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"Die späten Griechen lasen ‘Kronos' als Chronos, den ‘Vater Zeit' mit seiner unbarmherzigen Sichel. Er wird wie Apollon, Asklepios, Saturn und der frühe britische Gott Bran mit einer Krähe abgebildet; Kronos bedeutet wahrscheinlich ‘Krähe', wie das lateinische cornix und das griechische corone. Die Krähe war ein Vogel des Orakels, von dem man glaubte, daß er die Seele des geopferten Heiligen Königs in sich aufnahm."

Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie, Quellen und Deutung, Rowohlt-Verlag 1955
Das ist zwar auch nur eine Vermutung des Autors, aber zum Mythos der Entthronung des Kronos gibt es noch weitere Varianten:
"Als Athene von dem Unglück erfuhr, wurde sie zornig. Sie ließ den riesigen Felsen, den sie zum Schutz der Akropolis stets bei sich trug, herabfallen; so entstand der Berg Lykabettos. Die weiße Krähe, die ihr die Unglücksbotschaft gebracht hatte, verwandelte sie in eine schwarze und verbot allen Krähen, sich jemals wieder der Akropolis zu nähern."
In diesem wie auch in einem anderen Mythos geht es um die Entmachtung eines Gottes, der als Attribut eine Krähe besitzt, durch einen neuen Gott (Athene bzw. Apoll), indem stellvertretend für den Gott die Krähe bestraft wird. Es ist also sinnvoller, bei der Entthronung Kronos das gleiche Schema anzunehmen, als ihn als Chronos, also als "Herr über die Zeit", anzusehen und diesen Mythos frei in der Luft hängen zu lassen.