (Da wären wir allerdings auch unterschiedlicher Meinung.)

Es geht darum, dass Deine Vergleiche falsch und polemisch sind. Sie taugen überhaupt nicht, um über dieses Thema angemessen diskutieren zu können.

Zum Jahrestreffen der KP bestimmt angebracht. Aber hier verwässert es nur die Diskussion.

ws
 

SentByGod

Großer Auserwählter
10. April 2002
1.675
Woran liegt es dann, dass diese Relation zwischen Tagelöhnern und Zeitarbeitern aufgestellt wurde?
 

Ähnliche Beiträge

Oben Unten