ich töte nicht, weil zwischen mir und dem anderen kein unterschied besteht; weil ich auch der andere bin.
wer vorsätzlich tötet verlässt schon die untere ebene sich mit seinem mitmenschen zu identifizieren. was ein anfang und jedenfalls voraussetzung zur überwindung angenommener dualitäten ist. denn auch dem begriff "ich" entspricht kein gegenpol.
es gibt bessere mittel mit den irrtümern des anderen umzugehen als ihn zu töten.
und in jedem falle elegantere.
es gibt wohl schon menschen, die so voll angst sind
(und aggression ist ausdruck von angst und unsicherheit - wer selbstbewusst ist und seine fähigkeiten entfalten kann, hat andere und weitreichender möglichkeiten.),
dass man ihnen in einer konkreten situation hilft, wenn man sie an diese angst heranführt... dabei kann der tod des anderen die unbeabsichtigte folge sein - und das wäre die sogenannte notwehr/notstandslage. aber in einem konkreten fall wird das nicht folge von reflektion sein, sondern von reflex.
die tötung ist für mich ein ausdruck von hilflosigkeit, machtlosigkeit, schwäche (als extrembeispiele das menschenopfer, sündenbock - oder der archetypische "königsmord").
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wenn man tötet nimmt man dem anderen die möglichkeit aus seinem irrtum heraus zu kommen.
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wie es im alltag aussieht:
die allerwenigsten "tötungen" sind ergebnis einer langen planung, tiefen überlegung usw. - sondern quasi situative spontanhandlungen.
das gilt selbst für mordfälle - und die machen nur ein drittel der (bekanntgewordenen) vorsätzlichen tötungsdelikte aus. dadrauf kommen nochmal 10% delikte mit todesfolge.
insgesamt kommen auf eine tat etwas drei versuche. und zwei fahrlässige tötungen, ALLES zusammen etwas 5000-6000 fälle im jahr, knapp 1000 davon vollendeter mord.
das recht differenziert bei den tötungsdelikten ziemlich herum, weil es sehr wohl weiss, dass tötung nicht gleich tötung ist und verschieden gewertet wird. man versucht, um die harten strafen herumzukommen, weil sie einfach in den meisten fällen nicht "gerecht wären". und die gerichte mit der sanktion "strafvollzug" auch nicht wirklich glücklich sind.
bei mord zb sieht das gesetz zwingend "lebenslänglich" vor - und das passt auf die meisten fälle einfach nicht. das wurde und wird von den gerichten stänfig relativiert ohne das gross zum thema zu machen.
wie sowieso das recht neben der unterdrückungsfunktion, die hier angedeutet wird ja vielleicht auch eine schutzfunktion besitzt und eine basis für kalkulierbarkeit und verlässlichkeit schafft. es lebt sich um umgang miteinander unkomplizierter, wenn einem der unterdrückungsapparat wenigsten garantiert, dass es eine tötung nicht duldet. was man in seinen 20ern vielleicht als repressiv empfindet, sieht man in seinen 60ern eventuell anders, wenn der körper nicht mehr alles das zulässt, was man sich so denkt. hier und jetzt ist immer.
das recht ist auch eine voraussetzung dafür, dass man sich entfalten kann.
das "wesentliche" kann das recht überhaupt nicht beschränken, ganz gleich wie es beschafen ist.
recht gilt auch, damit der mensch gilt.
es gibt ja anscheinend immer und für jeden einzelnen ein bedürfnis nach orientierung, eine art streben nach gewissheit. das mag den einen zum anhänger von gehorsam machen, den anderen zur suche nach sich selbst anstacheln - darunter liegt das selbe. so wie die "religion" oder auch "das ich" diesem streben individuell rechnung trägt, tut es auf ebene der gesellschaft das "recht".
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bei den tötungen, die als solche erkannt werden besteht eine aufklärungsquote von über 90%.



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